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Die Gegenwart · 1870-04-15 · 16 (15.4.1870) · p. Seite 157

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
16 (15.4.1870)
Date
1870-04-15
Page
Seite 157 (sequence 5)
Language
German
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I 157 ligte, alwäre enur ihm gegönnt gewesen, davon einen so edlen Gebrauch zu machen. Deßhalb bediente man sich zu diesem Zwecke den talmudisch verblümten Ausdruck Dp 3'3en IT33P. '' Isak Pollatschek. Rabbiner. Wien 12. April (0.- K,) Der Vorstand des BethauseS in der schönen Laterngasse beehrte den Rab. Dr. M. Güdemann, Prediger im, neuen Tempel dießmal mit dem Vorträge am bmi 'P den gewöhnlich der verstorbene Rabbiner Horowitz sel. And daselbst hielt. Die Rede, mehr in Manier der alten De« raschah, in ungezwungener Weise, wie sich eben der Gedanke darbietet, war sehr gelungen und erfreute sich beim zahl« reich versammelten Auditorium eines allgemeinen Beifalls. Herr Dr. Güdemann sprach ununterbrochen fast eine Stunde und bekundete seine Gewandtheit in der Auslegung der Bi belstellen und Midraschim. Er entwickelte in treffender Weise die Idee, welche dem Pessachfeste zu Grunde liegt, die Gedanken der sittlichen Freiheit, den wir bei all unseren Thun und Lassen vor Augen haben sollen. Wir sollen frei sein von Sinnlichkeit, Leidenschaften und geistiger Unabhängigkeit erstreben. Er unterschied 3 Klassen im Iudenthumc. Die sittlich freie, welche bei Ausübung einer Eeremonie auch an deren Grundidee denkt, sie geistig erfasst, dieselbe aus ihren Geist rückwirken lässt; eine zweite Art von geringerem Werte bllden solche, die ein einzelneSTedotvollzieWt rhne sich deren inner« Gehalt zu vergegenwärtigen, sie sind gewohnt, die Mizwoh als solche zu halten, ohne weiter über ihren Werth nachzudenken; endlich die 3. Klasse umfasst die große Masse, die weder orthodox noch neolog ist, .nS '33 bloße Nachbeter, die sich vom Strome der Zeit mitreißen lassen, ohne Widerstand zu leisten; zwar brüsten sie sich mit dem Fortschritte der Zeit, ohne dazu das Mindeste beizutragen; sie haben kein anderes Verdienst, als daß sie sich bewusstlos fortziehen lassen und ganz unthätig bleiben. Aber wie der Baum aus Stamm, Acsten und Blättern besteht, welche alle sich vereinigen müssen, um Früchte her« vorzubringen, so müssen auch alle 3 Klassen Juden sich verbinden, gemeinschaftlich arbeiten an dem großen und heiligen Werke der Menschenerlösung, biö dagoldene Zeitalter her» anbricht, die Zeit der sittlichen Freiheit, der geistigen Vervollkommung, wo alle Menschen frei von Jrrthum und Leidenschaften. brüderlich vereint neben einander in Glück und Seligkeit leben werden, wo die ganze Menschheit ein beständiges Pussahfcst feiern wird für die geistige Befreiung zu Ehren des einig einzigen Gottes. Alt Ofen den 10. April (0- K.) Wollen Sie hochgeschätzter Herr Redakteur den Grund meines längern Stillschweigens nicht in meinem Kleinmuthe über die so vielen Flüche, welche seit der jüngsten Zeit der civilisirten Welt ins Gesicht geworfen wurden, suchen; [beim in Wirklichkeit fühle ich mich trotz der Bannstrahlcn, die uns vor ungefähr einem Jahre von der Esieer Synode zu Ragy Mihaly zugcschlcudert wurden und trotz der 21 und 18 von der Tiber ganz behaglich ja selbst die Sistirung der ungarisch, isr. Eongreßstatuten vermochte nicht, mich in die leiseste Mißstimmung zu versetzen, und wenn auch im Lager der Orthodoxen ein Enthusiasmus über einen scheinbar errungenen Sieg herrschte, so ist dieser Sieg, genau bei Licht betrachtet, kaum ein Pyrrhussieg zu nennen; denn die Fortschrittspartei wollte durch den Kongreß die Gemeinden von ihrem mittelalterlichen Zustande befreien, aber die Finster« linge jedes Licht scheuend, schrien darob gewaltig Zeter und ohne zu untersuchen, schrieben sie auf ihre Fahne „Tim««) Danaos et dona ferentes.* Was aber schließlich der Kongreß nicht vermochte, wird hoffentlich das neue Religion-« gesetz, dessen Proklamirung für die nächsten Tage in AuSficht steht, durchsetzen. Auch unsere Gemeinde ließ die Ssstirung der Kongreßstatuten ganz ruhig an sich vorüberziehen, denn sie bedurfte keine« Kongresses, sie ist fast die einzige in Ungarn, die schon seit mehreren Decennien ein geregeltes Eultuswesen führt. Dieser guten Gemeindeverwaltung ist «• auch zu verdanken, daß der Friede bei uns fein Zelt aufgeschlagen hat, daß ferner heilige Institutionen iiis Lebe» gerufen und gefördert werden. In einer Korrespondenz habe ich bereits der hiesigen Talmud Thora-Schule Erwähnung gethan, welche den besten Beleg für den religiösen Sinn unserer Gemeinde liefert. Diesem Institute, welches unter dem Patronate Sr. Ehrwürdcn des Herrn Oberrabbiner» Dr. M. A. Hirsch steht, wurden Herr David Deutsch unb Herr Abraham Nagler als Vorstände beigegeben. Herr Deutsch, gegenwärtig Kaufmann ist ein gewiegter Pädagog war selbst 30 Jahre Lehrer an der hiesigen Musterschule, wo er mit öcm besten Erfolge wirkte, er beehrt da» Institut sehr oft mit seinem Besuche, ermuntert die Zöglinge und unterstützt die Lehrer mit allen ihm zu Gebote stehen» den Mitteln, eingedenk des Spruches ,Xou ignava mali miseris succurrere disco.“ Herr Nagler ist zwar kein Schulmann, zeigt jedoch in seinem Amte eine rührige Thä« tigkeit, und ist bestrebt diese Anstalt zu heben. Künftige Woche findet daselbst die halbjährige Prüfung statt, ich hofft, daß Sie geehrter Herr Redakteur, dem Resultate derselbe» die Spalten Ihres hier zu Lande gerne gelesenen Blatteöffnen werden. — I). — Oeffentliche Sitzung - der isr. Eult.-Gem. - Verwaltung adgchalten am 10. April 187«». Anwesend die Herren: Georg Feigl, 2>. K. Frankl, Dr. (Nitschi» Kohn, JUDr. Lasch, Singer, Schwab, Dr. TedeSco, Ungar, Pros. Dr. Wesseln, Zappert. Es waren sonach abwesend die Herren Fischt» Plohn, v. Porlheim, Dr, Pribram, G. Schitz, Dr Raudnitz, De. Wiener. Laut eines jüngst herabgelangten Stätlhalterkierlaffe» sind nur die vom beeideten Matrikensührec ausgestellten Ä.'bnriüzcugnisse als öffentliche Urkunden anzusehen. Aus Ansuchm des Miliiac Veteranenverrine« um Unterstützung von Seite der Oeinciubcmitqlicbcr. wnrde dem selben ein Betrag von 5,') fl. nus der EnNnsk lisa bewilligt. 9tint folgt der Bericht der Kommission über die hohen 2rlS abveriang«, Aeußccung betreffend die rituelle Verpflegung und Arbeitsenthaltang der israelitischen Sträflinge an den jüdischen Festtagen, der dahin lau tet, dass bezüglich der »oft in den grosicn und Halbseierlagen kein Unterschied bestehen, die Verabreichung der ritnellen Heft aus alle acht Tage ausgedehnt werden soll. WaS die Enthaluing der Arbeit betriff», sei zwar nach mosaischem Gesetze die Verrichtung einer jeden Arbeit a» dem Sabbath und den 13 Festtagen verdate», sollte jedoch der Staat die Befreiung von jeder Arbeit nicht gestalten kiinnen, so wäre e« er wünscht, daß die Arbeit wenigstens an den 3 bezcichnelen Hauptfrsttagen gänzlich erlaffen, aber an den anderen Feiertagen erleichtert werde. Es wird über das GutachteiDabgestlminI, und wird dasselbe mit Majorität angenommen. Der 3. VerhandlititgSzegenstand ist der A»raz der Talmidthorakommisiion betreffs eines an sie gelangten Gesuche» dr» Vereine» „Atiike Jehuda.“ Da« Gemch beantragt, daß die Talmndthora-Ikommiffio» dem Vereine „Atikc Jehuda“ coordinire, hehus» Gründung einer Schule, wo die Wiiseuschast de» Jndenlhunis durch eine» corrrcten Unterricht gepflegt werde» soll. Za diesem Behnse soll, da die Mittel rin«» PrivatvereineS nicht in dem Maße ausgiebig lind, al» e« der Zweck erheischt, aubeiden Thrilen eine gemilchte ljom Mission nlebrrgesetzt werden, und zwar in gleicher öitmmenzahl beiderseits, »eiche über die Angelegenheiten gemeinschaftlich veralhe» solle». Referent Dr. Wesseln meint, daß dir Herren de» Vereine», da» Wesen dessen, wa» sie anstrebci, nicht genau kenncn, und da« Ve»- hällniß eine» PrivrlvereliieS zur Repräsentanz nicht genau rrsaffea. A» ist nicht erwähnt, ob der Verein jene Mittel vrsttzt, um diese,, Zweck umfassend zu erreichen. Durch bloße Kollekten scheint wenig Sicherheit geboten. Wo ist denn dir Bürgschaft, daß un» größere Summe» in dem Maße al» nothwendiz, zufließen weiden? Soweit der Unterricht im Hebräischen all nothwenize Bedingung sür den Religion«»»» terricht und den Golte-dirnst erscheint, glaubt die Kommission mit Vr itimmtheit au»sprech«n zu dü sen, baß in soweit entiprochen ist Zu der» »Shrrn Talmudunterricht ist durch da» Ableben de« Hra. Raidiner Jada Trwele« eine Glocknngjeingelretrn, dir bet Besetzung der Oaerrntzvinerstrlle behoben «erden wird. Zweckmäßig wäre rt, daß der Ctttdm

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