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Die Gegenwart · 1870-05-13 · 20 (13.5.1870) · p. Seite 196

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
20 (13.5.1870)
Date
1870-05-13
Page
Seite 196 (sequence 6)
Language
German
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— 196 — %* Wohnhaus'für arme Familien Bekanntlich wurde, wie wir es vor Kurzem registrirl haben, von den Erben nach dem verstorbenen Banquier Leopold v. Vdmcl das von ihm bewohnt gewesene HanS in der Zcltnergasse in eine Stätte für arme Vnitc umwandell. wohnen bereitin den schönen Gemächern dieses Hauses!5 christliche Familien und eine jüdische Familie. %*■ Volkszählung und Il'ultusstrurr. Tie slattgehabte BollSzählung haue für die Eutiusbestrucrung ihre guten und ihre schlechten Folgen, ihre guten, daß sich die Repräsentanz durch den betressenden mit der Voltszählung betraut gewesenen Mag'srratSbeanitcn, die Nahmen jener l)icv domicilirenden Israeliten »ahmhaft machen ließ, um mit ihnen da- Kontingent der Steuerzahler zu vergrößern, ihre schlechten Folgen hingegen, daß trotz dicscnl Brr stärlungsmittel der größere Thril der langjährigen Eultussrcucrzahlcr gegenwärtig eine bedeutende S teuererhvliung. erfuhr. DieMrdiftn wirkt schlecht. Schon wieder wird unö von einem Genicindrinitgliede, daß sich von der Armcnkomniission behandeln ließ, Silage geführt, daß das Zacherlpulver der Aitiienkomm'ssioi. schlecht wirkt und cö nach wie vor, V»n den .lkrenwrläfern belästigt wird. * * * Ilrusynagoge. Verflossenen Samstag leitete daselbst Hr. Moritz Schlesinger, Eanlvr in vibiu den Gottesdienst. Bei Gelegen heil—seiner Anwesenhein P>ag b^husS Ablegung der Pliisung l'c'm Pros, des Eenfelvalvriums Hcrin Vogl, wurde er vom Bo.stände orr A'rnsynagvgc mit dem Bordeten beehrt. Tassclbc fiel recht günstig aus, und besitzt Hr. Schlesinger nebst einem sehr leinen und hohey Tenor eiue hübsche Vortragsweise. V: Ilrfignation Ter zweite Eantor des isr. Tempels Herr Marino Popper hat seine Resignation eingcbracht. V'; Leopold von portheirnschc Armenftislung. Am Ich. Juni I. (V trurden Ne Interessen van der Vcopolb von Porthkimschrn Armenslistung, von dem Kapital pr. KOOO fl. an zwei christliche und zwei israelitische arme Familirnvülcr oder Familieiimüttcr vergeben. Das Bcrlcihungsrccht für erfterc hat der Prager Stadtrath, für letztere die israelitische KultuSgoncindc, weshalb die Bewerber ihre Ansuchen bis zum 2.'». d. M., und zwar die christlichen beim Stadtrathe, '»je israelitischen bei der israelitischen Kultnsgemeindcreprä- Itutanz cinzubringen haben. 3 ii I n u d. Wien. lSpendc.» Ter Kaiser und die Kaiserin haben zur Gründung des „Ersten israelitischen Blindcnerziehungs- JnslitntrS in Wien" einen Beitrag von 2000 ft. ans ihren Privalmilteln gespendet. Weiters sind eingcgangen v.Hrn. Karl Dbermaver, l. bair. Oberst, sl.; v. Hrn. Wilhelm Glaser lOOO sl.. v. Hrn. Wilhelm ^ierer loo fl.; v. Fr. P. R. 5» fl. und jühr. -'». fl.: v. Heir» Tavid Singer 5>00 fl. P. Rt.; v. Herrn Moriz Mäher -°'.oo fl.; v. Herrii Karl Hock IO sl. und jähr. 5 fl.; v. Herrn l'i. H»s; selb jühr. 10 fl.; v. Kenn B. Mauer's Sohne;>oo sl. y.U'it den bisher von Dr. Viil», A»g. Fraiill gesanimelte» und ansgkwicsci.cn Betrügen ergibt sich, inllusivc des ersten GrlindnngSbetragtS ä lt 1,000 fl. vom Frc Hern v. Scheu, -tt>.7«!', fl. und 100 Ducatrn baar, -'.0K3 ft. Jahresbeiträge, 2<h'iOO fl. Sbligalivnrn. Dazu e>» riir 5o blinde.Kinder cingcrichtetes Hans nebst Garten v. I. Ritter v. Kvnigswarter. S ch n ch k l n b b.) Der Präsident des Schachtlubb Baron S. Rothschild jun. ist mit ocm Schachiöiilg Kolisch eine Wette mit nahmhastem Betrage cingegangen, daß Kolisch welcher einem zweiten Schachspieler Z.. Thurm und Roß vorgibt, von siebcu Partie« nicht vier gewinnen werde. Man ist gespannt aus den Antzgang dieser Wette. — (I sraelitischcr Frauen, Wo hlt HÜ ti gke i t S v c re i n.) Zu FünshauS hat sich Sonntag ein Frauen - WohlthütigkeitSverein konftituirt, der den Zweck verfolgt, ollen wahrhaft Nothdürftigen, sowie den mittellosen Kranken, Witwen und Waisen eine rechtzeitige Unterstützung augedeihen zu lassen. Die anwesenden Damen wählten Herrn Königstein zu ihrem Vorsitzenden, welcher nach Verlesung deS StatuteneMwurfeS die en bloc« Annahme desselben empfahl. (Geschieht.) Ferner wurde mitgetheilt, daß die Herren Tr. Sigmund Bairach und Tr. Friedrich Apotheker in Fünshaus, schriftlich sich bereit erklärten, wonach Ersterer die vom Vereine namhaft gemachten Kranken unentgeltlich zu besuchen, Letzterer bei Abnahme von Mcdikamcntca einen 30 per;. Nachlaß zugestehen wolle. Tic Sraturen werden der Statthalterei zur Genehmigung überreicht. TaS Gründcrkomittz besteht ans den Tomen: Fanni P ollak, Ietti Schnabel, Fanni S ch n ab e l, Maria 9 ö w h, K a r o l i n e S o n n e n f c l d, M ar i e Körner, Elise Kühner, Sofie Grünspann. Zctti Bellak, Josefime Reich, Anna Weiß und Mathilde Heikler. — Im Wiener israelitischen T a n b sl um m e n- Institut fand die öffentliche Zahreeprüfung der Zöglinge statt. Das zahlreich versammelte Publikum verfolgte die überraschenden Leistungen der Haffen« weise vorgesührlen Zöglinge, Mädchen und Knaben mit lebhaftem Interesse. Die ErziehungSresultate, die in der musterhaft geleiteten Anstalt erzielt werden, sind in der That so günstig, daß man dem Direktor dcS Instituts, dem kaifcrlichen Rath Z. Deutsch, sowie dem Lehrkörper volle Anerkennung zollen muß.— (Baron Anselm v. Rothschild) hat aus Anlaß der Aufstellung der Statue seines Vaters am Rordbahnhofe der Direktion der Kaiser Ferdinands - Nordbahn die Summe von 5000 fl. übersandt, mit der Bestimmung, dieselbe unter das untergeordnete Dienstpersonale der Nordbahn zu vertheilcn. Dieser Tage, schreibt „M. P.«, rief nachstehender Fall in Klausenbnrg große Sensation hervor. Dem israelitischen Büigcr A—r war eine nahe Anverwandte gestorben, welche jedoch ihre Glaubensgenossen nicht auf dem israelitischen Friedhöfe begraben wollten, da das Gerücht ging, die Verstorbene habe sich taufen lassen. Später zeigte sich man dazu bereit, verlangte jedoch 500 fl. für die Grabstätte, welchen Preis A—r übertrieben fand und sich deßhalb an die Polizei wendete. Das Bcgräbuiß fand denn auch unter polizeilicher AssiftcnS statt, allein israclitischerseitö verhinderte man mit Gewalt die Eingrabung der Leiche. Tie Exzedenteir wurden verhaftet, und um die Sache friedlich beizulcgen, bot nun A—r 200 fl. für di: Grabstätte an, was jedoch nicht angenommen wurde. Mitilerweilc waren diese Vorgänge dem Pfarrer zu 'Thren gtkommen, der nun seinerseits vor der Polizei erklärte, daß er die Bestattung der Frau auf dem israelit. Friedhofe nicht gestatten köilve, da sie eine Christin gewesen. Die Verwandten der Verstorbenen leugneten dies, tclcgraphirten an das Ministerium, und nur mit Mühe ließ sich die Sache dahiri in Drd.ru.ng brmgcn, daß der Pfarrer von seinem Verlangen abstano, nachdem er sich überzeugt hatte, daß die Frau als Israelitin gestorben, während die streitenden Theile sich über einen Preis von 300 ft. für die Begräbnißstätte einigte». A u 8 I a u D. Berlin, 7. April. Ihre Majestät die Königin, in Begleitung der Gräfin Hake und eines Kammerherrn, überraschten heute die hiesige koschere Volksküche mit ihrem Besuche. Die hohe Frau nahm sämmtliche Einrichtungen in Augenschein, die ebenso wie die Speisen, welche sie kostete, ihren Beifall fanden, und ließ ein nahmhafteS Geschenk für das Küchcnpcrsonal zurück. Hamburg. Die Verwaltung der I. A. von Halle'schen Miethc-UnterftützungSstiftung fordert solche Personen auf, die mindestens Et. Mk. 300 jährlich an Miethe zu zahlen ha-

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