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Die Gegenwart · 1870-05-13 · 20 (13.5.1870) · p. Seite 194

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
20 (13.5.1870)
Date
1870-05-13
Page
Seite 194 (sequence 4)
Language
German
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i 194 Jahrhunderte fort, unter dem Rektorate der Gaonim, von welchen Rab SeadiaS den Joseph der mcrkwürdiqste ist. Er wurde im Jahre 892 zu Alfajum, der Hauptstadt einer Provinz gleiches Rainenin Aegypten, geboren. Noch jnng, hatte er sich schon einen anSgebreitetctcn Rnf, sowohl durch seine außerordentliche Gelehrsamkeit, als auch durch seinen äußerst biederen Charakter, bei seiner Ration erworben. Aldaher da- Rektorat der Akadcinic zu Eura mit dem Absterben de- Rab Jakob Gaon erledigt wurde, schickte David bcn Sakai, damaliger Fürst der Ausgewanderten, Abgeordnete nach Aegypten zum berühmten SeadiaS. um denselben zur Annahme der Rektor- und GaonSwürdc aufzufordcrn. Er kam auch wirklich nach Sura, aber nachdem er daselbst zwei Jahre sein Amt mit seltner Weisheit und mnsterhafter Nechlschaffenheit verwaltet, entstand ein großer Zwist zwischen ihm und dem erwähnten Fürsten der AuSgewandcrten*). Dieser ein Mann von eigennützigem und widcrrrchtlichem Eharaklcr, hatte sich nämlich angemaßt, einen sehr wichtigen Prozeß gesetzwidrig zn entscheide::, und, um seinem unbilligen Spruche die volle Gültigkeit zu verschaffen, schickte er. denselben dem Na-b SeadiaS Gaou zur Konnoch drei andern Kommentaren an der Seite, herau-gekommen; diese aber, so wie seine grammatikalischen Werke sind verloren gegangen. Nach Verlauf von 7 Jahren wurde zwar Rab Scadiamit, dem Fürsten der Ausgewanderten durch Dazwischenkunft mehrerer Großen seiner Nation wieder auSgesöhnt, und er durfte nun wieder öffentlich erscheinen; erhielt aber das Rektorat nie mehr. — Unterdessen hatte jene Verfolgung und die daraus erfolgte vieljährigc Entfernung von gesellschaftlichen Umgänge ihm heftige melancholische Anfälle zugezogen, woran er dann im I. 942 im fjmfzigsten Jahre seine- Alters starb, beweint von allen Edlen seiner Nation. — Unerschütterlicher, in der höchsten Gefahr sich glcichbleibender Muth, granzenlose Liebe zur Rechtschaffenheit und Tugend, und unzerstörbare Beharrlichkeit bei gefaßten Krundfätzcn und Meinungen, waren Hauptzüge de- Charakterdieses liebenswürdigen GaonS. S. L. was find pilpulilUsche Kapreolensprünge? firmaiion zu. Als sich dieser aber ihn zu konfirmircn wcigerle, wurde die Botschaft au ihn von dem Fürsten der Ausgewanderten, in der Person seines eignen Sohne-, wiederholt, und die Drohung hiuzugcfügt, daß, falls er auf seiner Verweigerung beharre, er dieselbe mit nichts wenigerem, als mit dem Veden büßen würde. — Aber nichts wer״ mochte den eisernen Muth des rechtschaffenen GaonS zu bcngen, und der Sohn des Davids bcn Sakai mußte,nachdem er in einem Aufstande, der über jene empörende Anmaßung höchst erbitterten Verehrer des Rab SeadiaS, auf verschiedene Weise gcmißhandelt worden war, unverrichteter Sache wieder zurückkehren. Die Gährnng verbreitete sich blitzschnell von der Suranischen Akademie aus unter alle jMschen Bewohner des Landes. Bald darauf wurde daher David bcn Sakai seiner Würde vcrlustigt erklärt, und JosiaS bcn Satai an seiner Stelle zum Fürsten der Ausgewanderten ernannt. Aber der schlaue in Jntrigucn allerlei Art bewandte David versuchte es durch seiueRänke, ״wohl bei den Vornehmen seiner Nation, als am Hofe des ...lifen, die ehemalige Würde wieder zu erlangen, und als cS ihm endlich gelungen war, seinen Bruder JosiaS zu stürzen, war Befriedigung seiner Rachsucht am Rab Sead iaS, sein erster Gedanke. Doch dieser hatte sich zum Glücke noch bei Zeiten durch eine schnelle Flucht gerettet, mußte aber dann 7 Jahre hintereinander verborgen und in Einsamkeit leben, welche Zeit er gänzlich seinen schriftstellerischen Arbeiten widmete. Das vorzüglichste Werk, womit diese seine Einsamkeit die Mit- und Nachwelt beschenkte, ist unstreitig das mm סם־ אמונות, mit welchem der Verfasser die Bahn zu der von MaymonideS, Aldo n. a. m. nachher so schön bearbeiteten philosophisch jüdischen Theologie, gebrochen. Eine vertrante Bekanntschaft mit den Schriften der vorzüglichsten griechischen nnd arabischen Philosophen, eine kühne Wahrheit-liebe, welche die verehrtesten Vorurthcilc in ihrer schändlichen Blöße darznstcllrn sich nicht scheut, ein von Liebe zu seinem Gott und der Tugend ganz durchgltthtes Herz sind e-, die sich fast auf jedem Blatte dieses merkwürdigen WerkeS laut anSsprcchcn. Dasselbe wurde im Jahre 118(5 von Rabbi Sainurl Abcn Thibbon aus dem arabischen Texte de- Verfassers ins Hebräische übersetzt und in neuern Leiten von einem gelehrten Inden mit einem Kommentare begleitet. Fast nicht weniger berühmt sind seine arabischen liebersetzungrn de- Pentateuchs und des Buche- Daniel. Er schrieb auch einen hebräischen Kommentar über dakabbalistische Buch Jezirah, und überdieß noch verschiedene talmudische Traktate, als: על הלנות טמאה וטהרה על אסורי ניאו• u. s. w. Jener ist zu Mantua im Jahre 1592, mit *) Bartolocci 0םר mp p«n 4 — W 01 f Bibliothec» radiale» — Wer die ״Offene Eorrespondenz" in Nr. 18 d. Neuzeit gelesen, ver hat schwarz auf weiß vor sich gehabt, wie Grunde keinen Raum geben wollte, weil -sie durch diese ,.pilpulistischcn Kapreolensprünge" von der Sache abkommt. Die geehrte Redaction gibt keine Definition dieses Worres; ebenso hat sic die Anschauung-.'-Methode ganz perhorreSzirt. da .üe meine Replik nicht aufnahm, aus der Jeder die ״pilpuiistischen Kapreolensprünge" aneigener Anschauung hätte wahrnehmcn können. Diese Unterlassungssünde der N. d. Nz. will ich nun sühnen, damit die. geehrten Leser doch wenigstenS wissen, was sie unter pilpulistische Kapreolensprünge zu verstehen haben. Ich hatte nämlich eine kleine Polemik mit d. R. d. Nz. in Betreff der Beschncidungsfrage. Die Redaktion trat meinem Gutachten entgegen auch mit der Talmudstellc: נכרי ששבת הייב מיתה und übersetzte sic: ״Ein Heide, der den Sabbat hält» hat da- Leben verwirkt," und hält diesen Ausspruch für eine ״bitter ernste Halacha," worauf ich erklärte, daß dieser Ausspruch keine Halacha sei, da weder Toßefot, noch der Rosch, noch der Rif sie codifiziren.* *) Ferner wie» ich nach, daß die Ucbersetzung deö ננרי ששב eine irrthümliche sei, da Raschi zur Stelle ausdrücklich sagt׳ daß hier nicht gemeint ist, wenn der Heide den Sabbat hält, um ihn zu feiern, sondern welchen Tag er immer ganz dem Müßiggänge weihet. Auch MaimonideS, der die Stelle anführt, spricht nicht von Sabbat allein, denn er setzt gleich hinzu ״ אסילו ביום מימות ההולwelchen Wochentag immer" und zwar nur dann, wenn er damit eine neue Seckle schaffen will; will er aber ein Pflichtgcbot erfüllen in der Hoffnung einen Lohn für die gute That zu empfangen, braucht man ihn nicht davon abzuhaltcn." Das sind nun nach der Meinung der Redaction der Nz. pilpulistische Kapreolensprünge. Merke dir das, lieber Leser, damit Dn doch den Begriff in seinen ganzen Umfange wissest. Wie, Du kannst nicht glauben, daß dicß Kaprcolciisprunge sein sollen? Frage nur an bei der Red. d. ״Neuzeit," sie wird cS Dich versichern und c- Dir schwarz aus weiß in ihrem Blatt gedruckt zeigen, dann wirst du ewohl glauben müssen. Dabei kommt mir in Erinnerung, waS ich in meiner Jugend erzählen gehört. In Prag soll ein Rabbiner einst den Pilpul eine- BachurS, der ihn sehr in die Enge trieb, damit beendet haben, indem er einen schweren Folianten ihm in- Gesicht warf und ihm einen Zahn auSschlug; darauf der Bachur ganz lakonisch sagte: Rebbe der Zahn ist *) Der עין יעקב, der doch nur Lgadot »üb Midraschim in seinem Werke jusammenstellt, bringt anch birst Stelle; ein Sewei«, baß sie znr *gada gehört. ,

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