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Die Gegenwart · 1870-06-17 · 25 (17.6.1870) · p. Seite 235

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
25 (17.6.1870)
Date
1870-06-17
Page
Seite 235 (sequence 1)
Language
German
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1 Via« afonnivtfär Prag: «»rjiihrig fl. 5.- Holbjährig „ 2.50 Vierteljährig,, 18V «U Postznsrnduvg: Ganzjährig fl. 5LV Halbjährig „ 2.75 vietteljährig „ 1.5V - Fürs Ausland: Ganzjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werdra billigberechnet. Die Gegenwart. Israelitische Wochenschrift für politische, sociale nnd religiöse Interessen. «Erscheint an jedem Jreitag. RtltfHM B flb,t' »iflratlon Prag, Mitter,»sse«ro. 4V8—1 »»hi» alle Briese n. Geltzsendnnge» z, richte» si»tz. Zaschriste» »erbe» fraaeo erbeten. Ma» nnslripte »erben bei Rlchtvenoendnng ans verlangen jehoch nafrankirt znriicker- -attet. s Nr. 25. Prag 17. Juni 1870. III. Jahrgang. Der Legalenschrvindel. Es ist ein eigenthünilichcr Grundsatz der jüdischen Geldaristokratie in Prag bei Lebzeiten für die Armen und WohlthätigkeitSinstitute sehr wenig zu wirken, um durch einzelne Akte der Humanität deS Lebens moralische Seitehervorzukehren und dcmsrlben die eigentliche Würze zu verleihen. Denn der irdische Genuß gravitirt nicht nur nach der Befriedigung seiner eigenen Gelüste, sondern meist.dorthin, wo man Hilfsbedürftige, denen das irdische Leben eher eine Last als eine leicht erträgliche Bürde ist, an seinen Freuden Partie!- piren läßt. Die Reichen haben einen ganz anderen Calkul, ob er mit den Prinzipien der Humanität übereinstimmt oder kollidirt, kümmert sie nicht, wenn sie nur kein Atom der ZinfeSzinsen ihres Vermögens einbüßen, mögen die Armen gcmüthlich zu sehen, wie die Reichen Geld auf Geld häufen, um eS leblos in Banken liegen zu lassen oder für unberechenbare Zeiten aufznbcwahren. Es steht wohl Niemandeu daS Recht zu, jenen Geldmatadoren ein Recept vorzuschreiben, rvle sie Wohlthätigkeit üben sollen, aber bei dem immer mehr um sich greifenden Legatenschwindel ist eS nothwendig, demselben ein ernstes Wort zu reden. Ist schon an und für sich daS Spenden, es mag in welcher Form immer auftreten, eine lobenSwerthe Erscheinung, so wäre diese doppelt lobenSwerth, wenn der Plan des Spenden« gut angelegt "und dieses praktisch gut durchge! würde. Gewöhnlich suchen die Erben nach verstorbenen ,Vv , chen, den Tod des Erblassers mit einem WohlthätigkeitSÄtLr^b zu besiegeln, ob für die hingetretene oder für ihre eigene 1 Seele etwas zu thun, bleibe aus unerforschlichen Gründen hier unerörtert. Der geringe Sinn der durch die Fortdauer des Geldes an die Fortdauer der Seele gemahnten Erben für die Interessen des JudrnthumS, gepaart mit dem Rausche, den der Anblick eines Ziffernreichen Testamentes verursacht, ruft große Consusion hervor, und anstatt von der Engherzigkeit zu heilen, wird diese vielmehr vergrößert und werden mit einer kaum im Verhältnisse zu diesem Rcgielosen Testamentsgeschäfte stehenden Abfertigungssumme die Erwartungen der Außenwelt getäuscht. Ucberläßt man den Pauschalbetrag nicht der jüdischen Vertretung, die aus Liebe zu dem einen oder aus Antipathie gegen den andern Verein entweder dem einen viel, dem andern gar nichts gibt, so begibt man sich zuweilen nicht des VerfügungSrechtes und trifft selbst die Einthcilung. Hiebet pflegt eS zu geschehen und geschieht eS, daß die Legataren in vollster Unkenntniß der Gemeindezustände und der WohlthätigkeitSvcreine entweder an hilfsbedürftige Vereine, wie dieß sind z. B. der Unterstützung«»»»- ein für arme ist. Studirende, die einen doppelten Kampf zu bestehen haben, den um die Existenz und den um das Studium; ferner der Unterstütznngsverein für arme isr.Kinder, die dem unerbittlichen Frost und den der Gesundheit oft schäd- Feuilleton. Die Klaffificirnng der Juden. Man legte den Inden stets einen demokratischen Charakter bei und wollte diese Annahme ans der beschichte herholen, in der ihnen eine kriegerische Rolle zugethciit wurde. Ich habe in ethnographischer Beziehung kleine Studien gemacht und gefunden, daß eS gerade die Juden sind, welche ein Gemisch von Demokratie und Aristokratie bilde», nnd dieses zumeist im soeialen Verkehr mit einander zur Geltung bringen. __ Die Juden, so lange sic vorder Theilung ihres Reiches eine l kompakte Masie bildeten, kannten, wenig er einen EtandeSunterschied. nach der Z.rstörung ihres Tempels, von einen. Orte zum andern ge jagt, unstät und fluchtig schnitten sie sich selbst ihre materielle und selbst unter Ilmständrn ihre geistige Kommunikation ab und klammerten sich, obschon sie sporadisch, aber immerhin in ihren Ghetti'S eiiigczwängt lebten, an einander, um in einer gewiffen Verbrüderung allen ihnen von außen her drohenden Stürmen, so! weit eß möglich geworden, kräftigen Widerstand zu leisten, immerhin I aber lugte stets mehr daö aristokratische Element hervor, welchesich mit der Lüftung deS knechtischen Sinne-, mit der allmäligen Aufhebung freiheitlicher Beschränkung immer mehr erweiterte, biS sich die Gegensätze förmlich herauSbildelen. So wie die Athener unter Solon nach Klasien eingethrilt waren, die sich nach der Stufenfolge de- Vermögens qualtficirten. so theilcn sich heutzutage die Juden in Standesklasien, Man unterscheidet sie in die der Reichen, deS Mittelstände- und der Armen. Die Reichen zerfallen wieder in die Klaffen der Patririer und der Plebejer. Erste« haben gewöhnlich den Reichtbu», ererbt, die Letzteren haben sich fukseffivc durch gute Conjunkturen, durch Lotteriegewinnst« oder durch Börsrnspiel zur Höhe de- ReichthumS cmporgewtrbclt. Die im Reichthum schon Gebornen zählen ihr Vermögen gewöhnlich nach hundert Tausciideii und zuweilen »ach Millionen. Die Milionäre sind nicht so häufig zu flnden, während die unter dem Riveau der Million stehenden ziemlich zahlreich vorhanden sind. Beide Kategorien leben in der AtmoSsphäre der Scheinintelligenz, suchen sich von ihren Glaubensgenossen wo möglichst zu isolier» und bewege» sich am liebsten in aristokratischen Cirkeln, in die fit sich gewöhnlich in etwas zudringlicher Weise vorzudrängen bemühen. Sie sind vom Richtjuden weniger geliebt, mehr geschätzt, geschätzt ihre- Seidewegen, dakeinen Unterschied in der Rationalität und Conseffion kennt. Die Millionäre spenden selten nach Tau- 4

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