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Die Gegenwart · 1870-07-22 · 30 (22.7.1870) · p. Seite 276

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
30 (22.7.1870)
Date
1870-07-22
Page
Seite 276 (sequence 2)
Language
German
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276 wurde auch von thr über da« Sein oder Nichtsein der Josef« städter Schule entschieden. Die Hauptgemeinde hatte zur Jmmediatisirung der Judengemeinde, nachmaliger Josefstadt, da« Einkauf-kapital Pr. 146818 fl. 56'/,,E.M. gefordert, worin auch die Vertreter der Judengemeinde eingegangen sind, welche der Stadtvertretung (unter ihrem Bürgermeister Dr. Wanka) die geforderte Summe in jährlichen Dotationen au-zuzahlen hatte. Daß die Vertreter der Judengemeinde zur Erleichterung der Abzahlung auch die Josefstädter Haupt- und Unterrealschule für den Werthbetrag von 17462 fl. 60 kr.*) an die Stadtgemeinde abgetreten haben, da« kann nur der jüdischen Bertretung keineswegs aber der Stadtgcmeinde zur Last gelegt werden, da doch die letztere auf die crftere keinen Zwang auSgeübt und diese moralisch stark genug sein konnte, in ein derartige« SubstituirungSmittel nicht cmgehcn zu müssen. Die Stadlvertretung, die natürlich im Interesse der Stadt und also auch der Josefstadt als eine« intcgrirenden Theile« der Stadtgemeinde handeln mußte, konnte nur gute Miene zum schlechten Spiele der Judenvertretung machen und allenfalls gescheidter sein, al« c« die Vertreter der Judengemeinde waren. Wenn erstcre daher in einen für sie günstig lautenden Vertrag einging, so hatte sie ihr Mandat ehrlich erfüllt, indem ihr die Interessen einer Judenstadt, die in die Stadtgemeinde aufgehen sollte, ferner lagen als die de« neuen Theile« der Hauptgemeinde. Also wie gesagt es lag an den Verttetern der Judengemeinde in einen ihr unvortheilhaften Vertrag rinzugehen oder nicht, ihn zu unterfertigen oder nicht. Daß sie zu kurzsichtig waren, um die Folgen nicht auf Jahre hinaus zu berechnen, das hat die andere vertragschließende Partei nicht zu kümmern. Da« Uibereinkommen zwischen der prager Stadtgemeinde und der prager iir. EultuSgemeinde ward somit ddto. 6. Juli 1860 in der Anschlußfrage der prager Judengemcinde an die Hauptgemeinde der k. Hauptstadt Prag mit dem Erlaße de« hohen k. k. StaatSministrriumS vom 22. Jäner 1861 *) Dagegen glaubte die Eultu«repräsentanz für da« Korrtz'schr Hannächst dem isr. Leichenhause zur Erweiterung de« iftaelit. Waisenhause« 16000 fl. geben zu können, bat in der öffentlichen Feilbietung unter dem Echäynng-wrrthe hätte gekauft werden können. (D. Red.) steckte brennend rothe Granatblüthcn inö schwarze Haar, legte paffende Handschuhe an, ui»d — die „Spanierin" war fertig, und somit lag iin Schwarz nun Absicht. Auf der Insel stieg man beim Hofgärtner Fintclmann ab. Schneider ging sogleich nach dem Schlöffe, um die Bühne zu besichtigen, und falls Veränderungen nöthig seien, dieselben anzuordne». Ans seine Fragen nach dem Orte, wo gespielt werden sollte, zeigte man ihm vor der Ostscitc det Schlöffe« den Rasenplatz, die sogenannte Pelouse. „Hier?!" „Ja, dieist der Ort. den Se. Majestät der König bestimmt haben!" „Aber da fehlt ja jegliche Borkehning, Eouliffcn, Lampen, Requifiren!" „Ja da» verstehe ich nicht!" wurde ihm zur Antwort, „aber dieist der Platz, hier soll gespielt werden." Run war dieß doch eine starke Zumuthung an eine so gefeierte Künstlerin, und Schneider ahnte den ZorneSblip gekränkte» Künstlerstolzes, der sich in den tragisch mit königlicher Hoheit gesprochenen Worten Luft machte: „Bin ich eine Seiltänzcrin?l„ — „Nimmermehr werde ich hier spielen." Felix Rafael, ihr Bruder, bestärkte sie in ihrer Opposition, und schon ivollten Beide abfahren, als cs Schneider gelang, sie zum Bleiben zu veranläffen. Dieser stellte ihr vor, daß die Bühne den Künstler von dem Zuschauer trennt, daß aber heute durch da» Fehlen dieser Bretter der König bade andcutcn wollen, daß sie zur Gesellschaft gehöre. Sie stutzte, beruhigte sich, wurde ansmerksamer, nachdenklicher. Schneider, dies wahrnchmend. malte ihr Moliere im Karten von Versailles, Ludwig XIV. vorlesend, erinnerte sie an die Gestalten des Decameron von Bocaccio, zuletzt aber zeigte er ihr die kostbare Perspektive, daß. wenn sie heute Abend durch ihr Spiel Nikolaus bezaubere, und das sei so ganz gewiß, ihr Rußland seine Thor« öffnete und die russischen Großen sie in ihrem enthusiastischen Rausche im Golde fast ersticken würden. Das schlug durch. Eie blieb. genehmigt und gestattet, daß dem Wunsche die iSenehmigung diese« Uebereinkommen« in einem förmlichen RegierungSdekretr auszusprechen und da« Uebereinkommen sowol für die prager Hanptgemeinde al« für die prager Judengemeinde al« bindend zu erklären willfahrt werde. Die Abtretungsurkunde wurde (wie wir sie hier nachttäglich folgen lasten) in Folge von Vttschleppung erst am 10. Dezember 1866 von den beiden vertragschließenden Theilen nähmlich dem Herrn Mod. Dr. Ludwig TedeSco als Bertteter der isr. EultuSgemeinde und dem Herrn J. U. Dr. Wenzel BilSky Bürgermeister der Hauptstadt Prag eigenhändig gefertigt. Mit der Abtretungsurkunde ist die Josefstädter Haupt- und Unterrealschule al» Objekt Eigenthum der Stadtgemeinde geworden und Partie!« pirt an demselben wol die Josefstadt als Stadttheil, während die prager ist. EultuSgemeinde als solche kein Anrecht auf dasselbe hat. Jetzt, wo bereits die prager Judengemeinde der Stadtgemeinde gegenüber und vice vom jede Verbindlichkeit eingelöst hat, hat diese ihrem zugestandenen Rechte gemäß die Josefstädter Schule aufgelassen, was sie nach dem Absatz 7 des h. k. k. Ministerialerlasses auch vor Ablauf des VerwaltungSjahreS 1870 thun durfte, doch mit dem Unterschiede, daß sie bei etwaiger Sperrung der Josefstädter Schule während der Vertragsperiode die Existenz der an derselben angestellten Lehrer nach dem seitherigen Ausmaße sichern und für deu Unterricht der ist. Jugend in entsprechender Art zu sorgen gehabt hätte. Da aber die Stadtvertrclung eine Sperrung der Schule während der BertrazSperiode unterließ, so ist fie jener Verpflichtung enthoben und eS tritt der Absatz 8 de» h. k. k. MinistcrialerlaßeS vom 22. Jäner 1861 in volle Rechtskraft. Kraft desselben ist die ist. EultuSgemeinde verpflichtet für die Pensionirung des Lehrpersonals beziehungsweise für den Fortbczug der Pensionsbezüge aus ihren eigenen Mitteln zu sorgen, falls die Hauptgemeinde dieses Personale nicht ganz oder theilweise anderweitig verwendet. Ob die Stadtvertretung eine oder die andere Lehrkraft benützen werde, bleibt ihr freigestellt, die isr. EultuSgemeinde bleibt immerhin obligatorisch. In jedem Falle ist nach Abs. 6 des hohen k. k. MinistcrialerlaßeS die Stadtgemeinde berechtigt, die Josefstädtcr Haupt» und Unterrealschule ohneEinsprache der isr. EultuSgemeinde aufzulasten und dann für Als die Rachel aber nun den Platz in seiner ganzen aller Thcatervorkehrungcn haaren Nüchternheit erblickte, wankte fie abermal« in ihrem Entschluß, und eS bedurfte noch einmal der gewandten Diplomatie Schneider s sie zu halten. Mittlerweile war der Abend weit vorgerückt. Der Corso war beendet, die .hohen Herrschaften hatten den „Alexandria" bestiegen und dampften langsam auf den weiten Srefiächen der Hävel hin und her, während die Ufer von Glienicke, Sacrow, Reurn-Garten, später Moorlake re. nach einander in rothem oder grünem Bengalfcuer erglühten. ES war ein zauberischer Anblick. Als die laue Eonuncrnacht nicdcrsank aus Fluß und Wald, am Himmel die Sterne leuchteten, stiegen dir hohen Herrschaften auf der Pfaueninscl zum Thcc ab, der im Freien auf der Ostseictc de- Schlößchen-, wo man gegen den Wind geschützt saß, servirt wurde. Dicht vor den Herrschaften breitete sich der Rasenplan au«. Kleine Fontänen plätscherten und murmelten und unterbrachen die lautlose Stille als die Rachel hinter einem der Gebüsche plötzlich hcrvortrat. In ihrer Hand trug sie erhoben ein Windlicht, um den Zuschauern ihr Antlitz zu zeigen, ihr Bruder folgte. Er ttug in der einen Hand ein Licht, in der andern einen Band von Racine» Wcrkcn. Am Rande des Rasenwaren mehrere Windlichter ausgestellt. DaS Ganze machte einen tragikomischen Eindruck, der aber alsbald der Bewunderung dem Entsetzen. Grausen wich, aldie Tragödin, begeistert von ihrem Genius und unterstützt von ihren gewalttgen Mitteln jene markerschütternde Szene mit ganzer Wahrheit deklamlrtr. wo in der Attalie der Hohepriester da» Kind von ihr fordert. Nicht minder war fie groß und erhaben in der Phädra in der Adrienne Lecouvreur re. Die innersten Gefühle in der Brust wußte fie bei den Zuhörern mit gigantischer Macht zu packen und zu rntfrffeln, und Alle folgten dem Spiele diesewunderbaren

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