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Die Gegenwart · 1870-05-06 · 19 (6.5.1870) · p. Seite 182

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
19 (6.5.1870)
Date
1870-05-06
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 früher da, dieselben haben in neuerer Zeit nur einen präg, nanteren Ausdruck erhalten. Redner erinnert daran, daß die jetzigen Wühler ewaren, die vor einigen Jahren drei ^unserer größten Männer, nämlich Jellinek, Mannheimer und Horowitz de« Meineides anklagten darob, weil diese „vor Gott und ihrem Gewissen, erklärten, es gebe nur ein Judenthum und einerlei Bekenner de« mosaischen Glaubens. Wir haben eS noch immer mit denselben Frömmlern zu thun, die im berühmten und zugleich berüchtigten „Petzak-beth-din" zu Nagy Mihäly vor gar nicht langer Zeit ein BcrduinmungSsystem dekretirten. Der jetzige Führer der Schamrehadath rühmt sich deffen, seit 1'/, Jahren nicht im Bette geschlafen, und während dieser Zeit nicht 8 Tage in einem Orte geweilt zu haben; unsere Gegner ließen durch „fahrende Brüder" und mittelst geistlicher Presiion gegen Bildung, Gesittung und Zivilisation ankämpfen. Nunmehr dürfen wir bei aller Toleranz nicht länger ruhig znsehcn. Was heute nur noch als Motiv angesehen wird, kann Morgen bei aber« maligem Stnrmlanf unserer Gegner durch die Legislative zum Beschlüsse erhoben werden. ES ist keine Schande, einen Kulturkampf zu führen, und angesichts der faktischen Zustände für Erhaltung unserer konfessionellen AMonoittic cmzükreten. Legen wir die Hände in den Schoß, werden unsere Wider^ sacher Ungarn mit galizischer Barbarei überziehen. (Beifall von allen Seiten.) Prediger Dr. Kohn: Bei unseren Gegnern handelt eS sich nicht darum, ob Kongreß oder nicht Kongreß, sondern ob eS zulässig sei. daß daS Kind lesen und schreiben lerne, oder nicht. Bei den Polen bestand schon vor Jahrhunderten eine komplizirtere Berfaffung, als unsere jetzige, die sie bestimmt nicht perhorrcSziren würden, würde dieselbe nur eine Hier« archie gründen, und sich — wie diedaS „Peßak-bcth-din" verlangt in einem Rabbiner-Kollegium kulminiren. Unsere „Fanatiker" haben sich'S wie eine Made im Käse bequem gemacht, nur Zivilisation könnte ihre Macht gefährden, weshalb sie sowohl die Kongreßbestrebungen, als auch Eisenbahnen und Telegraphe mit scheelen Augen ansehen; diese an, aber mau glaubt, mehr um die geraubten Schätze für sich zu rerlamiren, al» um die Mörder zu strafen. Heinrich I. hatte den Juden manche Institutionen gewährt, wie eine eigene geistliche Behörde, etwa wie heute der 6kieiUsdbi ok London r« ist, einen eigenen Gerichtshof „Court of the Exchequers of the Jews", der die Interessen der Juden gegen die Christen vertrat nud die alleinige kompetente Behörde in Prozeßen gegen sie bildete. Zugleich aber mußte auch ei» genaues Regiftet über ihr Vermögen geführt werden, utn so den Erpressungen Borschub zu leisten. Diese waren nicht gering und führten tut Laufe der Jahre die gänzliche Verarmung der Juden herbei. Johann ohne Land ließ sich 4000 Mark für die Bestätigung dieser Urkunde Heinrich » I. geben und bald darauf 120,000 Mark al» außerordentliche KriegSsteuer. Sein Sohn, Heinrich, trieb c» noch weit ärger während seiner ungewöhnlich lange,» Regierung. Unter den nichtigste» Bormäuden und Gründen saugte er sic gänzlich auo. jo daß sein Sohn Eduard I. sie arm und dürftig erbte. Grund genug für ihn. da sic sein religiöse» Gcwiffen nicht mehr mit Gold zu beschwichtigen vermochte» sie am 0. Oktober 1200 gegen 15 —16,000 an der Zahl au» dem Lande zu jage». Eoke berechnet, daß vom fünfzigsten NegicrungSjahre Heinrich» bi» zum dritten Eduard 1. die Jude» gegen 420,000 Pfd. Sterling an die Krone gezahlt hatten. Erst Croniwell'» weitblickender. staatSmännifcher Geist erkannte, welchen Verlust England durch die Austreibung der Juden erlitten hatte. Er empstng daher bereitwillig die Deputation der holländischeu Inden unter stübnmg de» klugen und gebildeten M e n a s s e den Israel', da e» aber bei der damal» herrschenden religiösen Aufregrmg auch ein Cromioell nicht wagen durste, ein Edlst über dir Sulnssung der Juden zu rttaffrn, gewährte et stillschweigend, wa» seM Geist und Herz längst gewollt, und schon 1868 zog eine kleine Anzahl von Juden unter Führung Menasse'» nach London. Unter Knrl u. uNd'Iakod II. vovnven immer wehe, und d« Schutz, sind Kultnrelemente und führen sie allinälig dem Verfall nahe. Jederrnann kennt die Absichten nuferer Gegner; etritt an uns die unabweiSliche Pflicht heran, ihr Vorhaben zu vereiteln. Moritz Wahrmann: Hätte der Reichstag anstatt der Schaffung des Gesetzartikett 55: 1868 die Religionsfreiheit proklamirt, wäre die Einberufung des Kongresses überflüssig geworden. Gegenüber organisirtcn Kirchen jedoch mußte der Minister auch für Organisation der Jtiden sorgen, und hat er dies in liberalster Weise gethan. Ist denn aber die Religionsfreiheit auch heute schon faktisch inS Leben getreten? Bis dieser Zeitpunkt eingelangt ist, müssen wir dabei beharren, der Krone gegenüber ein den übrigen Religionsgenossenschaften gleiches Recht zu haben. Die Geschichte des Judenthums ist die Geschichte der Freiheit, und verleugnen auch wir diese Vergangenheit und jene ruhmvollen Kämpfe unsere« Stammes nicht! Man gebe u»s die ganze Freiheit und wir werden sie mit Jubel begrüßen; bis dahin aber wollen wir au dem gegebenen Boden unserer Statuten, au unserer crlangttn Autonomie sesthaltcn, nnd das Halbe nicht von uns werfen, bevor wir das Ganze erlang» haben. Bei. den jetzige« Zustanbcn sich Passiv verhalten, hieße unsere Autonomie prcisgeben, und unsere soziale Stellung untergraben. — Redner weiß cs ans Erfahrung, daß in der Landtagskommission über Motive ebenso eingehend dtbattirt wird, wie über den Beschluß; überdies fei eS auch auf dem gewöhnlichen Zivilwege nicht gleich, ans welchen Gründen ein Streitfall zu Gunsten einer Partei entschieden wird. Wir müssen auch zur Entkräftung der „Motive" Resolutionen fassen, unS^verwahren, petitioniren. kur; Alles veranlaffen waS unser Streben fördern kann. Redner ist überzeugt, daß die Legislation bei besserer Information den Forderungen der vaterländischen Judenhcit und deren kultuellcn Bestrebungen gerecht werde» wird. — (Lebhafter Beifall). Dr. Beck erklärt sich zufolge der erhaltenen Aufklärungen mit feinem Vorredner für einverstanden.' Heinrich Ellenberger kann weder Resolution noch Petiden Croniwell ihnen gewährt, »vurde auch von diesen unb den nachfolgenden Königen anSgeübt. Al» 1753, also kurz bevor sich die gcivaltigcn Stürme gegen Ciive seiner Ungcrcchtigkeitcn gegen die Indier wegen, im Parlamente erhoben, eine Bill eingcbracht w»»rdc, daß auch den Juden da» Bürgerrecht ohne Abendmahl, welche» Jeder, der Bürger in England »»'erden wollte, nehmen mußte, verliehen »vürde, ging sic im Obcrhausc durch; iin Unterhause dagegen w»»rde sie trotz der herrlichen Reden Barrington'S, Duplin S und Andere fallen gelassen. DaS Jahr 1820 brachte den Katholiken in England die Emancipation doch alS^Robert Grant 1830 eine Bill auf da» „Bürgerrrcht der Juden" einbrachte, wurde er von Robert Perl bekämpft, und »vicdcr mußte sie fallen gelassen ivcrdcn. Erst 1847 gelang ed John Rüssel, nachdem er Peel gewonnen hatte, da» Bürgerrecht der Juden durchziifetzen. Die Jude», welche von Croniwell ü Eclanbniß Gebrauch »nachten, wußten da» traurige Beispiel ihrer GlanbenSbrüder, die eheinal» in England gelebt unb gelitten, wohl zu beherzigen, und zogen sich in einem engen, abgelegenen Raume in» Osten Loi»donS zusainuieii. Wahrscheinlich »varen e» ohnehin die Gassen, »»»eiche ehemals von den Bekcniicrn ihrer Religion bewohnt wurden. In White Cbapcl schlugen sic ihre Wohnungen auf, in die engen, schmutzige»» Gassen »vie die?oticoat Laue (UnterrockS-Gasse) und Hounds ditch (Hunde-Graben) verlegten sie ihre» Handel. Die milde Behandlung. »»»eiche ihnen zu Theil ivard, ließ sie Vertrauen fassen, und al» die siurcht geschivundc» war, zogen die Reichen in die besseren Theile der Stadt — nach dein Westen, wo sie heute auch eine eigene Geinrinde »nit einem eigenen Rabbiner bilden. Die Arinen dagegen blieben in Whitechavrl und haben r» auch schmutzig und enge, wie e» war, den dürftigen J»»den von heuti als Erbschaft hinterlassen. In diese engen Gassen möge der geehrte Leser un» folgen. Mose» verkündigt tn prophetischem Geiste, daß „die ALmnt Ink in Israel Achten w«Wtt<;) zu Fletsch'nnd Blat geworvett tritt

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