Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 31 (29.7.1870)
- Date
- 1870-07-29
- Page
- Seite 283 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Man «kmnirtfür — Prag: «anzjähri, st. 5.- Halbjährig „ .2.50 i rss:* SS!;"“ wlMtWIMIHU vierteljährig,, 150 _ Sur# Ausland: Israelitische Wochenschrift für polittschk, sociale und religiöse Interessen. Ganzjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werden billigst berechnet. «Erscheint an jedem Jreitag- Rrdaltian ». Atz»inistratian Prag, NittergaffeNr«. 408—l »«hin alle vriese n. Celdsendnagra zn richten sinh. L Zuschristen werbe, franco erdeten. Manuskripte werde» bei Nichtverwendung auf Verlangen jedoch unfrankirt zurück«' stattet. Ur. 31. Prag 89. Juli 1870. ///.Jahrgang. Das französisch-preußische Kriegstheaier. Die Kriegsfackel ist entbrannt, mit blutigem Scheine beleuchtet sie die Arena, auf deren offenem Platze die Armeen der intelligentesten Nationen Europa# da# Kampfspiel eröffnen, um den SiegeSprei# zu erkämpfen, an dem da# Blut tausender Menschen haftet, die. ohne sich je im Leben beleidigt zu haben, dem tyrannischen Worte zweier Menschen folgen müssen, entweder dem Tode in die Arme zu eilen oder unfähig gemacht zu werden für da# bürgerliche Leben. Nicht berücksichtigt wird da# Klagen greiser Mütter, die ihre Hoffnung setzten in ihre jugendliche Stützen, entrissen werden den zärtlichen Frauen die sich aufopfernden Gatten, zu Waisen gemocht unversorgte Kinder, auf die sonst da# zärtlich liebende Auge de# Vater# gesehen, der die Lasten häuslicher Sorgen mit der Kriegsrüstung vertauschte. Umsonst all da# Stöhnen und Wehklagen der Liebenden, die vielleicht den lebten AbschicdSkuß auf die vibrirenden Lippen de# Familienhaupte# drückten, da# mit Einem Male bestimmt ist, unter dem Beile de# unerbittlichen KriegSgotte# gelegt zu werden. Zerschmettert liegen sie da am blutgetränkten Boden, den letzten Seufzer ausstoßend, den sie den Liebenden gerne al# Vermächtnis zurücklassen möchten, hingestreckt ist der blühende Jüngling, dessen geistige# Streben im Himmel keine Feuilleton. Plaudereien (zweite Folge) VII. Die entfesselten KriegSfurien, die dieSseit# und jenseits deS Rheins unter Kanonaden und Kewchrgeknatter ihre wilden Tänze auSführen, haben auch die Präger jüdische CultuSrepräscntanz nicht verschont und während die sie beherrschende Parteicliquc mit ihren Mundspritzen dem Könige von Preußen zum Siege verhelfen 'nvchtcu. vertieft sich die konservative Partei deS jüd. RathSkollegium» in den Psalmen, um den hinbrütendrn Imperator an der Ecine, desicn sonnverbrannte TurkoS den gelben Fleck, der den Juden entgegengrinzte, weggewifcht, den Sieg zu erflehen. Will ich auch die Taktik der einen wie der andern Partei hier keiner Beleuchtung unterziehen^ weil rS wahrscheinlich von der Repräsentanz nicht abhängig gemacht wird, ob der Deutsche oder der Franzmann die EiegeSpalme rrobcm soll, so viel ist gewiß, daß die Repräsentanz den Frieden nicht liebt. Bor Kurzem ließ dieselbe der Stadtvertrrtung den Krieg erklären und vor mehreren Tagen wurde eine geheime Sitzung abgrhaltrn, in der ein gehet- «er Plan ausgeärbritet wurde, um dir Stadtvrrtrrtung wegen Crhörung findet, ein chaotische# Bild diese# gräuliche Krieg#- theater, auf dcffen blutdampfcndcm Podium jene den Heldentod sterben, denen der vernichtende Mordstahl in die Hand gedrückt wurde. Kleinlicher Nankunc wegen, die den Ehrgeiz de# Eüun erhitzt, die Empfindlichkeit de# Andern gesteigert, mußte der Vorhang aufgerollt werden, nm „die gekränkte Unschuld" blutig in Scene zu setzen. Gibt e# eine Vergeltung'? rufen die in die.furchtbare Feueresse Gejagten, während sie die! Waffe loödrückcn, um den unschuldigen Gegner niederzustrecken. Palissadenähnlich müssen sich die Haare sträuben bei diesem Gefühle, da# den Körper wie ein Fieberfrost beschleicht, Verzweiflung muß sich der Gemüther bemächtigen über die Nichtigkeit de# AisiomS, daß Recht vor Äewalt gehe. Ist die Blutgier der Könige, die sonst zittern, wenn sie da# Tode#- j urthcil v ciiicfr Verbrecher# unterschreiben, der Spiegel der Hnmamtät, die unser Jahrhundert beherrscht, bedeutet da# Hinschlachtcn der Menschen, die der bürgerlichen Gesellschaft so nützlich waren, Eivilisation'? lln# will bcdüiiken, daß sie ein Schattenbild sei in unserem Jahrhundert, da# von dem kriegerischen Wetterleuchten so erhellt ist. Wie e# nun komme, daß wir in diesem Blatte, da# sich mehr mit socialen Fragen beschäftigt, auch der Krirgsfragc einen Platz einräumen, hat einen ganz natürlichen Grund. Sind schon an und für sich die Juden mit dem Kriege Auflassung der Ioscfstädtcr Schule zu überrumpeln. Hr». Dr. Wiener wurde da# Dbcrkonunando crthcilt, der mit einein Fuße im Etadtverordnetenkollegiuin. mit dem andern in der EultuSrepräsei». tanz teste Stellung nimmt, und mit seinem Aktcnbündcl jeden t<- chischcn Flankenangriff zurückschlagen soll. Herr Dr. Raudnip, der zum Luadrat erhoben, einen Bezirksschulrath bildet, ist mit der Bertheidigung de# in dem dunklen braungencgkltcn Vestibül der Ioscfstädter Schule ansgestellten WasicrkastcnS betraut. Acht der Plan durch, so ist Deutschland gerettet und aus dem Boden de# Hauptmannhofcs steht man dktttiche Wiflenschaft rmporblühcn. Marschall Wiener sowohl als Acneral Raudnitz werden sodann bei Lebzeiten in Stein gehauen »md prangen an» place du capitain t HauptmannShof» als deutsche Sieger. Sobald der Sieg erningen, wird den Manen der ehemaligen Iudenschulc da» Anschlußlird gesungen: „Ach mein lieber Augustin. Wd& ist hin Alle# ist hin." ES ist, wie Cie sehen, ein ergreifender Moment, die Erinncrung an den Eingriff der jüdischen Vertretung in die Taschen der Gcmrindeinitgliedcr, ohne diese befragt zu haben, ob der Eingriff gestattet sei. Ich bitte Sie die Bibel nachzuschlagen und Sie dürsten die Bezeichnung hiefür sinder», wenn man Jemanden ohne deffen Willen und Wisieil Etwa# wegnimmt. Oder glauben Sie. daß die jetzigen Primatoren der EultuS-Neineinde eS ander» thun 7 Ich denke, Ihne» »lchst erst eine Aufklärung geben zu müffen, daß, wenn ich Jemanden Geld anvrrtraue, um meine Ausgaben, meine