Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 24 (10.6.1870)
- Date
- 1870-06-10
- Page
- Seite 228 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I 228 nicht der Gefahr au-zusrtzen, den Kredit zu verlieren oder ihre Geschäftsinteressen geschädigt zu sehen und daß die meisten früher zur Wahlurne Gejagten dicßmal nach ihrer individuellen politischen Ueberzeugung wählen werden. .Wir wollen zwar auf diese Zusicherung nicht schwören, aber freuen sollte e» un-, wenn sie sich bewähren würde. Die mährischen Juden sind mit den böhmischen Juden kraft ihrer Religion und der Jusammeugchörigkeit der einer und derselben Krone unterworfenen Länder innig verwachsen und beide Theile sollten die Nachtheile erwägen, die aus ihrer schroffen Stellung zur nationalen Partei hervorgehen, um sich im gereiften Momente nicht gegenseitig mit Vorwürfen zu überhäufen. Die böhmischen Juden haben sich, es sei zu ihrer Ehre gesagt, in den lchten Landtag-Wahlen sehr taktvoll bewiesen und die Anerkennung bei der böhmischen Bevölkerung erworben. Ein solcher Vorgang zeugt deutlich von der genauen Kenntniß der politischen Sachlage und Rothwendigkeit, mit seinen Landsleuten nicht in den Haaren zu liegen. Die mährischen Juden können sich allerdings noch nicht von der Sonderstellung lossagen, und die Ghettoluft scheint ihnen auf der einen Seite recht angenehm zu behagen, während sie auf der anderen Seite den Libcra- -tismuan ihre Fahne heften. Freilich läßt sich der Bestand dieser beiden Extreme schwer erklären und kaum behaupten, daß eS die mährischen Juden mit einer konstitutionellen Derfassung ernst meinen; denn wenn Mähren noch unzählige Judengemeinden aufweist, die ihre eigene politische Verwaltung, ihren eigenen Bürgermeister und selbst horribile dictu ihre eigene Polizei haben, so scheint die freiheitliche Auffassung der mährischen Juden sehr beschränkter Natur zu sein. Der Jude, wir haben es oft betont, bildet im politischen Leben keine Nation für sich, er ist kein jüdischer Franzose oder jüd. Engländer, er ist auch kein jüd. Böhme oder jüd. Mährer, er ist Franzose, Engländer, Böhme, Mährer und so ferne cS sich um seine Eonfession handelt, französischer, englischer, böhmischer, mährischer Jude nnd alS solcherparticipirt er an den Interessen seine- Vaterlandes in gleichem Maaße wie die Nichtjuden, er hat wie diese dieselbe Vaterlandsliebe. Wo man jedoch noch ein Vergnügen findet, jüdischen Bürgermeister genheit, praktische Studie» zu machen, und sehr oft gelingt e» ihr, solche Elemente zu finde», die mit dem Strafkodez in einem clektromagnetischen Zusammenhänge stehen. Während die Blocke der Kirchen die VeSpermesie verkünden oder der Gottesdienst in den jüdischen Bethhäuser» vor sich geht, treibt das entfcflelte Proletariat in den elendsten Kneipen seine Orgien und die Unzucht schaut auS den Schaufenstern jener Häuser, wo einst jüdische Frömmigkeit gewohnt hat. Wie im Wirbel dreht sich die Verworfenheit im Tanze bei dem Rausche, den die primitivste Sorte geistiger Getränke hervorruft, und das Heulen und Krächzen entmenschter Naturen vcrkünden die bevorstehende Bataille, der der Sicgestanz folgt. Nicht schlimmer kann daS Toben von wilden Indianern gedacht werden, als daS der verkommenen Creaturcn, denen die Leidenschaften da- Brandmal thicrischcn Charakters auf die Stirne aufgedrückt hat. Jene erbärmlichen Gestalten mit theilS mangelhafter, theilß gn'teSker Kleidung hätten für den Psychologen gropeS Interesse, wenn er sich eben «vagen dürfte, jene näher zu beobachten. Dem einen wird vom Gesichte ein verkommenes Genie dem andern die Bersnnkenheit in deS unbarmherzigen Lasters Unflath abgelcsen und so wie mancher auS dem Hause guter Sitte gcstüchtct. mit der Ttigend vollkommen abgerechnet zu haben scheint, beginnt manchrr widrnim seine ersten Debüts in» Tempel der Demoralisation zu feiern. Mit dem Anbruch der Abendrötlie, die glcichsau« bedeuten will, als steige dem Himmel ob defreventlichen Spieles einer Menschensorte die Schainröthr inS Gesicht, verivandclt sich dir Hauptstrasse de» fünften Viertels in einen Corso, wo dir Charaktere in komparativster Weise einherstolzirrn und nebst Männern und LKädcheii reifern Alter», auch dle kaum entwickelte Maid flügge zu werden beginnt. E» entwickelt sich ein so ivüste» Leben, wie man eB vor den Barrieren der Pariser Faubourg» oder in Et. Pauli dr» Mastreichen Hamburgzu sehen bekommt. In diesem Eldorado. und jüdischen Polizeimann zu spielen, da begibt man sich jedeausgedehnteren Rechtes allgemeiner Freiheit und pro» fanirt dieselbe in nicht geringem Grade. Wir sind überzeugt, wenn wir von der egoistischen jüdischen Clique, die sich überall vordrängt, wo nur irgend ihren Ehrgeitz Befriedigendezu holen ist, absttahiren. daß ein BölkerauSgleich in Oesterreich der Judm sehnlichster Wunsch ist und in erster Reihe eS die böhmischen und mäh» rischen Juden sind, welche einen Ausgleich als die conditio sine qua non der Consolidirung der Länder im österreichischen Staatengcbiethe ansehen. — Wer jedoch einen Ausgleich im Allgemeinen will, muß vorerst einen Ausgleich in der engsten Sphäre wollen. Und in dieser Sphäre liegen die Gemeinden, in welchen vor Allem aus die Versöhnung und Gleichartigkeit der Anschauungen hingewirkt werden muß, um desto leichter zu dem Ziele deangestrebten' Ausgleiches Zu gelangen. Die Disharmonie im Innern bringt keine Harmonie nach Auß-n und trägt nur dazu bei, die Lage unerquicklicher und unerträglicher zu machen. Wir erwarten daher von den mährischen Juden politische Klugheit und rathen ihnen, sich nicht zu exponiren, wenn sie sich dem Vorwurfe nicht au-setzen wollen, Haß gcsäet zu haben, um Haß zu ernten. Journalistik. Der in Oedenburg erscheinende „Morgenstern" bringt in seiner letzten Nummer unter dem Titel „Beantwortungeine» BekchrungSbriefeS" einen Brief aus derFederder Dame Rosalie Schönwasser, der aus Düsseldorf 1867 her datirt. Wir entnehmen demselben Folgende-: Hören Sic doch nur z. B. wie ein großes Kirchenlicht (Dr. Konrad Martin, Bischof zu Paderborn) über den Mortara-Diebstahl urthcilt. Er sagt in seiner Schrift Seite 96 und 97 unter Anderem Folgende-: dein Aufenthalt verdächtiger Individuen, die dein Arme der Gerechtigkeil zu entschlüpfen suchen, bildet das jüdische Parlaincnt das Centruin, um das sich die plastischen Lebcirsbilder bewegen. Im „Hause der Gemeinen" wird von jenen Männern über jüdische Intcrcflcn der Juden bcrathen und gesprochen, die jetzt dieselbe Physiognomie haben, wie das fünfte Viertel. Und dennoch hat der entweihte Boden, wo einst Gottesfurcht und Religion in vollster Blüthe stand, für einen Thcil der jüdischen Hochtory's eilten unschätzbaren Werst), die sonst so liberal thuen, wenn eS sich uin ihre eigenen Zwecke handelt, während sic, die das fünfte Viertel mit Widerwillen besuchen, weil es ait eine jüdisch: Eigenart erin« nert, nicht gerne wollen, daß tabula ra8L gemacht ivürde, oder das fünfte Viertel, zu dcflcn Bezeichnung das schwarze Vollmondzeichcn im Kalender am Besten dienen konnte, in ein anderes ansgehen sollte.-Ganz natürlich wiffcn die Herren jenes Viert.IS recht gut, wie eS mit ihren Sympathien stehen würde, wenn nicht die Stiimiie der meist Abhängigen des fünften Viertels gewaltsam zusaimiiengrklopft würden. Sie sehen also, daß das so berüchtigte Quartier für manche Herren einen bedeutenden Werth hat, und dar»»» plaiditen diese liberalen Füchse nie für die Verschmelzung jene» Staudbezirke» mir einem honetten Bezirke. Wie cS einmal jener jüdischen Iunkerpartci paßt; liest sic sich in öffentlichen Journalen mit dein Attribut „Jude" näher bezeichnet, bäumt sie sich, wie ein mit Arsenik gefütterte» Roß, braucht sie aber ein jüdische» Viertel für ihre Zwecke, dann mag cS „jüdisch" sein. So dürste r» koinmen, daß nach einem Jahrhundert der Charakter de» Fünfer Vierteltminer noch nicht abgcstrcift sein, wird, weil edie liberalen Herren so wollen.