Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 16 (15.4.1870)
- Date
- 1870-04-15
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I — 158 — «i4 (fintn eigenen Mitteln, Beiträge zur Brrgrößming der beftrhentm lalumdihora'chule zufliebrn ließe. Unmöglich ist eaber nach meiner Ansichi, dss, ein Privatverein eine öfsenlliche Beböidr cooidiniren würde. Die R'prä'entanz ist eine öfsrntliche Behörde,*) da sie all« Anstalten der Gemeinde unter sich hat. Der Antrag der Kommission geht nun da» hm, den Verein „Atiki* Jiliuilif“ zu veiständige», daß man auf diese Foiderung nicht eingedcn »an». Dr. TrdeSco bemerkt zur Sachlage, dosi tie 'Talmudihora-Kommission leine deschluhfaftrnde sondern eine berschende Elimmr Hot. nur in rveil sie ro» der Repräsrnlan; ermächtigt und beausrragt ist. Feig ei ist gegen dir ijoordination. Schwab scheinr die ganze Angelegenheit verfrüht, und findet er vor Allein ueihwendig, mir dem Aueicbuf,« bei Vereinein Verbindung zu ereim. und erst ans Uirnndlogr einer piäriaudgearbeiteten Boilage di« Brrathungrn rinzulrilen. Tr. Giljedin stimmt mit H. Schwad voll kommen überein. Ungar:?>ch find, daß der Bnein falsch aufgesaßt wurde. Die Gründer dr- Vereines ,.Atik<- .li-huda1haben woh>genommen, dah in aiisiollrnder Wette dir «rnntnih der Wisirnichaft de- JndenthumS her» obgetcwiiien ist. Diele z» pstegrn, den jungen Mann nrit den Schätzen dekanni zu mache», ivclckr diese Wisienjchasl in sich birgt, daist bade he .»ziel, welcher die (Gründer vor Luge» habe». Tie Erreichung dessen nfoidert ziieist eine Eediile. wo die Kinder vom Religionsunterricht «nigefangrn proglksiiv vviwäitv schreiten solle». Nun ist aber der Ber- <in nicht biillicd belongrtreten, um feine gesammelten Gelder der Repräsentanz anheimznstkUr»; denn u»I»r den vrrschüdrnen Borwürsen dir er sich zur Eneilbuiig frtjnO Zweckegestellt, ist auch der, daß er sür dir Ginndlil g einer Schwr Sorge trogen will, wo ein correkter Religion-nnlenicht ertheili wirben soll, Eist aber leicht einzuiehen, daß ein Privalverri» danicht Iciftm kann was .dir Gemeinte. Es wurde nun die Frage anig worfr». ob der Verein wird auf eigene Faust eine Schule grnudili können. Der Berlin wiilde, ich sage eoffc», von Mitgliedern der Talmud ^horatkmmiiiion privatim anfpcfvrtert mit der Kommission Hand in Hand »u gehe», und Sen Zweck gemcinsedastlich aizznsirebeii. L« ist selbstverständlich, dass mehr geleistet werden kann, durch ha» »ionisches Zusainmenivirke» beider Tbeile. Aber das; der Verein zum Sammler der 'Thalmudihorakommisiion benutzt werde» sollte, daran hat er lange nicht gedacht. Ter Verein will nur eooidinirt sein in Bezug arrs den—r batmtedthorannte>eicht Der Antrag Schwabe wird- «ach »rjolgtrr Abstnnniiiiig mit Majoiilät angenomm«». *) Dem entgegen mnsien'wir den, straslechtlichen Hru Prosenor errviedern. das, die Reprälentanz keine öffniil. Behörde ist, sondern ein ganz gewölinliedcr i»d. Gemeinbevorstand, wie der in üa»p,lin, der nichts anderes zuihuu Hai, als die illdilche (Gemeinde zu brstencrii und die Angestellir» steisnz zu reninneliren. Wenn esich jedoch hie und da ereignet. das; wirtliche B,hörd>» Gutachten über religiöse Fragen (den» alle oudi»» weiden a» den Magistrat als Behörde gerichtet, der sich dann an die Repiäskiita»; wendei) abvcrlange», so wird eder grosz« Jurist für ganz »atinlich ri»d«» das, dar Iustizministeriun', nm über jiolcher kost der Slräslinge ei» Gutachten zu nhalte», sich nicht an den Magistrat oder gar a» dl» taibol. Severinuovercin weudrn kain. <D. Red.) Wochenchronik. Generalversammlung. Der Verein ,Afike Jehuda" hält Montag den 1H. April um «>', Uhr Nachmittags im Hotel Katz VoiiflC (S'oftf, eilte Generalversammlung ab, in welcher der Geschäftsbericht erstattet, Diskussion über den neuen Statutencntwl.rs ztigelasseii, und die Ergänzungswahl de- Vorstandes vorgenommen werden soll. Es ist wünschens» wrrth, daß sich die Mitglieder, dtiien freie Anträge zu stellen, gestattet ist, zahlreich ciiifindcii. — Desgleichen findet an demselben Tage jedoch früher ',4 Uhr Nachmittags im israelitischen EuUusgcmeindc-Hause eine Generalversammlung der vereinigten Vereine „Dercch Jeschara* und „MaSkil et Do!" statt, in welcher der Geschäftsbericht vorgetragen und die Wahl des Vorstandes, des Beirath» und der RcchnnngSreviforcn vorgenommen wird. Die Mitglieder können freie Anträge stellen. *t* Der Ausweis der Einnahmen und Ausgaben nebst Uebersicht de» VcrmvgcnSstandeüdcs isr. Krankenpflege Verein» »Derech Jeschara und ,Mastil cl Dol" von dem Jahre 18k»5 bis inet. IH*i«» liegt uns nach langer Erwartung vor. diesem Zeiträume wurden lUMt» ft. 17 fr. verausgabt. Da- Vermögen belauft sich ans 15751 fl. 44',, kr. Aus dem Gerichtssaale. . ' Wien, 9. April. — (Prozeß Barda ch). Angeklagt erscheint Jsak Bardach aus Lemberg, L2 Jahre alt, mosaisch, ledig, Lehrer. bisher unbcanstänvet. Im Jahre 1868 verließ er die Prüparandie, bekam zuerst eine Homwisterstelle und wurde dann Lehrer am israelitischen Taubstummen Institute. Der Anklage entnehmen wir folgende Momente: Seit Dktobcr 1*69 befand sich Isaak Bardach im allgemeinen israelitischen Taubstummen-Institute in Wien als provisorischer Lehrer. Am 18. Februar Nachmittags erhielt er, weil er während des Unterrichts einen taubstummen Knaben derart mit einem Stäbchen gezüchtigt hatte, daß dasselbe zerbrach. von dem Direktor Joel Deutsch eine scharfe Rüge. Zugleich wurde ihm bedeutet, daß er für den Fall einer Wiederholung seine Entlassung zu gewärtigen habe. Er erwiderte er könne auch gleich gehen. Dies bestimmte den Direktor, den Auftrag zu geben, daß Bardach das Institut sofort zu verlassen habe und nicht mehr in dasselbe eingelassen werden dürfe. Am folgenden Morgen erschien Bardach im Zimmer des Direktors und cs entspann sich ein Streit darüber, ob Bardach für seine ohne Kündigung erfolgte Entlassung eine Entschädigung zukommc. Bdr dieser Gelegenheit versetzte Bardach Herrn Deutsch zwei Stiche mit einem Taschenmesser, in Folge deren er heute wegen schwerer körperlicher Beschädigung angeklagt erscheint. __Äkach der Angabe des Angeklagten wäre er z »dieser Thal durch die Verweigerung der Vergütung für die Kündigungsfrist und durch eine körperliche Mißhandlung gereizt worden. Dagegen gibt der Zeuge Herr Direktor Deutsch über den Vorfall Folgendes an: Herr Bardach wollte eine Entschädigung für die Kündigungsfrist und im Institute noch vierzehn Tage verbleiben. Ich erklärte ihm, daß er seinen Gehalt bis zum heutigen Tage haben könne; wegen des anderen solle er klagen. Er insnltirte mich, ich drängte ihn zur Thürc, bekomme auf einmal zwei Stöße, sehe aber weder rin Messer, noch ein offenes Messer, fühle aber einen furchtbaren Sä merz. Ich trete in'S Nebenzimmer, sage, ich muß verletzt sein. eS wurde ein Arzt geholt, der mich durch zwei stunden pflegte. Präs. Hatten Sie den Rock offen? — Zeuge. Geschlossen, sonst weiß ich nicht, ob ich so leichten Kaufes davon gekommen wäre. Präs. Der Angeklagte behauptet, Sie hätten ihn geschlagen. — Zeuge. Ich habe bereits eidlich deponirt, daß ich ihn nicht geschlagen habe. Präs. Warum erhoben'Sic einen Anstand wegen der Entschädigung für vierzchnlägigc Kündigungsfrist? — Z e nge. Ja, ich hielt ihn nicht für berechtigt, dieselbe zu fordern, weil nicht ich ihm, sondern er mir gekündigt hat. Präs. Wie lange waren Sic berufsunfähig? — Zeuge D euts ch. Eilf Tage. Ich bitte übrigens den hohen Gerichtshof, die größte Milde gegen den Angeklagten walten zu lasten. , Präs. War der Angeklagte aufgeregt? — Zeuge. In Rücksicht auf sein Tenipcrainent und sein Alter war er sehr aufgeregt. P r ä s. Er behauptet sie wollten ihm etwas abzichcn fü r das Stübchen? — Zeuge. Bo» dem war gar keine Rede. Es werden zwei Zeugnisse verlesen, in welchen Bardach als besonders ruhig und liebevoll in der Behandlung von Kindern geschildert wird. Nachdem der Präsident konftatirt hat, daß der Angeklagte seit 18. Febrnar bis heute in Haft sich befindet, folgen i die Plaidoiers, Sowohl der StatSanwalt als der Benhei- * diger plaidirrn für die ansgedehnteste Anwendung des Mil-