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Die Gegenwart · 1870-04-15 · 16 (15.4.1870) · p. Seite 160

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
16 (15.4.1870)
Date
1870-04-15
Page
Seite 160 (sequence 8)
Language
German
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tan er ft t Jude im preußischen Staate an der Berliner Hochschule Anstellung gefunden. Jener Schritt hat lähmeyd und niederdrückend, statt läuternd und erhebend aus seinen Geist eingcwirkt. Die ehemaligen Glaubensgenossen erschienen ihm jetzt als Feinde und die neuen Glaubensbrüder betrachteten seine Konversion mit einem gewissen Mißtrauen. Seit jener Zeit kränkelte Jafse- S Geist; cS fehlte ihm der innere Einklang. Mit Bedauern nahmen die Wohlwollenden und Nähcrftehendcn an ihm eine krankhafte Reizbarkeit wahr. Aus gewaltsamer Weise hat er nun die Ketten gesprengt, welche ihn unheilbar und unrettbar an daS für ihn so traurige Dasein fesselten. Vom Lücherlische. Nlterthnmer der Prager Josrfstadt. — Dritte vermehrte und verbesserte Auslage. Mit fünfzehn Abbildungen. HerauSgegebrn von David I. Podicbrad, Eustoö des israelitischen Friedhofes in Prag. Zum Theile nach gesammelten Daten nnd erworbenen Manuskripten deö Herausgebers verfasst von Benedikt Fogcs, Volks- Hauptschullehrer. Prag 1<S70. Gin unheimliches Gefühl beschleicht Jeden, dessen Auge in einer Todtrnchronik Rundschau hält, um die grauen Lettern drS geschwärzten Pergamentes anzustiercn, auf daß sie sprechen von vergangenen, mit Trauer erfüllten Tagen und tar^sckWarzen Vorhang lüsten, hinter dem sich die schauervollen Dramas abgespielt haben. Die Prager Josefehemals Judenftadt, das von der Mauer der Intoleranz und der Inhumanität umgeben gewesene Revier, in dem auf die unschuldigen im Brüten und Denken über Israels Geschick und Zukunft begriffenen Dulder so oft eine wilde Hetzjagd ouSgeführt wurde, bildet einen eigenen Abschnitt jüdischer Geschichte. Und so wie Egypten seine Pyramiden, Rom sein Gapiiol nnd Paris feine Bastillsäule haben, so hat die Prager Josessiadt ihren altjüdischcn Friedhof und ihre Altneusynagogr, Denkmäler, an denen mit schwarzer Farbe eine Hanzc Leidensgeschichte der Prager Juden verzeichnet sind. Die bemoosten Steinglbildc des öfteren, an welchen die Jahrhunderte machtlos vorüber gingen, stehen, wie der Verfasser richtig bemerkt, nur noch da als Relief des MärtyrerthumS als wchmüthiger Ausdruck eines thränenvollen Gebens, als treue Zeugen verschollener Ereignisse entschwundener Acvnen und langst vergessener Genossen jener Vorzeit, in welcher sich die Geschichte unseres Vaterlandes in schwankende llrbcrlicferung verliert. Vorliegendes Buch führt den Vcfcr nun ein in die „Gallerie jüdischer Merkwürdigkeiten," die ihn mit Wrhmuth nnd Grauen erfüllt. AuS dem im chaotischen Zustande befindlichen über-, neben- und unter einander grwiirfrlten Grabsteinen, die sich zu einem mit dem Blätterdickicht der Bäume, die vor dem Altcrthume ihr Haupt zu senken scheinen, umschatteten Labyrinthe gestalten, ragen dennoch viele hervor durch die großen Thaten und die Geschichte des Lebens jener Männer, auf denen der verwitterte Stein, wie rin Hriligthum ruht, das den Besucher der Gräber zur Achtung und Bewunderung hcrausfordert. Der Berfasier hat sich mit Hilfe des Herausgebers der Mühe unterzogen, vierzehn der intcrrssantrsten Grabsteine in chronologischer und historischer Beziehung zu beschreiben, die wie «in schwarzes Schattenbild an das mitleidsvolle Auge vorü- Lergleiten. Uebrrdirß werden in diesem Buche von demselben Berfasirr eine Geschichte der ehrwürdigen Altueusynagogr und der andern acht Synagogen so wie des jüdischen RathhauseS geliefert. Bei Bearbeitung dieses höchst interrsianten Buches wurde ein Manuskript de- Viteraten Markus Fischer benützt, da- Auszüge aus der im 17. Jahrhunderte nieder« Srschriebenen .Rabbi MosrS Ramfchak'schrn Chronik der 'Prager Judengrmeinde' enthält, jedoch unter Zugrundelegung verläßlicher geschichtlicher Taten sorgfältig gesichtet wurde. Mit einem Anhänge über die Gründung und den Beruf der Prager isr. BerrdignngSbrüdrrschaft schließt das mit getreu lithographirten Abbildungen versehene Buch, das eine interessante Lektüre birthrt, und sowohl Verfasser als Herausgeber können sich nicht so leicht der Anerkennung entziehen, die sie mit diesem Buche verdienen. M i 8 c t 1 I t n. X Die heutigen Juden in Arabien Eine englische MsiionShandschrift brachte vor einiger Zeit überaus merkwürdige Nachrichten über den Zustand der Juden in Jemen (einer Provinz Arabiens) und zwar vorzugsweise in der alten Arabia ielix. Der englische Mission-- Prediger Stern ist im September des Jahres 1866 von Hodeidä aus mit großen Mühseligkeiten, Entbehrungen und Gefahren in die Gebirgslandschaft S a n a a eingedrungen, wohin noch niemals der Fuß eines Missionärs und selten auch der eines europäischen Reisenden gelangt war. Der Bericht, den Herr Stern über die dortigen Zustände und namentlich über die der zahlreichen Juden im Innern gibt, ist ungemein interessant und enthält vieles, was bisher in Europa gänzlich unbekannt war. Wir erfahren daraus folgendes: S a n a a, die Haupstäbt des gleichnamigen Reiches von 3 Million Seelen, welches bis vor wenigen Jahren von erblichen Jmam's regirt wurde; jetzt aber unter der Herrschaft zahlreicher Stammesfürsten (Scheikh'S) sich befindet, zählt 40,000 Einwohner, von denen etwa 22,000 Mohamcdancr 18,000 Juden sein mögen, welche letztere nicht weniger als 18 Synagogen in dieser Stadt besitzen. Die Zeit, in welcher die Juden sich in diesem Theile von Arabien niedcrlicßcn, gehört der fernsten Vergangenheit an. Ihrer eigenen Ucberlicferung zufolge, gehörten ihre^ Vereitern zu denjenigen, welche nach Zerstörung des ersten Tempels durch Ncbukadnezar aus Jerusalem und Palästina entflohen waren und in den Gebirgen Arabiens sich niedergelassen hatten. An Anstrengungen gewöhnt, im Kriege auferzogen, gelangten diese Ansiedler bald zu physischer und moralischer Ueberlegenheit über die wilden Stämme, von denen sie umgeben waren, und sehr bald herschtrn die Vertriebenen aus Judäa über das Land, in welchem sie eine Zuflucht gefunden. Die Macht und die Religion der Hebräer hatte beinahe 600 Jahre die Oberhand und die Gewalt über ganz Arabien. Der Handel nahm unter ihrer Herrschaft zu, der Ackerbau blühte und die Hcerden vermehrten sich außerordentlich; aber eö bereitete sich ein Sturm vor, der die soziale» und staatlichen Verhältnisse dieses Landes und des ganzen Orients total verändern sollte. Mohammed erschien, und mit ihm die Herrschaft deS Schwertes über den Glauben und das Wissen des Morgenlandes. Die Juden, damals die einzigen Bewahrer der überlieferten Gottesidee wie der Gelehrsamkeit in Arabien, wurden die ersten Opfer des neuen, religiösen Fanatismus. Keine Kopfsteuer, keinerlei schmachvolle Unterwerfung konnte die treuen Bewahrer ihres Gesetzes in dem heiligen Lande des Islams vor blutiger Verfolgung schützen. Aber trotz allen grausamen Metzeleien nnd martervollen Hinschlachtungcn, welche oft ganze Städte und Dörfer der Inden von der Erde vertilgten, finden sich doch heut zu Tage noch fast in jedem Dorfe, in jedem Gebirgstriche Arabiens ansehnliche Bevölkerungen von Juden. Sanaa allein zählt 3,500 jüdische Familienväter, und in ganz Jemen sollen über 230,000 Juden wohnen. Der soziale Zustand dieser jüdischen Brvölkernng ist zwar, wegen der beständigen Unterdrückung und Furcht, in welcher sie durch die Anarchie und durch die Willkühr der Scheilh'S gehalten werden, ein sehr trauriger; gleichwohl haben die Juden nickt aufgrhört, der arbeitsamste, indu- Fortsetzung in der Beilage

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