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Die Gegenwart · 1870-07-01 · 27 (1.7.1870) · p. Seite 252

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
27 (1.7.1870)
Date
1870-07-01
Page
Seite 252 (sequence 2)
Language
German
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tri nur im Taumel ihrer materiellen Errungenschaften, zum Scheine für die Interessen der Juden gearbeitet hat. Für die Erfolge dieser Arbeit spricht bloß die Theorie, die Präzis hat uns wenig Beweise der goldenen Früchte einegesunden FreiheitSbaumcS geliefert. Wie auf einen weißen Ra» den wird gedeutet, wenn rin oder der andere Jude die nied- -igste Stnfr zu einem Amte erklimmt, wie groß ist der Jubel, den die schriiifrcihcitllchc Partei dem Hause Israel verkündet. wenn hie und da rin k. k. Adjunkt die Lehre von der Glciämeilling definiren Hilst. Rrchts als Lchaum, nichts als Schaum! eine farbenfpielcnde Seifenblase, die im '.'ibrircnden Zustande in der Luft schwebt und nur eines Hauches bedarf, um zu zcrplatreu. Ei» solches Loos erwartet die Errungenschaften der Jsraeliien gegenüber dem Luftzüge, der bei dem großen Völkerkomplexe in Oesterreich das künstlich gebaute Kartenhaus der Freiheit mit Leichtigkeit über den Haufen wirft. Die kleine Partei, an der sich mancher Jsraclste klammern zu müssen glaubt, ist nicht» Anderes als ein Atom der großen Völkermasse, die sich durch „gleiches Recht für Alle" erst konsolidircii muß. Ist dieser Prozeß durchgemacht und glücklich zu Wege gebracht, dann erst sind die freiheitlichen Errungenschaften der Israeliten garantirt und besiegelt mit dem allgemeinen Wunsche der Völker. Bei de» politischen Wellensprüngen und steigenden Wogen der Unzusricdenheit einzelner Völker ist die Emancipation der Israeliten ein pures Luftgebilde, durch das nicht einmal die wärmenden Strahlen der Freiheit dringen. Logisch geschlossen, muß die allgemeine Zufriedenheit das Ferment sein, das dir Errungenschaften der Israeliten in Oesterreich festigt und kräftigt, um sic nicht über Rächt z» einer kläglichen Illusion zu machen. Die ewige Wirniß, die jetzt die Gaue der habsburgischen Monarchie beherrscht, bereitet der Freiheit ein Ephrmeridcnlcben. Die Israeliten wollen kein Ephemcridenlrbrn fristen, wollen keine freiheitlichen Eintagsfliegen sein, frei wollen sie sein, wie der freieste Bürger, ohne jedoch dem Vater lande etwa» zu vergeben. —i——— und 3 holitcf fortsepte und vollendete. Im Somnicr 1832 erwarb er die philosophische Doktorwürde und wählte nun Leipzig zu seinem Aufenthalte, wo er seitdem im Dienste der Wissenschaft lebt, für die er von jetzt an eine üngemei» fruchtbare!hätigkeit entfaltete. WaS Fürst während dieser Zeit in seiner Wissenschaft geleistet, daS bezeugt am beste» sein Raine, der stets unter den ersten genannt ivird. Fachmännern sind ^me Leistungen bekannt; für die Leser diese» Blatte» aber dürfte c» nichtohne Interesse sei», eine kurze Skizze derselbe» zu gebe». Wir folgen hierin dem uns vorliegenden „ Wissenschaftliche» Rechenschaftsbericht" unseres Gelehrten, einem spceicll seinen Männern. Freunden und Fachgcnosscn gewidmete» Rückblick »brr drei Jahrzehnte seines Wirkens, das stets nur dem Forsche» und der Förderung der Wissenschaft geweiht war. U»S aber will seine uneigennützige, edle Aufopscrung aller ManneSkrast um so Hörer dünken, je wciiiger dankbar das Gebiet ist, auf dem sich sei» rastloses Streben so segensreich entfaltete. Ist eS ,a doch eine Literatur, gegen die um des BolkS willen, der sic angrhört, leider noch solche Bornrthelle bestehen, daß nian fast än der Aufklärung und Bildung verzweiseln mutz. Wahrheit, wann wirst du endlich über alle die Lügen und Bcrlcumdungcu obsiegen, die wilder Fanatismus gegen die Juden erfunden?! Es war das Gebiet der Philologie, auf dem Fürst zuerst die Attfmrrksainkeit der gelehrten Welt auf sich zog. und zivar durch sei» „Lehrgebäude der aramäischen Idiome" (l835). Diese gcdicgene Arbeit wnide. wie sie eS auch verdiente, von berühmten rompetenteu Zeitgenossen. »>ie Wilhelm v. Humboldt, Roscnmüller. Bopp und der M'ntif sehr günstig ausgenonnne» und sicherte dem Bersasier eine» bleibende» Raine» ans dem Gebiete der jüdisch-arainaischen Philologie, am enge» Anschlusie hieran erschienen die „Perlenschnnre arainüischer Gnomen und Lieder" (1831»), eine Elucnoinallne mit Erläuterungen und Glossar. als llrbungsbuch z» iriner aeamäischkn Grammatik bcstininit. Diese Bluinenltse ei» Gemälde der jüdisch-.'.ramäischen Sprache und ihres Genius ist eine aiigrniessene und brauchbare Ergän-ung zu jenem Lehrgebäude, »nd Fach. Die böhmische Nation strebt nach Freiheit, alle die Schreckgespenster in schwarzen Kutten und rothen Fräcken sind "ihr, wir sind davon überzeugt und haben eöselbst oft au» dem Munde jener kompetenten Männer gehört, denen die böhm. Ration ihr. Schicksal anvrrtraut hat, ein Greuel und sie will die Israeliten, wie Söhne eines und desselben Vaterlandes an ihren errungenen Freiheiten mit Freuden participiren lassen. Wer dieß nicht erkennt, der verschließt sich einer ehrlichen Auffassung der Verhältnisse und traut zu sehr den Einflüsterungen jener Männer, die nur die Rolle der Vergewaltigung übernommen haben. Politische Schachzüge, in denen man gleich ein ganzes Mittelalter zu erblicken glaubt, werden als die Avantgarde des Ultramontanismus hingestcllt und jede Drohung, jede böhmenfcindliche publicistifche Expektoration für eine Warnung angesehen vor dem Schauder erregenden Schritse, mit der vorwiegenden Majorität der böhmischen Bevölkerung eines Sinnes zu sein, der nnr aus das Wohl des Vaterlandes gerichtet ist. Zeugten doch schon deutlich die Wahlen in den niederösterreichischen und steierischen Landtag, wie eS mit den Sympathien der alten Partei bestellt, und wie ihr Stern erblaßt ist, so mußten widerum die Wahlen in den mährischen Landtag, die vielleicht bis zu diesem Zeitpunkte in Man chcm über das solidarische Vorgehen der Nationalen entstandenen Zweifel vollständig beseitigen und die Resultate der mit geheimen Apparate vollzogenen Abstimmung als glänzende verzeichnen. Wir stehen, dem politischen Barometer nach zu urtheilen, an einem neuen Wendekreise und sehen einer neuen vielleicht Heil bringenden Epoche entgegen, an der der allgemeine Völkerausgleich in Oesterreich geknüpft sein dürfte. Lasset Euch mithin nicht von dem Schauer des UltramontanismuS und der hereinbrechenden Finsterniß rütteln, er ist nur ein Fieberfrost, der jene schüttelt, die dem Moloch dienen und Euch so lange frei haben wollen, so lange sie im Fieber materieller Vortheilr deliriren. AuS dem Volke, mit dem Ihr lebet, muß die Freiheit kommen, ungefälscht und kräftig, die genosicn gewiß rin willkommene» Buch. Kurze Zeit nachher erschien dcS Verfassers allgemein bekannte, au» anhaltenden Studien hervorgegangene „Eoncordanz" (1837 — 40) Manche vortreffliche Exeurse erhöhen den Werth diese» mühevollen, 400 Bogen starken Werkes. Bei dcffen Ausarbeitung faßte Fürst die Idee zu einer für den praktischen Schulgebrauch bestimmten lexikalischen Arbeit, welche neben prägnanter Darstellung das Wichtigste in zeitgemäßer Weise de.».> Lernenden bieten sollte. Aus diesem Plane nun entstand sein „Hebräische- und chaldäischeS Schulwörterbuch" (1842). Bon der Brauchbarkeit dieses billigen, ebenso kurz al» wissenschastlich gehaltenen Merkchens geben deffen Ucbcrsetzungen ins Englische, Schwedische und Holländische sowie seine starke Bcrbrcitung ein rühmliches Zeugniß. Eine ähnliche, aber in großartigerem Maße angelegte Arbeit, die Frucht langjähriger gründlicher Studien, schuf Fürst viele Jahre später in seinem „Hebräischen und chaldäische» Handwörterbuch" (1857—61). Für die Gediegenheit diescr lexikalischen Arbeit spricht die bereits 1863 erschienene zweite Auflage dcS Werkes sowie die heuer durch Samuel Davidsohn in London auSgcführte englische Ucbcrsetzung deffelben. Die dem Wörtcrbnche beigcfügte werthvolle Studie „Zur Geschichte der hebräischen Lexikografie" bietet einen willkommenen Abriß der fast verschollcncn alten hebräischen Wörterbücher und ähnlicher, dahin gehöriger Arbeiten im ersten Jahrtausend der gewöhnlichen Zeitrechnung. Die jüngste Arbeit Fürsts auf dem eben besprochenen Gebiete ist eine neue, verbcfferte und vermehrte Auflage des bekannten Wiener sehe» „Lesebuches" (1864). — DaS Feld der jüdischen Geschichte bereicherte Fürst durch seine „Cultur- und Literaturgcschichte der Juden in Asien" (1849) und seine „Geschichte deS Karäcrthum»" (1862 und 1865). An diese beiden, für die Geschichte des IudenthumS so wichtigen Arbeiten schließt sich noch ein Heft unter dem Titel „Urkunden zur Geschichte der Juden. In ihrer Driginalsprachc gesammelt und mit einer deutschen Uebersetzung versehen" (1844). — AlS andere Arbeiten Fürst s führen wir an^srinc „llcbcrsetzung der Bücher Daniel und Esra" (1838).

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