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Die Gegenwart · 1870-04-29 · 18 (29.4.1870) · p. Seite 176

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
18 (29.4.1870)
Date
1870-04-29
Page
Seite 176 (sequence 4)
Language
German
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— 176 (Seite 308 f.) bringt dieselbe vollständig aus dem histori« schen ״®Ubtifaal* de- Ghaffari, welcher sein au« dreißig arabischen und persischen Geschichtswerken compilirteS Buch damit cinleitet. ES ist von Interesse zu sehen, wie der arabische VolkSgeist — denn Ghaffari'S Quellen dafür sind zunächst arabische, wie Hammer a. a. O. darthut — diese Kinder jüdischen Witze« modificirte und eigenen Verhältnissen anbequemte. Die Helden sind hier drei Brüder, die ihr Da« ter ,einer der ersten Stammväter der Araber und unter die Propheten gezählt"'), — auf Reisen schickt, um Weltcrfah« rung zu sammeln. — Ein Karawanenführer begegnet ihnen, der ein Kamiel sucht. Die drei Brüder geben ihm ähnliche Merkmale an, wie im Midrasch der jerusalemische Diener; nur fügen sie zu dem Gebrechen der Einäugigkeit einen ausgebrochenen Zahn und eine« hinkenden Fuß. während statt de« heidnischen KameeltreiberS ein muthivilligeS Mädchen die Kamcelstute lenkt. Der Scharfsinn der Brüder bringt sie in den Verdacht des Diebstahls; man führt sie vor den Fürsten, der nach der Uebcrzeugung von ihrer Unschuld sie bewirthet. Der nun folgende Theil der Erzählung entspricht wieder mit einigen Aenderungen vollkommen der Erzählung des Midrasch von den vier Jerusalemern. Nur die zerbro׳ chene Bettstätte ist weggeblicben, da ja statt vier nur drei Helden auftreten. Wir schen, wie die jüdischen Anekdoten sich bequemen mußten, arabischen Zuständen angepaßt zu werden, und dabei» wie auch nicht anders denkbar, manche Veränderungen erlitten und besonders die nationalen Elemente einbüßten. Den Einwand, ob nämlich der jüdische Bericht nicht secundär sei und aus einer Zerreißung des ursprünglichen arabischen her« vorging, widerlegt nicht bloß die oben dargelegte Ansicht, daß diese Erzählungen in ein hohes Alterthum hinaufragen, sonden» auch ein anderer, nicht minder wichtiger Umstand, der die Anekdoten als jüdisches Eigenthum bekundet. — Die erste Partie nämlich findet sich im babiloniMn Talmud (Synhedrin 104 a, b) als Vorajtha (תנו רבנן), die Raba im Namen R. Iochanan's mitthcilt. Obwohl sie einerseits hier rin historisches Gepräge erhalten hat, indem statt des Dieners z»vci gefangene Juden ihren Witz zeigen, so giebt sie sich andererseits als rein hebräische Uebcrschung deara« mäischcn Berichtes, bis in Einzelnhciten übereinstimmend. So ist wenigstens dieser Partie die Ursprünglichkeit und das hohe Alter gesichert, an denen dann gewiß auch die andere Theil ninimt. Die allmälige Modification können »vir noch daran erkennen, daß die arabische,» Berichte, als dein Ursprung nä« her stehend, noch vier Brüder haben. — Die Aufnahme dieser jüdischen Produkte bei den alten Arabern müssen wir uns gerade so, »vie die von vielen historischen und unhisto« rischen Sagen denken. — Welches Ansehen namentlich diese Anekdote genoß, betveist der Umstand, daß, wie Ghaffari bezeugt, dcrverühmtc persische Dichter Emir Ehosru (aus Delhi, starb 1315. 3. Hammer a. a. O. S. 220) sie in einem seiner Werke poetisch behandelte. Vielleicht ist es an» Orte, hier auf einen Zug der Titussagc aufmerksam zu machen, den die Muhammedaner in die Nimrodsagt übertragen haben. Wie nämlich bekannt, quält eine Mücke das Gehirn des *Zerstörers Jerusalems, »voran er elend zu Grunde geht. Man vergleiche nun da»nit. »vaS der Scholiast zu dein Alexandcrbuche RizainiS D. 37 bemerkt: ,In den GeschichtSbiichern steht geschrieben, daß durch göttlichen Rathschluß eine Mücke die Lippe Nimrud'S, des Verfluchte»», biß und dann zu seiner Qual in sein Ge« Hirn drang, »vo sie ihren Wohnsitz anfschlng; eine Zeitlang verbrachte er unter Schmerz und äußersten Leiden sein Le« den, worauf er in die Hölle fuhr" (Spiegel, Lkrvstomatbia Persica S. 05). Nimrud und Titus haben das ge« ׳ —־ r -׳ ') So Hammer. Ghaffari sagt blo« (nach dem Tod. der Breslauer Stadtdidliothck): ,In einigen Äeschichttbüchcrn steht geschrieben, daß item iba Moadd ibn Adain, der in den Wegen unsere« Propheten, de« Lob und Prri» sei, wandelte, drei LSHnr hatte" n. s. w. mein, daß sie Beide zu Typen von Judenfeinden wurden, woraus man die Verwechselung bei den in dieser Beziehung nicht sehr genauen Araber» leicht erklären kann. Wilhelm Bacher. Neustraschitz 24. April (0.- K.) Die längst gestellte Frage des hochgelehrten Herrn Dr. Stein, daß der Ausdruck in Sanhedrin Fol. 29?נברא דשני ב אדינרץ welcher nach allein Anscheine nach ein Spitzwort ist, in der Aufschrift auf dein Grabsteine des berühinten Meisel, haben wir bereits dein hochgelehrten Fragesteller mündlich in der Kürze beantwortet: די לחכימא ברמיזא aber ohne Be« lege, die wir heute hinzuzufügen gedenken; und zwar: der תלמוד schildert nicht den ההוא נברא, daß er gegen Gott oder gegen die Menschen schlecht gehandelt habe, sonst würde sich der Talmud mit den Worten קמצן נבל u. s. w. ausdrücken, vielinehr hat derselbe gegen sich selbst unrecht gehandelt, so wie der Kommentar richtig bemerkt?שיד ריש"׳ שלא נהגה ממנו nähmlich trotz dem er reich war, wollte er _ dennoch von seinem Reichthume nichts genießen, freilich ist auch dieses Verfahren in eine»n gewissen Sinne ein Unrecht sich von allen Vergnügungen zu enthalten, wenn eS die U»n« stände erlauben, wie der נדר obwohl er den Namen Gottgeweihter führte, und durch seine Enthaltsamkeit bestrebt war das Himmelreich zu erlangen, so musste er doch, weil er sich von erlaubten Genüssen enthielt, ein Sündopfer bringen לפי שהזיר את עצמו מן היץ dieser wollte doch nur »vie der wahr« Hafte Fromme diese Welt für die Künftige opfern; so machte es eben auch רני יהודה הנשיא er schwur vor seinein Tode': שלא נהנה בעילם הזה כאצבע קטנה רק המונרה so sprach auch Salomo in seinen weisen Sprüchen: צדיק אוכל לשובע נםשו der Fromme ißt nur, um zu leben, daher ist die Aufschrift auf dem Grabsteine in diesem Sinne gut gewählt, andeutend, daß der edle Meisel sich trotz seiner Reichthümer keine ir« dischen Genüsse gönnte, bloS sich damit sein Seeleichcil erkaufte. Der Verfasser der Aufschrift hatte auch Recht von dem Urtexte einigermaßen abzuweichen und anstatt אדינרין עם דינרץ zn setzen, denn אדינרין hätte leicht zu einem Mißverständnisse leiten und auf die Idee bringen können, Meisel lag aus seinem Gelde und wollte niemand davon genießen lassen, wo die Aendcrung עם דנרין den lobenden Sinn schon deutlicher auSspricht. Israel Lampl Reiigiousweijcr. ( Alt Ofen 24. April 1870. (0.- K.) In einer Nummer der ״Gegenwart" las ich unter Rnärik ״Oeffentliche Sitzung" daß ein Mitglied der Repräscn« tan; den Wunsch äußerte: es mögen die Religionslehrer ein Prograinln der Lehrfächer aufweisen, damit »nan sich von der Einhaltung des Programmes überzeugen könnte. Ob diesem Wunsche Rechnung getragen wurde, lasse ich dahin ge« stellt sein; es wird aber nicht uninteressant sein, diesem Program»»»-Liebhaber ein Bild unserer Relig!onSsch»»le hier vor« zuführen. Da der Siinultanunterricht bloß 20 Stunden wS«" chcntlich in Anspruch nimmt, so wurde der Religionsunterricht für jede Klasse auf 12 Stunden per Woche normirt. Lin Program»»» »var nicht festgesetzt, wie das in einer neuen Anstatt nicht leicht möglich ist, erzielt wurde jedoch folgendes Resultat: die erste Klasse brachte eS zur Fertigkeit iin heb« rätsch Lesen, die 2. Klasse nah»»» das ganze Buch Genesis, einige Abschnitte von ExhoduS nebst den Anfangsgründen der heb. Gramatik und heb. Schreiben. Die 3. Klaffe das Buch ExhoduS vollständig und 10 Caputa Josua, nebst de»n rcgrlrnäßigen Poal, die 4. Klaffe nahrn die 5 Bücher Mo« siS zu Ende und die unregelmäßigen Verba ganz durch. Sonntag am 9. dieses fand daselbst unter großer Bethelligung von Seite de- Vorstände« und de- Publikum-, die öffentliche halbjährige Prüfung statt. 5. Stunden dauerte

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