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Die Gegenwart · 1870-06-17 · 25 (17.6.1870) · p. Seite 236

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
25 (17.6.1870)
Date
1870-06-17
Page
Seite 236 (sequence 2)
Language
German
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I 236 — lichen äußeren Einflüssen auSgesetzt wären, würden die ar« men Kinder nicht bekleidet werden u. s. w. vergessen, oder ( Vereine bedenken, die einen unangreifbaren Fond besitzen wie dieß z. B. ist der Darlehenverein ohne Unterschied der Eon» fession u. s. w. Man wird uns doch zugestehen, daß dieser verein, dem vom Capital nie Etwas entzogen, viel, mehr dasselbe durch den Beitritt neuer Mitglieder vergrößert wird, weniger Anspruch auf Unterstützung haben sollte, als die beiden vorangcführtcn Vereine, die unterstützen müssen, und kein Kapital besitzen, dafruchtbringend angelegt werden könnte. In einem wie in dem andern Falle bleibt allerdings jede Dotirung ein Akt der Wohlthätigkeit, aber nicht immer der Nothwendigkeit, und sollten die wichtigen und bedürftigeren Vereine in erster Linie vom Legatar inS Auge gefaßt werden. Blicken wir über die Grenzen des IudenthumS hinaus, wie viel und wie groß sind die Legate, die den sonst reich begüterte» Kirchen und den damit verbundenen Pfarreien gewidmet werden, nie ist noch einem der jüdischen reichen Testatoren oder Legataren eingefallen, ein Augenmerk auf die Synagogen zu richten, die nur auf die Beiträge ihrer Mitglieder angewiesen sind und ihr Dasein von den gestickten Ornamenten, die hie und da gespendet werden, nicht fristen können. Dieses Ueberfehcn könnte wohl damit entschuldigt werden, daß sich viele Reiche im Leben schämen, mit der Synagoge in Berührung zu kommen, um nach dem Leben ihrer zu gedenken, aber immerhin doch nicht entschuldigt, weil mancher Jude, der sich auch im Leben von den religiösen Formen lossagt, immerhin als Jude stirbt. Dasselbe Schicksal stiefmütterlicher Behandlung trifft die VersorgungSanstalten, wie dieß sind z. B. die Babette Lämel'sche AltervcrsorgungSanstalt, da» Jsak Taußig'sche Alterversorgungö« und Blindcninstitut, welche unstreitig der Prager Gemeinde zur Zierde und Ehre gereichen und die edelste Tendenz erfüllen. Sollte nicht dahin gestrebt werden, diese Institute, deren Einrichtung über jeden Tadel erhaben ist, zu erweitern, um jede Beschränkung der Zahl der Aufzunehmenden wo möglichst zu beseitigen? Diese und noch andere Zurücksetzungen würden gewiß nicht stattfinden, wenn planmäßiger zu Werke gegangen und bei vorkommenden Fällen die Legatare zuvor von der jüdischen Vertretung sämmtliche Vereme in der Gemeinde schriftlich nahmhaft erhalten würden. Man würde gewiß nicht Vereine, die über garantirteS Capital verfügen, zuerst ins Auge fasten, während darbenden Witwen, armen Bräuten gar Nichts geboten wird. Die natürliche Folge von so ungerechter Vertheilung ist die Zersplitterung deS eine größere Summe repräsentirenden dotirtcn Capital«. Wir wollen keineswegs damit gesagt haben, man solle den Vereinen jede llnterstützung entziehen, aber man möge zuvor auf senden, die ihnen unterstehende Gattung selten nach Hunderten und nur dann, wenn in ihnen höhere Ehrenzwcckc den Wohlthätigkeit«- sinn wecken. Im Verhältnisse zu ihren Verhältnissen spenden sie nicht viel und erinnern sich in Anwandlung einer guten Laune zu weilen ihrer GlaubenSbrüder. Der plötzlich reich Gewordene scheint in seiner neuen Strllung etwa» unbeholfener zu sein, den Kavalier zu spielen fehlt ihm da« Genie, zur Vlaubtütigkeit ist sein Blut nicht genug geläutert, er ist gegen de» Armen barscher als er es früher war und vergißt seiner ursprünglichen Stellung. Der Parvcnue brillirt gerne mit seinem Vermögen. öffnet und schließt häufig in Gegenwart Anderer sein Portefeuille, malträtirt die Thüre der Werth- Heimer-Lassa, wobei er sich zuweilen die Finger einklemmt und liebt es nicht, wenn man ihn an seine Vergangenheit erinnert. In der Erziehung seiner Kinder geht eine Wandlung vor sich, sie werden verhätschelter, genäschiger und übermüthiger. Der Mann verwirft den primitiven Franzefnß und greift nach dem Whist- oder Bostonspiel, dir Frau, dir früher im Lesen mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, blättert im Lonversationslezikon, da« für sie eine Fundgrube bildet, au« de« sie Sprechmaterial in di« nächste Gesellschaft schleppt. Ich kenne einen solchen Parvenue, der einmal in einer Gläubigrrsitzung sagte: „Meine Herren! ich bin zwar eln die bedürftigeren Anstalten bedacht sein und bei dem Ue berfluße von Vereinen eS für.zweckentsprechender finden, ansehwliche Stiftungen zu gründen, bei denen mit einigen hundert Gulden dem einen oder dem andern gedienter wäre, als hultderten mit einigen Groschen. Dem einen Verein viel, dem andern gar nicht« zu spenden, das kann unmöglich in der Jntentton des Legatar» fein, und man möge bedenken, daß, so wie die Armuth keinen Unterschied in der Person kennt und überall freies Entree hat, so möge man der Armuth gegenüber keinen Unterschied aufkommen lassen. F. lieber das Schlachten der Thiere bringt der „Osten" einen intercstanten Artikel den wir hier folgen lasten. Wie bekannt, entnimmt der Mensch seine Nahrungsmittel nicht allein dein Pflanzenreich, sondern auch dem Thierrcich. Die Menge der hierzu verwendbaren Thiere ist beträchtlich; doch sei im Nachfolgenden nur auf unsere Haussiere und hier besonders wieder auf diejenigen hingewiesen, welche zn den Familien der Zweihufer und Bielhufer gehören. Außer anderem Nutzen, den sie gewähren, werden sie auch für diesen Zweck gehalten und es wird dafür gesorgt, daß eS nie an diesen Nahrungsmitteln fehle. Um nun das Fleisch, Fett u. s. w. dieser Thiere nutzbar zu machen, müssen dieselben erst gctödtet werden, und es dürfte wohl von Interesse sein, die Todesarten einigermaßen zu beleuchten, welche heutzutage angewcndet werden, obwohl auch hierüber schon Mancherlei und vielfach geschrieben und gesprochen worden ist- Was die größeren HauSthiere betrifft, so werden, da« Schwein mit inbegriffen, dieselben erst einigermaßen gefesselt und durch einen kräftig geführten Schlag vor die Stirn betäubt, was zu dem Zwecke geschieht, daß das Thier Zusammenstürzen soll; sodann wird der Bruststich oder die völlige Durchschneidung der Halspartie vorgenommen, in Folge deren das Thier durch Verblutung stirbt. Betrachten wir den Zweck dieser Manipulation, so finden wir, daß durch den Schlag vor die Stirn, unter welcher sich das große Gehirn befindet, allerdings eine derartige Betäubung eintretcn soll, daß das Thier die Durchschneidung des Halses oder den Bruststich nicht fühle. Es ist unbestreitbar, daß, wenn der Schlag kräftig ist und auf die richtige Stelle geführt wird, eine solche Betäubung entsteht, daß das Thier die weiteren Manipulationen nicht mehr reicher Mann, aber Geld verliere ich doch nicht gerne." So spricht ein Mann nicht, auf den die hundert Tausende oder die Milli onen überkommen sind. Der angestammte Crösus blickt auf den zur Höhe des Reichthumö Emporgrwirbelten mit Verachtung uu5 hat eS in der Präzis, einen solchen gleich zn erkennen. Beide Gattungen sind aristokratischer Natur und der Mensch sängt bei dem. einen an nüt 80.000 Gulden bei dem Andern mit einer Million. Ganz anders verhält eS sich mit dein Mittelstand. Dieser ist durch und durch Demokrat, ihm impouircu weder die Tausende eines ParvcnueS, noch die Millionen eines an der Wiege schon zum jüdischen ErösnS Gestcinpelten, er hält fest an seinen Principien und nimmt den Armen ain meisten in Schutz; wie eS auch kommt, das, der Mittelstand viel, ja sehr viel spendet, im Stillen WohlthätigkcitSakte auSübt und sie nicht von Reklamen und Dankadreffen abhängig macht. Der Mittelstand zählt das größte Contingent, er kennt keine Saison im Geben, er ist jeder Zeit bereit in die Tasche zu greifen, er wartet nicht, bi« ihm der Tod rin thrucreS Familienglied entreißt, auf dcffen Hinterlaffenschaft er zu zählen hat, er gibt oft im Leben so viel, daß er nach demselben nicht« zurückläßt. In WohlthätigkritSvereinen ist der Mittelstand zu. meist vertteten, handelt e« sich uin den Beittag zu einer Tollekte, schließt er sich nie au«, und so wttd er weit mehr ln Anspruch

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