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Die Gegenwart · 1870-07-01 · 27 (1.7.1870) · p. Seite 251

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
27 (1.7.1870)
Date
1870-07-01
Page
Seite 251 (sequence 1)
Language
German
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M'JM'.L 'UW Vttn «»»»«irtfür Prag t «anzjiihriß fl. 5.— Halbjährig „ 2.50 Vierteljährig,, ISO Mit Postzuseuduog: Ganzjährig fl. 5.50 Halbjährig „ 2.75 Vierteljährig,, 1.50 Für- Ausland: Ganzjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werden dilligst bercchaet. Geaeuwart Israclitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Intereffen. Erscheint an jedem Freitag. «etznkti»» >». niflrntirn Prag, «titergaffeRro. 408—l wohin alle vriefr n. Geldsrndnngen z, richte» find. Zuschriften werde» franko erbrlen. Ma». uvskriptc werden bei Nlchtvcrwendnag ans Verlangen jedoch unsrankirt zurücker«^ stattet. Ur. 87 Prag 1. 2uli 1870. ///. Jahrgang. EiniadunS zur Erneuerung des Abounement auf „Die Gegenwart^ Abonnements-Greise: - Für Prag. Mit PostMsrndung. Halbjähriges dto. „ 2.50.2.75 Vierteljähriges dto. „ 1.HQ.. » 1.50 Für da» Ausland: Halbjährige- 2 Thaler. Wir machen die k. I. Herren Abonnenten aufmerksam, daß zur leichtern Einsendung des Pränumcrationü- Betrages die Poftanwe»jungeli am vortheilhaftestcn zu verwenden sind, wozu bloß eine 5 Kreuzer-Marke genügt. Vor den Wahlen in den böhmischen Landtag. Die bevorstehende Wahlkampagne in Böhmen altcrirt auch die Jsraeliteu in nicht »geringem Maaße, an ihnen hält cS gleichfalls, den Wahlplatz zu betreten. Welche Pflicht an sie in jenem Momente herantritt, wo daS leck gewordene Schiff einer autokrarischcn Partei nicht nur zu sinken beginnt, sondern bereits von den Wellen einer bei b'c'n Völkern Oesterreichs nach dem freiheitlichen Dusel eingetretcncn Nüchternheit Feuillkto». Julius Fürst. Dieser um die hebräisch-aramäische Literatur so verdiente Gelehrte ward am 12. Mai 1H05 zu Jcrkowo in der Provinz Posen geboren. Da er sich für das Rabbinat auSbildcu sollte, wurde er schon frühzeitig mit dein Hebräischen bekannt gemacht und hatte cS bereitin sciucm zwölften Jahre zu einer ziemlichen Vertrautheit mit dem Talmud gebracht Im Jahre 1H20 trat Fürst in- Gvnmaflum zum Grauen Kloster in Berlin, nachdcin er sich binnen etwa zwei Jahren die deutsche Sprache, mit der er bidahin ziemlich Unbekannt gewesen war, so ivcit eigen gemacht hatte, dah er tu t bespült und verschlungen wird, ist leicht zu ermessen, wenn man die ganze Wandlung mit angesehen und die Bedeutung ersaßt hat, die dem im Wirbel sich drehenden Constitutionalismuv beizulegrn ist. Schon glaubten die Israeliten in jener Partei den MoscS der Freiheit erblickt z» haben, der mit ffi m tu Stabe an den Felsen schlug, um Freiheit hcrvorqnclleu zu lassen, siche da, mit Einem Male werden sie Gewahr, daß der Felsen zu beben und sich zu brock ln beginne und dieser MoseS der Fre.heil noch nicht der rechte sei. Bor Allem mußte und wußte jene Partei zur kigencn Bcrstäiknng die Israeliten für sich zu gewinnen, um sie zu gciviiincn und dauernd zu ködern schreckte man die Israeliten mit F.ndali-muS und UltramontaniSmnS, deren sich, wie die falschen Propheten in die Posaune stießen, die Böhmen bedirucn würden, KncchtschaslS Privilegien und alte der Freiheit Hohn sprechende Paragraph:' zu erringen, man schrickt die so gxäugstigten Jsraelilen noch heiilc mit derlei,, dem schwarzen Pessimismus entspringendcii Schauerphrasen, man erklärt jedes zu Gunsten der böhmische» Nation geschriebene Wort für einen teuflischen Fedcrzug und sieht über jede» Israeliten, der mit ihr Eines Sinnes ist, das Damoklesschwert der Vernichtung schweben. Die Führer der böhmischen 'Nation werden als Finsterlinge verschrieen, als Zauberer, di. die alte Patrimoniakrirtschaft heiansbeschwören, in welcher nur dem Clerns und dem Adel die herrsche»^ Rolle zugedacht wird. Nur die begünstigte Parteicliqnc hält sich sttr -den einzigen Freund des Lichtes, alles was sie umringt, istFinstrrniß, die nicht eine» Strahl der Aufllärung zuläßt, so umgibt sie sich mit dem Glorienscheine der Eioiliiation und hält die Freiheit für einen Plnndcr, sobald diese von einer andern Nation in soliderer, dauerhafterer Weise praktizirt werden soll. Für bcgiissstützigrr könnte wahrlich schon der nicht gehalten werden, der nicht wissen würde, daß jene der schwarzrothgoldenrn Trikolore so sehr nachhäiigende Pardiese Anstalt aufgenommcii werden komite. Fünf Jahre später smden wir ihn aus der dortigen Universität, wo er sich aus eine kliezc Leit den philosophischen und theologische» Studien unler Hegel. Aeaiidcr und ander» widmete. Bald aber wandte ec sich von hier nach dem Nabbinciseininar z» Pose», »in sich daselbst zum Nabbiiicr anszubildcii. Dazu jedoch war der junge Äaim nicht geschaffen. Er ward sich ivährend der ,'cit, welche er ans dieser Anstatt znbrachte, immer mehr klar, das« die freie Forjchmrg, z» der fein Geist hinucigte, mit diesem S lande sich nicht recht vertrage, und so beschloß er denn lK2ü dieser Lansbahli zu ciilsagr», die seinem imicrsteir Wesen so wenig entsprach, um dafür ganz der Wiffciischast anzugehöre», die an ihn» in der Thal einen ihrer eifrigsten Priester gefunden. Er ging jept zunächst ans die lliuvrr. st tat BrcSla», wo er orientalische, theologische und archäologische Studien trieb, die er dann in Halle untre Gcscinu», Wcgschridcr

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