Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1870-04-22 · 17 (22.4.1870) · p. Seite 169

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
17 (22.4.1870)
Date
1870-04-22
Page
Seite 169 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4890378-5433916-5434028--650-4890961
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

169 sicht dieser Herren nicht ehrenhaft ist, dem Wunsche der ganzen Gemeinde nachzugeben und eine Anstellung rückgängig zu machen, so blieb ihnen nichts übrig als ihr Amt niederzulegen. Wie man uns erzählt, werden die Geschäfte deS Vorstandes demohngeachtet besorgt, wenngleich eine Ergänzung des Vorstandes sich Herausstellen soll. Herr Jakob Bardach hat bereits auf seine Anstellung verzichtet, und die Einführung deS SpitalSratheS dürfte in' kürzester Zeit erfolgen, wir wünschen den im Amt verbliebenen Vorstehern Glück zu der von ihnen betretenen Bahn der Eintracht mit der Gemeinde. - (Lemb. Jsr.) Ausland' London. Die neue Ccntral-Synagoge in Great P ortla ud - S tree t wurde am 8. in Gegen - wort der Mitglieder der Familie Rothschild, des Sir Moses Montefiore und einer distinguirten Versammlung von über 1000 Herren und Damen, durch den Ober - Rabbiner Dr. Adler mit entsprechenden Feierlichkeiten cingeweiht. Die neue Synagoge, cm imposantes hundert Fuß langes Gebäude in maurischem Style, kostet etwa 25,000 Lstr. und ist als eine würdige Verschönerung des Westendcs der Metropole zu betrachten. Lissabon. Der „Diario de Lisboa,“ das portugiesische Regierungsblatt meldet: Der König hat die Herren David Stern und Hcrrmänn v. Stern zu Grafen ernannt. K » n st, T h e a t e r u n d L i t e r a t u r. — (L lebe deinen 'Nächsten wie dich selbst.) Seit Feber l. I. erscheint in Krakau ein zweiwöchentliches jüdisches Blatt in polnischer Sprache unter dem Titel „Jsr. Zeitschrift", gewidmet den Freunden deö Fortschrittes, herauSgegcbcu von Athanasia Silberstein. Es ist dieses unseres Wissens nach das erste Unternehmen ähnlicher Art in Galizien, und wir wünschen ihm ein kräftiges Gedeihen und einen umfangreichen Leserkreis, damit hiedurch die polnische Sprache unter unseren Glaubensgenossen verbreitet werde, die bisherigen Nummern enthalten thcils Aufsätze historischer Art, thcils solche mit didaktischem Inhalt, beruhend auf unsere Rcligionsbücher, endlich Eorrcspondcnzen und Gedichte aus dem jüdischen Leben. — Böhmische Bühne. Die Montag zur Aufführung gelangte Oper „Der Troubadour" von Verdi blieb hinter der der vorangcgangenen Opern wesentlich zurück und war cs nur dem eminenten Spiele und dem vorzüglichen Gesänge der so rasch beliebt gewordenen Künstlerin Frl. Bubenicek, als Lconore, so wie dem wacker» Sänger Herrn Lev alö Graf Luna zu danken, daß das so zahlreich versainmeltc Publikum befriedigt wurde. Herr Soncek hat als Troubadour seine Aufgabenicht ganz gelöst wiewohl mit Stimmmitteln begabt, die mitunter eine ziemliche Höhe verrat heu, weiß er .von denselben nicht den rechten Gebrauch zu machen. Ucberdieß manifestirte er gegenüber Lconoren viel zu wenig Gefühlswärme und Innigkeit, die dieser Part gerade erheischt. Die Zigeunerin der sonst routinirteu Sängerin Frl. Benevic-Mik hatte zu viel Furienhaftes an sich, das gewiß nicht im Sinne des Verfassers war, in diese Rolle hincinzulcgen, welche trotz dem Zigeunerhaften eine gewisse Milde erfordert. Frl. Bubenicek wurde mit mehreren Kranzspenden ausgezeichnet und sowol bei offener Scene als nach jedem Aktschlüsse mehre Mal gerufen. An dem Beifall participirte in erster Linie Herr Lev, sodann Frl. Benevic-Mik und Herr Soukek. M i v c e l l e n. X Ein Abonnent des „Figaro" richtet folgende Zuschrist an das Blatt: „Herr Redakteur! Ihr Mitarbeiter Adricn Mare erzählt in einem Artikel über den Maler Bouviu eine Anekdote, daß der Baron JauieS Rothschild dem Maler Ary Schcfscr für die Figur eines Bettlers als Modell gesessen ist. Die Geschichte ist wahr und ich habe keineswegs die Absicht sie zu demcntiren, will mir aber crlanben, sie zu vervollständigen. Während der Finaneier in Lumpen gehüllt auf der Estrade Position genommen hatte, drang ich in's Atelier de» großen Malers, dessen Freund ich war, der Baron war ganz unkenntlich, und ich erkannte ihn auch nicht. Ich -glaubte einen Bettler vor mir zu haben, näherte mich dem Unglücklichen und steckte ihm einen Louis, in die Hand. Zehn Jahre darnach erhielt ich in meiner Wohnung einen Bon von zehntausend Francs auf die Kasse der Rue Lafittc mit solaendcn Worten: Mein Herr, Sie habe» einstdem Baron Rothschild im Atelier Ary Scheffers einen Louis gegeben, er hat ihn nntzbringenv gemacht und sendet Ihnen heute das tleinc Kapital, welches Sic ihm anvertraut haben, nebst den Interessen . . . Eine gute Handlung bringt stets Glück. Baron James Rothschild." Nach dem Empfange ging ich zu dem Billionär, welcher mir auö leinen Büchern den Beweis lieferte, daß mein_ Louis so ertragreich gewesen, daß er endlich zu einer so großen Summe angcwachscn. X D i c I ud eu in Berlin, lieber die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung Berlins geben die statistischer Nachweise des Direktors des Berliner statistischen Bureau'» zn Berlin, Dr. Schwalbe, höchst interessante und zum Theil für das Publikum gewiß überraschend neue Aufschlüsse. Die Bevölkerung der Norddeutschen Residenz besteht zu 00 pEt., (nämlich 0:51,000 Seelen) aus Evangelischen, zu 0 pEt(4l,o00) auS Katholiken und nur zu 4 pEt (27,000) aus Juden, Diese drei Eonfcssiouen zeigen nun in sozialer Beziehung höchst merkwürdige .Unterschiede. In der wissenschaftlichen Literatur, bei den gcachtctstcn Organen'der Presse, au Universität, an höheren Lehranstalten, bei allen Vereinen zu rein humanen Zwecken — d. h. also bei der Kulturarbeit unserer Zeit überhaupt, finden wir in Berlin die Inden durch hervorragende Mitglieder - vertreten. Die Zahlen der Statistik geben uns die Erklärung dieser Thatsachc und beweisen, daß die Juden der Residenz an Pflege der Bildung alle anderen Bewohner Berlins überragen. Von 1 0 0 jüdische« Knaben nämlich besuchen höhere UntcrrichtSanftalten f> 7! Von 100 Knaben der anderen Konfessionen dagegen bloß 27! — Von 100 jüdischen Mädchen Berlins erhalten 6 t» höheren Unterricht! Von loo Mädchen der Evangelischen und Katholischen Konfession aber bloß 10! In Berlin halten sich im (Ganzen ."5)8 Familien Hauslehrer, Gouvernanten; überhaupt PrivaterzichnngSperspnal. Davon kommen bei prozentmäßiger Berechnung; d. h. also bei gleicher Vertheilung auf die jüdische Bevölkerung 1 4 Hauslehrer, Gouvernanten u. s. w. Es haben aber in Wirklichleit 100 jüdische Familien Privaterzichnng^prrsonal; während von den 41,000 Katholiken nur 12 Familien solches besitzen — Es werden in Berlin geboren 1 5) pEt. uneheliche Kinder überhaupt; bei den Juden aber bloß 2 pEt. todtgeborm überhaupt werden 4 pEt.; bei den Juden bloß IpCt.; im Alter vom 1. bis zum 5. Jahre sterben in Berlin überhaupt. 25 pEt.; bci den Juden aber bloß 17 pEt. Die Zahlen eröffnen eine weite Perspektive und beweise»^ wie in sozialer Beziehung den andern Konfesiionen gegenüber» die Juden ungleich höher stehen. Run könnte mau vielleicht sagen: Die Juden sind durchschnittlich reicher als die übrig». Bewohner Berlin»; deshalb sterben weniger Kiadrr tu de»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.