Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 21 (20.5.1870)
- Date
- 1870-05-20
- Page
- Seite 200 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4890378-5433916-5434036--685-4890992- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
200 solche Männer gegen die Zuerkennung der nllgeborenenRechte unsererMitbrüder auftreten — dann ist e» in der Thal traurig um unsere GeseUjchaft." Diese Worte allein genüge« schon die liberalen Ideen Smolka'S zu charakterisiren». eine» Manne», der im Kampfe für die Jntereffen feintr Ä-tion jede» ihrtt Kinder nicht vergißt, mvgm sie welcher Konfeffion immer angehören. Sein wie au» Einem Guße geformter Eharakter im politischen wie socialen Verkehre gleicht einer gigantischen Gestalt, die mit Recht-gefahl und Ehrlichkeit gewaffnet in den Kampf zieht, wenn sie die Trommele ruft. Fern von Eigennutz und jeder politischen Winkelzüzig» keit läßt Smolka'S Geist nur 'Ganze» und Vollendete» zu und er opfert nie Einer' Idee die beanspruchten Rechte Anderer. Ihm genügte e» nie seine Nation frei zu sehen, er suchte auch die Ketten Anderer zu lösen. Die Emancipation der Juden bettachtete Smotka als ein natürliches Recht, nicht al» einen Akt der Gnade, er wollte sie nie als ein ungeformtc-, unvollständige» Gebilde, sondernsals ein Ganzes; denn er achtete stet» den Juden, und wußte dessen geistige Anlagen und Fähigkeiten zu schätzen und zu begreifen. Bedarf e» da" der^ Wortt"vielrr, um drn WerU zu kennzeichnen, den Smolka für seine Nation und für die Juden insbesondere hat? __ __ Wirsind nicht im Stande dem für die Freiheit ^egel^ sterten Manne die Gefühle mitzutheilen, die ihm jede« jüdische Herz entgegenttägt, aber die Geschichte wird eS einst in goldenen Settern dem Judenthume verkünden, was Smolka demselben gewesen ist. Und so möge diesen edlen Priester der Freiheit, so er wieder da» Weichbild der alten Königsstadt verläßt, der Segen begleiten und der Nachruf de» Danke» der von den Juden an der Moldau so gut ertönt wie von jenen an der Weichsel und dem Dniester. 8. den zu haben, können Sie sich vielleicht erklären, wenn Sie schon einmal da» Glück gehabt. Gründer oder doch wenigsten» Ausschuß- Mitglied eine» jüdischen Bereinr» gewesen zu sein, aber kaum dürften Sie sich die kindische Freude eine» Manne», bei dem jede» Kindische nicht mehr erwartet werden sollte, vorstellen, so er fich in einem Ausweise gedruckt steht; jeder einzelne möchte gerne in fet- Irren Lettern dem Leser in die Augen springen und - nicht selten kränkt sich der eine, daß er den Vor- und Familiennamen eine» andern führt, der dem Vereine gar nicht angehört. Diese Kinder de» Glück» find aber noch nicht so glücklich wie jene, denen e» grgonnt ist. ihren prosaischen Namen in duftende Porste zu hüllen, ihrem trockenen Namen allerlei Joujou anzuhängen. Da darf der Titel in pleno nicht fehlen und muß der Orden, der eigentlich seinen Platz an der Rockklappe findet, betgedruckt sein, wobei noch bedauert wird, daß er nicht in Goldfarbe verbildlicht wird. Und erst wenn rin so Druckpapier verehrender Mensch Vorsteher de» Vereine» ist, der wird vorn, in der Mitte und am Ende gedruckt, um vielfältig zu brillire». Wehe dem Aktuar, wenn er irrthümlich vergtstrn hatte, einem solchen Mitgliede nur ein Ehrenzeichen zu rauben, die Nemefi» würde diese» Mitglied gewiß au» dem Register der HumanititSanstalt streichen. Ich selbst muß mir da» Armuth»zeugnlß auSstellen, GründnngSritter eine» Vereine» zn fein, zu dem ich mich nicht selbst gemacht, sondern nur anf Anrathen guter Freunde geschlagen wurde. Fasten Sie da» ja nicht in handgreiflicher Weise auf, ich fühlte ttotz allem Sttäuben und Bäumen ein menschlich Rühren gegenüber den Vorstellungen der wirklichen Gründer, die ausnahmsweise nicht bedacht waren, au» Ehrgeitzrückfichten einen Verein zu stiften. Äst einmal ein Verein zu Stand« gebracht und hat fich da» Konsorttum über dir Stellen geeinigt, dir e» rtnzumhmeu grdenft, wirb daran gedacht, die noch freien Plätze zu besetzen, vteß gibt Brranlastung zu einer eigene» EntdeckungSmethode. die mit mancher Der Mische Sleuerhrrmbug. Wir jebtn in fctr vorigen Nntnmer diese- Blattes ein offene» Schreiben gtbtckcht, bas von mehreren Mitgliedern der Prager Jstaeliten-Semeinde an die h. k. k. Stotthalterei gerichtet wurde. Wa» uns hauptsächlich veranlaßt hatte, diesm die Aufnahme jenr» Appells in unserem Blatte nicht zuvor» sagen, war in erster Reihe unsere genaue Kenntnis, der in der Prager Jsraeliten-Gemeinde herrschenden MiSwirthschaft, in zweiter Reihe unsere oftmalige Mahnung an die Repräsentanz und ihre Stmerkommission in Bezug aufAbänderung dhS Steuermodus auf Grund der großen Nachtheile, die der Modus der Cultusbesteuerung erzeugt und der Erbitterung, die das unrichtige Berhältniß in derselben bei jedem Einzelnen hervorruft. In dem leidenschaftslosesten Tone, mit dkm ruhigsten Blute waren unsere Ltzorte der Mahnung an die Repräsentanz gerichttt, die für sie kein williges Ohr^ hatte, weil sie sich eben erhaben über die ganze Gemeinde.dünkt und ihre Unfehlbarkeit in der Administration zu dokumentiren glaubt. Im ersten Jahrgänge dieser Blätter haben wir einen ausführlichen Artikel über die „moderne Iudenst euer"*) reproduzirt, im zweiten Jahrgänge**). chLben wir. die CultuS- Iteuer einer Besprechung unterzogen und unter Anderem gesagt: „Die Art und Weise der Besteuerung, die kategorischen, jedweder Begründung entbehrenden Abweise bei Rekursen wirken, fast könnte man sagen, demoralistrend ein und eS dürfte noch so weit kommen, daß man eS scheuen wird, ein ordentliches Gewand zu tragen oder sich auf öffentlichen Plätzen blicken zu laffen, weil die „Geheimen" der jüdischen Gemekndeverttetung für die „scheinbar gut bestellten" ein scharfes Augenmerk haben. Wer leidet nun unter einem solchen Spionirsysteme? Der volkswirthschaftliche Verkehr, die Jugend und die Moral. Der Kaufmann wird beurtheilt nach *) 1. Jahrg. Nr. 24 IS. Nov. 1868. **) 2. Jahrg. Nr. 3 1. Fiber 1869. Expedition da» gemein hat, daß man fich der Hoffnung hinglbt. man werde ein Goldland finden, grräth aber auf eine dürre Ebene, wo nicht» zu holen ist. Bei emer solchen Vorstandsexpedition fällt gewöhnlich eine Person zum Opfer, die früher ganz obskur, mit einem Male ihrer plötzlich clngetretenen Aendening de» Vermögen», weiter» ans Sonnenlicht der Oeffentlichkeit gezogen wird; denn verlautet e», dieser llomo uovas sei durch Wucher reich geworden, könnten die Jntereffen de» Vereine» steigen, habe er m der Lotterie gewonnen, könnte der Verein gewinnen. In der Regel aber zerbricht man fich nicht den Kopf über den raschen Aufschwung de» früher im Schatten der Unbedeutenheit, nun mehr im Schim. mer de» Golde» glänzenden LrösuSlein und hält e» für da» radikaiste Mittel cincin Zukunftslosen Vereine auf die Beine zu helfen. Mit den Jahren, pflegt man zu sagen, komme der Verstand, nach Anschauung der modernen Philosophen kommt mit dem Selbe der Verstand, trotzdem man seit urältestcr Zeit der Ansicht huldigt, da» Glück kehre bei der Dummheit rin. Die Materialisten behaupten. Geld sei die Axe, um die sich da» ganze menschliche Dasein dreht, und selbst die neueren Aerzte halten Geld für da» einzige Mittel, zuerst ihre eigene, dann die Gesundheit Anderer zu erhalten, während die Idealisten eine höhere Idee anstreben, aber ganz natürlich vom Geldc keine Idee haben. Wir leben einmal in einer ide enreichen Zeit, sie gebärt Telegraphen aerostatische Dampswagen, Flug- Maschinen, warum sollte sie nicht jüdische Vereine erfinden? Genügen doch zwei Personen und ein Verein steht da wie neu geboren, wiewohl die Erfinder, wie bei jeder neuen Idee, erst die Mittel suchen, um die Idee al» da« Produft der Phantasie zu verwirkllchen. E» wird nun da» Spährrauge auögesendet und seine Lichtstrahlen treffen eine Raupe, die fich seit Kurze,» erst zu einem Goldschmrtterltng entpuppt hat, von dem man hofft, er werde Gold lasten, aber irrt, da er nur Staub macht. Diese Täuschung, da» dürsten Sie bester wiffen al» ich, beruht darauf, daß dir Art»