Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 16 (15.4.1870)
- Date
- 1870-04-15
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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i 156 Gebiethe der religiösen Forschungen geschrieben sind wie z. B. MaimonideS, Aben Esra, RabbiIehuda ha Levi werden von dieser Secte begeifert, verunglimpft und unterdrückt. — Hiermit hätten wir zur Genüge bewiesen, daß die Bestrebungen des Chassidismus entgegen dem Geiste deSIudenthumeS sind, entgegen in Vielem unserer Religion und weil die Erhabenheit und Größe unseres Glaubens hindurch angegriffen, so ist eS des wahren Juden Pflicht, welcher seine Religion auf Gotte- Worte gcbaut sieht, liebend und belehrend mit aller Macht dieser Secte entgegenzutreten. — Wir wollen uns aber auch Dinge vor das geistige Auge führen, welche sich vor nicht langer Zeit abspielten und die gesammte TageSpresse beschäftigten. — In der Rabbiner Club Berathung, welche vor dem Zusammentritte des Israeliten Congresscö stattfand, war auch die chassidische Secte durch ihre ersten Männer vertreten und siehe da! wir hörten die unglaubliche Behauptung seilens dieser würdigen Vertreter ausgesprochen, daß ein Rabbiner und Gotteslehrer nicht mehr vom Welt wissen benöthige als seinen Rainen in deutscher und ungarischer Sprache schreiben zu können, — Alles klebrige sei Sünde!! — Wenn Männer als Vertreter von nahezu 100.000 öfterrcichischc» Unterthancn in socialen und religiösen Angelegcnheiten es wagen im 10. Jahrhundert in Ungarns alter Krönungsstadt einen solchen Ausspruch zu thun, — zu einer Zeit, wo dem Iudcnthumc so große und viele Rechte ringeräumt werden; dann bedarf der echte Jude keines Federzuges mehr,-umseinen Glaubensbrüdern die g e i st i g e -B-^rfa4* Ich heit dieser Secte zu characterisieren; und selbst wir. welche nicht auf Seite der st ü r m e n d c n Reformatoren stehen, finden keine Worte ein solches Bestreben öffentlich bezeichnen zu können. Ww weit leider diese Fantasterei aber heut zu Tage getrieben, wie der Aberglaube genährt, unsere glänzende Religion hierdurch dort verdunkelt wird, geht aus einem Creigniß hervor, welches seiner Zeit alle Tagesblätter beschäftigte. Wir selbst haben an Ort und Stelle schriftliche Crkundigungcn eingezogen — und cS liegen uns über diesen wahrhaft eklatanten Fall Privatschreiben vor, welche uns über das Getriebe dieser chassidimischen Wnnderthäter in Staunen versehen. — Bcr Fricdmann (Rabbi Bercnia genannt) war der größte Wnndcrlhätcr, welcher in der,Moldau lebte, er war einer solchen hier oft erwähnten heiligen Familie entsprossen und im Orte Lcowa in der Moldau als Heiliger verehrt, während seine Brüder jetzt noch in Galizien und der Bukovina in gleicher Weise thätig sind. Sein.Vater zog aus dem Aberglauben des Volles ein riesiges Vermögen, so daß er reiche Güter besaß, doch Rabbi Bercnia hat jetzt genug Capital aus dem Wahnwitz des Volkes geschlagen und siche, er, der nock vor wenigen Tagen von Tausenden belagert ward, cr soll »ach Nachricht der Blätter jetzt Christ werden wollen, um als Gcnlcment comfort zu leben. — Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, — der Mohr kann gehen! — Doch noch nicht öffnete dieser eklatante Fall die Augen der unglücklich verblendeten Glaubcnöbrüdcr, sie gingen in einer Weise vor, daß die österreichischen Strafdehörden nun sogar cinschrcitcn mussten. In neuester Zeit sogar wird aus Russland berichtet, daß Rabbi H i l l e l in SmSk, der sich für einen Abkömmling des berühmten Rabbi MaimonideS ausgibt, darauf spekulirt, sich für unfehlbar erklären zu lasten und bereits auö mehreren Orten ZustimmungSadresscn erhalten hat. Immerhin müssen wir es aber beklagen. daß uns hierdurch im Ansehen der ganzen RcligionSgesellschaft Schaden zuging, denn der minder Eingeweihte, welcher derlei Dinge liest, wirft einen Blick auf alle Israeliten, weshalb dem Vorgehen diesen sogenannten Wundermänner dort schon schwer mehr durch gute Worte begegnet werden kann, sondern man einen Blick in unsere - Strafgesetze machen muß. — Dir Fackel der Aufklärung wurde allenthalben angezündet, wir sind in der Lage in inneren religiösen Angeleigenheiten selbst das Wort zu reden. Benützen wir österreichische Juden nun diese Epoche, im eigenen Garten unseres socialen Lebens zu jäten! Mit den Waffen des Geistes in Händen, umstrahlt von der himmlischen Leuchte ״Religion,- welche die ewige Wahrheit in ihren Händen hält, ziehen wir nnS, um mit diesen Waffen liebend, belehrend, überzeugen- und bittend uns neu zu constituiren; den andern Mitmenschen zu zeigen, daß wir treu an dem Glauben unserer Väter hangend, nicht ein Volk sind, geschieden durch lächerliche übertriebene Sitte von der gesammten Menschheit, sonder», daß wir eS sind, in deren ״GlaubenSgrundlehren" sich einstens alle Völker begegnen werden. Zeigen wir den Nationen unseres geliebten Vaterlandes, daß unsere Religion cs sei, welche einfach und leichtbegreiflich doch erhaben und groß ist, welche uns aber anspornt znr Bereicherung solcher Wissenschaften, welche Gemeingut der Welt und nicht bloß Cigenthuin der ReligionS Gesellschaft bleiben. Sind wir eingedrungen in die Helle Sonnensphäre des erleuchtenden Geistes, dann allein gehen wir jenem Ziele zu, zu welchem die göttliche Bestimmung nnS erkoren! — Nichts wollen wir ändern. — und nicht mit einem Worte — was in der heiligcn Schrift unseres Glaubens gelehrt wird, wir wollen aber auch nichts hinzusetzen lassen, welches in diesen Schriften seine Begründung nicht findet. Eifern wir mit den Wassen des Geistes gegen jeden Wahnwitz und Aberglauben, gegen jede Uebertriebenheit und Lächerlichkeit und sagen wir eS frei der Welt, daß solche Albernheiten nichts mit unserem -heilige» Manber^ gemein Habens—- Dort, wo aber solche Ausschreitungen Vorkommen, werden wir das Wort sprechen und in der Rechten hoch das Buch der heiligen Schrift haltend, in der Linken die Fackel der Aufklärung schwingend, wollen wir rufen: Licht in dieser Welt! denn unser Gott ist das ewige Licht der Wahrheit. Nenzerekwe 5. April (0.- K) Entgegnung ans die ״Moderne Antwort auf eine an tiguarische Frage von M. H. in Prag in Nr. 14 diesS Glattes. Fast war ich versucht, diese Antwort als Replik «uf meine Antwort anzusehcn, bis auf die Tendenz. — ״>enr M. H. behauptet, indem er meine Ansicht theilweis׳ bekämpft: ״Wie ist dieses עם דינרין aufzufassen? Woll׳' bamit etwa gesagt sein, daß mit dem Ableben Meise* auch sein Neichthnm gleichsam abgestorben sei, daß mitl" auch seine Schätze zu sein aufgehört haben'? Welcher Nym wäre dicß?" So der Herr M. H. Wer hätte aber mijbem Augeführten behaupten wollen, es sei ein direkter "lbirekter Nachruhm seines Namens damit bezweck wzxden? Dcr Herr AnonimuS, beliebe nur die dicßbezügiche Ärabschrifk im Gal-Ed nachzulesen, und er wird finden, daß diese Stelle in jenem Theile sich befindet, dcr mit den Vorteu מי יתן ראימי מים beginnt, also als eine Elegie undnicht als Lob anzusehcn ist. Diese Stelle ist somit eine chrovlogische Notiz, die der Seltenheit wegen metaphorisch »geführt ist, indem nämlich ein so bedeutendes Vermögen, vel» ches dcr "Inhaber so rühmenöwerth zu wohlthätigen jwecken verwendet hat, so wundervoll mit ihm zu sein mfge» hört hat. Hätte man denn zu jener Zeit (1601) auf tinen!üdischen Grabstein schreiben dürfen, daß der Reichhum des unter demselben Ruhenden von der Regierung kmftSziert wurde? Das durfte und konnte «an gewiß nicht thra: und doch wollte man eS der Nachwelt zu wissen geben, daß der reiche und ausgiebige Quell seines ReichthumS mit feistem Absterben für die Gemeinde und die Armen versiegte, indem die Regierung sich seines ganze» Vermögens bemiich-