Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1870-05-20 · 21 (20.5.1870) · p. Seite 205

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
21 (20.5.1870)
Date
1870-05-20
Page
Seite 205 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4890378-5433916-5434036--690-4890997
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

206 lichen Frau« zeigte sich natürlich keine einige anf dem Schauplätze de« »Einbruch»- im Klosterhofe, Da» genannte Kloster ist dasselbe, von dem vor etwa drei Jahren der famose Skandal mit der Sarah Lea Radam-ki ausgegangen ist. Ausland. Am nächsten Schebuoth-Fest steht derLripsigrr Gemeinde «ine erhebene Feier in Aussicht. Herr Dr. A. Jellinek, der vor 25 Jahren an diesem Feste seine erste Predigt in Leipzig hielt, wird hier sein 25jährigeS Amtsjubiläum feiern. Mit Recht wird die allseitigst e Theilnahme für diese» Jubiläum erwartet; denn die Gründung unserer blühenden Gemeinde und Synagoge ist ein Werk der begeisternden Wirksamkeit de» Dr. Jellinek, desien klastische und zugleich nationale Rhetorik die ungeteilte Anerkennung der Gemeinden und Fachgelehrten findet und finden muß. Hamburg, 6. Mai. Bon dem hiesigen Gerichte wurde kürzlich ein intereffanter Proceß entschieden. Herr H. B. Oppenheimer stiftete vor einem Jahre Freiwohnungen für arme Familien, welche über ordentlichen und religiösen Leben»- wandel Nachweis liefern können, sah sich über nach einiger Zeit genöthigt, einen Bewohner seines Stiftes auszuweisen. Der Betreffende, der kein Freund des häufigen Umziehen» zu sein scheint, beschloß seinem Wirthe zum Trotz zu bleiben und bezog sich, darob verklagt, auf eine von Herrn Oppen, heimer bei Gelegenheit seine« Einzuges gemachte Aeußerung UW nno np (bis 100 Jahre — möget ihr hier wohnen). Die Entscheidung fiel schießlich zu Gunsten des Herrn Oppenheimer au», von der Voraussetzung ausgehend, daß obige Redensart keine Verpflichtung involvire. Somit ist diese Phrase an» der schweren Gefahr, welche ihren ferneren unbedenklichen Gebrauch bedrohte, glücklich errettet (Jsr. W.) In Mühlhausen (Oberrhein) wurde vom Herrn Oberrabdiner an die Rabbiner ein Rundschreiben erlaßen, worin er sie auffordert eine gewiffe Zahl Piutim wegzulassen, gegen welchen Vorschlag aber ein Protest, vom Hrn. B. Wahl, unterzeichnet, eingebracht wurde. Paris. Der Aelteste der Restaurateure in Paris, Ch. Weill, ist am 31. März im Alter von 106 Jahren gestorben. — Da» israelitische Confistorium von Paris hat beschloffen, gegen Ende April eine Versammlung sämmtlicher Gemeindemitglieder zu veranstalten, um die, die Gemeinde interestirenden Angelegenheiten zu berathen. Welche diese Gegenstände sein sollen, denn es muß doch eine Tagesordnung ausgestellt werden, vermochten die Pariser jüdischen Journale — e» erscheinen jetzt deren vier — noch nicht anzugeben. ES ist dies eine Neuerung, welche bis jetzt in der hierarchischen Gestalt der stanzösischen Synagoge unerhört war und ihr Mißliches haben kann. Wir erklärm uns diesen Vorgang zumeist auS äußeren Motiven. Es werden zwei neue große Synagogen in Paris gebaut, deren Kosten zur Hälfte von Staat und Stadt getragen, zur Hälfte von den Juden selbst. Da mag schon manche Verlegenheiten entstanden sein. Nun müffen diese doch, namentlich da die eine bald fertig ist, innerlich ausgeschmückt und mit allem Röthigen versehen werden. Dazu bedarf man des Publikums und seines Eifer». Wenn wir blo» solche äußerliche Motive voraussetzen, so kann un» die» seit«» der stanzösischen Consistorien nicht verdacht werden, da sie jeden Gedanken an innere Reformen fern zu halten stet» befliffen waren. Daß sie zur einer allgemeinen Gemeindeversammlung ihre Zuflucht nehmen, ist erklärlich, well in Frankreich zwischen den Consistorien und den Gemeinden jede» Mittelglied fehlt, wie z. B. in Deutschland die von den Gemeind« gewählt« Repräsentantenversammlungen bilden. Aber e» giebtjetzt in Pari» 5—6000 Gemeindemitglteder. Wenn nun die Mehrzahl derselben käme? Dean nun von einer Zahl derselben die gottesdienstliche Reformstage angeregt würde? Wenn Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Berfaffung der stanzösischen Synagoge sich Luft machte — denn die Consistorien haben viele Gegner? Wenn die jüngst sogar im Senat« ventilirl« Frage Über die Wahl der Rabbiner seitender Gemeinden aufgeworf« würde u. s. w.? Wie schwer mit der Maste zu verhandeb» ist, hat die jüngste Generalversammlung der Xlliaaee israel. univers. gezeigt. Die Vornahme einer solchen Gemeindeversammlung ist aber für da» Confistorium ein gefährlicher Versuch, der aber zur Erweckung neuen Leb«» innerhalb der stanzösischen Synagoge sehr gute Folgen haben kann. — Die Pariser Firma Rothschild hat eS abgelehnt, da» nene päpstliche Anlehen zn unternehmen, man unterhandelt nunmehr mit einer Belgischen Gesellschaft, der alle päpstlich« Paläste als Pfand übergeben werden sollen. Der Batik« und der Ouirinal verpfändet! Der Gemeinderath in Guebwiller hat 2000 Frk. zur Erbauung eine» israelitischen Tempel» votirt, und wurde am 27. April der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt, zu deren Erbauung Hr. Heinrich Schlumberger 4500 Frk». und Hr. Camil Weber einen Theil de» Bodens spendete. Hr. Baron Adolf von Rothschild hat neuerdina» 40000 Frank» dem Munizipalrache von «icäa zur Errichtung von Primärschulen und Freistatt-Sälen gespendet. Der Aufruf, der die „Alliance israelitc universelle/ wegen Aufnahme israelitischer Waisenkinder letzthin erlast«, hat bereits bewirkt, daß Hr. C. Bloch Präsident der israelitisch« Gemeinde von -chervilier, Ricderrhein und Herr G. Marx, Kaufmann daselbst sich angeboren, jeden eine polnische Waise ptr gänzlichen Versorgung zu übernehmen. Zum Ankauf eine» Grundes zur Erbauung eines Lyceums in Bayonne spendete Hr. August Furtado, erster Munizipalrath, die dazu erforderliche Summe von 18.000 Fr. Durch den Tod der Wittwe Eibenschirt; verlor die Stadt Kopenhag« eine der achtbarsten Damen der israelitischen Gemeinde. Schon ihr Gatte hat der Gemeinde ein Legat von 300.000 Thaler, und der Stadt selbst 200.000 Thal er zu wohlthätigen Zwecken vermacht. Nun bezieht die israelitische Gemeinde durch das Testament der obgenanntm Dame wieder ein Legat von 120.000 Thalern. Sämmtliche Journale in Kopenhagen sind voll de» Lobes der Verstorbenen. ' Bukarest. 30. April. Der Abgeordnete StaneScu hat im Pester Abgeordnetenhause anlässlich der Debatte über die staatliche Subvrntionirung eines rumänischen NationaltheaterS die politische Toleranz Rumänienin» strahlendste Licht zu stellen versucht, um die politische Intoleranz in Ungar» mit desto düsterern Farben schildern zu können. Die Richtigkeit seiner Angabm möge unter Anderem durch das Faktum illustrirt werden, daß in Rumänien vor den Gericht« Niemand sich einer anderen, als ausschließlich der rumänischen Sprache bedienen darf. Wer nicht rumänisch sprechm kann, muß vor Gericht seinen Dolmetsch haben. Die rumänische Berfaffung kennt keine andere Nationalität im Lande, als die rumänische. Ein Correspondent des »Pest. Bl." macht hiezu folgende Bemerkung So viel von der politischen Duldsamkeit im gelobten Rumänien. Besehen wir un» einmal die religiöse Toleranz; dieselbe erhielt einen neuen Beleg, eigentlich Schandfleck, durch die jüngste Judenverfolgung in Tecucin. Ich überlaste die Schilderung derselben dem hiesig« Amt-blatte. Sie lautet: In Tacuciu hatten am Ostrrsona» tag (a. St.) gegen Abend mehrere Griechen, die den ganzen Tag über mit Musikanten sich unterhalten halt«, ein« Zuckerbäckerladen betreten, woselbst sie einige Israelit« vorfandm. Nach einem, wir man glaubt, absichtlich hervorgerufenen Streite zwischen einem jener Israelit« und eine». Rumänen kam die Sache zu einem Kampfe, welcher alödalb zu einem Signal der Judeuvertreibung auSartete. Sofort zerstreute sich Alles auf den Gaff«, begann die Berkauf«- läden der Jsraeliten^ansMprengen, deren Effekten auf die Straffe zu werstn und den Tempel zu zerstören. In der Stadt selbst befand« fich nicht «ehr al» 16 Dorodanze»,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.