Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 19 (6.5.1870)
- Date
- 1870-05-06
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1 184 I Ausruf -er „fMlianeeJsraelitf Hitoraelle“ an sS«mttiche israelitische Gemeinden in Europa und Amerika. Brüder in Europa und Amerika! Wir Unterzeichneten kommen im Namen der *Alliance israelite uniTereelle“, um Eueren Beistand zu einem LiebeSwerke anzusprechen, da» Gott segnen wird; e» handelt sich um Waisen, und Gott nennt sich selbst in unseren heiligen Schriften einen Bater der Waisen. Unsere „Alliance". Brüder l bildet den Bereinigungspunkt zwischen allen Israeliten de» Erdbälle». Sie ist e» im Namen der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit und der Freiheit! Darin liegt der Grünt» der sie umfassenden Sympathien und des Einflüsse», deffen sie sich in der Welt erfreut. Ihr Ruf wird überall gehört, und erst i» jüngster Zeit, al» sie ihre Stimme zu Gunsten der armen Juden in Rußland ertönen ließ, fand sie ein willige» Echo in allen Herzen. In der That wird. Dank unserer „Alliance", die Lage unserer Glaubensbrüder in diesem Lande bald eine günstige werden. Junge, fleißige und intelligente Männer werden sich nach Amerika begeben, nach jenem Erdtheile, wo der Freiheitshauch auch die niedergebeugten Gemüther aufrichjet, und wir werden versuchen jene zu unterstützen, welche sich nicht entschließen konnten, den Böden zu verlassen, in welchem die Gebeine ihrer Väter ruhen. Die Hungersnoth ist verschwunden, dad große Elend hat aufgehört. Jetzt stehen bleiben, hieße auf halbem Wege bleiben! In der Mitte dieser Bevölkerung, welche der Hunger dezimirt hat, gibt e» tausende Waisen, welche in den Straffen ohne Unterricht, Beaufsichtigung und Arbeit herumirren- Was soll au» ihnen werden, wenn wir sic nicht in Schutz nehmen? Sich selbst überlaffen, werden sie die Schande ihrer Glaubensgenossen; gut erzögen können sie zu ihrem Ruhme dienen! Zwischen diesen beiden Alternativen gibt es nichts zu bedenken. E» ist unerläßlich diese Kinder aus den Dörfern, wo sie in Unwissenheit verkümmern, zu nehmen; es ist unsere Pflicht unser Werk zu vollenden, indem wir sie in solche Städte unterbrkngen, wo sie, gehörig unterwiesen, sich eine Zukunft gründen können: Wo aber die zu einem solchen Unternehmen nöthigen Hilfsquellen auffinden? Selbst die ergiebigsten Spenden würden nicht genügen. Ein Gedanke, durch die Traditionen der Vergangenheit eingeflößt, ist in unserer Mitte ins Leben getreten; er wurde mit Begeisterung ausgenommen, denn er beseitigt nach unserer Ansicht alle Schwierigkeiten. Dieser Gedanke ist: Adoptirung jener Waisen durch die israel. Gemeinden in Europa und in Amerika. mehr wie in der „guten, alten Zeit" gezwungen, um der Habsucht de» Christen zu entgehe», seine Schätze von Gold, Juwelen und Geldenzeugen unter dein verfallenen und schmutzigen Austern dc» Hause» zu verbergen. — er ist emanzipirt. gcnicstt den Rechtsschutz wie jeder Andere im Staate und der König selbst darf es nicht wagen, unter irgend einem Borwande sie ihm abzufordrrn. Manche» dieser Waarenlagrr inacht sich übrigen» der Rase viel früher betnertbar, al» den Augen. Da ist recht» rin tigelunougor (Fisch. Händler), wo alle den Juden erlaubten Fische vom frühen Morgen bl» späten Abend in Fett gebacken werden. Wen» un» der abscheuliche Gestank von siedendem Fett kaum Athem zu holen gestattet, so dürfen wir un» doch nicht beklagen, denn der Mann must viel und billig geben. (Schluß folgt.) In Frankreich, Deutschland, Oesterreich, Italien, Amerika erzogen, werden sie unter den wohlthätigen Strahlen der Civilisation heranwachsen, nützliche Menschen, aufgeklärte Israeliten werden. Adoptiv-Kinder der Gemeinden, wo sie Aufnahmen finden, werden sie Unterricht an der Seite andercr Kinder, welche sie-als Brüder behandeln werden, genießen; die einen werden sich den Handwerken, die anderen steteren Laufbahnen widme», und einst, nicht nur sich selbst genügen, vielleicht auch die Wohlthäter ihrer Glaubensgenossen werden. Wir sind überzeugt, Ihr werdet unS in diesem Gedanken, deffen Ausführung leicht und dessen Resultat gewiß ist, beistimmen! - Paris ist mit gutem Beispiele vorangegangen, indem eS sich an die Spitze dieser Unternehmung stellte. Wir adoptiren dreißig Waisen, welche in Paris selbst gepflegt, unterrichtet und auf unsere Kosten erzogen werden. Sie werden unsere Kinder sein. > Mögen alle Gemeinden Europas und Amerikas, große und kleine, uns den von uns eröffneten Weg folgen! Möge jede nach ihren zur Disposition stehenden Mitteln einen Stein zu diesem Gebäude beitragen, und ihren Namen zn diesem LiebeSwerke der Wiedergeburt beifügen! Es ist das edelste Werk, das auSgeführl werden könnte. Tausende von Waisen retten, sie unterrichten, und Menschew aus ihnen machen, heißt nicht nur einen Akt der N ächstenliebe auSüben, sondern auch im Interesse unseres Glaubens und der Civilisation handeln. Brüder von Europa und Amerika! wir erwarten Eueren Beitritt. Möge dieser sobald als möglich erfolgen, denn dieses Licbewerk ist dringend! Wir begrüßen Euch brüderlich! DaS Ccutral'Comitc der „Allianz« israelite nnirerselle.“ Ad. Crimieux, Präsident. % Isidor. Groß-Rabbiner. S. H. Goldschmidt,) Bi«. Leopold Iaval, (Präsident R. Leven, Sekretär B. Allegri. L. R. Bischofsheim. Isidore Eahen. Jules Earvallo. Albert Cohn. Abr. Crehanger. I. Dcrenbourg. Michel Erlanger. Leonce Lehmann. E. Levi AlvareS. Eugene Manuel. Hippolyte RodrigueS. IuleS Rosenfeld. V. Saint-Paul. Anmeldungen nimmt die Redaktion dieses Blattes entgegen. Die angrmcldcten Gemeinden und Parteien werden in diesem Blatte nahmhaft gemacht. Die Kabbala. Bon Dr. A. Räder Rabbiner u. Prediger in Oro»haz. Die Kabbala ursprünglich eine unjüdische, jedoch tiefe Weltanschauung, die im bilderreichen Orient in den vorphilosophischen Zeiten dem jugendlichen Menschengeistc als unmittelbare intellektuelle Anschauung sich offenbarte, enthält große Wahrheiten, in der Form der nach innen gewandten Beschauung ausgesprochen, die eine 2500 jährige Philosophie nach unermüdlichen Ringen erfassen konnte. Da aber daö Wahre in ihr nicht als Bewusstes, auf dem Wege der Reflexion Erlangtes, sondern bloß implicitc Enthaltenes auftritt, so mussten ihm ein ganze« Heer von Irrthümeru folgen. Schon fällt eS keinem auSgedildeten Geiste schwer, die intelcktuelle Anschauung, die das Primitive unseres Denkens ist, die daher nur den reinen Gedanken als Objekt erfasst, von der sinnlichen Anfchanung, die eS nur mit Räumf liehen und Zeitlichen zu thun hat, und die daher am Körperlichen haftet, auSkinanderzuhalten, weil beide Anschauungsweisen und der Organisation de- MenschengeisteS zu sehr in einander laufen. Ist da» aber mit dkm denkenden Geiste der Fall, wie wird e« erst mit dem unentwickelten, Vom Sinnlichen befangenen Geiste sein? $« wird t] fcöW zntn Ssttttlichen herabziehen; wa» rkgentlich mir udr