Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1870-05-20 · 21 (20.5.1870) · p. Seite 201

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
21 (20.5.1870)
Date
1870-05-20
Page
Seite 201 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4890378-5433916-5434036--686-4890993
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

201 Itr Rrgie, dir er hat, nicht nach dem Vermögen, daer oft gar nicht hat, zudem er zu rekurrirrn nicht dm Muth besitzt, yreil ihm einige in der Steuerkommiffion sitzmden Tensoren der böhmischm E-komptebank ein Schnippchen spielen könnten, —und in dem wirNich vermögenden Kaufmann sträubt sich da- Gefühl, beim Zusehen der Verschwendung der Gemeindegelder in nutzlosen Instituten, Remunerationen, ungerechtfertigten Ausgaben, eine enorme Cultusfteuer zu zahlen." So und in ähnlicher Weise haben wir unzählige Male geschrieben, wir haben Wien mit einer Bevölkerung von 40.000 jüdischen Seelen zum Beispiele ausgestellt, dessen jüd. Gemeindevertretung das Selbstbesteuerungssystem ein- und trotz der großen Population durchgeführt hat. Die Repräsentanz der Prager Israeliten'Gemeinde verblieb in der Regation und leistete den hartnäckigsten Widerstand. Wir wissen wohl, daß diese Mustervertretung, wie sie nicht PrelauL oder Radda aufzuwrisen haben, nicht besser werden kann, so lange sie von Elementen wie: TedeSko, Raudnitz, Schütz, Singer, Fischl, beherrscht wird und Herren wie: Ungar, Kahn und Plohn vor purer Unzufriedenheit mit Ihren Kollegen nicht den Mund öffnen, um dem ungerechten Steuermoduö ein ehrliches Wort zu sprechen. Aber meine Herren Ungar, Kohn und Plohn! Sie reden sich ja ein, daß Sie das Vertrauen der Gemeinde in die Repräsentanz gewählt hat, nun machen Sie sich des Vertrauens würdig, protestiren Sie gegen den Steuermodus, er ist wahrlich das dankbarste Moment, mit dem Sie sich die Anerkennung der Gemeinde erwerben können. Wirken Sie auf die Selbstbesteuerung hin, was Wien, was Brünn kann, sollte Prag nicht können? Die Herren der Prager Jsraeliten-Repräsentanz sind ja weit tüchtiger als die der Wiener, wo sollte eS da fehlen? Die TedeSko, Raudnitz, Singer und Fischl sind ja beredter, energischer, einflußreicher als die Kuranda, Neustadt, Engel, KönigSwarter, wir könnten sie diesen nachstehen, die von ihnen in der Cultur überholt wurden? Rur Muth ihr Herren Ungar, Kohn und Plohn, heraus mit Euerem Flederwisch, nur zugestoßen, wir pariren! Beweiset, daß Ihr Männer seid, welche die Wünsche der Gemeinde aufgefaßt haben, rekognoScirt daS Terrain, prüfet die Stimmung. Euch wird gewiß dann bei Euerer Repräsentanzähnlichkeit bange. Nun Ihr Herren Ungar, Kohn und Plohn seid liberal, wenn eS Euere Kollegen zu sein nicht verstehen, räumt den Steuerhumbug weg. pflücket die Lorbeeren, die um Euer Haupt geschmückt so schön passen möchten! Und vorerst saget der Steuerkommiffion: Ihr habet eine gewaltige Eidechseunatur, hätte man gegen uns so viel MiStraurn geschleudert wie gechrn nur für sich und nie für einen anderen reich werden, und darum de» Vereinen jene- Opfer nicht bringe» daman erwartet hatte. Run allerdings genirt das den Mann der Wahl nicht, er ist ja rin gescheidter Mann, weil er Geld hat und der Bereia bleibt dumm, weil er kein Geld hat und die natürliche Konsequenz dieser armsceligen Logik ist. daß der durch Einstuß in seine Tasche zu Einfluß gelangte große Herr, der die ihm gezollte erheuchelte Ächtung für eine gut geprägte Münze anfirbt, keinen anderen Einstuß auf den Verein übt als den deS noblen IndifferentiSmu»; denn so sehr sich der verehrte Herr Vorsteher anfangs gefclnneichelt fühlte, für eine bedeutende Größe, ja für eine persona grata gehalten worden zu fein, so bekommt er bald die ganze Vereinssache satt, er stellt die EitzungSbesuche nach und nach rin und verfällt in eine Lethargie, wie sie zu dem guten Ton eine- Parvenuc gehört. Die jüdischen Vereine traten seit jeher in Prag epideniisch auf und so wie ein Reicher über Podagra rühmend klagt, während der arme mit diesem Nebel Behaftete eS schlechtweg die Gicht nennt, so brüstet fich Prag anderen Gemeinden gegenüber, mit seinen jüdischen Vereinen, die nichtanderefind aleine Krankheit. gleich dem ägyptischen Augenübel u. s. w. Der jüdischen Vereine gibt rin Prag mehr alzu viel, fie erscheinen durch ihr« große Anzahl aletwa- Großartige-, analyfirt jedoch entspricht jeder einzelne Verein nicht dm Anforderungen, einer großm Ge. gkn Such, wir würden schon längst nicht den Platz eingenommen. den Euch achtzehn Personen eingeräumt haben. Dann Ihr Herren Ungar, Kohn und Pkohn hättet Ihr Recht und wir rächen der Steuerkommiffion ihre Demission zu nehmen auganz einfachen Gründen; denn mit welchem Rechte erkühnt sie sich in fremde Verhältnisse zu blicken, weiß manche- Mitglied der Kommiffion seine Keckheit zu beurtheilen, wenn eS in seine eigene Verhältnisse hineinblickt, und es noch wagt, die BermögenSumstände Anderer 'an den Prüfstein ihrer Kurzsichtigkeit zu legen? Wer hat die Steuerkommiffion ernannt, die Gemeinde oder die Repräsentanz? Kennt die Repräsentanz die Gemeinde? nein! kennt ein Wiener, TedeSko, Fischl, Singer, Raudnitz die Gemeinde? nein! wie konnte sie die Mitglieder der Steuerkommiffion ernennen, welche die Gemeinde näher kennen soll? Man weiß wohl, daß diese Ernennung der Brocken ist, den die Repräsentanz theilS ihren Schleppträgern und Wühlern, die für die Unbrauchbarsten der Gemeinde agitiren, thcils malkontentenGemeinderäsoneruen zugrwbrsen-chal. um deren Zunge zu lähmen und charakterlose Uebekläufer für sich zu gewinnen._ \ — S-- Die Steuerkommiffion ist in der That eine Schmach für die Gemeinde und wir begreifen die Behörde nicht, daß sie ein solches TaxirungSgeniekorpS noch länger existiren läßt. Jn'S Fleisch deS vom Kummer gedrückten GewerbSmanneS wird geschnitten und daS Blut von einer Vertteiung aufgefangen, um eS einem überflüffigen Amt-personale zu kredenzen. Wie lange wird man noch die Geduld der Gemeinde misbrauchen, wie lange wird man noch die Unzufriedenheit der Gemeinde an sich spurlos vorüber gehen lassen?; Und wer befiehlt der Steuerkommiffion die Verantwortlichkeit der Blutsteuerbrmeffung länger zu ttagen? hat sie die Regierung oder irgend eine Behörde mit Dekret angestellt, daß sie sich nicht entschließen kann, mit der Repräsentanz zu brechen? Ist ihr, dieser jüdischen Steuerbemessungskompagnie wirklich mehr an der Gunst eines TedeSko, Raudnitz nnd Schütz gelegen, als an der Popularität, die sie in der Gemeinde erlangen könnte? Sollte ewirklich so sein, daß 18 mehr gel, ten als 15.000, so werden wir uns die Freiheit nehmen, der ewigen unser Ohr beleidigenden Klagen derGemeindemitglieder los zu werden, einen Steuerkommiffär abzugeben, um die löbliche Steuerkommiffion sammt der löbl. Repräsentanz zu bemessen, und werden der Welt verkünden, wie man Steuerkommissär wird und wer Steuerkommiffär ist. Und dann möge die Speichellecker einer mehr Politik als CultuS treibenden Repräsentanz wieder der Veitstanz I. mein de. weil die Kräfte zersplittert find und der Vrrmögen-stand jedeeinzelnen Vereinein keinem Verhältnifie steht zur Ziffer der Rupnießenden Patteien. Blicken Sie einmal nach Wien, dabet einer Bevölkerung von 40.000 jüdischen Seelen bei Weitem nicht so viel Vereine zählt al- Prag, ivawird aber für einen Verein geleistet und umleistet nur ein Verein? Dle Depenseir und Spesen sämmtlicher jüdischer Vereine in Prag absorbiren ein Vermögen, dawahrlich der Armuth bester zu Statten käme, und an allem dem trägt die Schuld dawultum sed non multa, da- Biele und dennoch »ur da- Wenige. Solche kleine Schöpfungen inachen vielleicht ihrem Schöpfer Brrgnügen, dem Großen und Ganzen ist mit ihnen nicht gedient. Et gibt nur Lin Mittel die Brrrin-krankheit zu fnrtren, bat in der Verschmelzung der. eine gleiche oder annäherungsweise gleiche Tendenz verfolgenden Vereine besteht, uin dle Au-gabrn zu vermindern, und dir Leistungen zu erhöhen. Sir können verfichert sein, ich schwärme für Wohlthätigkrit-att«. bin begeistert für humane Ideen, aber ich bin kein Freund de- Halben, ich will »ur Ganze- und darum wa- Rechtet. 21*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.