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Die Gegenwart · 1870-07-08 · 28 (8.7.1870) · p. Seite 262

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
28 (8.7.1870)
Date
1870-07-08
Page
Seite 262 (sequence 4)
Language
German
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262 — auch der Antrag auf Beitritt des Kollegiumzum Dombauvereine zur Verhandlung. Ein Mitglied des Kollegium-, de i antragte. daß da- Doktorenkollegium zum Dombanveieine als wirkliche- Mitglied beitreten möge. Dagegen wurden von der deutsche.« Pariei deö Kollegiummit Hinweisung auf dadem Kollegium angeblich mangelnde Recht, sein Vermögen zn etwa- Anderem' als strikten Fakultätszwecken zn verwende», Bedenken erhoben. Herr I)r. R i e g e r wies hierauf in einer schönen Rede auf die Wichtigkeit de- VeitSdombaucS in doppelter Richtung, nähmlich in religiöser Beziehung und in architektonischer Hinsicht hin. Insbesondere in lctzercr Hinsicht schilderte er den Dom als eineder herrlichsten Werke der Kunst. Allein mit Hinblick darauf, daß im Kollegium auch Nichtchristen vertreten find, welchen er vielleicht wehe thun könnte, wenn ein Vermögen, worauf auch sie einen Anspruch haben, zu Zwecken einer specicllen, ihnen fremden Konfession verwendet werden wurde, erachtete er anrathcn zu müssen, daß zur Wahrung des Friedend der Antrag zurückgezogen werde. *** Perfonalnachricht. Sonntag den 10. d. M. um 1. Uhr Nachnullugs jiiunt uu isr. Tempel zu Prag die Trauung deö ftrl. Philippinc Tochter de- Sladtvcrordcten und Vermaltungsratheö der böhm. mähr. Gcwerbebank Hrn. Ign. Fuchs mit Hrn. Med. Dr. Arnold Bauer iu Wien statt. V Dr. Jeltinek und die „Hegenwart" Rach einer vrivatlichcn Milthcilung tgm uns die Ruchricht zn. deren Au« lheuticität uns übrigenverbürgt wird, daß morgen Samstag den!>. d. M. beim MorgcngotteSdienste im Seitcnstätter»Trmpcl zu Wien Herr Dr. Adolf Iellinck contra „die Gegenwart" eine Predigt, gespickt mit allerlei Ausfällen, hatten wird, um deren kurzen Inhalt sofort der „neuen freien Presse" und der „Tagesprrssc" zu liefern. V IVrihbischof.firrjü. Montag verschied der Wcihbischos und prager Ehrenbürger Hr. Dr. Peter Krrjci im 71. Vrbensjahrc. Was uns bestimmt, demselben dieses bescheidene Plätzchen in iiiifciem Blatte zu widmen, ist die Vcntsceliglcit und der liebevolle llingaug, dcu der Verstorbene im Vebcn allen Menschen ohne lluterschied der Religion aiigedeihcn ließ. Wir erinnern nur an jene Soiree, die seiner Zeit der che malige Statthalter-von Prag Hr. Graf Forgach zum Sam melpunkte der hä listen Spitzen der Behörden und hervorragenden Persönlichkeiten aller Staude veraustaltclc und der auch der gottselige Dberrabbiner Herr S. V. Rapoport zngezogen ward. Estrich beim Eintritte in den festlich beleuchteten Saal machic sich Rapoport durch seine imposante Erscheinung bemerkbar. Wcihbischos .strcjci war der erste, der ihm entgegen ging, in kollegialer Weise die Hand druckte und den ganzen Abend hindurch seine Aufmeiksamkeil dem gelehrten Rabbi schrillte. In der geistreichen Eouversatiou hatten dcidc Gelegenheit ihr vielseitiges Wissen in der Vin guistik und andern Fächern der Wissenschaft zu prüfen. Jonrnalillischrs Wie umbereits berichtet, ist das „jüdische VoUsblait" ui Be»lin eingegangeu. Heute find wir wieder i» der Vage zu mrldeu, daß die „Berliner Zeitung" für die gesammtcn Interessen dcS Indcnthums mit der 25>. Nummer des l. Jahrganges zn erscheinen aufgehört, also nur ein halbes Jahr ihr Dasein gesristet hat. Bemerkens, werth ist dabei, daß beide Blätter trotz ihrem drntscheu Ea kiber in Berlin bei einer Populalion von ."'MUD jüdischen Seele» sich nicht erhallen konnten. Ist das Teistschthnm.das öechenlhuni oder das Iudeiithum daran Schuld, wenn ein jüdisches Blatt keinen Auiscliwnng nimmt? Diese Fraze möge sich jeder Jude selbst beantworte!'. klerikal s Die „Presse" brachte eine vom I. Juli datirtc Eorreipoadenz au, Prag, die die Wahlen in den böhmischen Landtag besprach, Gleich Eingangs jenes Berichtes heißt rS: „Wahlanfruf und Eandidatcn wäre» also glücklich hcrvorgegangr» aus jener geheimen Werlstäite als deren Herr und Meister in diesem Jahre der „Erzbischof der Iosefsladt" sungirt." ES wird gewiß Riemand lauge r.athcn, daß unter diesem hohen Würdenträger kein anderer gemeint sei als Dr. TedeSco; doch weiß Jeder, daß Dr. Tede-co gerade so Erzbischof sein könnte wie er Cultu-vorsteher zu seist versteht. *** AsiKe Jehuda. Den früheren im Hotel Sonnen« schein gehaltenen Vorträgen für die reifere israelitische Jugend schloß sich verfloffenen Sonntag ein Vortrag de- Herrn Dr. M. Tauber an. In demselben sprach er über die Bedeutung de- Religionsunterrichtefür die israelitische Jugend. Er faßte die Bedeutung der Bibel für die Israeliten von einem zweifachen Gesichtspunkte auf, für sie als Bekenner des jüdischen Glaubeneinerseits, als Angehörige des jüdischen Volkeanderseits. Der Redner machte eö dein anwesenden jungen Auditorium recht klar, daß es die heilige Schrift, als der Urquell aller Religionen, nicht bloß mit einer mechanischen Eombination von Grundsätzen und Lehren zu thun habe, sondern daß in ihr sich förmlich die Heldcn der Tugend, wie: Abraham als der erste Gottesdenker, Joseph als das glänzende Vorbild der Versöhnung und Dehmuth u. f. w. vor finden, in denen die Tugenden und erhabenen Ideen verkörpert erscheinen. In echt didaktischer auf Geist und Gemüth der Jugend wirkender Weise hat der Redner sein Thema durch« geführt; allerdings fehlt, was wir schon längst zu beurthcilen Gelegenheit hatten, dem Redner jene Verve und Frische im Vortrage, bic für denselben die Jugend empfänglicher machen würde. In steter Monotonie, in einem nicht am Platze gehörenden PalhoS scheint sich der Redner förmlich auf einem rhetorischen Glatteis zu befinden, auf dem er sehr oft auSrntscht und die seltsamsten Wortverdrehungen zum Besten gibt, die den guten Eindruck, den die Rede sonst Hervorrufen würde, total verwischen. Die falsche Accentuirung, das sich Ucberstürzcn im Vorträge läßt dem Zuhörer erscheinen, als liefe die Zunge auf Stelzen. Herr Dr. Tauber scheint in seinem Veden viel gelernt, aber wenig laut gelesen zu haben, was zur Erlangung eines guten Vortrages höchst nothwendig erscheint. Ein so inhaltrcicher Vortrag, wie ihn Herr Tauber gewöhnlich bietet, ruft eine eigenthümlichk Empfindung hervor, die ein Gemisch von Anerkennung bezüglich des dankbaren Themas und seiner sinnreichen Gedanken aber auch eine Art von Mitleid in sich birgt, Kader schartige Bortrag des sonst strebsamen Rednerverursacht. Demosteiics war zwar Anfangs ein Stotterer, wurde jedoch spüt.r einer der größten Redner des AltcrthumS, das jetzige Zeitalter verlangt wol keine Demostcnessc, aber immerhin gute Redner. — Aus dem Gerichts saal. Wien im Juli. _Li'.n' K indesmord in dc r Brühl.) Unter der schweren Antlage einen Kinde-mord begangen zu haben, steht ei» junges, hübsches Mädchen, die Tochter einer anständigen Familie, Johanna U ngcr, gegenwärtig im Ingnisiten-Spital des Wiener Vandesgcrichtes. Die Umstände machen den Fall, der lebhaft an die Affaire „Schachert" erinnert, zu einem psychologisch und forensisy interessanten, da über die Tliat selbst noch nicht genügende Anhaltspunkte uorkiegen. Der „Pr." wird hierüber Folgendemitgetheilt: Ticnstag den 21. Juni, kam ein elegant gekleidete- Mädchen zu dem Med. Dr. Polak in Mödling und erbat seinen Rat!,. da_Le—an- Blutleere leide und große Krcuzschmcrzcn habe. DaS Aussehen dcS Mädchenwar in der That ein solches, wie man cs bei anämischen Personen findet. Der Doltor ließ sich die Krankheitsgeschichte mitthcilen und erfuhr, daß da- Mädchen, seit zwei Jahren „leide", und von verschiedenen Acrzten an Blutleere behandelt worden sei. Einige Angaben machten Herrn Dr. Polak aufmerksam und in zartester Weise fragte er da- Mädchen, ob sie mit irgend einem Manne ein Berhältniß habe. So keife auch die Andeutung gegeben, wurde dieselbe

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