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Die Gegenwart · 1870-06-24 · 26 (24.6.1870) · p. Seite 248

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
26 (24.6.1870)
Date
1870-06-24
Page
Seite 248 (sequence 6)
Language
German
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248 vttfyttr. Obgleich nun brr Gemeinderath noch viel Mittelalter «nthält, wäre das Gesuch vielleicht bewilligt worden, wenn «kcht der erste Bürgermeister der Versammlung geschildert Hätte, wie seine Bürger entsetzt sein würden, wenn an ihren einstigen Gräbern die Ji den vorübergefahren würden, die Ha» kreuz auf denselben verspotteten. So geschehen im Jahre 1870. Brüssel, den 10. Juni. (Frank. Journ.) In einem Augenblicke, wo die Judenverfolgungen in den Donaufürstrnthümern mit Entrüstung vernommen werden, hat die hiesige hohe und niedrige katholische Klerisei alle Maßregel» ergriffen, «m da» fttnfhundertjährige Jubileum einerBrüsfeler Judenverfolgung und Judenvertreibung mit obligater Begleitung de» Wunderblutes in eclatanter Weise Lurch eine feierliche Procession mit historischem Aufputze in Scene zu sehen. Da dir Freiheit, der Sonne gleich, alles, Sinn und Unsinn, Tugend und Untugend beleuchten soll und muß. so versteht c» sich von selbst, daß niemand eS wagen dürfte, das empörende Schauspiel zu uMersagen. Wohl aber hat diese» fanatische Schauspiel die imposantesten Protest«- tioncn de» denkenden und freiheitlich gesitteten TheileS der Bevölkerung provocirt. Entbrechend der 'an den hiesigen Gemeinden reichen Petenten ergangenen Aufforderung, hat der Bürgermeister der letzten StadtrathSsitzung erklärt, in keiner Weise sich an besagter Procession, die am 2. Juli stattfindcn soll, brthkiligen zu wollen. Dir Stadt wird weder die Musik noch ihre Pompicr» der Kirchrnfabrik zur Verfügung stellen und höchsten» die durch den Zusammenfluß der BolkSmassen «othwrndigen Polizrimaßregeln ergreifen. Außerdem ist an Len Mauern ein Manifest der nahmhaftesten Bürger erschienen, ln welchem sie gegen einen Akt, der allen Ideen der Toleranz, der Freiheit und der Menschlichkeit widerspricht, proteftiren und ihre Mitbürger auffordern, sich desselben stillschweigend gu enthalten. Dabei wird es aber die liberale Opposition nicht bewenden lassen. Da sie einmal weder verhindern kann, «och will daß die Hauptstadt de» konstitutionellen Belgien» Lurch eine derartige unerhörte kirchliche Orgie Kränkung und Berger geben soll, so ist sie darauf* bedacht, theilS durch Flugschriften, theilö durch VolkSmectingS da» ihrige zu thun, damit die Betheiligung eine so schwache dergestalt die katholische Gedenkfeier der Autodafe», welche man in Spanien in Scene setzte, auf diejenigen zurück fällt, welche sie .veranlassen wollten in der Procession eine Anzahl ihrer Betbrüder als Juden von Fesseln bedeckt hinter sich hcrschlcppcn! Dieser Theil de» Aufzuge» muß in Folge der Weisung der Behörden unterbleiben, da letztere osficiöS dem KlcrnS zugekommen ist, daß dir» unter keiner Bedingung gestattet werden könnte und man einen Aufzug einfach untersagen würde. Bemer- IcnSwerth ist, daß die Juden mit großem Tacte jenen Protestationen fern geblieben sind und cS ihren Mitbürgern überlasten haben, gegen einen solchen Unfug zu remonslrirrn. Kern. Unter den Anträgen de» BundeSrathS au die gesetzgebende Versammlung, die Revision der Bundesverfassung betr. lautet der 7. Absatz: VII, Religiöse Pcrhälnisse. Art. 44. Die GewiffcnSfreihcit wird gewährleistet. In der Ausübung der bürgerlichen oder politischen Rechte darf Niemand de» Glau- LenSbekenntniffe» willen beschräutt oder zur Vornahme einer religiösen Handlung verhalten werden. Niemand ist gehalten für eigentliche E ultu »zwecke einer Konfession oder R c l i g i o n » g c n o s s r „ s ch a f t Steuern zu bezahlen. Da» Glaubcnbrkcnntuiß entbindet nicht von der Erfüllung bürgerlicher Pflichten. Art 44a. Die freie Ausübung de» Gottesdienste» ist innerhalb der Schranken der Sittlichkeit und der öffentlichen Ordnung jeder ReligionSgenosscnschast im ganzen llmfang der Eidgenvffensqaft gewährleistet. Den Kantonen wie dem Bunde -bleibt Vorbehalten für Handhabung der öffentlichen Ordnung n«d de» Frieden» unter den Eonfessivneu die geeigneten Maßnahmen zu treffen. Art. M. Zweite Abtheilung. Auch > Um Riemand verhalten werden, sich in Lheangelegenheiten einer geistlichen Gerichtsbarkeit zu unterziehen. Art. 64. Im 'ersten Absatz werden die Worte »weltlichen Stande»" gestrichen. Wanganni. (Neu-Seeland). Eine» der größten Leichenbegängniffe, da» je in Wanganni gesehen wurde und zugleich da« erste jüdischeist, fand den 14. März statt. Herr Nathan wurde auf dem jüdischen Begräbnißplatze, welcher erst kürzlich der jüdischen Gemeinde von der Provinzial-Regierung geschenkt wurde, beerdigt. Kunst, Theater uudLiteratur. — Bon dem Tenoristen Sontheim wtrd mitgetheilt, daß derselbe vor einigen Tagen, al» er eben nach Beendigung seines Urlaubs von Jebenhausen, wo er ein Landgut hat, nach Stuttgart zurückkehren wollte, in großer Lebensgefahr schwebte, indem ein Pscrdewärtcr ihn mit einem Messer attakiren wollte, was er aber durch rasche kalblütige Cntschloffenheit und die Hilfe seiner ungemeinen Körperkraft noch abzuwenden wußte. Doch damit war die Sache noch nicht zu Ende. Der Attentäter ergriff einen großen Chausseestein, um mit Hilfe desselben seine Pläne auSzuführcn. Abermals von dem auf seiner Hut' befindlichen Sänger überwältigt, überfiel er, als Sontheim schon glaubte, nunmehr Ruhe zu haben, denselben nun mit einer Heugabel, zog aber diesmal den Kürzer». Am 7. Juni trat Sontheim nach längerem durch einen hartnäckigen Katarrh herbeigeführtem Unwohlsein erstmals wieder als „Masaniello" in der „Stummen" auf und wurde von dem zahlreich versammelten Publikum, da» seinen Liebling wieder zu hören, ungemein erfreut war, enthusiastisch empfangen. Seine Gesangsleistung lieferte den Beweis, daß diese» Unwohlsein seiner Stimme nicht nur keinen Eintrag gethan, sondern dieselbe aufs neue gekräftigt hat. Vom Vücherlische. Ncal-Encyclopädie für Bibel und Talmud *) von Dr. I. Hamburger Landrabbiner zu Strelitz. Bor wenigen Tagen sind die letzten Bogen der ersten Abthcilung diese» trefflichen Werkes (biblische Artikel) im Drucke erschienen. Hiermit ist nun einem allgemein tief ge. fühlten Bedürfnisse Rechnung getragen und ein vollständiges höchst schätzcnSwcrtheS Handbuch der ganzen Bibel gegeben. Da» so äußerst mannigfache Material, daS die Bibel in religiöser, sittlicher, historischer, geographischer etc. Beziehung bicthet, ist hier mit großer Sorgfalt gesammelt und mit tiefem Bcrständniß erschöpfend und doch in gediegen« und gedrängter Kürze behandelt. Daß der gelehrte Berfaßer den überreichen Stoff in zahlreichen, alphabetisch geordneten Artikeln fast lfjOO in deutscher Sprache behandelt, sichert diesem Werke eine um so größere Verbreitung zu, da e» dadurch auch jedem Laien möglich wird, über jedes biblische Thema mit Leichtigkeit sich ein klare» Urtheil zu bilden. ES ist dieß namentlich in unserer Zeit, wo über jüdische Lehren, jüdische Gesetze etc. so viel in der Oeffentlichkeit verhandelt wird, von großer Wichtigkeit. Nicht mindere Anerkennung dürfte diese» Buch in Gelehrtenkrcisen finden durch die zahlreichen Noten mit denen c» versehen ist. und durch den Hinweis auf die Quellen au» denen der Verfasser geschöpft. Die Behandlung de» Stoffe» zeugt wie bereits erwähnt, von tiefem Verständniß; viele Artikel, die wir nachzufchlagen Gelegenheit hatten, sind meisterhaft dargefteüt, die historischen Charaktere der Pattiarchen, Propheten, Könige etc. trefflich gezeichnet und die großen religiösen und sittlichen Gedanken ver Bibel mit Treue und Klarheit entwickelt. Besonder» hervorzuheben ist noch, daß nir- •) Durch Herr» David 3- Podirbrad Prag N. 2. 243—6 z» brjirhru.

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