Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 17 (22.4.1870)
- Date
- 1870-04-22
- Page
- Seite 167 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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J 167 denthum den unsittlichen Satz: „der Zweck heiligt die Mit« lel", durchaus verwerfe; mit einer Sache, zu deren Besitz man auf unsittliche oder unrechtliche Weife gelangte, dürste keine religiöse Fnnktion verrichtet werden. rr,3P3 n«3't txc während die Jesuiten alle möglichen und erdenklichen Mittel für geweiht und geheiligt erklären, wenn nur der gewünschte Zweck erreicht wird, all inajorem Dei gloriara ihre HanSmacht zu vergrößern. Herr Dr. Güdemann hat wohl diesen Satz angeführt, aber in ganz anderem Sinne; doch was verschlägt dies, der Jude wird verbrannt. H. Dr. Güdemann nahm zum Texte die Stelle des WochcnabschnitteS: „Ihr sollt Euch heiligen," worin der Gedanke liegt, daß der Mensch selbst in sich die Kraft besitze, sich zu Gott emporzuhcben durch eigene Stärke, und nicht erst der Gnadcnwahl bedürfe. Ebenso zeigt uns hier die Bibel, daß die wahre Frömmigkeit nicht im beständigen Fasten und gänzlichem aScetischcn Entsagen bestehe, sondern durch Mäßigkeit und Enthaltsamkeit erheben wir uns über die Stufe deö ThiereS und diese Religiosität bildet die erste Stufe zur Himmelsleiter, deren eines Ende auf der Erde ist, am Irdischen haftet, weiter oben und noch höher stehen Recht, Sitte und Wohlthnn, GotteSerkenntniß und Wissenschaft. Wit^sollen genießen, aber mit Maß, nur um zu leben zur Ehre Gottes, zum Wohlc der Mitmenschen. Der Mensch besteht ans Geist und Leib. Der Körper will auch da? Seine haben. Mit bloßen Ideen begnügt sich die Seele, aber jede Religion muß Ceremonicn haben, die den Menschen von Jugend auf an Tugend und Frömmigkeit, Recht und Moralität gewöhnen, daß er sich stets im Leben consequent bleibe trotz allen Verlockungen und Verführungen. Durch das Bezähmen des irdischen GenußtricbcS heiligen wir uns in Dingen, die sonst fast kleinlich und gleichgiltig scheinen, indem wir an Gott denken, sind wir vor Sünde behütet; so veredelt gewissermaßen der erreichte hohe Zweck der Heiligung die geringfügigen Mittel, wir lernen verzichten und entbehren, uns mäßigen in unsere Leidenschaften und Begierden, wir leben mit Gott und für Gott; wie auch eine so geregelte Lebensweise-zur Erhaltung unserer Gesundheit und zur Verlängerung unseres Lebens beiträgt. Czcrnovitz, 1). April. Der Versuch der Wahlreform hat den HcroS unseres Ministeriums zum Falle gebracht; cs ist jammerschade, daß dieser Mann unseren genialen Eultusrefercnten, Regierung»- rath W. nicht persönlich gekannt hat. Dieser versteht eS non plus ultra, eine Wahlrcform zu schaffen. Er hat nähmlich allhier die Regelung der Wahlverhältnisse der israelitischen Cultusgemeinde-Bertretnng aufs Tapet gebracht und Angesichts des Artikels 15 deö StaatgrundgesetzcS über die allgemeinem Rechte der Staatsbürger und im flagrantesten Widerspruche mit den Ministerial Erlässen Z. 1783 und 14.560 ex 1869 die noch immer in Kraft bestehende alte Wahlnorm ohne Sang und Klang, ohne die gesetzgebenden Faktoren und ohne sich um das Haus vor dem Schottcnthore zu kümmern, begraben und Delegirte ä la TranSleithanien und ein neues Wahlgesetz für dieselben geschaffen. Wahrlich, dieser Mann hat cs im Escamotircn von Gesetzen und StaatSgrundgesetzcn bis zur Virtuosität gebracht: eS ist nur zu bedauern, daß dieses Genie von Gottes Gua den bei uns verkümmert. Wir werden demnächst den ganzen Vorgang dem Ministerium und der constitutionellen Welt zur Kenntniß bringen und zeigen, wie kurz das Gedächtnis eines RegierungSbeamtcn ist, der erst kürzlich den Eid auf die Berfasiung geschworen hat. (Osten) Wocheuchronik. %* General-Versammlung de» ,.Aflkr Iehuda". Die am 18. d. um V, 7 Uhr Abendim Hotel Katz, abgchaltene General-Versammlung de» Vereine-Afike Jehuda war überaus zahlreich besucht, und ist dieß ein sicherer selbst crgebender Beweis, daß der Sinn für die Förderung jüdischer Interessen, und die Zugkraft des jungen Vereines, .der sich die Verbreitung der Wissenschaft des JndcnlhumS und die Hebung des religiösen Sinne» zum-Ziele seines Streben- und seiner Wirksamkeit gesetzt hat, noch immer eine rege und gewaltige ist, und daß enur der Anwendung geeigneter und richtiger Mittel bedarf, um diesen echt jüdischen Geist in der Mitte unserer hiesigen Gemeindcgliedcr wach zu halten und. zu befestigen. Der vom VereinSobmanne Herrn LandeSadvocatcn Dr. Braun vorgetragcne Geschäftsbericht bot eine Ucbersicht über die bisherigen Leistungen des Vereine-, recapitulirte die im Vereine bisher gehaltenen Vorträge, constatirte die stets wachsende Beliebtheit dieser vom Vereine neu eingeführten Institution zur Populurisirnng der jüdischen Wissenschaft und wurde dabei den Vortragenden der Dank de» Vorstandes so wie de» Vereine» ausgesprochen. Die weitere Thätigkcit de» Vorstandes entwickelte der Vorsitzende als dahin gerichtet, daß eS nun feine Intention sei, für den kommenden Sommer, wo in den kurzen Abendstunden sich nicht gut Versammlungen und Vorträge für Erwachsene arrangircn lassen, solche in den SonnlagSmorgcnstnnde» in entsprechender und passender Weise für die reifere Jugend von sich hierzu erbjclhcnven Kräften in maniiigsalliger Abwechslung der Themata abhalten zu lassen. Zugleich wird die Sommerpcriodc dazu benützt werden, uni für die Begründung. einer Schule für den nicdcrn Unterricht im Hebräischen und in der Bibel, und einer Hähern für den Talmud durch Gründüng einer eigenen schule und Anstellung einer hiefüt geeigneten Lehrkraft die nölhigen vorbereitenden Schritte zu thun, waö sich um so mehr als Rothwcndigkcit hcrauSstellt, als die behufs beiderseitiger Erleichterung der sich gestellten Anfgabcu angeslrcbte Fusion mit der Talmud Toi aschule als gescheitert angesehen werden kann, und dem Vereine daran gelegen ist. das was von der Tulmnd-Thora Eommission auf diesem Gebiete zu thun unterlassen wurde, in einer den Bedürfnisscn und der Würde der hiesigen Gemeinde, die stet» alS eine ‘jsnrs cxi -*y namentlich ans dem Gcbiethe der jüdischen Gelehrsamkeit galt, nach Kräften nachzuholcn. Auch die Acquirirung eine» eigenen Locale» zur Aufstrllnng einer Bibliothek, wo die indische Fachliteratur vertrcten sein soll, und eine» Lese-ZimmerS in dem sämmtliche jüdische Eultn»- und wissenschaftliche Interessen vertretenden Zeitungen auslicgcn sollen, ist projcktirt, nnd wird nach Thunlichkrit der Mittel in Ausführung gebracht werden. Die Mitgliedcrzahl ist 400. Die Mehrzahl zahlt einen Jahresbeitrag von 2 fl. Einige einen höheren bis zu lo ft. Auch an edlen Spende» für den Verein hat es nicht gefehlt, und ist namentlich Herr Löw S. Fischcl, S. Simon Gehengmacher, Hock, so wie eine Stiftung nach der seligen Fran Lisette Lewit in Pilsen mit 300 fl. zu erwähnen. Es wäre nnn zu wünschen, daß in Anbetracht des ancrkcnncnswerlhcn Streben» des Vereines die Zahl der Mitglieder und dem entsprechend auch die Einnahmen wachsen, damit er recht bald in d»e Lage komme, die Zwecke, die er sich vorgcsteckt hat. zu vollsühren. Der Geschäftsbericht wurde beifällig ausgenommen. Hierauf folgte die Debatte über den neuen Statuten Entwurf. Herr Dr. Roubitschck war Berichterstatter des Revision«'EomiteS. Eine lebhafte Debatte entspann sich über § 2. „die Mittel, die der Verein zur Erreichung seiner Zwecke anwenden solle." Herr Mendl, Herr Direktor Frey stellten theilweise AbänderungStheilweise Zusatz-Anträge die aber von der Versammlung abgclehnt wurden, so daß der §„..2 in der vom Eomite vorgeschlagencn Fassung zur Annahme gelangte. Die betreffenden Anträge betrafen die DiSkutirung der gehaltenen B»rträge, die weil inoportun abgelchnt wurde, und namentlicht auch deshalb, weil auch schon für Zusammenkünfte der vereinSmitglieder zur Besprechung jüdischer Angrlegenheitea t» den Statuten vorgesorgt und da jede-fall» auch Gelegenheit gebothen ist, da» Thema irgend eine» Bortrage» in würdiger Weise mit Ausschluß von Persönlichkeiten zu bespreche». H,