Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1870-07-01 · 27 (1.7.1870) · p. Seite 256

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
27 (1.7.1870)
Date
1870-07-01
Page
Seite 256 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4890378-5433916-5434048--747-4891048
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

v. I. bereit« durch Anstellung zweier Juden als Richter (in BreSlau und Oberschlesieu) praktisch aus-und dnrchgeführk hat. — Der Privatdocent an der berliner Universität, Gerichtsassessor Dr. Rub o - Sohn eine« früher» Beamten der berliner jüdischen (Gemeinde ist nnterm 10. d. M. zum Stodtrichter ernannt worden. Dr. ßtubcknvar als Pro» tvkollführer in die Eommission berufen, welche zur Berathung de« Strafgesetzbuchs für den Rorddeutfchen Bund gebildet worden war, und war in derselben, wie die Rational Leitung berichtet, dem Justizminister Tr. Leonhardt wegen seiner hervorragenden Kenntnisse ausgefallen. Die Judengasse in Frankfurt a. M. ist schon seit längerer Zeit nicht von Juden bewohnt, und schwindet nach und nach, indem der Magistrat die Häuser kauft, und sie wegen Erweiterung der Strassen einreißen läßt. Bloß da« Stammhaus von Rothschild, und jenes wo Börne geboren wurde, bestehen noch. — In Hannover ist ein domitc bestehend aus 8 Personen zmammenge.reten, um Geld zur Anschaffung eines Perocheth für den neuen Tempel zu sammeln m d e» waren bereits in drei Tagen 14f>< * THaler beisammen eben so wurden 4M Thaler zu einem hochzeitlichen Decktuch, loo Louisdor für zwei Kandelaber, ein Ner - Tomid und andere Dinge gespendet. Inder „israelitischen Freistätte" in Eölln, von den Gebrüdern Elzbacher gestiftet, werden arme Kranke und durch schwere Arbeiten Verunglückte ohne Unterschied der Religion ausgenommen, und sie können ungestört dieselben auSüben. Acrzle sowohl, als auch die Bediensteten müssen sich jede« religiösen Druckes enthalten. — L. Pari». Letzten Freilag besuchte Ihre Majestät die Kaiserin das auf ihr Berlangen für junge ifr. Mädchen vor ungefähr zwei Jahren auf dem Boulevard Eugene in Reuilly gelegene gestiftete Armenhaus. In Paris besteht ein Gefängniß für Frauen, das Gefängniß St. Bazare, wo die Polizei und das Gericht Weiber und junge Mädchen unter einander wegen verschiedener Verbrechen angeklagt, zusammenstecken läßt. Die Sitten und Lebensweise in diesem Gefängnisse sind, wie escheint, abscheulich und ein junges Mädchen, welches noch etwa« Tugend und Schamgefühl besitzt, kann dort nicht wohnen, ohne den größten Abschen darüber zu empfinden. Als einst die Kaiserin dieses Hau« besuchte, warf sich eine junge Israelitin ihr zu Füßen und bat sie mit Thränen in den Angen, sie aus dieser Stätte zu befreien. Auf diese Veranlassung wurde dieses Armenhaus gestiftet, und man kann sich deshalb beglückwünschen. Es steht unter der Leitung eines Eomites, deren Präsidenten die verwitwete Frau Eahen und die vornehmsten israelitischen Damen von Paris sind. Diese Anstalt erzielt die besten Resultate und flößt so viel Zutrauen ei», daß selbst andere junge Pensionäre, die nicht von der Behörde hingeschickt werden, sich dort befinden. Die letzten Tage lud Ihre Majestät die Kaiserin, wie bereits bekannt, zu einem Diner in den Tuillerien die Mitglieder de« .Vereins de« kaiserlichen Prinzen" ein, worunter auch der Oberrabbiner Herr Isidor war; da fragte ihn die Kaiserin um den Zustand diese« Armenhause«. Hr. Isidor benützte die Gelegenheit um mitzutheilen, daß die Direktion sich glücklich fühlen möchte, wenn Ihre Majestät diese An« statt mit einem Besuche beehren würde. Die Einladung wurde angenommen, und deren Besuch auf den vorigen Freitag festgesetzt. Da wurde Ihre Majestät von den Herrn Oberrabbiner Isidor und Zadoe Kahn und dem Damen« Eomite empfangen. Sie erkannte sogleich das oben erwähnte junge Mädchen, stellte an sie einige Fragen, die sie voll Verwirrung und stotternd beantwortete. Die Kaiserin erkundigte sich genau nach den Details der Verwaltung, lobte die gute Einrichtung, fand für jeden eine liebevolle Ansprache, und verließ nach einer Stunde Aufenthalt diese Anstalt, nachdem sie den angenehmsten Eindruck auf die anwesenden Personen zurückgelassen hatte. — Hr. Wilhelm Guizot, Direktor der nicht katholischen Angelegenheiten im Cultuöministerium de« suchte diese Woche da» israel. Seminär in Begleitung des Herrn Camil Rozan, der sich besonders mit detn israelitischen Cultu« beschäftigt. Man erwartet von diesem Besuche den besten Erfolg für diese Anstalt. Besonders gefiel ihnen die schöne Bibliothek, die Hr. Albert Cohn, welche eben dort ausgestellt wird. — Der „Alliance“ wurden wieder neue Adoptionen polnischer Waisen angemeldet. — Hr. Armand H ay e m erhielt die zweite ehrenvolle Erwähnung bei der von Hrn. Eorbiere gestifteten Preisbewerbung >u.id wurde von der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaft ten dazu bestimmt. Die administrative Kommission der Schule der Künste und Handwerke in Straßburg veröffentlicht ihren Bericht v. Jahre 1800. Rach demselben befindet sich diese Schule in einem blühenden Zustande, und erweiset der armen jüdische«» Bevölkerung am Rieder Rhein die größten Dienste. Sie hatte im Jahre 1800, 00 Zöglinge; die Einuahnien betrugen 24,0M Franks und die Ausgaben 18000 Francs. — Mehrere polnische Waisen sind bereit« in Straßburg angekouunen und wurden in die. Geineinden, welche sie adop« tirten, geschickt. Diese Woche wurde in Nantes der neu erbaute Teinpel vom Herrn Oberrabbmer von Paris eingeweiht. Ädinlmrg. Die Misfionsg.sellschaft macht in Schottland schlechte Geschäfte. Rach einem von Professor Mitchel gegebenen Bericht hat dieselbe in diesem Jahre an 3000 fl. weniger eingeuoinlnen, hingegen an 80M fl. mehr auSgegeben. Wir hoffen, schreibt daö .Jew. Ehr.", in dein nächsten Berichte die Geschichte der Bekehrung eines schottischen Juden zu vernehmen, die nicht weniger alö 60000 fl. gekostet haben soll. In dein^ Berichte der am 30. April d. I. abgehaltenen öffenillchen Sitzung von dem Schutzverem» der israelitischen Jugend, der Künste und Handwerkein Aayonne kommen vortreffliche Reden des Herrn Oberrabbiner Samuel Marx, uno des Herren Präsidenten Gersam Lion vor. Die Einnahmen betrugen bis 31. Dezember 1801 9000 Frcs.und die Ausgaben 7070 FreS. Für diese« Geld werden die Handwerkerlehrlinge bekleidet, erhalten gute Kost, die nöthigen Werkzeuge, und Abend noch einen besonderen Unterricht. Auch andere Schulkinder werden bekleidet, und sonstige Wohlthätigkeitsanstalten mit Beiträgen bedacht. London. Die rumänische Staalöeisenbahn-Anleihe im Betrage von sechs Millionen Silbergulden, wurde seit ihrem Auftreten mit 1 t- 1', Pfd. St. Prämie gehandelt, witrde auch mäßig überzeichnet, würde aber einen ungleich größeren Erfolg gehabt haben, wenn nicht Glyn und Eoinp, welche sich iin Prospeete als Contrahenten präsentirtei«, ain zweiten Zeichnungstage erklärt hätten, daß sie bloö al« Agenten für die Pariser Streike Financiere figuriren. W e ß h a l b sie die« khaten, ist noch nicht genügeild aufgeklärt; daß sie eS aber thate» und damit ihren eigenen Prospeet dementirten> wird ihnen vielfach recht übel gedeutet und hat der Anleihe entschieden geschadet. Ebenso viel, »venn nicht mehr noch, schadete ihr der offene, unverholene Widerstand, den ihr die vornehmsten unserer jüdischen Hä««ser entgegensetzten. „Wir betheiligen unS nicht an der Anleihe eines Lande«, in dem unsere Glaubensgenossen zu Tode gehetzt werden, »vie im rohen Mittelalter", so erklärten viele derselben. „Wir weisen nicht nur jede Betheiligung bei dieser Anleihe, sondern auch fernerhin jedes Geschäft in rumänischen Papieren von unS," so erklärten Andere. Die Anleihe war dadltrch geschädigt, daS Judenthum aber hat »vieder einmal bewiesen, daß ihm seine Rare doch noch höher steht, als daS 7/„ Princip. Auf die ruinänische Anleihe folgte fünsproeentige spanische im Betrage von 23.18i.OuO Silbergulden, einittirt durch Rothschild, garantirt durch die Quccksilberminen von Almaden und zufolge ihres Emissionspreises (80) und Tilgungsplane« einen Zinsenertrag von ungefähr 6", Procent verheißend. Da Spanien sich von der Mode der Judenhetzen seit lange losgesagt hat, kamen unsere jüdischen Firmen der neuen Anleihe mit viel wohlwollenderen Gefühlen entgegen, als der rumänischen, und eS geschah daS Unerhörte, daß in zwei Stunden die ganze Anleihe vielfach überzeichnet und Roth-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.