Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 24 (10.6.1870)
- Date
- 1870-06-10
- Page
- Seite 232 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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232 — S. F. mit unbeschreiblicher Wnth auf R. loS «und stellte ihn oo der Sabbathentheiligung in schmähenden Worten zur 'Rede. Statt aller Antwort ober gabR. dem F. einige wohl -«pplizirte Ohrfeigen. Ten F. kümmerten die Ohrfeigen indes, sen gar nicht, sondern er fuhr in seinem wüthendrn Sermon Meiler fort. Run entledigte sich S. durch einige Rippenstöße frim» Moralisten. Ho, sagte er dann zu sich, als er wieder «Urin war, dem habe ich seine unberufene Rüge ordentlich gelohnt. Aber, Entsetzen! als R. in seine Taschen griff, fehlte ParauS die Brieftasche, welche 65 fl. enthielt, und als er «och der Zeit sehen wollte, wann er solch ein Ereigniß erwar auch die goldene Uhr mit drm unberufenen Sit- Senprediger verschwunden. Die Anzeige hievon ist dem Kriminalgerichte bereits erstattet worden. Ans Sereth. Hustle Glireinde, so laßt sich der JDftro“ berichten, hat das seltene Glück, sich einer strebsoiuen, für das öffentliche Wohl nicht gleichgiltigen Bürger, fchaft zu erfreuen. Tie Rumänen und Israeliten leben hier in gutem Einvernehmen und unsere Stadt gedeiht vortrefflich. Wollte ich wackere Bürger nennen, so müßte ich ein lange- Register vollschreiben, sowohl von Juden als von Christen. Ter Bürgermeister, Notar Sylvester, ist ein höchst rhrrnwerther Eharakter, der selbst in einer Großstadt der Bürgerschaft zur Ehre gereichen würde. Ter rumänische Seelsorger PiatrowSki muß ebenfalls mit Auszeichnung geaannt werden, eben so unser brave Postmeister und so noch manche Andere. Allerdings kommt auch noch in Betracht, daß unser Bezirkshauptmann, Herr Zucker, ein Mann von sehr aufgeklärten und freisinnigen Anschauungen ist. Für die ^bevorstehenden Wahlen ist hier noch kein bestimmter Candidat in Aussicht genommen. Mit dem bisherigen Abgeordneten waren wir nicht zufrieden, weil er für die Stadt nichts geleistet und auch dem Lande keine nennenSwerthen Dienste im Landtage erwiesen hat. Die Andengemeinde in ^igrom. In der letzten Sitzung des gegenwärtig vertagten croatischen Landtages haben die Orthodoxen der Agramrr jüdischen Gemeinde eine Petition ringereicht, in der sie um Schutz gegen die Uebergriffe der Reuerer ansuchen und namentlich auf den Umstand Nachdruck legen, daß sic nicht bloß in Bezug auf ihren gottesdienstliehen alt-mosaischen Ritus, von dem die Neuerer abgefallen, zu verschiedenen Auslagen gezwungen sind, sondern daß sie «uch sogar zur Aufrrchthaltung des neuen, von ihnen verworfenen Ritus im Wege der Rrpartition zu Leistungen verhalten werden, wclche nicht nur ihrem Gewissen widersprechen, sondern sogar im Widerspruche mit dem 8, 8 und ß. 16 c. der Gemeinde-Statuten vom li>. April 1867 stehen, welch letztere ausdrücklich anorducn, daß die Gemeinde-Angehörigen und Mitglieder zur Deckung der Gemeindebedürfnisse die directrn Geldbeiträge nur nach Verhältniß ihres BcrmögenS und Einkommens zu leisten haben. Nun aber enthält derselbe Statuteu-Paragraf die unglaubliche Bestimmung, daß die directe Umlage ohne Angabe der Gründe, nur nach Wissen und Gewissen der RepartitivnS Commission zu geschehen habe, sowie daß die so bestimmte Umlage auch ohne Berücksichtigung einer vorkommcuden Reclamation vom Gemc»nde- AuSschusse cndgiltig festgesetzt werde. Ta aber in der Re- Partitions-Commission und im Grmeindc-Aussckussc nur Vertreter der Neuerer sitzen^ so kommt es, daß mancher der Orthodoxen, der nur 10 fl. landrSfürftliche Steuer entrichtet, 36 fl. für CultuSzweckc zahlen muß. und wieder ein Anderer, der ehedem 24 fl. für den gemeinsamen CultuS zahlte, nun nach den neuen Statuten zur Zahlung von 123 fl. gezwungen wird. Nun gehört die Anzahl der Orthodoxen, etwa 18 oder 20, meisteutheils der unbemittelten Claffe an, und eS wäre in dieser Hmsicht wohl eine Erleichterung ihrer Lasten schon vom humanitären Standpunkte wünschen»- werth. Die Agramrr CultuSgemeinde zählt etwa 130 Mitgl „der, die nächste Umgebung der Stadt mitgrrechnet, und hat ein Budget von nahe an 10.000 fl. Bon dm Mitgliedern «der sind 30 dis 40 zahlungsunfähig, fo daß sich da» jlmUi) große Budget eigentlich auf nicht ganz 100 Personen vertheilt. CS ifffein Zweifel, daß der Landtag die Beschwerden der Orthodoxen würdigen wird. Ungleich vortheilhafter aber wäre eS für alle Theile, neue Statuten auSzuarbeiten, worin sowohl die Orthodoxen gegen jede Majorisirung geschützt, sind, als auch den allgemeinen Principien der Toleranz und der persönlichen Ueberzeugung Rechnung getragen würde. Wenn schon die moderne Gesetzgebung jeden Zwang zur Ausübung emer gottesdienstlichen Handlung verwirft, um wie viel mehr noch die Leistung eine» eventuell gar mit Execution herrinzudringenden Beitrages von Seite des Mitgliedes einer anderen rituellen Geuoffenschaft. Ausland. Weimar, 28. Mai. Tie freireligiösen Gemeinden in Apolda und Umgegend haben in einer Petition an den Landtag ein Gesetz beantragt, welches den Eltern das Recht einräumt, über die Religion ihrer Kinder bis zu einer gewiffen Altersstufe selbstständig Bestimmung zu treffen, und für die Minderjährigen selbst ein Alter normirt, von welchem an sie in 'religiösen Angelegenheiten selbstständig über sich verfügen können. In der gedachten Petition wird ferner das Verlangen bekundet, daß die Eltern berechtigt sein sollen, nach ihrem eigenem Ermessen zu bestimmen, ob ihre Kinder an dem Religionsunterrichte der öffentlichen Schulen Theil nehmen wollen. Endlich wünschen die Petenten noch die Beseitigung Seitens des Geistlichen in den Fällen, wenn ein AuSttitt aus der kirchlichen Gemeinschaft erfolgt. Durch duS Diffidentrngesetz sei eine solche Belehrung vorgrichrieben. Hannover, 17. Mai. Die 'jüdische Gemeinde hat die Entscheidung der Oberbrhördeu angegriffen, da sie dem MagistratSbeschluß, der sie zwingt, den unbeschnittenen Sohn des Dr. Edel in'S CivillstandSregister einzutragen, nicht Folge leisten will. (Berl. Zt.) Unter den Pariser Israeliten werden zur Zeit Unterschriften. zu einer Petition an den Kaiser gesammelt, in welcher verlangt wird, daß der Großrabbiner Isidor, ein, wie mau sagt, sehr begabter und würdiger Mann in den Senat berufen werden möge. Diese hohe und hoch dotirte Versammlung hat bislang noch kein Mitglied, das dem mosaischen Glaubensbekenntnisse angehört, und der Kaiser hat die Absicht, der Gleichheit der Konfessionen auch nach dieser Richtung hin gerecht zu werden; eS sollen sich aber in seiner intimen Umgebung frömmelnde Empfindlichkeiten dagegen geltend zu machen suchen. Die Petition lautet: Sire! Die Israeliten von Frankreich haben ohne lieberraschung, aber mit der lebhaftesten Befriedigung vernommen, daß Ew. Majestät einen neuen Beweis Ihrer hochherzigen Gesinnungen zu Gunsten der Gleichheit der Bekenntnisse geben will durch Berufung eines Vertreter» des israelitischen Kultus in den Senat. Wir wagen, drm Kaistr eine Bitte zu unterbreiten, welche seine hohe Weisheit würdigen wird, und deren Erhörung von der gesammten israelitischen Bevölkerung mit Freude ausgenommen werden würde. In Frank reich gibt eS nur ein Oberhaupt der jüdischen Religion, da» ist der Grvßrabbiner des Erntral-KonsistoriumS. Den Großrabbiner zur Senator würde zu berufen, das wäre die schönste Weihe des gegenwärtig so allgemein angenommenem Prinzips der Gleichheit der Bekenntniffe. Wir glauben Ew. Majestät sagen zu können, daß ein solche- Dekret im Auslände wie in Frankreich mit allgemeinem Beifall aufgenommen werden wird. Ter Mann, welcher gegenwärtig die Funktionen de- GroßrobbinerS bekleidet, verdient daerhabene Wohlwollm Ew. Majestät durch feinen Eharakter und durch die Dienste, welche er seit nahezu vierzig Jahren der Moral und dem Glauben geleistet hat. Zwanzig Jahre lang stand er als Oberrabbiner de» Departemental-Konfistorium» an der Spitze der großen Gemeinde von Paris. Bor fünf