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Die Gegenwart · 1870-07-01 · 27 (1.7.1870) · p. Seite 253

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
27 (1.7.1870)
Date
1870-07-01
Page
Seite 253 (sequence 3)
Language
German
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40Ö i von tiucr minorennen Partei nicht an getastet oder gar geschädigt werden kann. Bedenket, daß Ruhe die erste Bürgerpflicht ist, daß Ihr mit einer Nation den Frieden haben müßt, wenn Euer materielles Wohl gedeihen soll, .bedenket, daß eS selbst die Regierung mit Widerwillen sieht, wenn die Fackel der Zwietracht Euere Geniülhcr entflammt. Stehet der böhmischen Ration brüderlich zur Seite und wartet nicht erst, bis sie sich mit ihren Gegnern über Euere Köpfe hinweg die Hände znin Friedensschlüsse reicht. Um so ehrender wird Euere Haltung sein, um so schätzen-werther werdet Ihr Euch der böhmischen Ration machen, der auch Ihr angchört. Schlägt auch unser Herz, wie Bielen von Euch, warm für das Iudenthum und für die Interessen der Iudenheit, wollen auch wir nicht dem UltramontanismuS in die Hände fallen, wie wollten wir Euch ralhen, Euch einer Clique los zu sagen, so wir nicht wüßten, daß sie zu schwach ist, Euch frei zu erhalten? Unsere Pflicht ist eS vielmehr, Euch aus dem Wahne, in dem ihr besänget seid, herauszuführen und Euch das von den Gegnern der böhmischen Ration erfundene Phantom für bloßes Lügengespinnst zu erklären. Die Israeliten auf dem Lande bedürfen weniger einer ernsten Mahnung, wie sie sich bei den bevorstehenden Landtagswahlen zu verhalten haben, sie sahen stets die Rothwendigkeit der Verständigung milder böhmischen Nation ein, die nur zum erwünschten Ziele führen kann. Anoers verhält eS sich mit den Israeliten in Prag, von denen der größere Theil zwar die Anschauung mit ihren Glaubensgenossen auf dem Lande iheiit, aber bisher immer von einigen Agenten der herrschenden. Clique eingeschüchtert wurde, sobald er sich anlnß, für die nationalen Candidaten zu stimmen. Mit einer gewissen Wollust wurde auf ein oder den andern Marktflecken hingewieseu» wenn dessen Insassen, gekränkt von der politischen Gegnerschaft der Israeliten, denselben die Verpachtung einer Hütte zu verweigern gedroht haben. während die jüdischen Pioniere der deutschen Intelligenz gleich mit Abschneidung des EreditS, jenes Ledensnerves des GewerbsmanneS oder mit Abweis der Gesuche bei Ereditinstituten terrorisirt haben. Beide Vorgänge sind verdanuncnSwerth. wo liegt aber daS Schwergewicht, das mögen sich die politischen Contremineurö beantworten. Ist es da möglich, da« Selbstbestimmungsrecht zur Geltung zu bringen, wenn, man einem Familienvater den Mordstahl an die Brust setzt um mit ihm ten materiellen Lebensfaden entzwei zu schneiseine „Pesach-Haggada (1838; 4. Aust. 1843) und die „Sprüche der Väter" (1839); ferner seine „Streitschrift über die Echtheit de- Sohar" (1840), sei» „Buch Jozerot" (1852) uud die „Glaubenslehre und Philosophie von Saadja Fajjumi" (1845). — Und bei allen diesen Arbeiten, welche nicht wenige Zeit und Kraft in Anspruch nehme» niochten, war Fürst anch noch auf dem Gebiete wistenschaftlichcr Journalistik thätig auf welchem er manche Aufsätze schrieb, die durch Zeitschriften und Sammelwerke verbreitet worden sind. Welches Geschick er auch in diese»» Fache besitzt, beiveist genügend der von ihm begründete uud viele Jahre hindurch geleitete „Orient" (1840 — 51 in 12 Jahrg.), welcher während der Zeit seines zwölfjährigen Bestandes sich trefflicher Mitarbeiter erfreute und, auch jetzt noch eine reichstießende Quelle von gelehrtem Material ist. Wa» Fürst endlich für die Bibliographie geleistet, wird an« besten der zu würdige» wiffen, der fein vortreffliches „Bibliographisches Handbuch" (1849, 1851, 1863) kennen gelernt uird einen Begriff hat voi» der Mühe und Arbeit, welche ein solche- Werk erfordert. Daß Fürst bei diesen Verdiensten, welche er sich un» die Wiffenschaft envorben, erst bei Gelegenheit seinefünfundzwanzig, jährigen UniversitätSlehrer-Jubiläum» (Mai 1864) von der königl. fächs. Regierung in „Anerkennung seiner vieljährigen verdienstliche»» Wirksamkeit an der Universität und feiner wissenschaftlichen Leistungen" zun» Professor ernannt wurde, während die llniverfität selbst ihin diese Ehre nicht ^erwieS, liefert den Beweis, daß man elbst auf Hochschulen über eonfefsionaleS Formelwesen nicht hinaus den? Ist eS unter solchen Umständen leicht, die polilische Reife zu wecken, oder sie vielmehr im Keime zu ersticken? An» Vorabende von Wahlen liebt man es in verfassnngsfreundlichen Journalen, sich auf jene Zeit zu berufen, in der Fenstersplitter Zengniß von der Zügellosigkeit eines ungebildeten Mob, bqr übrigens überall zu finden ist, ablegen sollten und erblickt in jedem Splitter einen großen Balken, hervorgewachsen aus dem Boden des Mittelalter-, ohne der Greuelthaten zu gedenken, die im Jahre 1848 in der ReichSresiden; von entmenschten Ratnren ausgeführt wurden. Wem fiele eS da ein, die gebildete Klasse für den Pöbel verantworlich zu machen? Und dennoch liebt es die deutsche Intelligenz. die zwar nicht selbst den Prügel führt, der gegen den Rücken der Israeliten gekehrt ist, aber hinter demselben Bravo klatscht, Scheidendemonstrationen aus der alten Rumpelkammer hervorzuholen, u»n den national gesinnten Juden den Ultramontanismus der böhmischen Partei vorzudemonstriren. Man gönnt nicht einmal den Juden ein friedliche- Znsan». menleben mit den Böhmen, man sucht vor purer Verfassungstüchtigkeit die Kluft zwischen beiden zu erweitern;nimmt ein verfassung-freundliche- Journal gegen die Juden Anlauf, wird dieser unbeachtet gelassen, sagt eiiT nationales Orflait einmal den Juden ihrer politischen Haltung.wegen die Wahrheit, so wird diese für eine journalistische Indenhctze protlamirt, wird in den nationalen Blättern ein freundlicher Ton angeschlagen, so scheint er den verfassung-riesigen Journalen unbequem und wird von diesen für ein Streicheln mit Sammetpfötchen erklärt. Man sucht stets nur der Störenfried zwischen den Israeliten und Böhmen zu sein und gönnt den ersteren nicht die Sympathien der letzteren. Allerdings ist der böhmische Israelit klüger geworden, er durchschaut mit .Kennerblick die verfassung-riesige Iudenfreundlichkeit, und darum wollen bei ihm derlei Angstpillen wie UltramontaniSnillS und Feudalismus nicht mehr verfangen, zn denen jene Partei greift, die sich dem Glauben hingibt, daß in ihrem Gebiete die Soiine niemals unte»gehe.Die böhmischen Israeliten werden dießnial ihre Wahl darnach einzurichten »visse» »nd den Beweis Herstellen, wie sie unbeeinflußt voi» einigen Afterpolitikern mit geschlossenen» Visir ihre Stimme» den nationalen Kandidaten geben, um auch diesen das Vertrauen entgegenzubringen, das von dsr böhmischen Bevölkerung stet» in eNatanter Weise manifestirt wurde. I!. »st. Und trvtzden» sprechen gerade s» e von „freier" Wissenjchas»! Wie soll »»»an nun von den» Plebs andere Ansichten fordern als fanatische, »venn sogar die Pfianzschulli» der Wissenschaft an Borurtheilen leiden I Oder waren nicht vergilbte Statuten, die da» Borurtheil ihm entgegenhielt, schuld daran, das» Fürst an d<r Hochschule, an der er so schön wirkt, für sein edles Ringen und Streben nach Erforschung der Wahrheit und Eriveiterung der Wiffenschast, der er doch seine besten Kräfte geiveiht, erst durch einen liberalen Schritt der sächsischen Regiernng dein» E'ntrilt »»S Greisenalter jene Anerkeirnung fand, die er, eine Zierde der Uinverslkät. von dieser längst verdient hatte? ES sei hier noch erwähnt, da» Fürst im Mai 1864 vom Freien deutschen Hochstiste zu Frankfurt a. M. zum Ehr euiniigliede und Meister erwählt und am Ende desselben Jahre» »'om König Wilhelm von Preußen »nittelS Ordre vom 12. Tee. 1864 zum Ritter deS Kronenorde»» ernannt ipurdc. Auch von dem rcgiereiibei» König Johann von Sachsen und dessen Vorgänger Friedrich August ward er mehrfach ehrenvoll ausgezeichnet. Ferner ist Fürst unter andern» Ehrenmitglied der American Oriental Society. — I» feiner gegenwärtigen Stellung an der Leipziger Universität liest er „leistenhebräische Grammatik, Exegese. Eyaldäifch, Syrisch. Geschichte der hebräischen Literatur »». dgl. Fürst »st verheirathrt und sein einziger Sohn, ein talentvoller junger Mann, Doctoc der Medicin.

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