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Die Gegenwart · 1870-04-15 · 16 (15.4.1870) · p. Seite 159

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
16 (15.4.1870)
Date
1870-04-15
Page
Seite 159 (sequence 7)
Language
German
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159 deruugSrechteS. Der Gerichtshof machte hievon auch Gebrauch, indem er de» Angeklag en wohl des Verbrechens der schweren körperlichen Beschädigung für schuldig erkannte, jedoch ihn nur zu einem Monate einfachen Kerker verurtheilte. Inland. Wir». (E r st e israelitische Blinde n-E r; ich u n g S a n st a l t.) Für dieselbe sind auf weitere persönliche Verwendung des Med. Dr. Ludw. Aug. Frankl, demselben folgende Betrüge übergeben worden: vom Freiherr« Anselm v. Rothschild 15.000 fl. in 5pcrz. österr. Silberrente; von Herrn Gustav Leon (durch Herrn Dr. Wölfler) 1000 fl.; von Hcrrinann TodeSco's Söhne 3000 fl., von Herrn Lieben und Komp. 500 fl. und jährlich 50 fl. von Herrn Josef Mautner 2.50 fl. und jährlich 50 fl. von Herrn Arthur Ritter v. Schnapper und Moritz Schnapper je 500 fl. und jährlich 100 fl., von Herrn Em. Biach IM fl. Papicrrente und jährlich 10 fl., von Herrn MoseS ^Hirfchl 100 fl. und jährlich 30 fl., von Herrn Ofenheim Ritter v. Pontcuxin 50 fl., von Herrn Dr. Alfred Stern, Hof- und Gerrichtö- Advokat und Herrn Wolfg. Trcbitsch je 18 fl., von Herrn S. Lippmann 500 fl., von Herrn Dr. Lehmann in Main; 3 Jahresbeiträge a 10 fl., von Herrn Julius Ritter v. Goldschmidt 2M fl., von Herrn Brno Liebschütz 3M fl. Dazu die früher auSgcwicsene_Summe (inbegriffen des ersten GründüngSkapitalcS mit 10.0M fl. vom Freiherrn Fried, v. Schep) 26.2M fl. baar, 1100 fl. Jahresbeiträge und 1.500 fl. Obligationen, ergibt sich, Dank den hochherzigen Menschenfreunden, bis jetzt folgendes Resultat: 29.400 fl. baar, 1340 fl. Jahresbeiträge, 16.6M. fl. Obligationen und das zu erbauende für 50 blinde Kinder eingerichtete Haus, nebst Garten von Herrn I. Ritter v. Königöwarter. Von Freiherrn Louis v. Haber 1000 fl., von Herrn Adalbert Zinner 500 fl., von Herrn Leopold Ritter v. Wcrthcimstein 1000 fl. und jährlich IM fl., von Herrn W-lhelm Figdor 10M fl., von den Herren Josef Boschan'S Söhne 500 fl., von Herrn Wilhelm Ritter von Boscha» 50 st. jährlich, von den Herren Albert und Viktor Ritter v. Boschan je 250 fl. vom Elfteren noch jährlich 20 fl., von den Herren Landauer und Goldschmidt 400 fl., von den Herren S. Pappenhcim und Sigmund Pollak je 100 fl., und jährlich 10 fl., von Herrn Leopold Abelcs 2M fl. und jährlich 10 fl., von Herrn Josef Pfeiler 200 fl. und jährlich 25 fl.- von Herrn I. P. Frisch 200 fl. Silber-Rente und jährlich 25 fl., von Herrn S. Apfel' 2Ö0 fl. und jährlich 10 fl., von Herrn Amon Ascher Direktor des Carltheaters 200 fl., und jährlich 25 fl., von Herrn I. L. Mayer.100 fl. und jährlich 25 fl., von Herrn Anton Schey 250 fl., von Herrn Max Mauthner 2M fl. und jährlich 50 fl. Ausland' In Hamburg hat sich ein Comite gebildet zu dem Zwecke, die aus Russland nach Amerika auswanderndcn Israeliten bis zur Einschiffung zu verpflegen, und sic mit allen, zu einer solchen Reise nöthigen Dingen zu versehen. — -- (Zur Defraudation bei den PariserRoth« schild'S) wird aus Pari», 4. April, gemeldet: Der bisher eruirte Betrag der Defraudation dcö Rothschild'schen Beamten TassiuS belauft sich auf nahezu drei Millionen Franks. — In dem Prozeß des Prinzen Peter Bonoparte, bemerkte man unter den Advokaten der Civilpartei Herrn Paul Lax, Advokat am pariser Hofe. — Die für die Familie Silberberg gemachte Sammlung beträgt bereit- 259 Franc-. Nebst vielen Israeliten in Paris tragen auch viele Christen zur Unterstützung derselben bei. Frau Gänzbürg, eine in Paris durch ihren WohlthätigkeitSsinn wohlbekannte Dame, hat Frau Silberberg zu sich ins Hau» genommen und sorgt für zwei Kinder derselben; die andern zwei werden im Institute untergebracht wcrd n. Das Bezirkecomitc der „Alliance" in Metz, vorzüglich von seinem Präsidenten Hrn. Hippolyt Levy geleitet, hat ein Bulletin der interessanten und der wohlthätigstcn Thatsachen veröffentlicht. — Der Verein zum Schutze der israelitischen Jugend, der Künste und Gewerbe in Dayonne, schon seit zwanzig Jahren bestehend, organisirt eine Lotterie zum Besten derselben. — D er gric ch isch ö knmeni s che Patriarch in Constantinopel GcorgioS, hat an die ihm nnterstehenden Gemeinden in der Türkei einen bcmerkenswerthen Hirtenbrief erlassen. Wie alljährlich um diese Zeit, io mache» sich heuer zur herannahenden Osterzeit Verfolgungen gegen die Juden bemerkbar, und hieraus bezieht sich das nachfolgende Schrtststück dessen AuSzng wir wiedergcben: „Der Aberglaube ist ein vcrabscheunngswürdigcS Ding. Zuin Unglücke sehen wir beinahe bei allen christlichen Völkern des Orientes die extravagante Idee anflauchen, daß die Israeliten Ehristenblut genießen, um dadurch de» Se gen des Himmels zu erlangen oder um ihrer traditionellen Rache gegen Christen Genüge zu thun. Deshalb eben sicht man auch oft Anklagen und Conflicte ausbrechen. durch welche die sociale Harmonie unter den Einwohnern desselben Landes ja sogar ein und desselben Vaterlandes gestört wir). So verbreitete mau vor-Kml-zem ^st -da^ Gerücht der Entführung kleiner Christenkinder, u,m Anlaß zu Verdächtigungen zu finden. Wir unsererseits verabscheuen derartige lügenhafte Ideen, wir betrachten dieselben als Abcrglau den beschränkter und glaubensschwacher Menschen und miß billigen denselben ossiricll. Wir glauben, daß jeder sromni: Christ von seinen israelitischen Mitbürgern günstiger denken sollte. Weder die mosaischen Gesetze, »och die gegenwärtige sociale Entwicklung der Juden, noch auch die natürliche Sanstmuth derselben rcchtsertigen so lügenhafte Zamuthungen. Seid eingedenk der Schönheit und erhabenen Größe des Evangeliums Christi, welches bei Strafe der Hölle selbst Beleidigungen verbietet und Nächstenliebe und Humanität auch gegen Feinde auempfichlt. Es befiehlt auch, daß unsere reinen Seelen ihr Licht auf alle unsere Handlungen vordem Menschen hinstrahlcn lassen, damit sie unsere Handlungen sehen, welche den Herrn im Himmel glorifieircu. Gegeben -in unserem Patriarchate, am 18. Feber (4. März) 1-870." K u n st, T h e a t e r u n d Literatur. — Dr. Philipp I a s fn, Professor an der Berliner Friedrich Wilhelms-Universität, hat sich, wie unö mitgethcilt wird, in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in Wittenberg, wohin er sich eigens zu diesem Zwecke begeben, durch einen Pistolenschuß getödtet. Diese erschütternde Nachricht wird weithin durch Deutschland, Italien und Frankreich auf alle Jene einen tiefen Eindruck Hervordringen, welche den Scharfsinn und die Gediegenheit der Forschungen des Unglücklichen auf dem Gebiete der Geschichte kennen gelernt haben. Er war am 17. Februar 1819 zu Schwerscnz in der Provinz Posen von jüdischen Eltern geboren, studirtc Medizin und erwarb den medizinischen Doktorhut, ohne indeß von der Praxis je Gebrauch zu machen. Seine „Geschichte des deutschen Reiches unter Lothar de« Sachsen," Berlin 1843, wurde Anlaß, daß er bei der Herausgabe von Pertz's Monutnenta Gerinaniae historica Verwendung fand und lange Zeit hindurch einer der hervorragendsten und gediegensten Mitarbeiter dieses deutschen Nationalwerkes wurde. — Vor zwei Jahren trat Jafte zum Christenthum über, nachdem er kurze Zeit zuvor ata.

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