Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 24 (10.6.1870)
- Date
- 1870-06-10
- Page
- Seite 227 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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9?«« «fonnirtfä« Prag t Wiizjährtg fl. 5.— Hilbjähri, „ 2.50 Vierteljährig,, 180 «tt Pestzisrnd««: G»»zjährig si. 5.50 Hilbjährig „ 2.75 Vierteljährig,, 1.50 Für» Ausland: Gi^jährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate »erde» billigst berechnet. Die Gegenwart. Israelitische Wochenschrift für. politische, sociale und religiöse. Interesien. Erscheint an jedem Freitag. »rbiktl«« ,. R»«inistritt,» Prag, «ittergiffe Nr». 408^-1 »«hin aste Briese n. Gelbsenbnngen zn richte» st»h. Zuschriften »erben franco erdete». SR», «nskripte »erben bei Nlchtverwenbing »nf verlangen jedoch nnsraakirt zaräcker. Kittet. Vr. 84. Prag 1v. Juni 1870. ///. Jahrgang. Ein Wort an -ie mährischen Juden. Die „Politik vom 8. d. M. bringt eine auS Proßnitz datirende, die in Mähren bevorstehende Landtag-wohl betreffende Original-Correspondcnz, in welcher die auffallende Erscheinung, daß trotz der geringen Anzahl der Deutschen in Proßnitz, das eine rein slavische Stadt ist, die Wahlen in den Landtag so heftig bestritten sind, daß oft 2^3 Stimmen den Ausschlag geben, in dem Dualismus der politischen Ge- . meinden jener Stadt erklärt wird, welche auS der politischen Gemeinde der eigentlichen Stadt und der der Judengemeinde besteht. Diese sollte als selbstständige Gemeinde von Rechtswegen mit der Landgemeinde des Proßnitzer Bezirke» wühle«, zumal die LandtagSwahlordnurgnurdie StadtProßnitz allein als «inen Wahlbezirk bezeichnet. Die frühere Stadtvrrtretung, meint Schreiber jener Correspondenz, hat eS sich gefallen laffen, daß die Stadt Proßnitz mit der Judenstadt in Ein Joch zur Landtag-wahl gespannt wurde und hat sich dieser Abusus erhalten. Da nun die Juden sich bisher bei jeder Landtagswahl feindselig gegen die slavische Bevölkerung verhalten haben, so wird man die Schwierigkeit dieser leicht ermeffen können. ES läßt sich nicht leugnen, so heißt eS in ————————1— Feuilleton. Das fünfte Viertel. Dir Arithrmik lehrt, wie Eie wol wissen, daß sich jcdcS Ganze auf Bruchtheile zurückführen läßt und je nach der Theilung in halbe, viertel, fünftel und in unendlich kleine Theile zerlegt werden könne. Die nach einer solchen anatomischen Proccdnr erfolgte Zergliederung eines ganzen Ko,per» erfordert, um wieder zu dem Resultate dcS Ganzen oder seiner ursprünglichen Größe zu gelangen, daß Renner und Zähler dcS Bruche» gleich sind, daß sonach beispielsweise */t ein Ganze» bilden. DaS Pin» der über dem Striche sich befindenden Ziffer ergibt einen neuen Bruch, theil, der die Einheit de» Ganzen stört. Prag, al» Hauptstadt eine» Königreiche» bildet sowol in topografischer al» administtativer Beziehung rin Ganze» und al» solche», sollte e», wie jede» Ganze ln vier Birrtrl zerfallen, e» thrilt sich aber in fünf Viertel, somit erscheint diese» al» ein überflüffigrr Bruchthetl, der, um die Harmonie de» Ganzen nicht zu stören, in die übrigen vier Viertel auf. gehen sollte. Ehedem, al» noch die Juden da» ausschließliche Privilegium hatten, von allen anderen Menschen abgesondert zu leben, hat der lllnfinn. da» jüdische Luartirr, jetzo Iosefstadt benamset, zu einer Aztravurst z» stempeln und dem Ganzen, da» in vier Viertel jener Korrespondenz weiter, daß diese feindseelige Haltukm. der Juden einen tiefen Eindruck auf die Bevölkerung ge? macht hat und daß diese im gegenwärtigen entscheidenden Momente wieder mit großem und gerechtfertigtem Mißtrauen auf ihre israelitischen Mitglieder blickt. Die Bevölkerung, so schließt jener Bericht, verfolgt mit großer Aufmerksamkeit die Haltung der Juden und wird, das ist jetzt schon gewiß, ein abermaliges feindliche» Cntgegentteten schwer tragen »nd die Juden, wenn sie als Feinde des flavischrn Stammes sich geriren, auch als Feinde behandeln. Ein ähnlicher Bericht aus der Feder eines Israeliten in einer andern mährischen Stadt ist uns dieser Tage zuge» kommcn, in welchem auf das unkluge Vorgehen der Israeliten bei den früher» Landtagswahlen hingewicfcn, dasselbe ziemlich unverhohlen gegeißelt und angerathru w^d.die mährischen Israeliten mögen auS ihrer bisherigen oppositionellen Stellung heraustreten, um ihren nichtjüdischen Landsleuten freundlich entgegenzukommen. Wohl wird uns in jenem Berichte versichert, daß, wie es in von Sondrrintrreffen begrenzten Jndengcmeinden nicht anders fein konnte, daß die Unbemittelten von den Bemittelten, die Bemittelten von den Wohlhabenden abhängig gemacht sind, die Abhängigen gegen ihre Ueberzeugung bei LandtagSwahlm stimmten, um sich zerfällt, ein Fünfte» anzuhängrn, eine gewisse Rechtfertigung, heute ist e» ganz ander» worden. Selbst der Mond, der Ursache hat. auf die Sonne eifersüchtig zu sein, gefällt in vier Viertel und keine,n Astronomen ist e» je eingefallen, die fahle, im Dikicht der Rächt Licht verbreitende Scheibe in fünf Viertel zu theile». wie wol et die GaSbelcuchtungöanstalten gerne gesehen hatten, »venu keine Thrilung de» Monde» wäre vorgcnommrn worden, und der Mond Rächt für Rächt in seiner leuchtenden Ueppigkeit geschienen hätte. Vor keinem Viertel, selbst vor den. bei der großen Völker, maffc unbeliebten ZinSviertrln, schrickt man so sehr zurück, al» vor dem fünften Viertel Prags. S» liegt einmal schon in dem Fortschritte, daß jede große Stadt sich nicht nur mit seinen Schüieheitcn zu rühmen bestrebt ist, sondern auch einen Stolz hierin setzt, einen Stadtthcil aufzuweiscn, wo die Demoralisation residirt. Haben London, Pari» u. s. w. ihre Viertel, welche dir Demoralisation auf ihrem Cchiide führen, warum sollte hinter ihnen Prag zurück, bleiben? So lange da» fünfte, recte Josesstädter Viertel, au»schlteßlich von Juden bewohnt war. war e» dem Vorwurfe der vrrnach. läfligten Toilette au-gcsetzt." die man stet» gerne den alttestamenta» rischen Anhängen, imputirt hatte, doch nie konnte man fich Per Behauptung hinreißen lasten, da» fünfte Viertel sei der Sitz der Demoralisation, beut« aber, wo der in jeder Beziehung stiefmütterlich behandelte Etadttheil die vollste Gleichberechtigung in der puiation manifestirt, ist er die Lästerschule verschiedener sowol geistig al» moralisch verkommener Kinder. Dieser Rayon, der zur Lronie aus dir Tugend von christlichen Kirchen begränzt iß und in seinem Innern jüdische Synagogen enthält, bietet brr Polizei Gele-