Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 20 (13.5.1870)
- Date
- 1870-05-13
- Page
- Seite 197 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4890378-5433916-5434034--681-4890989- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
197 den und eine Unterstützung zur Nichtzahlung am 1. Mai d. I. nachsuchen wollen, sich bizum 4. d. M. bei einem der Verwalter der Stiftung, den Herrn vr. John Israel, I. H. Lühr- oder vr. D. R. Marburg zu melden. Ausgeschlossen von einer Unterstützung der Stiftung sind alle Diejenigen, welche von einer andern Wohlthätigkeit-anstalt Unterstützung erhalten. Der Betrag jeder einzelnen Unterstützung darf nicht unter Crt. Mk. 50 und nicht über Etr. Mk. 500 sein. Gegründet ward diese Stiftung von Frau Friederike von Halle, geborene von Halle, im Oktober 1868 zum ehrenden Andenken cm ihren verstorbenen Eheman, Herrn Joel Aaron von Halle. Die Unterstützungen werden vorzugsweise in der Gestalt von zinsfreien Vorschüssen gegeben, und sind sie für hiesige Einwohner ohne^ Unterschied der Confession und des Geschlecht^ bestimmt. In Lithauen tritt mit den 15. Mai das neue Gesetz bezüglich der neuen Besteuerung jüdischer Einwohner in Kraft. Nach demselben haben die Juden LithaucnS außer den bisherigen mannigfachen Steuern noch eine besondere Abgabe bei kirchlichen Akten, bei Trauungen, Beschneidungen und Konfirmationen von Knaben zu entrichten. Wie man vorgibt, . _ _ _ soll aus diesen Abgaben ein Fond zur Errichtung „nd iln.-1-Der Selbstmord I)at7~föic wir müfTbtr Kennt»iß orr« terhaltMg jüdischcrSchulen ^bildet werden, so daß diese künftighin weder der Gemeinde noch dem Staate zur Last fallen, sondern lediglich auf die aogesammeltcw FondSangr-- iviefen find. Bei armen Familien muß die Gemeinde die betreffenden Abgaben tragen, weil diese ihr später wieder zu Gute kommen. London. Dem englischen Parlament wurde bekannterweisc ein neues UnterrichtSgefetz zur Berathung vorgelegt. Aldermann Sir David Salomon hat zu demselben ein Amendement cingebracht, nach welchem die israelitischen SchiP lcr, welche die vom Staate errichteten Schulen besuchen, an Sabbat- und Feiertagen vom Schulbesuche dispcnsirt sein sollen. — Am G. Nissan wurde die in der Portland-Street erbaute neue Eentral-Shnagoge unter großen Feierlichkeiten und bei großer Bethciligung von Seiten der Bevölkerung cingcwciht. Die Synagoge, im prachtvollem Style erbaut, hat eine Front von 120 Fuß und enthält einen Raum zu 1000 Sitzplätzen. Die Baukosten belaufen sich ans 25.000 L. St. (600,000 fl.) Der von Herrn Prediger Green bei der Einweihung dirigirtc Gottesdienst fand allgemein großen Beifall. Tunis. Der „GauloiS" veröffentlicht eine lange Eorrcspodcnz aus Tunis über rin beklagcnSwerlhcö Ereignis, welches in der Hanpstadt dieses Landes vorgcfallcn ist. Ein fanatischer Muselmann lies am 9. März, den Säbel in der Hand durch die Straßen und schlug auf alle, die ihm begegneten, nur nicht auf Muselmänner. Ungefähr 60 Personen verwundete er, worunter einige lebensgefährlich; mehrere Kinder blieben auf der Stelle todt. Eine jung«' und hübsche iSr. Dame, an einen Europäer verheiratet, verdankte nur ihrem Ehignon ihr Leben. Endlich, nachdem dieser Unmensch von einem Revolver am Beine verwundet worden war, wurde er von einem Ehauch deS engl. ConsnlS arrctirt. Sämmtlichc Eonsulcn verlangten eine strenge Bestrafung. Der Mörder wurde enthauptet. Man sagt, daß der engt. Eonsul eine oder zwei Fregatten von Malta kommen lassen will. Die Juden in Amerika beginnen, wie wir von Anfang an gehofft, zuversichtlich erwartet haben, die Einwanderung russischer Juden mit geringerem Widerwillen anzuschen. Sic werden mehr thun, sie werden sic unterstützen und fördern. Am 16. Mär; hat in Ncw-Aork eine Versammlung zu diesem Zwecke stattgehabt. Ist dieselbe auch, ungünstiger Umstände halber, schwach besucht gewesen, so sollen doch „die rechten Männer" dagewesen sein. Es ist vorläufig ein Eomite zu weiterer Berathung der zu ergreifenden Maßregeln ernannt worden. Die Idee scheint in Amerika Anklang zu finden: die einwandernden Juden sollen colonisirt werden. ES ist Denjenigen, welche amerikanischen Zuständen ihre Staat zu einem „christlichen" machen wollen. In Pitt-bur- und Albany haben Meetings stattgefunden, welche in die Grundverfassung Sätze bringen möchte» wie: „der Staat muß auf Ehristcnthum gegründet werden", „nur wer in EhristuS Gott erkennt, kann Bürger der Vereinigten Staaten fein." — Ob diejenigen jüdischen und allgemeinen Zeitun gen, welche in diesen Wühlereien nur mockery und farce sehen und sie ironisch behandeln. Recht haben, oder die „N.-Ljork. St.-Ztg." welche die Deutschen (und die Juden) warnt, die Sache nicht zu leicht und spaßhaft zu nehmen, können wir nicht wissen. Indessen Tan nnao cix ’-itk ist ein Satz, der unsere Zustimmung nicht bedarf. M i ö c e l l e n. X Ucber das traurige Ende des Professor I a f f e entnehmen wir Nachstehendes der „Tribüne' schiedener detailliner Umstünde, die diesem traurigen Grclgniß vorangcgangcn. mitthesten können, seine näherenBekannten kaum tlderraschl.Män hätte eine solche Katastrophe schon seit einiger Zeit befürchtet. Der unglückliche Gelehrte soll sich seinen erfolgten Uebcrtritlt zum Ehristen« thuin fortwährend zum Vorwurf gemacht haben. Er war beinahe alt geworden und hatte jeder Anmuthnng, seine Religion zu wechseln, beharrlichen Widerstand entgegengesetzt. Obgleich bereits durch seine Geschichtsforschungen berühmt, zog er c« noch vor, das ihm ganz fremde medicinifche Studium bis zur Erlangung der Berechtigung zur ärztlichen Praxis zu pflegen, »in nur nicht zum Religion«. Wechsel genöthigt zu sein. Welche Beweggründe diesen standhaftcu Widerstand endlich gebrochen haben mögen, bleibe hier nnerörtcrt. Aber gewiß ist. daß er schon kurze Zeit nach dem Ucbertritt kein Hehl daraus machte, er könne sich diesen Akt, der im Widerspruche mit seinem ganzen bisherigen Leben stehe, nicht verzeihe». Hieran reihen wir — der Zusammenhang crgicbt sich wohl von selbst — einige Sätze aus der „Berl. Börs.-Ztg" aus dem Berichte über einen Besuch, den der österreichische Ministerprü'idcnt Potocki am 14. d. M. dem I>r. Fischhos abzcstattct hat: „Fischhof war Hls Reichstags Abgeordneter, während der Oktobcrtagc Präsident des Sicherhcits Ausschusses der obersten rvolnlionäre» Behörde in Wien, endlich Mitglied de- Berfassungsausschusscs in Kleinster. '.Vach AuflSsung des Reichstages verschmähte er cs, sich durch die Flucht zu rette», er saß ein Fahr lang in Untersuchungshaft und erhielt se-'ne politischen Rechte erst unter Bclcredi zurück. Er ist wohl tein großer Staatsmann, aber es gibt in ganz Oesterreich keinen zweite» Ebaralter, von dessen Integrität und wahrer Freihcitsliebe all: nationalen Parteien so durch und durch libcrzeugt sind, da sie ihn alle ans den Krise» jener Heit her tennen. Deshalb dachte ihn Bclcredi zu gewinnen und deshalb suchte Potocki ihn auf, denn in Oesterreich, wo cs gang und gäbe ist, den politischen Gegner zu beichntdigen. er habe silberne Vossel gestohlen. ha: die Existens einer solchen Persönlichkeit eine hohe Bedeutung und einen großen Werth. Den Grafen Bclcredi ließ Fischhof nichtig ablaufcN. Wenn er aber heute den Polen, Ezcchcn und Slovencn gegenüber die Bürgschaft auf sich nimmt, daß Potocki cs ehrlich meint und kein Experiment ä la Esterhazy im Schilde führt, so glauben ihm das Smolka. Riegcr und Toman, weil sie iha kennen. Mit der Aussaat eines solchen Vertrauens ist aber schon immerhin etwas gewonnen." vr. F i s ch h o f ist bekanntlich Jude; cS ist allerdiog» Aufmerksamkeit zuwenden, wohl nicht unbekannt, daß r» auch > nicht erforderlich, daß die B. B. Z. diesen Umstand erwStzin den Vereinigten Staaten eine Partei gibt, welche den ne — nur das ist rigenthümlich, daß der Beisatz „3ub«*