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Die Gegenwart · 1870-07-29 · 31 (29.7.1870) · p. Seite 284

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
31 (29.7.1870)
Date
1870-07-29
Page
Seite 284 (sequence 2)
Language
German
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284 zu srhr verkettet, daß sie in gleichem Maße an der blut» rochen Nächstenliebe Theil nehmen, die ihnen auS den Feuer« schltinden so grell in die Ohren tönt, daß sie eben so muthig und beherzt da- Schlachtfeld betreten, um für die Sache ihre- Kaiser- oder König« zu kämpfen, daß auch sie Thränen haben, sic dem Grabe ihrer von der Kugel durchbohrten Väter, Söhne und Brüder zu weihen, so können die audem furchtbaren Feuerwerke sich ergebenden Eonsequenzen die Juden unmöglich glcichgiltig lassen, weil gerade sie, die mit der Vergangenheit im Kampfe lagen, um so eher berechtigt sind, auf die Zukunft bedacht zu sein. Eist hier keineswegs unsere Aufgabe, die Constellation der an dem französisch-preußischen Kriege engagirten Streitkräftc zu beurthcilen, ihre strategischen Vor- und Nachtheile zu ermessen, zu rathen oder zu wünschen, wem die Würfel des Siege« fallen sollen, weil uns nach keiner Seite hin die sich au« dem Kriege ergebenden Folgen für unsere freiheitlichen Errungenschaften eine sichere Garantie bieten, aber diese sind cS auch, welche uns am Herzen liegen und uns zunächst bestimmen, die Eonscqucnzen des Krieges mit der Stellung der Juden im social-politischen Leben in Verbindung zu bringen. E« entsteht nun die Frage: Was bringt den Juden einen größeren Vorthcil, wenn sich da« Kriegsglück für Frankreich oder wenn c« sich für Preußen entscheidet? Da sich die Antwort, wie schon erwähnt, nicht voraus bestimmen läßt, so beschränkt sich vorläufig unser Gesichtskreis nur auf die frühere oder spätere Entwickelung der freiheitlichen Ideen in dem einen oder dem andern Lande. Frankreich war daö Land, in dem unter dem großen Napoleoniden den Juden der Freiheitöbaum zuerst blühte, Napoleon I. kannte nur E i n Volk, Parias zu dulden war nicht im Einklänge mit seinen humanen Ideen, so verpflanzten die französischen Kriege jenes edle Princip der Gleichstellung suksrssive nach Deutschland jedoch in sehr langsamen Schritte und in einer Halbheit, wie sic sich noch heute zeigt. Der gegenwärtige Imperator Frankreichs rüttelte nicht an dem HumanitätSgebäudc seines großen Ohms, ihm stand ein Jude als Rathgcber der Krone zur Seite, ihm siel die Wahl nicht schwer, jüdische Lehrer für seinen gut katholischen Sohn zu acceptircn. Doch das wäre Nebensache. Viel wichtiger sind Frankreichs kriegerischen Erfolge in Italien im Jahre 1851», denen ein schönes Land des östcr- Vcdürfnisic zu decken, lck> ihm noch nicht die Pollmacht cingcräumt, mein Veld zu anderen ihm nicht vorgeschricbcnrn Zwecken zu verivcnden. Die jüdischen Primatorcn gefallen sich dieser Ansicht entgegen zu handeln, sie begnügen sich nicht, die Interessen dir CultiiSgrmrinde zu wahre», das ihnen anvcrtrautc Neid zu verwalten, nein, sie kaufen schleckt vcrzinsbare Häuser in den erbärrilichsten Schlupfwinkeln, laßen protcgirte Pscudorabbinerchcn vom Lande Stiftungen grniesirn, deren Ncnnß mir rinlicimisckcn Familimvätern zii C^utc kommen soll, macken allerlei Präsente und schließlich wollen sic mit der Sladlgemcinde in den Haaren liegen, um die Juden förmlich zmn Zankapfel zu mache». Wie sckant es aber in der (Gemeinde auS, seitdem sic von einer despotische» Repräsentanzeliauc beherrscht ivird? Zerfahren, trotz den erschlichenen Ehrenstcllen mancher Herren, zerrüttet trotz allem täuschenden Fortsckrittc. demoralisirt trotz den drei Herr:», die das jüdische Appelationsgeiickt bilden! So siebt cS ans, so wird cS imnier ärger, so lange die jüdische Stcnerdirektion in der Joscfstadt ezisiirt. die die außrrordentlichc» und besonderen Ausgaben nie verantworten will, weil, wenn man der Wahrheit Rechnung tragen sollte, überraschende Adressen zum Vorscheine kommen möchten, an die der geheime Fond in verscklosienen EouvcrtS nrarschirt. Sie finden also, daß wir auch Krieg in unserer Kemcinde haben, und diese nicht nur Alles verliert, sondern auch die KriegSkostcn zahlt. Arich die LultuSgemcinden haben ihre beschichte, und gewiß komnit noch die Zeit, in der dir Urheber alle- Zwistes, die Zerstörer alle« Nuten, die religiösen Wegelagerer au» ihrem eigenen Lager verjagt werden. Dann mag dir Gemeinde ein Halleluja fingen, wenn fir den Befreiungskrieg überstanden, in den sie von reichischen Kaiserstaates zum Opfer fiel. Jener Moment war , aber für die österreichischen Juden ein Blitz am düster« Horizont, schon war eS entschieden, dieselben aus Jahrhunderte zurück zu werfen und mit den vom Rom aus laufenden Fäden zu umstricken, bis der Friede von Villafranca jenen | die Augen öffnete, die sie gewaltsam gegen das Eindringen des Lichtes der Aufklärung verschlossen hielten. Frankreich verfolgte stets Eine Politik, die Politik des Volkes, nicht die der Religionen. Es kannte nie, wie Deutschland, ein Junkerthum, das in jedem Juden eine Abart der Menschen erblickt. Und so wie sich Frankreich gerne frei sieht, so schmiedet eS auch gerne einem andern Volke die crdrückendm Fesseln los. Preußen hingegen brachte unS nie das rechte Vertrauen entgegen, cs strebt zwar die Consolidirung Deutschlands an, ob aber in demselben die Juden je 'so glücklich sein werden wie sie cS in Frankreich sind, bleibt eine Frage der Zeit. Ein ungarisches Organ behauptete zwar vor Ausbruch des KriegeS: „Frankreichs Sieg wäre Oesterreichs Sieg; Frankreichs Niederlage Oesterreichs Niederlage." Dieser etwas kühn gewagte Schluß ist noch nicht dazu geeignet, uns zu beirren oder im Falle einer wirklichen Niederlage Frankreichs zu entmuthigen, allenfalls wäre Frankreich geeigneter auf Oesterreich und seine Länder einen erfolgreicheren Einfluß zu üben, als Preußen. Daß unter solchen Verhältnissen auch die Juden diesem Einflüße unterzogen sind, bedarf keines Zweifels. Allgemein genommen lassen sich heute noch nicht die Folgen des Krieges prognosticiren, da der Verlauf der Dinge erst abgewartet werden muß, und die Vorsehung die Geschicke der Könige und Völker in Händen hat. Eines wäre nur wünschenswerth, daß Oesterreich in seiner neutralen Haltung verbleibe, die es vor ernsten Conflikten bewahrt. — B. Der Krieg und die Juden. Breslau, 24. Juli 1870. Wenn die Wogen deS OceanS von dem wild einherbrausenden Orkan, gepeitscht, mit Schaum gekrönt, stürmisch gegen den Himmel sich aufbäumen und mit wildem Gekrach engherzigen und selbstsüchtigen Feinden des Judcnthuins gestürzt wurden, die sich sv lange als Juden dcklarircn, sv lange sie aus diesem Atribute Nutzen ziehen. Sic scheinen cs auch schon merklich zu fühlen, daß man sic getäuscht und auögcbeutct hat, nun Sie mögen sich trösten, der Einfluß, den die Marschällc der Repräsentanz zu besitzen glaubten, hat nie existirt, cs existirtcn bloß Männcr, bei denen sic sich für — — gute Worte Einfluß zu versckaffen wußten. Einer der Marschällc, der nicht mehr unter den Lebenden wandelt, und den Posten eines Schuldirektors nicht erlangen konnte, hatte daS Verdienst, ans Rache die Judcnschule in die Luft gesprengt zu haben. Friede seiner, Friede ihrer Asche I Plaudereien aus Marienbad. Hier ist alles voll Krieg, Krieg — in jedem Munde, ein großes Lager um jeden angeschlagenen Börsenbericht, gerüstet wird zum Abziehen in jedem Quartier, Marienbad inacht mobil sein Kontingent, die Preußen sind schon bis auf einzelne Marode geflohen und AllcS jammert, Alles klagt. Ja, cs ist cigenthümlich, daß die Preußen in allen ihren Bewegungen uns Böhmen Schaden zufügen. Anno 06 kamen sie herangcrückt und wir hatten den Schaden; nun ergreifen sie die Flucht und wenden uns den Rücken — und wir haben dennoch den Schaden, bleiben iin Rachtheil. Werden fir un» je Borthril bringen? -r- Vielleicht aber wird die fran. zösisch.preußische Differenz eine neue Heilmethode zu Folge haben

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