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Die Gegenwart · 1870-05-06 · 19 (6.5.1870) · p. Seite 185

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
19 (6.5.1870)
Date
1870-05-06
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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185 strakt ist, wird ihm bald conkret werden. ES wird seinen immel mit Menschen- und Thiergebilden auSfüllen, sein aradieS nnd seine Hölle werden nur Tummelplätze seiner thierischen Leidenschaft, des sinnlichen Angenehmen und Unangenehmen. Daher laboriren alle Sltern orientalischen Religionen an Anthropo- und ZoomorphiSmen. Wem ist nicht das Adam Kadmou bekannt! Die Kabbala theilt diese Schwächen, aber indem sie sich an das Judenthum, an diese klare Quelle des geläutertsten Monotheismus anschloß, hat sie zum Theil ihre Begriffe veredelt. Sie beherbergt ferner die unschätzbare Theorie der Emanation. Diese unendliche große Wahrheit ist schon an der Wiege der Menschheit entstanden, und ist mit ihr großgrzogen. Diese Wahrheit ist in der Kabbala wiedergegeben, aber nicht als entwickelter Gedanke, sondern nur noch als ein dunkles Ahnen. Der Kabbalist spricht von EnsofF אין סוף von Sefirot עשר ספירות von verschiedenen Olemot als: ,אצילה, יצירה, עשייה בריאה, ohne angeben zu können, wie aus dem Unendlichen, Allervollkommensten die ganze Reihe der Emanation hervorgehen konnte, bis zu dein Punkte, wo das Sinnliche in seiner schlechtesten Endlichkeit austpatH—SfRt«—hängen jene obersten emanirten 86Lrot zumal die Trias הבסה בתר בתה mit dem Absoluten emanirendm Ensoff zusammen? Seine Antwort ״ כשלהבת קשורה בגחלתwie der Flammenstrahl mit dem brennenden Lichte zusammeuhängt" ist allegorisch und gibt keinen Aufschluß. Eben so vermag er nicht die unendliche Kluft zwischen Emanation und Kreation, wo jene aushört uud diese anfängt nämlich in der עוילס הבריאה auszuflillen, und somit bleibt ja das Problem der Schöpfung, um dessen Lösung es ihm allein zu thun war, wie vorher völlig ungelöst. Die Kabbala fühlte indeß ihren unjüdischen Ursprung, ja sie ahnte auch die Schläge, die ihr das Judenthum als Repräsentant des reinen Monotheismus beibringen werde, wenn sie in sein Gebiet sich wagen dürfte, daher suchte sie sich ihm anzuschmiegen. Listiger griff sie diejenigen Stellen des Pentateuchs an, die mit ihren Ideen in Einklang standen, und die nur in allegorischer Auslegung einen vernünftigen Sinn zuließcn (wie die ganze Schöpfungsgeschichte und die adamitische Sünde) nnd erklärte sie auf ihre Weise. Charakteristisch ist in der K ,öala das selbstständige Auftreten des Bösen. Während im PanteiSmuS das Böse nur als Negation genommen wird, erscheint eS hier in der Kabbala im wirklichen Kampfe mit dem Guten. Als zwei wohlgeordnete sich feindliche Reiche erscheint die Geisterwelt, hier thront das Gute, Göttliche אלהיס dort das Böse Samiel, die Urschlange. Die Kvrperwclt ist die lockende Beute, um welche gekämpft wird. Jede gute That erschafft einen Engel, vermehrt dadurch das Reich des Guten, und dessen Triumph ist entschieden; jede böse That erschafft einen Teufel, der dem Bösen beisteht und selbst zur Geißel wird für seineu menschlichen Schöpfer. Diese Ansicht sucht die Kabbala mit dem Judenthume innigst zu verbinden, jede« Gebot סצוה nnd jedes Verbot עבירה wurde in die Geistcrwelt hinaufgezogen, sie haben daher die unendliche Wichtigkeit ge- Wonnen, eine Zeugungsstätte für Engel und Teufel, ein wirkliches Bindemittel zwischen Gott und Welt zu werden. Die Befolguug oder Nichtbefolgung der Thora hatte also nicht bloß auf den betheiligten Menschen einen subjektiv moralischen Einfluß, wie es das Judenthum verspricht, sondern auch einen objektiv phisischen auf das ganze Universum, der Tikon Olemot Welt Verbesserung und der Kilkul 016mot Weltverschlechterung begleiteten ununterbrochen des Menschen Thun und Lasten. Ein Individuum kann durch eine That die Majorität des Guten oder des Bösen, und dadurch den Fortbestand oder die Vernichtung der Welt herbelführen. Man siehe die unendliche Wichtigkeit, die hier das Individuum gewinnt.' Die Persönlichkeit in ihrer höchsten Bedeutung wird statuirt, und hierin liegt ein Großes, Erhebendes und Originelle« der Kabbala. Sic hat das Unttrgeordnetsein, des perfvlilichen -Geistes vernichtet, sie hat seine göttlich« Würde gerettet, den obsturrn Ausspruch ״die Thora verlangt blinde-, Thun aber kein Denken" 9צ1ת אין צריכות בסגר. hat sie ganz getilgt, und führte ihm zu« Trotze als Borgebot bei jeder Mizwa den לשם יחור ei», damit der Mensch immerdar seiner eigenen Subjektivität sich bewusst werde, und seine geistige Macht, seine hohe Stellung und seinen Einfluß aus das Universum nie verkenne. Die Midraschstelle אחד מכריע כל העולם לזכות או לסוכה ist in diesem Sinne ausgesprochen. Diese und dergleichen Stellen sind kabbalistisch aber nur als isolirte Momente, die der Ehasstdi-muin seinem Prinzipe erst zu einer Einheit zusammenbrachte. Lag nun dieser Ansicht die erhabene Anschauung zu Grunde, daß das ganze All Eine sei und die Arußeruugen des Subjektiv- Bestehenden auch nur Manifestationen der objektiven Kraft des ganzen All seien, so daß das objektive All al- Summe und Einheit der subjektiven Einzelheiten durch diese mvdisizirt werden muffe, so blieb doch der EhaffidiSmuS nicht hierbei stehe», und da er die Natur, als nach ewigen objektiven Gesetzen bestehend, und so den subjektiven Eingriffen des Einzelnen entzogen, nicht erkannte, so erhob er den Einfluß des S»bjektivcn in der moralischen Welt auch zu einem solchen in dem Gebiete der Natur; der Chassidismus suchte die Macht des Geistes in der übernatürlichen Ueberwindung der ׳Natur, das heißt in Wunderthäterci. Ein frommer Mann, der den ungetrübten Geist repräsentirt, muß über die Natur, nach Belieben schalten können, alle ihre Kräfte müssen selbst zu ihrer eigenen Vernichtung ihm gehorchen. Wie die Pythagoräer, nachdem der Geist ihrem Zahlensysteme entwischt war, bloß an den Zahlzeichen!hängen blieben, dir Zahlm nicht mehr als Maßstab von Kräften, sondern als die Kräfte selbst, und die Ziffer uicht mehr als zufälliges Zeichen der Zahl, sondern als ein wesentlich und innig damit verbundenes Etwas betrachteten, so daß sie durch bloße Kambinationen der Ziffern die mannigfaltigsten Kombinationender Naturkräfte und Naturerscheinungen hervorzuzaubern rühmten, so ging cS auch der späteren chassidischrn Kabbala; der Buchstabe trat an die Stelle des Gedankeus, dem Worte wurden Kräfte zugeschrieben, die der Geist selbst nur desitzen konnte, den Buchstaben der Gottesname ־שדי אלהים ירוה wurde die Allmacht znerkannt. Die Buchstaben waren es durch bte der Unendliche in der Schöpfung sich manifestirt ״ באתונן► ברא יהיה ית עלמאmit Buchstaben hat Gott die Welt erschaffen" sie sind gleichsam die Werkzeuge Gotte- und wer diese auf gewisse Weise auSzusprechen oder schriftlich zu kombiuiren verstand, der wäre Herr der ganzen Natur, er durfte sich ihrer bedienen und alles geschieht. Dieß wurde durch das ganze Heer der Engel und Dämone. die. nachher zu Legionen heranwuchscn, conscquent durchgeführt. Die Zahlenkombinationen גיססראווז und die mannigfaltigsten Permutationen קמיעות sinnlos erdichteter oder mythologisch entlehnter Namen der Geister nnd Dämonen aller Art kamen im Gange. Ämulcte und Talismane theilals Präservative, theilS als Heilmittel wurden feilgeboten und die sogenannte praktische Kabbala קבלה מעשיית trat zur völligen Vernichtung der ursprünglich rein geistigen theologischen Kabbala קבלה אלהית zur Verfinsterung des GeisteS hervor. Was die theologische Kabbala inühsam errungen, nämlich die Erhebung des Menschen, als der Höchste der gesammtcn Natur, unmittelbar zu Gott, seine alleinige Abhängigkeit von Gott, als dem ihm ebenbtldlichen unendlich potenzirtcn Geiste, das hat die chassidisch - praktische Kabbala schnöde vernichtet, indem sie den Mensch engeist de» Einflüsse unzähliger Dämonen, Engeln und Teufeln und anderer Myriaden Mittelmächte preis gab, die er theilversöhne, die er theilS um gnädige Fürsprache bet Gott anflehen muffte, und somit stürzte sic ihn in noch tiefere Geistessklaverei, als diejenigen, aus der ihn ehedem die rein geistige Kabbala zu befreien versuchte. Nun gab c» Na«e« der guten und Namen der bösen Geister in Unzahl, der Mann, der diese subcetterestcischen Wesen und Unwesen alle namentlich zu kennen vorgab, nannte sich בעל שם Herr de- Namens. —--

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