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Die Gegenwart · 1870-07-08 · 28 (8.7.1870) · p. Seite 261

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
28 (8.7.1870)
Date
1870-07-08
Page
Seite 261 (sequence 3)
Language
German
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j — 261 i verjährten Rechte pochende Majorität hinwiederum wollte nicht weichen; Reibungen folgten auf Rerbungtrr, die Flamme lohte hoch auf, es war um den Frieden geschehen, da- Siegel de- Herrn lag zerbrochen auf der Erde! Wie diese Flamme der Zwietracht und de- Hader- Lann immer weiter um sich griff, wie diese verderbenbrin» grndcn Raketen hinüber flogen in die kleineren Gemeinden und auch dort Haß und Uneinigkeit entzündeten — dazu schildern, dürfte hier nickt der rechte Platz sein. Wer die Geschichte der ungarischen Juden in den letzten Dezennien kennt, weiß, wie dieser Kampf getobt und die gesündesten, lebensfähigsten Errichtungen in- Grab beförderte. Egenüge hier die Brmcrlring, daß dir Parteien sich heute noch so scharf gegenüberstlhen und wülhend und zrlotisch mit ihren hockgrschwungencn Keulen dreinichlagrn. Und mit der Schilderung dieser Parteien will ich im rrüchsten Briefe beginnen. — Schmidt. Horic, f>. Juli. (Or.-(i.) Der selbst in deutschen Kreisen verhaßt? „Tage-bote au- Böhmen" har in einer höchst brutalen Notiz Ihr geschätzte- Blatt zu ver umglimpfen gesucht und Ihre Person einer Handlung-weise geziehen, wie sie eben nur den« von deutschem Weihrauch duftenden Tagc-boten rmputirt werden könnte. Die schmähliche Notiz desselben hat nur dazu beigetragen, die Wahrheit Ihre- Artikelbezüglich der Wahlen in den böhmischen Landtag prägnanter hervortreten zu lassen, und in der That. wie wohl wir unseren böhmischen Landleuten ohne jeden Zwang wacker zur Seite stehen, kamen undie Worte Ihre- Artikelerst recht gelegen und sie fanden auch bei den bereitstattgrhabten Wahlen den verdienten Widerhall. Wer die Ansicht deangeschmöckclten «Tage-botcn" theilt, man müsse in Böhmen deutsche Politik treiben, weil Klopstock, Lesting und Mendelssohn in Deutschland geboren wurden, der scheint von der lallerschmockstcn fixen Idee so sehr angekränkelt zu sei», daß cfür denselben ralhsamer schiene, sich einem tüchtigen Pshchiatristen anzu vertrauen, alö Politik zu treiben. Wir auf dem Lande haben Gottlob nie eine solche Idee gefaßt und wer sie gefaßt, der wurde bald von ihr gründlich geheilt. Nichtdesto weniger pflegen wir die deutsche Literatur, wenn wir auch die böhmische pflegen, wir halten einen Schiller, Lessing, Mendelssohn Hnmbold u. s. w. nicht minder in Ehren alder deutsche Notizenmichel deS Tagrtbotrn, wir wissen aber auch die Bestrebungen jeder Nation zu würdigen und um so mehr jene Nation mit und von der wir leben. Die Hetzrreirrr des hie und da sporadisch verbrritetcu „Tagcebotrn" haben nur dazu beigetragen, die Grmüther der böhmischen Juden zu erbittern. Weiterbezweckte er nicht. Wenn nun der »Tage-bote" glaubte, Ihnen, statt einer mit ruhigem Blute geschriebenen W iserlegung. impertinente Grobheiten zu sagen, so hat er sich hinreichend blamirt. I. M . . . r. Botluschan, 27. Juni 1X70. Ein Bor fall, der sich vor einigen Tagen hier zntrng, so läßt sich da- Fremdrnblatt schreiben, verdient umsomehr der Destrntlichkrit übergeben zu, werden, oler die Stichhältigkeit der rnmäi ischrrscitvorgcschütztrn Anlässe zu den J udcnhrtzrn einiger maßen beleuchtet. Der Sohn einer bei dem hiesigen israelitischen Kauf» mann S. G. seit zwölf Jahren bedirnftete» christliche? Magd stand seit einiger Zeit bei einem Bojaren im Dienste, wurde ober von dem edlen Rnrnänrn ans eine solche Weise niißhandrlt, wie dirnur in den seligen Zeiten de- Frohndrensiezu geschehen pflegte, so, daß der arme Bursche beschloß, seinen Brodherrn zu vrrleflrn. Gesagt, gethan. An einem Abende der verfleflenrn Woche kam er zu fr im r Mutter und bat, man möge ihn dort übrrnvchten lassen. Der Hausherr, der Ansangseine Zustimmung nicht geben wollte, da man sich unter den jetzigen Umständen hütet, mit einem solchen Individuum in nahe Berührung zu kommen, gab endlich do<V die Erlaubniß, daß der Bursche die Nacht unter seinem gaslftrundlichen Dache zubringe. Bor Tags glaubte Herr G. rin Röcheln in der Küche, wo Mutter und Sohn schliefen, zu hören; schnell öffnete er die Thrire und welch' entsetzlicher Anblick bot sich seinen Blicken dar! Der Bursche lag. in seinem Blnle schwimmend, der Länge nach am Boden hingrsti eckt. er hatte sich nämlich mit einem Master mehrere tödtliche Stichwunden in selbstmörderischer Absicht beigcbracht. Herr G. hatte Geistesgegenwart genug, den Fall sofort bei der Polizei zu melken und kurze Zeit daraus erschien auch eine gerichtliche Kommission, um den Thribeftand ansznn.hmen. Der Selbstmörder war noch am Lebe» nnd gab ungefähr Folgendezu Protokoll: Die Mutier habe ihm, nachdem er ihr sein Leid gellagt, grralhen, zum Bojaren zuritckzukehren, um nickt vom Regen in die Traufe zu kommen, er habe aber au- Furcht, I der Bojar könnte die Drohung, den Kopf de--armcn Jungen zum abschreckenden Beispiele ans einen Pfahl auf,»stecken, zur Wahrheit werden loste», den, Rothe seiurr Mutter nicht gefolgt und vielmehr den Boriotz gefaßt Hand an sich zu legen, was er auch nun zur Ausführung gebracht. Sprach'» und hauchte seinen Geist au-. Die Juden können wirklich von Gtück sagen, besonder« Herr G., daß die Polizei »och rechtzeitig dazu kam; ein kleine- Stündchen Berspätnug hätte eine Metzelei im großen Maßstabe Hervorrufen köuucn. „Ein Ehrist von einem Juden in sein Haugelockt und ermordet," würde egeheißen habe« und bei einem solchen Borwandc sind die Folgen unberechenbar. lieber manche rumänische Lippe kam da- Bedauern, daß die Cache so abgelaufrn, denn der früher erfolgte Tod de- Bojarrnkurchtcwäre ihnen Wasser auf die Muhle gewesen. Ewerden wicdcrunl Reden gehalten, die da- Volk zur Au-rottung der Juden ansrrizrn, ein. G.wittrr ist im Anzuge und rist zu befürchten, daß sich daschwarze Gewölk, bevor man sich'- versieht, entladet. Ein Jndividüum, bei dem die Aufwiegler :i<K> Dolch« stücke bestellt haben sollen, wurde verhaftet; allerhand Gerüchte sind im Umlauf, und wenn auch inanche derselben die Geburt aufgeregter Köpfe sind, so ist leider die Mehrzahl nur zu brgriindet. — Die jüdische Gemeinde hat eine Deputation nach Bukarest geschickt, ob diese etwas wirken wird, bleibt natiirlich in Frage gestellt. Mit Jubel begiüßtr» die Juden den Regierungsantritt de- Fürsten Karl, hoffend, daß sie nutrr einem deutschen Prinzen, wenigste»- vor persönlichen A»griss>n geschlitzt sein werden. Welche Dimensiouen die Judenverfolgungen während dieser paar Jahre angenommen, ist lei.'er nur zu bekannt. Hier köiiute man die Worte Sckil'ermit der Bariaule anwenden: „Wo Allehaßt, kan« Kail allein nicht lieben". Einige- Licht auf die Beliantlung österreichischer Untrrtbauen in Numünie» wirit folgender Borsall. In dem drei Meilen von hier gelegenen Grcuzstädtcl n, M'. wird ei» Jude, anläßlich der Bolk-zähluug und St»neial»n,ssung. gefragt, weß Landr-kiud er fei: ..Ei» CiII'IKhIm" lautet dir Antwort. Der Herr Kontrvlor läßt fick den Paß vorzeigerr, wirkt ihn weg und bedient sich dabei eine- Ausdrucke-, den der Anstand nickt wirdrrzng'brn erlaubt, waer noch bei einigen anderen J-raeliteu wiederholt. Der Dorohojer Brzirl-starost, Herr Gustav v. Udrickh, einer der energischesten Star osten i» Rnniäuieu, bat sofort bei dem Bezirk-irrbunal die nölhigen Schritte eingeleitet; Hofs,» wir von d> in energischen Auftreten de- Herrn von Udrickh dabeste Resultat. Wochrnchronik. » *,* Wo «an Takt )U suchen hak. Rack der vorgestern statttzrsundllun Delunewe.ht an der hiesigen Univrrsirät kam 28*

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