Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 21 (20.5.1870)
- Date
- 1870-05-20
- Page
- Seite 199 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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» Ms» «b»»«irtfür V»«- r CMtfftrig P. 5.- Hlbjähriß „ 2.50 vierteljährig,, I SO MU Postz«sr«don,: G»»zjährig fl. 5.50 H«lßjährlg „ 2.75 vierteljährig,, 1.50 Für- Au-land r «lmzjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Jaserate werde« billigst berechnet. Die Gegenwart. Israelitische Wochenschrift für politische, sociale und religiöse Interessen. Erscheint an jedem Freitag. »rdakti,« fl»,i »iflriti,<Prag, WU> IrrgafleRra. 408— 1 wah n alle vriefe n. Geldsendungen zn richte» sind. Zuschriften »erde« franco erdete«. Ma. nuslripte »erde« bei Nichtverwendung ans verlange« jedoch . nnsraalirt zurückrr- Kattrt. Ur. 81. Prag 80. Mai 1870. ///.Jahrgang. Dr. Franz Lmolka. Die gegenwärtig in Prag stattfindenden Ponrparlers, die von den einzelnen nationalen Führern Böhmens, Mährens und Galiziens und den RegierungSverttetcrn Graf Potocki und Baron Petrino gepflogen werden und deren Erdresultat noch nicht prädestinirt werden kann, lassen in unserem Glatte vorläufig keine Diskussion zu und bieten uns nur Veranlassung, alle jene Gäste in nnserer Vaterstadt willkommen zu heißen, die die Mission eines längst erwünschten Ausgleiches und der Aussöhnung der schroffen Gegensätze übernommcn, welche bisher zwischen den Nationalitäten und der Regierung geherrscht haben. Ein für die Juden specielleS Interesse hat die Anwesenheit des polnischen Pattioten Franz Smolka; denn die Dienste, die er den Juden im Allgemeinen, den in Polen insbesondere erwiesen, machen ihm selbstverständlich die Juden überall verpflichtet. Es ist somit unsere pflichtgemäße Schuldigkeit, jenes Mannes, der, während wir dies schreiben, in unseren Mauern weilt, zu gedenken, um ihn die Ueberzeugung gewinnen zu lassen, daß der Jude den Kampf um Freiheit und Recht zu würdigen und den Kämpfer hoch zu ehren versteht. WaS Smolka den Juden war und noch ift, wie er sie -stetmit dew Fittigrn seiner nngefälfchten^reiheitlichkn Jdeem geschützt und die Menschenrechte auch auf die Juden zu erstrecken wußte, davon sprechen seine mit Begeisterung gehaltenen Reden für die volle Emancipatton^der^Jaden zu einer Zeit, Ms dieser edle Pattiot an der Spitze der national polnischen Bewegung in Galizien stand, davon sprechen seine hitzigen parlamentarischen Gefechte im Reichstage zu Wien und Kremsier, wo er erst zum Vicepräsidenten, dann am 12. Oktober 1848 zum Präsidrntm gewählt wurde, für die unumschränkte Frei, heit der Juden. Und erst in neuerer Zeit, eS war im Dezember 1868, als die Gleichberechtigung der Jsra» eliten bei GemeinderathS-Wahlcn im galizischen Landtage zur Debatte gelangt und auf hartnäckigen Widerstand gestoßen ist, hat Smolka bewiesen, daß er wol älter ge« worden, aber seine liberalen Intentionen noch immer so, frisch geblieben, wiesle im jugendlichen Alter diese-edlen Kämpen geblüht haben. In gereitzter Stimmung rief er den Abgeordneten zu, als ihm der Widerstand der Gegner namentlich der bäuerlichen Deputaten fast unbesiegbar zschien: „Wenn gegen den Ausschußantrag die Herren aufgetreten wären, so würde ich es begreiflich finden, wenn aber Männer von Bildung, die von Freiheit so oft und so schön zu sprechen verstehen —wenn Feuilleton. Plaudereiev (zweite Folge) I VI. 1 Eie wissen wol, was eine jüdische Vertretung oder vielmehr was sie nicht ist, Sie dürften aber kaum wisien, was ein jüdischer verein oder vielmehr was er nicht ist. Ein jüdischer Verein NOta liene ein jüdischer Verein in Prag ist nichts andere» als die verkörperte Jdernaffociation mehrerer an Vorstehermanic lrtdender jüdischer Glaubensbnider, die zur Erreichung eines Platzchens im Paradiese irdischer Glücksceligkeit eine große Idee aus ihrem geistigeii Apparate hervorzaubern, um sich zn ihrem Vor- und Familiennamen noch einen Rame n zu schaffen. Der erste, der sich mit einer so humanen Idee trägt, die schon deshalb human sein muß, weil sie von einem Menschen kommt, theilt sie einem zweiten und dritten und selbst vierten mit, um sic an der irdischen Glücksceligkeit Theil nehmen zu lasten. Diese Gesellschaft, ob beim schwarzen Mokka oder braunen Gerstensaft zusammengesetzt, bildet das Gründungskomite de« ZukunftsverciiicS, die Mitglieder i der Gesellschaft werden somit die Gründer ihres Glückes, das den | Weg in s Himmelreich bahnen soll. Mitglieder werden gekapprrt, mn mit ihnen den Verein, sei er mm der Armuth oder der Krankenpflege oder der Wissenschaft geweiht, zu entbinden, er erblickt das Licht der Welt, und die Gründer glänzen auf dein gedruckten Statute in fetten Letter» als Zeichen der fetten Beiträge, die «vünschenSwerth erscheinen. „Wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rrchtci» Zeit sich ein," wo Worte nicht genügen, muh der Revolver hcrhalten, der an die Brust gesetzt wird, sobald das Herz des Bedrohten hartnäckigen Widerstand leistet. So werde«» Sie selten in Prag einen Mann finden, der nicht mehreren Vereinen angehört, oft sogar Bereiitrn, die eine uird dieselbe Tendenz verfolgen. Ich muß ihnen bedeuten, hört man oft zu den Gründen« spreche», daß ich nur 2H,tm zu Liebe dem Vereine beitrete da ich „«ich schon überzeugt habe, daß dir jüdischen Vereine keinen anderen Zlveck verfolgen als die Ehrsucht einiger Rahmensbedürftiger Herren zu stillen, u««d uin Leuten «nit einer Stelle ein leichtes und bequcines Brod zn verschaffen. So hören Eie oft die Leute «viderholrn und doch sind sie Mitglieder der Vereine, die alle» in allem genoimnen nichts vorstrllrn und nicht« Großes erreichen. Wie es aber koinint, daß die einmal rckrutirte» Mitglieder «vacker aushalten, da« sollen Sie gleich von mir hören: Wir leben rininal, wir Sie «vol wisse««, in einer schreib- »md druckseeligen Zeit, jeder möchte gerne schretbei,. wenn er nur könnte, und wer nicht schreiben kann, will «venigstens in einer grüßen» Anstagt gedruckt erscheinen. Rach phisikLlischen Grundsätzen, das dürfte Ihnen bekannt sein, erzeugt Druck Gegendruck, der sich ain ineiste» bei Vereinen geltend n«acht, einmal wird jedes Mitglied «nit rinein Beitrag gedruckt, das andere Mal erscheint er «vieder auf drin Papiere gedruckt. Die schwere Mühe einen jüdische«» Hnmanitätsrekruten grivor-