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Die Gegenwart · 1870-06-03 · 23 (3.6.1870) · p. Seite 223

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
23 (3.6.1870)
Date
1870-06-03
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
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223 Gleichheit aller Kulten ausspricht, sanktionirt. — Herr Leon Werth hat so eben eine Subskription von 300V Fr. zur Gründung einer Ackerbaukolonie erhalten. DicGcsammtsumme der Subskriptionen beträgt 18.000 FrkS. und Herr Werth braucht 20.000 FrkS. um sein Unternehmen zu beginnen. , In Lyon ist unter der Protektion der Frau Isaak Lövy eine Lotterie unter dem Namen „Verein der Kinder Lyons/ zur Unterstützung junger israelitischer Mädchen organisirt worden. Prinzessin Margarethe, nach einigen Monaten Abwesenheit wieder in Mailand machte ihre erste öffentliche Spazierfahrt imköniglichen Wagen, an ihrer Seite saß die Baronin Bila da Casale. Dem Prinzen Amadeus überbrachtc ein Israelit Nackens Debenedetti von Moncalvo im Auftrag des Kedive vor Kurzem ein sehr wertvolles Geschenk. Bombay. (Ostindien.) Vor Kurzem wurde in Bombay das Sassoon Meclianie’s Institute eröffnet. Den Baufond zu demselben gab der verstorbene David Sassoon durch eine Schenkung von 60.000 Rs. Kurz nach dem Tode SassoonS im Jahre 1864 subscribirten die Einwohner Bombays zum Andenken an den Verstorbenen für denselben Zweck 30—40.000 RS. Die Bausumme belief sich auf 135.000 RS. DaS fehlende Geld gab die Regierung dazu. Englische Blätter bringen ausführliche Berichte über die Einweihung des Gebäudes, welches mit großer Pracht auSgestattet, einen imposanten Anblick gewährt. K u n st, T h e a t e r ii»d Literatur. Der kaiserliche Rath und Hilfsämter - Direktor bei der k. k. dalmatinischen Statthalterei, Herr Alois Maschek, geht mit dem Plane um, ein vollständiges deutsch-italienisches und italienisch-deutsches Wörterbuches, das allen Anforderungen zu entsprechen im Standewäre.herauSzugeben.Bci dcr Unvoll. ständigkcit der bisher rdirten Wörterbücher in jener Sprache, ist die Herausgabe eines vollkommenen Wörterbuches nur will kommen. Der Verfasser desselben hat sich an uns schriftlich gewendet, um Gelehrte und Förderer dieser zwei Sprachen und der Wissenschaften aufzumuntern, ihm thcilS durch Mitthcilung der eventuell gesammelten technisch-wissenschaftlichen oder neologischcn Ausdrücke, welche in den bisher hcrauSgegcbcnen Wörterbüchern nicht ausgenommen erscheinen, thcilS durch Bekanntgabe der wissenschaftlichen Werke, auö welchen dieselben entnommen werden könnten, an die Hand zu gehen, damit auch in der That dem Werke, das der Verfasser zu bieten gedenkt, das Gepräge eines Universal-Wörterbuches der deutsch-italienischen Sprache verliehen werde. ■ > — Herr Dr. Albert Errcera aus Venedig erhielt über ein von ihm erschienenes Werk den ausgeschriebenen Preis von 1500 Liren, Das königliche Institut der Künste und Wissenschaften hat die Herausgabe dieses Werkes betitelt: „Die Geschichte der Industrie Beucziens" beschloßt». — L. L'AScoli veröffentlicht gegenwärtig den 1. Thcil seines Kurses über Glottologie, ein Werk voll tiefer Gelehrsamkeit. — In Florenz zeichnet sich il Romanelli durch die schöne, von ihm auSgcführte Facade des Theaters Niccolini, und Benaffai mit der Ausstellung seiner sieben Gemälde, welche die schönsten Ansichten seiner Reise im Oriente vorstellen; vorzüglich bewundert man: „seinen Sonnenuntergang" und den „Nil." T M i S c e ll e n. X Lin Charakterzug des verstorbenen Aktes P. Hieronymus Zeidler in Prag. In den an der Universität zu Prag durch Professor FranceSconi abgehaltcnen Vorlesungen traf dieser zu Beginn des Schuljahre? 1846 47 die Verfügung, den Hörern israelitischer Religion, ohne Unterschied ihres akademischen Grade-, einen besonderen Platz in den hinteren Bänken der letzten Abthcilung anzu« weisen. Darob entstand ein Tumult, über welchen in den damaligen Zeitungen folgender Bericht erschien: „Denn daift kein Baum, der faule Früchte trägt", heißt cs im Evangelium, und dieses paßt buchstäblich auf unsere hiesigen He« bräcr, welche sich nicht begnügen damit, daß man ihnen-den Besuch christlicher Schulen und Eollegien gestattet, wie e» nicht in Rom und nicht in Neapel der Fall ist, sich auch noch vermessen, mit ihren langen Nasen und Schlitzaugen sich in der Mitte der christlichen Studenten die besten Plätze auSzusuchen, statt froh zu sein, daß man sic überhaupt da dul* dct und nicht in den Trödelmarkt sendet, wo sie hingehören x. Die Sache verhielt sich, wie aus den vom Abt Zeidler hinterlaffenen Papieren zu ersehe» ist, nämlich so: Mittwoch den 28. Oct. wurde ein israelitischer Hörer, der in einer der vorderen Bänke Platz genommen hatte, eben dcßhalb aus dem Eollegium anSgcwicscn und mußte den Saal verlassen. Am 30. Öctobcr setzten sich fünf Hörer der Logik vor Ankunft dcö Professors in die Bank mittlerer Abtheilung. Als der Professor ins Eollegium kam, überschaute er das Auditorium, und seine ersten Worte, auf die erwähnten Logiker deutend, waren: „die da setzen sich auf die hinteren Bänke/ Die Worte blieben ohne Erfolg. Der Professor wiederholte dieselben. „Ihr müßt hinaus," schrie er wüthend und unter stets sich steigernder Aufregung eines TheilcS der Zuhörer und fortwährendem Toben gegen die israel. Studenten, forderte von diesen Letzteren der Professor die Angabe von Namen und Wohnung, ließ dann die christlichen Hörer zu» sammentretcn, sic ein Gesuch um Trennung von den jüdischen Studenten untcrftrtigcn und hernach dem Studien - Direktor P. Zeidler überreichen. Und die Antwort P. Zeidler'-'? Er erschien bei der nächsten Vorlesung am 31. Oktober selbst im Hörsaale, er begab sich zu jener Bank, auf welcher er abgesondert die israelitischen Hörer sah, und setzte sich in seinem Priestcrgewandc mitten unter sic. Hiermit war da- Gesuch Professor FranccSeoni'S und seiner christlichen Hörer erledigt. X („Sind Sic noch bei diesem Ganef'?") Mit dieser Frage begrüßte Herr Hoffmann einen jungen Mann, der in dem Geschäfte des Herrn Wolfgang Tre« bitsch in Kondition stand. Letzterem wurde diese Frage „brennheiß" hintcrbracht, und er hatte nichts Eiligeres zu thun, als sich zu seinem Advokaten, Herrn Dr. Exlc, zn verfügen und daselbst eine EhrenbclcidiguugSklage gegen Herrn Hofsmann verfassen zu lassen, der ihn einen — Ga icf (Dieb) genannt. Vor einigen Tagen nun fand bei dem Bezirksgerichte der inneren Stadt Wien die Schlnßverhan'olung über jene Klage statt. Beide Parteien waren persönlich und ohne juristischen Beistand erschienen. Der Angeklagte Herr Hoff« mann erklärte, cö sei ihm nie in den Sinn gekommen, Herrn Wolfgang Trcbitsch zu beleidigen; das Wort Ganef habe er nicht gebraucht, er müsse misverstanden worden sein, er habe den Kommis nur gefragt, ob er noch bei Herrn „Wolf-Ganeg" sei, denn er sei der Meinung gew-sen, Herr Trrbiisch habe diese zwei Vornamen. Später erst habe er in Erfahrung gebracht, daß der Herr Gegner Wolfgang heiße. Der betres« sende Kommis habe ihn aber offenbar mißverstanden, und statt Wolf-Ganeg Wolf Ganef verstanden. Mit dieser originellen VerthridigungS - Methode glaubte sich der Angeklagte „herauSzureißen." Indeß schien weder der Privatkläger, noch der Richter geneigt, die Ausrede des Beschuldigten alÄ stichhältig anzuerkennen, und schon drohte ihm ein Straser« kenntniß, al» der Privatkläger erklärte, mit einer einfache» Abbitte sich zufrieden geben zu wollen. Die Unterhandlungen über diese Ehrenerklärung dauerte» etwas lange, nicht so sehr ihrer Form wegen — der Angeschuldigte war zu jeder CrNärung bereit — als vielmehr »€• gen de- Kostenpunktes. — Herr Trebilfch beanspruchte nämlich den „vollen Kostenersatz," während Herr Hoff««»»

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