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Die Gegenwart · 1870-06-17 · 25 (17.6.1870) · p. Seite 237

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
25 (17.6.1870)
Date
1870-06-17
Page
Seite 237 (sequence 3)
Language
German
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237 fühlt, weil ihm das nöthige Bewußtsein mangelt. Begeben vir unS aber öfter in Schlachthäuser, so wird enicht lange währen und wir werden zu der Einsicht gelangen, daß Keule und Beil dort oft von Leuten grhandhabt werden, denen entweder die dazu erforderlichen Kräfte, oder Geschick und Wissen abgehen, so daß durch deren Schlag da« Thier nicht nur nicht betäubt wird, sondern durch den entstandenen Schmerz rasend gemacht, sich seiner Fesseln entledigt und wüthsnd herumirrt, wobei noch Menschenleben in Gefahr gebracht werden. Ein solch wuthentbrannteS Thier alsdann wieder zu bändigen, ist nichts Kleines, und eS ist nicht selten, daß man dann genöthigt ist, durch eine wohlgezielte Kugel dem armen, gequälten Thiere den Garaus zu machen. In Folge der Durchschneidnng dcS Halses, wobei also die Luftröhre, der Schlund, die großen HälSnerven und die großen Blutgefäße durchschnitten werden, tritt durch den Ausfluß deS eigentlichen LebcnSclcmentS, dxS BluteS der Tod ein. Wie aber bekannt, enthält gerade das Blut viel Eiweiß und solche Bestandthcilc, die vom Menschen genossen, denselben kräftig nähren, während daS Fleisch, dem der größte Blutgchalt fehlt, lange nicht so nahrhaft ist. Hieraus ist erklärlich, daß geschossene Thiere für nahrhafter gehalten werden, als geschlachtete. Hierauf fußend, haben Fleischer in großen Städten, zuerst in Hamburg, es versucht, die Thiere durch den Genickstich zu tobten, damit daö nahrhafte Blut im Fleisch bleibe, wodurch letzteres allerdings ein dunkelrothcS Aussehen behält, dafür aber freilich nicht nach dem Geschmacke mancher Hausfrauen ist. Der sogenannte Gcnickstich wird in der Art auSgrführt, daß mittelst eines spitzen, dabei aber starken Messers (Genickfänger) zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel eingedrungen wird, um auf diese Weise daS sogenannte verlängerte Mark vom Gehirn zu trennen, wodurch, wenn eS vollständig gelingt, das Thier plötzlich zusammenstürzt, welches eine Folge schnell eingetretener Lähmung ist. Thatsache aber ist eS, daß die Thätigkcit deS großen Gehirns selbst nach Durchschneidnng des verlängerten Markes noch eine Zeit lang fortbcsteht, woraus also hervorgeht, daß Thiere, auf diese Weise geschlachtet, unter großen Qualen sterben. Die Ausführung des GenickfticheS ist-auch nicht so leicht, wie allgemein angenommen wird, weil der Raum zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel bei keinem Thiere so groß ist, daß man in demselben eine mehr schneidende Bewegung mit dem Messer machen könnte und so sicher alle Fäden deS Markes durchschnitte. Hieraus erklärt eS sich, daß sehr häufig nach dem Genickstiche die eine Hälfte deS ThiereS gelähmt erscheint, während die andere noch fortfährt, lebendig zu sein und ein abermaliges Einführen deS Genickgrnommcn als der Reiche. Bon Stolz findet sich beim Mittelstand keine Spur, er ist lentscelig gesellig«, tolerant gegen seine Glaubensgenossen und gegen andere Religionen und bildet er die Seele de- Gemeindelebens; denn ohne ihn könnte eine Gemeinde sich kaum erhalten. Auf die Erzichnng und Heranbildung der Kinder vcrwendet der Mittelstand viel, er ist durch und durch praktisch, weit intelligenter als die Reichen und befiel einen große«» Einfluß in socialer und politischer Beziehung. Die dritte StandcSklafle bilden die Armen, «vohl nicht so zahlreich vertreten, wie bei anderen Confrffionen, aber iinmcrhin quantitativ genug. Ihre ganze Stütze finden die Armen im Mittelstand, der ihnen «nehr Achtung als der Reiche rinsioßt. Der jüdische Anne ist sehr feinfühlig, zuweilen sparsam, zuweilen steige, big, er betrachtet sich unter llinständen nicht für arin und die Spende für eine au-gesetztc Pension. Ich habe bei diesen Studien weniger die Juden der Reichsmetropole inS Auge gefaßt und mich mehr allgemein gehalten, »in daS Bild um so grttruer zu entwerfen. 2. St. fängerS nöthig macht, was wiederum die Qual des armen ThiereS erhöht. Betrachten wir jetzt das rituelle Schlachten, wie es die Juden handhaben, da» sogenannte „Schächten," welche» ihnen von MoseS schon geboten worden, so finden wir ersten-, daß dieser Act nicht von Jedem, sondern nur von eigen« dafür geprüften Leuten, den Schächtern, au-geführt werden darf. Zweitens muß auf das dabei zu handhabende Instrument eine besondere Aufmerksamkeit verwendet werden. Diesemuß die gehörige Länge haben, muß stets blank geputzt, scharf und völlig frei von Scharten sein. Hierangeht hervor, wie weise Moscö seine Gesetze gab. Selbst über da» Befestigen des zu schächtendrn ThiereS gab Mose- Vorschriften. ES muß so auf dem Rücken liegen, daß der Hal» etwaS überrückS gebogen erscheint, wodurch die zu dnrchschneidenden Theile deS Halses stärker hervortrctcn. worauf der Schächter auf einen Ruck den Hals so weit zu trennen hat, daß er nur noch durch die Wirbelsäule mit dem Kopfe de» ThiereS in Verbindung steht. Die jetzt cintretende plötzliche Verblutung versetzt das Thier in eine Ohnmacht, wodurch der Todeskampf für dasselbe nicht fühlbar wird. Hieraus geht hervor, daß diese TödtungSweise am meisten für das Schlachten der Thiere zu empfehlen wäre, da dabei dem zu schlachtenden Thiere am meisten der TodeSkampf erspart wird, wozu wir entschieden auch verpflichtet sind, damit nicht da» Schlachten der Thierquälcrci so ähnlich gemacht wird, wie daS noch so beliebte Todthetzen von Wild, welche» ja noch heutzutage zu den sogenannten noble, Paffionen gehört. Al» vor mehreren Jahren die öffentliche Meinung in einigen Cantonen der Schweiz gegen das rituelle Schächten auftrat und es ungcrechterweise in die Kategorie der Thierquälerei stellte, so ersuchte der dortige Landesrabbiner sämmtliche Thierarzneischnlen, sowie hervorragende Thierärzte um ein Gutachten darüber: „ob Schächten Thierquälerei sei oder nicht?" Sämmtlichc hierüber abgegebene Gutachten, zwanzig an der Zahl, sprachen sich dahin aus, „daß daS Schächten durchaus nicht als Thierquälerei aiizufrhen sei." Ja, die meisten erklärten, daß dies Schächten einen entschiedenen Vorzug vor dem Schlachtmodu», wie er bei Christen gebräuchlich sei, habe, und Gerlach Direktor der Veterinärschule in Hannover, erklärt das Schächten für das humanste Verfahren, welcheallgemein eingesührt werden sollte. (Was mögen da dir guten Schweizer von unseren Parforce Jagden denken?) So gut eS nun auch wäre, wenn wir einen Schlachtmodus hätten, wobei dem Thiere so wenig wie möglich Schmerzen verursacht würden und das Blut durch'S Schlachten im Fleische verbliebe, so gibt eS außer dem Tode durch die Kugel ins Gehirn keine Schlachtmethode, die Beide» in sich vereinigte, daß es also, da daS Erschießen nicht überall anwendbar, doch am besten ist, die Thiere in der Weise zu tödten, wie bei den Juden rituell vorgeschrieben Allerdings lag da» völlige Ausbluten der Thiere beim Schächten in der entschiedenen Absicht des Mose-, da er erstens wähnte, daß im Blute die Seele vorhanden sei, anderntheil» eS aber in den heißen Klimaten zweckmäßiger war, die Thiere auSbluten zu lassen, weil sich derartige» Fleisch länger genießbar erhält. Tradition und Talmud. Die jüdische Religion ist nicht bloS eine innere, sondern auch eine äußere Religion. Erstnntniß dieser Religion und ihrer Gebräuche ist Jedem nothwendig, wenn er den Endzweck derselben, höchste Heiligkeit und daraus fließende höchste Glückseligkeit erreichen will. Eine solche hinlängliche Erkenntniß konnte die heilige Schrift nicht gewähren, da die Israeliten in ihrer damali- 2b*

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