Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 19 (6.5.1870)
- Date
- 1870-05-06
- Page
- Seite 181 (sequence 1)
- Language
- German
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*R<m «bo»nirtfür Vuittlrtg fl. 5 — Halbjährig „ 2.5V «ierteljährig,, I SO Mit P-stz»sruduug: Ga»zjährig fl. 5LÜ Haldjährlg „ 2.75 vierteljährig,, 1.5V Für- Ausland r va»-jährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate » erden billigst berechnet. Die Gegenwart. Israelitische W-chevschrist für politische, sociale unreligiöse Jutereffen. «Erscheint an jedem Freitag. Rebakti,» ». Ntz,t. IstWtGl Pst«, Rch. tttWifieM,. 408—1 »ah n alt vrtefe ». G ldfrnbnnge» >» richten sind. Znschristea »erbe» franco erdete». Ma« nnsteipte wrrbra bei Richwrnnendnng ans verlangen jedoch nnfranlirt znriiikrr stattet. Nr. IS. Prag 6. Mai 1870. HL Zahrgaa-, Die Resolution -er pefter israel. Nrligionsgemeiude. Präsident Läuyi theilt mit, daß der Gemeindeausschuß in seiner jüngst stattgehabten Sitzung nach eingehender Berathvng über den LandtagSbeschluß vom 18. v M. einen Beschluß faßte, demgemäß die Gemeinde gegen die im besagten Beschlüsse ausgesprochenen Prinzipien Verwahrung einzulegen hätte. Dies könnte am geeignetsten in Form einer Resolution geschehen, und sollte noch überdies der Vorstand mit Ueberreichung einer Petition an die Legislative bettaut werden. Repräsentant Steiner empfiehlt die Annahme der Resolution. . Vorstandsmitglied Philipp Höllischer spricht de- Weitern über die Entstehung und das Wirken des Kongresses. Der Kongreß habe sich nur mit administrativen Angelegen- Feuilleton. DaS Ghetto von London. Bon Victor Gchweinburg. Der Name „Ghetto* ist dem Leser ein allbekannter. Wie Rom, so hatte jede alte deutsche Stadt ihr Judrnvirrtrl, in drsten engen und dumpfen Gaffen, von einem unbeugsamen Machtspruch gebannt, die Bekenner der mosaischen Lehre leben mußten. Heute find diese Schranken gefalleil und höchstender Na,ne „Judenplaß* oder „Zudengaffc" erinnert uns »och an die schreiendsten Ungerechttgkeitcn, die gegen deren alte Bewohner verübt worden. Man kann auö der Geschichte der Ghettozugleich die freiheitlichen und wis. senschaftlichen Fortschritte der Völker studiren. Während aber in Deutschland die Epoche der Humanität die Thore der Judenviertel aussprmgte, lange bevor der fürstliche Absolutismus gebrochen war. besaß England längst seine constitutionrUr Verfaffung. ohne daß die Juden der Duldung sich erfreut hätte». Zu einer Zeit, da ein Bukkiugham, Lhatham, und Shelbun« für die Aufhebung des Sklaven- Handelplaidtrten, da rin Juniuseine herrlichen Briefe über Men« schenrrchtr schrieb >md die Eroberer Indiens, Elive und Warren Ha-ttngS, vor da- Forum de» Gerichtgeladen wurden, ,un sich für dir an dm Indier» begangeuen Ungerechtigkeiten zu verantwortrn, wo daganz» englische Polk für Mut Pausende von Meilen von ihm entfernte Nation begeistert war, verweigerte »an hm in seiner Witte lebende» Jude» hartnäckig daerste Nechf de- Staat-, angehörigen— da- Bürgerrecht. Hell leuchtete die ApW»e her Freiheit »n dem Himmel Großbritannien-, aber kei» Schchhl Herselbe» mgoß sich -der dH, «man 3»d»n stpLplchMd, Ehe ** 1§d»ch p». djß OkßchMihWg deß Ghetto t» 8W-W ch>tz»tr^, Heiken beschäftigt. Behaupten, daß her Kongreß ein ^chi-ma hervorgerufen hat, hisß, sagen, daß pnsere Religion sich mit Ordnung und Wiflen nicht vereinbaren ließe. Redner erklärt sich für die Resolution und heantr-gt: die Generalversammlung möge zugleich den Vorstand mit Einreichung einer Petition in geeigneter Ly»tse und Zeit an die Legislative betrauen. (Beifall.) Dr. B. Beck brdaufrt, sich feznem Vorredner nicht auschließen zu können, nachdem di, Resolution nicht gegen den LandtagSbeschluß, sondern gvgey die Aktive zu fassen beochsichtigt wird. Der Beschluß des LaudtageS muß un« — die wir eine Reltgipp der Freiheit haben -- nur willkommen fein; die Begründung diese- Beschlüsseberuhe allerdingS auf einer falschen Informgtion, ist daher auch unrichtig;! grge« Motive jedoch — meint Redner — wäre ein Eipi schreiten unzulässig. Dr. Hirschler bekämpft die vielseitigen Beschuldigungen, als hätte die Kongreßmajorität eine Spaltung des bisher einigen JudenthumS ptovozirt. Zerwürfnisse waren schon sei unS rin kurzer, rascher Pltct auf die Geschichte her Juden tu England gestattet. Bestimmte Nachrichten über ft» reichen nicht über daachte Jahrhundert zurück, und selbst gegen da» zlvölft« Jahrhundert hin find ihre Spuren in England nur undeutlich zu erkennen. Da- Wenigc, waun» bekannt ist, läßt unschließen, daß sie uui jene Zeit in England weit best» behandelt wurde«, als aus dem Eon» tinente. So finden wir wohl da- Gebot „mit ihnen nicht zu essen.* auch hier, aber es hat nur auf die Priester Anwendung, und selbst diese scheinen anfangs sehr gut mit dm Jliden gestanden zu hß. ben, da lrßtere sogar aidie Wohlchätrc de-Bi-thum- „ltrovland" austreten. Wilhelm der Eroberer gab ihnen besonder» viele Privtlegim, verpachtete Bischos»sißc an fie und erlagble den getaufte» Juden bei Zahlung einer bestimmten Tazr. z»m Judenthume zurückzukrh. ren. Da zun» ersten Male taucht die geistliche Opposition ans; allein diese ist noch zu schwach, dir königliche Gewalt so unabhtnaig von kirchlichen Einflüffen, daß fie da- Volk gegen die Juden nicht aufzurrizen vrnnag, und während da- „auserlesene Bolk Gatte-* (zur Zeit des ersten Kreuzzugr») in Frankreich, Deutschland und Italien strafio» ausgeplündert und hingrmordet wurde, blieb ein England so unbelästigt, daß die versalgtr» in großer Zahl dorthin au-wandertm. Erst bei der Thronst« stchgzuig von sstjchard Lömentzerz erfährt man pm» rmzeiue» Gewallthat-» gegen di- Jude», u»d kgmn ist er nach de», heitzgsn Lande ansgchrochgp. sp werden auch m England — in London, Lgn». Stamsord. Lhwoß» und Nouchch— die Sude» geplündert »nh ge«ochtt. Kt» GM Adgasst de- Ds. krnnezhatte jrdpch hi« Insten sstr »flesyig-S «nd a^-schiwßchche» SiMMshhi» dt, G-Gg- «klgsts i königlichechDf. g» d«M rnf M ve^sffan. unh DGvrh Mt-'ölG Mw Dülttchr M