Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 29 (15.7.1870)
- Date
- 1870-07-15
- Page
- Seite 271 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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271 an eine Rettung nicht zu denken war, und Freitag Morgen» starb Frau Löwy, nachdem sie noch am Donnerstag, um ihre gräßlichen Qualen etwas zu mildern, in'S Wagerbctt gelegt worden war. — (Ein U eb erm ü th ig er.)Der 28jährige HandlungSkommiS Samuel Bauer, welcher erst im vorigen Jahre das Glück hatte, einen Treffer von 40.000 fl. zu machen während er bis zu diesem Zeitpunkte in mißlichen Verhält« niffen lebte, suchte par koree dieses Vermögens wieder los zu werden. Er hielt sich Equipage und M »treffen, und in einem halben Jahre war nicht nur diese Summe vergeudet, sondern er hatte üb.'rdieS noch schulden im Betrage von cira 15.000 fl. kontrahirt. Von seinen Gläubigern gedrängt, verschwand Bauer vor einigen Tagen auS Wien, und wird nun dessen Verfolgung eingeleitet. Pest. Der junge Advokat Sigm. DecSey wurde zum Besitzer der k. Tafel in Pest ernannt. Der erste Jude, der ffch einer solchen Auszeichnung erfreut. - - Dr. Moritz I a n o« witz, in hiesigen journalistischen Kreisen wohlbekannt, ist vorgestern gestoxben. Er war seit Jahren bei Wiener Blätter als Feuilletonist thätig; feine Aufsätze zeichneten sich namentlich durch Phantasiereichthum auS. (Akt d er R o hhe it.) Manschreibtdem „Jsr."auSStri: Am 26. Juni ging eine an Gicht leidende Frau, der die Aerzte kalte Bäder angerathen hatten, in den hiesigen BolkSgarten. wo ein mineralhaltiger Quell entspringt, und wollte daselbst die Fasse baden, der Garten, der sich ziemlich weit von der Stadt, entfernt befindet, war in Folge der regnerischen Witterung fast gar nicht besucht, ote Frau war eben in die Quelle gestiegen als auf einmal der Gartenwächter und eine in der Nähe des Gartens wohnende Bäuerin mit Stäben herbeigelaufen kamen, dieselbe, entkleideten und sie durch die von Juden unbewohuten Gassen vor das Gemeindeamt führten. Im Gemeindeamte angelangt, ließ der Aseffor die arme vor Schimpf und Schande wie versteinert dastehende Frau onkleiden und in ein benachbartes Judenhaus bringen, ohne aber den rohen Wächter über seine Handlungsweise zurecht« zuweisen. als später der GaLknwächler von einigen Leuten über seine begangene Brutalität zur Rede gestellt wurde, gab er zur Antwort, daß der Aseffor habe vor einigen Wochen ihm ausdrücklich anbefohlen gegen Jeden, den er erwische, so zu verfahren. Die jüdischen Bewohner Stri'S waren mit der Erklärung nicht zufrieden, sondern verlangten vom Gcmeinderathe Genugthuung für die dieser Frau angethancBeschimpfung. Der Gemeindewächter wurde auch wirklich auf einen Tag dem Bezirksgerichte eingeliefcrt und die christlichen Gerneinderäthe faßten den Beschluß, diesen Aseffor zu entfernen, die Juden aber, insbesondere ein gewisser K. L. legen jetzt Fürbitte für das fernere Verbleiben desselben ein. Ob sie Recht haben, überlassen wir dem Urthcilc d.S LcfcrS. Ausland. In Dresden wurde am 22. v. Mtö. die hundertjährige GeburtSfcier W. T. Krugs begangen. In dankbarer Würdigung der hohen Verdienste, welche dieser Mann sich als Vorkämpfer der Zmancipation der Juden, besonders in Sachsen erworben hat. sind von Dresdner Israeliten 1250 Thlr. zu einer Krug-Stiftung bestimmt worden, deren Zinsen jährliche am 22. Juni an Studirende (in Leipzig und Dresden) ohne Unterschied der Religion vcrthcilt werden sollen. In Berlin ist am 6. d. MtS. der RabbinatSaffeffor R. Michael Landsberg gestorben. Das Bet-Haniidrasch verliert an ihm einen verdienten Lehrer. Der Landtag des Großh.' Weimar hat beschloffcn, den vr. Heß zu pensioniren und einen neuen Landrabbiner anzustellrn, dessen Gehalt auf 900 Thlr. normirt, zur Hälfte von den Juden aufgebracht, zur Hälfte auS LandeSmitteln bezahlt werden soll. Der Landrabbiner ist als Schulauffeher Staatsbeamter. Auch die Pension wird aus der StaatSkaffe bestritten. AuS Süd-Deutschland, Ende Juni. Ich habe Ihnen heute eine klein: Geschichte mitzutheilen. Au» der Festung Saarlouis wurde vor vierzehn Tigen ein preußischer Soldat (Israelit) nach dreijähriger Haft entlaffr» und seinem gegenwärtig in Trier garnisonirenden Regimente wieder eingereiht. Das wäre nun nicht w:iter von Jntereffc, aver die Thal, wodurch er sich diese Strafe zugezogen, ist doch werth erzählt zu werden. In einer der Schlachten im Jahre HM sah er nämlich seinen nicht weit von ihm kämpfenden Bruder nieder« sinke». DaS Gewehr wegwerfen, auf den schwer verwundeten Bruder zueilen, ihn auf die Arme heben, um ihn hinwegzutragen, war da» Werk eine» Augenblick«. .Barwärt». Kameraden! Der Sieg ist unser!" schrie da mit mächtiger Stimme der Major, um darauf zornig hinzuzufügen: „Heda, wa» soll daS heißen, Bursche? Liegen lassen, auf der Stelle. Da» ist Sache der Krankenträger... zur Waffe greisen..." „Ich kann nicht, Herr Major," erwiderte unser Soldat—„der Gefallene ist mein Bruder!" .Ist hier ganz gleich", schrie der Major noch zorniger, »und wenn'» Ihr Vater selbst wäre... vorwärt-, oder Sie werden die Strafe der Desertion zu tragen haben!" .Und wen» ich mein Leben dafür eindüßen sollte, ich kan» nicht anders handeln!" cutgegnete der Soldat, und trug feine» jetzt vollständig leblose» Bruder mit größter Anstrengung biin das nächste Dorf, wo derselbe dann be erdigt wurde. (Jsr. W.) Brüssel. Ein großer Prozeß gegen Herrn Langrand und Genossen, durch den die klcrieale Partei sehr cü.mprouiittirt ist, steht demnächst hier bevor. Diese Partei gründete eine katholische Bank, um den großen Einfluß der jüdischen Baak Häuser auf den Geldmarkt zu brechen und die Macht de» Geldes hauptsächlich zur Kräftigung der Kirche anzuwenden. An die Spitze des Unternehmen? stellte sich Herr Langrand. Sogar der Papst hat in einem Brief an L.. den die .Rev. iSr." im Wortlaute mitgethcilt, die Handlungsweise der rlericalen Partei gutgehcißen. Allein Langrand machte gro'artige. Bettügereic», und das ganze Aelienkapital an 10<» Millione» Franks ist verloren. Bereits sind die Briese und Bücher des Langrand mit gerichtlichem Beschlag Q legt, und vier Mitglieder der katholischen Partei, darunter cir 'hemaliger Minister stehen in Untersuchung. - Daselbst traf am 4. von Rom au» die Rachrich ein. daß die bekannte Prorciiiaa zum Jubiläum der Judenvertreibung unterbleiben müsse. Die Deeane der Saint-Gudula-Kirchr veröffentlichen dies. In Asti (Italien) ist neulich ein trauriges Zeichen von Unduldsamkeit vorgekommen. Bei der Leichenbestattung ei>cs Juden wurde der Rabbiner, welcher bei der Trauerfeierlichkeit präsidirtc, von einem ihm von unbekannter Hand zugeschleuderten Stein am Kopfe getrosten. Persönliche Feindr hatte der brave gute Mann gewiß nicht, nur religiöser Fanatismus kann die Unthat veranlaßt haben. London. Die engl. Regierung läßt demnächst eine neue Uebersctzung der hl. Schris: hcrausgeden. Es wurde eine Liste von Männern, die in der hebräischen Literatur erfahre» sind, aufgestellt, bei denen die Revisoren sich Rath und Bekehrung holen können. In diese Liste wurde auch Herr Oberradbiner Dr. Adler ausgenommen. Rach einem U'uS, welcher seit der Einführung der resormirten Religion in Eagka»s existirt, ist die Erreichung des Daelorgrades auf den Uni« versiläten von einer Predigt abhängig gemacht, welche die Annahme von 00 Artikeln der herrschenden Kirche auferlegt. DaS Unterhaus wird demnächst diesen intoleranten Ufas aufhebcn. Die öffentliche Meinung ist schon seit. Jahre» gegen diese» Gesetz. tUn. iSr.) Palästina.' Die von der „Allianec" gegründete Ackerbau schule in Jaffa wild demnächst eröffnet werden. Annst, Theater und Literatur. — DaS vom 23.bi» 26. August in Hereford statt» findende Musikfrst wird — soweit bis jetzt bekannt — a»