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Die Gegenwart · 1870-04-29 · 18 (29.4.1870) · p. Seite 178

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
18 (29.4.1870)
Date
1870-04-29
Page
Seite 178 (sequence 6)
Language
German
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I — 178 — Inland. Wien (Für die erste israelitische Blinden« ErriehurlgSanstalt) sind dem Mied. Dr. Lud. Aug. Frankl folgende weitere Beträge cingehändigt worden: von Herrn Joh. Liebig & Komp. 300 fl., von Herrn Heinrich Ritter v. Trasche 1000 fl. P.-Rt., von Herrn Maz Ritter v. Springer 2000 fl., von Herrn Lippmann'S Söhne 400 fl., von Herrn Engländer'- Söhne 50 fl. jährlich 25 fl., von Herrn Hofrath Jos. Pfeiffer 500 fl. und jährlich .50 von Herrn Sigm. Kraut jährlich 20 fl., von Herrn Wilh. Rosenthal jährlich 10 fl., von Herrn Jg. Kuffner, Bürgermeister in Ottakring 200 fl., von Herrn Jak! Kuffner, Banmeister in Döbling 200 fl., von Herrn Anton Bing 100 fl. und jährlich 10 ft., von Herrn M. Mandel 200 fl. und jährlich 10 fl., von Herrn Math. Russo NX) fl., von Herrn H. Stiasny 5 fl. und jährlich 5 fl., von Herrn Adolf Stia-ny 10 fl. und jährlich 10. fl., von Herrtr Emanuel Kollisch .50 fl. und jährlich 10 fl., von Herrn Heinr. Klinger 100 fl. P.-Rt. und jährlich 10 fl.. Weiß L Fischhof 800fl. P. Rt. und jährl. 50 fl.; Spenden im Stadtbethause —am O sterfeste^on Herrtt I. Ritter v. Königswarter 100 st., von Herrn A. Hollitscher und Franz Koritschoner jährl. 50 ft., von Herrn Franz Mai 1»< fl., von Herrn Hermann Epstein 25 fl. Mit den bisher ausgewiescncn Beträgen ergibt sich, inbegriffen des ersten Gründungskapitales vom Freiherr» v. Schcy zu 10.000 fl., in Summa 40.508 fl. baar, 18.800 fl. in Obligationen, 1850 fl. Jahresbeiträge und ein für .50 blinde Kinder eingerichtetes Haus nebst Karten von Herrn I. Ritter von Königswarter. — (Der Berein zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen) der israelitischen KultuSgemeinde Wiens hielt am nächsten Sonntag »in halb 11 Uhr Vormittags in den Schullokalitätc.i der Kultusgemcinde, Stadt, Seitenstättcngasse Nr. 4, seine Generalversammlung. Auf dcnProgramme standen: 1. Prolog von Dr. Leopold Kompcrt, vorgetragen von dem Bereinsmitgliede Herrn Hofschauspiclcr Adolf Sonncnthal; 2. Bericht des Vorstandes, vorgctragcn von dem Obmann Josef R. v. Werthcimer; 3. Entgegennahme von Anträgen und Wünschen von Seite der BercinSmitglicdcr; 4. statutengeniäße Erneuerung des Borstandes. Rach dem Schluß der Generalversammlung werden die Lcreinszöglinge im anstoßenden Saele bewirthet. — Der Bankier Herr Gustav Ritter v. Epstein ist dem unter dem Protektorate Sr. kais. Hoheit durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Kronprinzen Rudolf stehenden Bercinc zur Erbauung eines „B e a m t e n F a m ilienhauscS" in Wien als Stifter beigctrcten und hat demselben einen Stiflungsbeitrag von 2iXX) fl. zugewcndet. - - Die k. k. Soldaten mosaischen Glaubensbekenntnisses wurden, wie jedes Jahr, auch Heuer während des Osterfestes vom hohen k. k. General-Kommando, um den Gottesdienst in den Synagogen anwohncn zu können, beurlaubt. Die Zahl derselben belief sich aus 250, welche sich fast auf alle Truppengattungen vertheilenniid erhielten zn Anschaffung von Osterbrod vom Gemeinde Borstande ein Grazialc von 1 fl. per Kopf. — Was Koulissc und Kontremine, überhaupt aber Konkurrenz im Stande ist, hat die KourSdifferenz im „MazzeSartikcl" bezüglich der die'maligcn jüdischen Feier« tage bewiesen. In dieser Branche behauptete sich seit Jahren eine ungemeine Steifheit der Eigner vis-ii-vis den israelitischen Häusern, es wurde ans der Rothwcndigkcit des Bedarfes und Eirund regerer Nachfrage Material geschlagen und auch diesmal entrirte das Geschäft mit 20—24 kr. pr. Pfund; kurz jedoch währte die Freude der Eigner, eine gewaltige Baisse ist ringrtreten und faktisch ein Ansgebot pr. 8 und auch 6 kr. pr. Pfund zu verzeichnen. Es find 600 Zentner billige Waarc auf den Markt gekommen und zwar auf Veranlassung eines Nichtjuden, des GastwirthcS Kropf in der Judengafle, der bei den armen Leuten eine Sammlung, respektive einen kleinen Sparverein zu Stande gebracht, »omit die MazzeSanfertigung en gros und wie die Thatfache «sehen läßt, sehr rentirend und radikal betrieben wurde. — (Eine neue Kultusgemeinde.) Nach einer Entscheidung der Statthalterei werden die Geburt-- und TraunngSbücher der israelitischen Kultusgemeinde im Bezirke SechShauS von nun an durch ihren Rabbiner Dr. Adolf Schmidt und in deffen Verhinderung durch den Sekretär Emanuel Eisler geführt und werden sonach die im Bezirk Sechs« Haus vorkommenden Geburten in die Matrikelbücher der is, raelitischen Kultusgemeinde Wien nicht mehr eingetragen, die Kultusgemeinde Sechshaus steht daher von jetzt an außer allem formellen Verbände mit der Kultusgemeinde Wien, als selbstständige KultNsgcmeinde. — Im ersten Quartale diese- JohreS sind nachstehende Ucbertritte von einer Reli« gionsgenoffenschaft zur andern erfolgt: Zur katholischen Kirche 7, zur evangelischen Kirche A. K. 28, zur evangelischen Kirche H- K. 4, zur gricch. orient. Kirche I, zum Judenthum 23, im Ganzen daher 63. Am letzten Dienstag fanden sich in Pest ungefähr 80 bis 90 israelitische dvrchgchendS der Kongreß-Majorität angehörige Persönlichkeiten aus allen Theilen dcS Landes zusammen, um angesichts der sichm.ner schwieriger gestaltenden Situation und namentlich dem bekannten RcichStagöbeschluß als opportun jrrscheincnden Maßnahmen abzuhaltcn. Die Konferenz, welcher eine Sitzung dcS Kongreß-Ccntralkomitc'S vorangegangen war, dauerte von 5 Uhr Nachmittags bis spät in die Nacht hinein. Wie wir hören, einigte man sich in dem Beschlüsse, in Form einer Petition sich an das Abgeordnetenhaus zu wende», um diesem gegenüber gegen die Annahme zu protestiren, als hege die Fortschrittspartei irgendwelche MajorisirungS-Gelüste, sie wolle auch nicht als Sekte betrachtet werden, nachdem sie faktisch keine solche sei, sondern auf dem religiösen Standpunkte stehe, der keine anderen Gesetze undGebränche anerkenne, salS diejenigen, welche für die gcsammten Bekenner der israelitischen Konfession giltig und bindend sind. Dieses Aktenstück soll mit je zahlreicheren Unterschriften versehen werden. Außerdem werden noch Petitionen von verschiedenen Gemeinden und einzelnen Personen an das Kultusministerium vorbereitet. Schließlich soll es auch noch im Plane liegen, die hervorragendsten aus- ' wärtigen Rabbiner zur;Acußerung über die Frage einzuladen, ob die Bestimmungen des Kongresses dogmatische Unterschiede involviren. — Die hiesige ntnp man hat ein Haus um die Summe von 300,000 fl. gekauft und eö als Siechenhaus eingerichtet. Am 1. März wurde das Gebäude eingeweiht, bei welcher Gelegenheit an 3800 fl. eingingen. Dieser Verein verthcilt außerdem 20,000 fl. an Arme. An dem ersten Ostcrfeiertage wurde in Mieter (Galizien) ein junger JSraelite ermordet. Der Jude trat in ein TabakSgcwölbe, um Eigarrrn zu kaufen. Kaum hatte er jedoch diesen Wunsch ausgesprochen, als ein Städter Namens G r ac i n - ki, der sich im Laden befand, auf den Kunden znsprang, ihn beim Arme faßte und mit den Worten: „Jude, Du weißt ja, daß heute Feiertag ist", aus dem Laden drängte. Im Vorhaus, während der junge Mann forteilte, feuerte Gracinski von rückwärts eine Pistole auf ihn ab und der Jude stürzte augenblicklich t o d t zusammen. Gendarmen, die in der Nähe waren, ergriffen den Mörder und brachten ihn zur Behörde, die ihres Amtes walten wird. Religion«- haß soll das Motiv dieses Mordes sein, obgleich es nicht wahrscheinlich erscheint, daß der Mörder durch einen Cigarrenkauf den Festtag entweiht g'aubcn konnte. Ausland- Eine Anzahl Israeliten in Paris, voran Cremieuz-, der Präsident der „Alliance israejite universelle", Frank, Mitglied des Instituts, Isidor, Großrabbiner des Central-KonsistoriumS, und Louis RatiSbonue, haben einen Aufruf an ihre ReligionSgen osten gerichtet, um Theilnahme und Unterstützung für den Dichter Ludwig Wihl zu wecken, besten isr. Herz nicht bloß seine Handlungen, sondern auch seine Werke

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