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Die Gegenwart · 1870-04-29 · 18 (29.4.1870) · p. Seite 175

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
18 (29.4.1870)
Date
1870-04-29
Page
Seite 175 (sequence 3)
Language
German
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175 während die Juden, wenn auch hie und" da in manchen Punkt:« uneinig, an dem heiligen Principe ihrer Religion frslhalten. Diesen Trost mögen die modernen Paulusse hin. nehmen, daß das Judenthum unerschütterlich fortbestehen wird, auch wenn Hunderte Missionsgesellschaften Miriaden zu opfern bereit sind. 6. Aller Mischer Volkswih in -er mohameda- Nischen Literatur.*) Eine derAeußerungen des BolkSgeistcS, welche uns in dessen innerste' Werkftätte einen Einblick thun lassen, ist der Volkswitz. Wie das Gemüth des Volkes in seinen VolkSliedern, so kommt sein Witz und Scharfsinn in jenen unmittelbar aus dem Volke hervorgehenden Erzählungen zum Ausdruck, die gewöhnlich immer dieselben Personen als Träger der Handlung auftreten lassen. Die jüdische Literatur kennt }«Jur iCittC?ipocnuu Püfr ^asllvl>1szgrr, nurv xjuuiiiuur alten jüdischen VolkSwitzeS finden sich auf den Blättern der Talmude und Midraschim allenthalben zerstreut, häufig als Ausfluß des Alles colorirenden agadischen Geistes. Nirgends jedoch sind diese Reste mit so Hervorstechenden-Zügcn echter Volksthümlichkeit versehen, nirgends in so reicher Fülle zusammengetragen, als an einer Stelle dcS im Ganzen das Gepräge hohen Alters an sich tragenden Midrasch Echo. Gleich zu Anfang nämlich, gelegentlich der Worte רבודמוים, die als רבתי בדעות gedeutet werden, wird eine beträchtliche Sammlung von Anekdoten zusammengetragen, um den angeborenen Mutterwitz der Jerusalemer, namentlich in-seiner Aeußerung gegen Fremde, zu beweisen. Als Repräsentanten der Fremden erscheinen zumeist die Athener (.חד סאתינד oder פאתינם חד), die bei verschiedenen Gelegenheiten als von der geistigen Ucberlegenheit der Jerusalemer besiegt erscheinen. Wahrscheinlich glaubte man mit Gegenüberstellung der be» rühmtesten und gebildetsten Stadt des AltcrthumS die eigene Metropole am besten zu glorificiren. Schon daraus erhellt, daß wir cS mit alten Produktionen zu thun haben, deren froher, sprudelnder Witz uns in eine Zeit führt, in der Jerusalem noch die ruhmvolle Hauptstadt, drr verehrte Mittelpunkt des jüdischen Stammes war, während eS andcrerseitS kaum denkbar ist, daß man gleichsam Angesichtder rauchenden Trümmer Zions, so unbefangen scherzende Erzählungen zur Verherrlichung desselben hätte erfinden wollen. *) Aus der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft de» Judenthnm« .Herausgegeben von Dr. Z. Frankl, fortgesetzt von Prof. Dr. H. GrStz. gnügen haben könnte, dieselbe nachmals zu repctiren. Sic sehen also genau, wie gut es die Repräsentanz mit Ihnen meint und wie ehrlich sie brcstclt, Sie können auch auS diesem Erckntivnssy. stemc den liberalen Sinn jener Freiheitsniauldrcschcr entnehmen, die vor Feudalismus zurückschreckcn und selbst die frndalsten sind. Wie sie es brauchen! bedürfen sic Ehrenstelle» für sich, so heißt cS ihnen Gott nur kein Feudalismus 1 bedürfen sie eines Mittels, die Gemeindemitglieder zu Paaren zu treiben, da sucht man ein Vach schcs Dekret auf und wird für eine Meile der Illtramontanstc. Run ich gönne recht gerne dem Manne, der mit Hamlet ruft: ״Meine Kedeine thun mir wehe" fünf Kreuzer, die die fünf Sinne zu bcdeulen habe», welche man zusamtnennehnicn fall, um vernünftig zu sein und vernünftig zu handeln. Pnn will ich. um Sie nicht gar zu tange mit meiner Plauderei zu rzegniren, den Werth der fünf Krru- -er ezpliciren, den sie für die Gemeinde gegenüber ihrer Vertretung, haben, damit Sie doch wiffen, wozu exeqnirt wird: Wer kennt nicht den Religionsunterricht unserer Jugend I Sr steht nicht für fünf Reukreuzer. Wer kennt nicht unser Vrmenwesen! Ss steht nicht für fünf Reukreuzer. Doch auch die Frische und Lebendigkeit dieser Anekdoten beweist, daß sie audem vollen, wirklichen Volksleben hervorgingen, so daß wir in ihnen möglichst unverfälschte Zeugen einer Zeit haben, welche das StaatSleben des Judenthnmzerstören sah, gleichsam die letzten Blitze von Frohsinn, dessen Stelle auf Jahrhunderte hinaus ttüb« Verdüsterung einnrhmen sollte. DaS sie uuö erhalten blieben, ist derselben zähen Standhaftigkeit zu verdanken, mit der auch die übrigen, wichtigeren Denkmäler der Vergangenheit festgehalten wurden. Doch so wie diese letztern die Quelle wurden, aus denen zwei große Religionen ihre Hauptlchren schöpften, so wußte auch, freilich in geringerem Maße, der jüdische Volkswitz in der Fremde Einlaß zu erlangen, wie an folgendem eclatanten Beispiel gezeigt werden soll. Zn dem erwähnten AnekdotenchklnS gehören zwei, die besonders fein und witzig erdacht sind, die zweite und die zehnte. In dieser kommt ein Athener nach Jerusalem, um die dort heimische kluge Redeweise•) zu erlernen, was ihm aber trotz vicrthalbjährigen Aufenthaltes nicht gelingt. Er reist schließlich ab, nachdem er einen einäugigen Knecht gekauft hat, der aber ungeachtet seines Gebrechens die äußerste Scharf- Mtigkeit an den Tag legt. Vermöge dieser erkennt ^vr^fT in einer Entfernung von vier Meilen eine einäugige, mit zwei Jungen trächtige Kameclstute ziehe, die in zweiSchläu, chcn Wein und Qel trägt und deren Kamceltreiber ein Heide") ist. In der zuerst genannten Anekdote wird wieder erzählt, wie vier Jerusalemer nach Athen kommen, wo ihnen rin dortiger Bürger nach dem Mahle Bettstätten anweist, so jedoch, daß die vierte, weil zerbrochen, an die Nachbarin gelehnt ist. Dies erkennt ihr Inhaber bald und macht seine Glossen darüber; auch die ander» Genossen lassen ihre Bemerknngen über die genossene Bewirthung folgen. Der Eine behauptet, der Wein wäre auf Gräbern gewachsen, der Andere, das Lamm, von dessen Fleisch man ihnen geboten, sei von einer Hündin gesäugt worden, der Dritte macht gar den Wirth zu einen Bastard. Unglücklicherweise hatte dieser, um sich von der vielgcrühmtcn Klugheit der Jerusalemer zu überzeugen, gehorcht; er hört die sonderbaren Urtheile, stellt Nach - forschungen an und findet sic durchaus der Wahrheit gemäß. Diese Anekdoten sind cS nun, welche in eine Erzählung verschmolzen, der Ehre thcilhaftig wurde», vielen arabischen Geschichtswerkcn cinvcrleibt zu werden, von wo sie dann mittelst Herbclot Voltaire zugänglich wurden und ihm den Stoff zum ersten Kapitel seines Zadig lieferten'). — Ham׳ mer in seiner ״Geschichte der schönen Redekünste Persiens- ליען רב*ח6תא (׳ Val. Grübln 63 b. ’) cHv nur hier vv> kommend. ’) Siehe Hammer a. o. O. Doch citirt H.. wie häufig, »ach dem Gedächtnisse. Gemeint ist das dritie Kapitel 1» Zrdii üverschrieden: Le chicn et le cheval (f. Oeuvres complcti's >1,׳ Voltaire, Gotha 1787 t. XLIV, S. 11 ff ). Wer kennt nicht unser jüdisches Stenerwese»! Es steht nicht für fünf Ncnkrcnzcr. Wer kennt nicht dicKcschäste, die unsere »ngcsäncrtc Eommisfio» macht! Sie stehen nicht für fünf Reukreuzer. Wen ergreift nicht der Gcmcindesond. der wohl nb׳r ön.uon Gulden zählt, aber für die.Gemeinde nicht steht für fünf Rcnkrenzerl Wer kennt nicht daS zum Zwecke der Vergrößerung des Waisen- Hausefür 15000 Gntden gekaufte Haus nächst dem ^eichenhanscl Zn d e in Zwecke steht rS nicht für fünf Reukreuzer. Wer kennt nicht den Sinn des größer» HheilcS der Rcpräsentanz für daS JudenthnmI Er steht nicht für fünf Reukreuzer. Wer kennt nicht das schweres Geld verschlingende jüdische Amts, personal! Für die Gemeinde steht cs nicht für fünf Reukreuzer 1b*

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