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Die Gegenwart · 1870-04-15 · 16 (15.4.1870) · p. Seite 155

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
16 (15.4.1870)
Date
1870-04-15
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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15o könnte, wenn der jüdische Handwerker auf die jüdisch-deutsche Clique gar nicht aufwarten kann, nachdem sie doch den jüdischen Handwerker, weil er jüdisch heißt, perhorreScirt. Und ebenso verhält eS sich mit dem Lande, wo eS geradezu ungereimt wäre, wen» ein jüdischer Advokat in CzaSlau sich mit groß« -rutschen Tendenzen tragen, oder ein jüdischer Geschäftsmann in Pardubitz sich zum Prinzipe aufstrllen würde, nur großdeutschen Eulturträgern verkaufen zn wollen. DaS scheint jenen kurzsichtigen Advokaten und Kaufleuten allerdings zu behagen, ihre Existenz von böhmischen Elicntcu und Liundcn abhängig zu machen, aber mit ihnen in Frieden leben zu müssen, das wird ihnen zur Nebensache. Wir haben es genug betont, man möge den jüdisch politischen Zwergen kein Gehör geben, denen, wie die Erfahrung lehrt, in politischen Spektakelstücken eine erbäimliche Rolle zugetheilt wird, Oder ist man von dem Wahne befangen, Hagestolze Advokaten und Mediziner arbeiten für die Freiheit im Interesse ihrer Ltinder? DaS kann doch nicht der Fall sein, sonach scheint ihnen der Selbstzweck Hauptsache. So wird man eS begreiflich finden, daß wir bei Aufnahme von politischen Artikeln, die zumal unser engeres Va terland betreffen, nnS, von keiner Seite beeinflußt oder von Hintermännern inspirirt, aus eigenem Antriebe, eingedenk der Vaterlandsliebe und der Nothwcndigkeit die Juden auö ihrer Zwitterftelllmg zu bringen, wcl-. che sie leider noch zu einer eigenen Nation stempelt, einer so edlen Misiion unterzogen haben. Demgemäß erhellt es, daß uns die Stimmen einzelner Schreier und politischer Hermaphroditen Vorkommen, alS rufen sie in eine Einöde, wo sie nicht einmal ein Echo finden. Vom Bewußtsein getragen, daß wir stets nur das Beste, Friede und Verständigung anstrebten und dieß noch ferner thun werden, rufen wir unseren Glaubensgenossen die Worte der kaiserlichen Thronrede vom 15). Mai 1809 ins Gedächtnis : „Oesterreich soll die große Heim a th sein, die alle seine verschiedenen Völker, in welch e r Z u n g e s i c a u ch s p r e ch c n, mit gleicher Gerechtigkeit, gleichem Wohlwollen, gleicher Streit wurde immer heftiger u»d endlich kamen die Söhne überein, hre Ansprüche vor den» Richter geltend zn inachr». Dieser war *1 weiser Mann und hörte sie rnhig an. Ich bin wirklich neugierig auf das llrtheil, bemerkte Professor Ei^r. Und ich kann es mir denken, sagte Satanof; der weise 8iich>r wird durch daS Loos entschieden haben, da eS nach meiner Mein,,^ fein andres Mittel gab. ^a»n wäre er der weise Richter nicht, meinte Mendelssohn mit fartcin Lächeln. Irre ich nicht so besaß der wahre Ring die Eigenschkt den Besitzer beliebt vor Gott und Menschen zu machen. Dies Ken^jchr« müßte nach meiner Ansicht den AuSschlag geben. Dem beste der Löhne gebührte die Erbschaft, demjenigen vor Allen, welch, sich durch sein Betragen uls der Würdigste im Lanke der Zeit erl,^,,. U>» v^ite der weise Richter nicht auch sagen: Eure Ringe sind alc dt-j ,,,'cht rchr. Der echte Ring ging vrrinuthlich verloren? — 1„d hiermit endet meine beschichte, die ich dem Bocracio entle,„t. AS Lefling jtjit schwieg waren alle Anwesende» von seinen Wortetief ergijffcn; erst nach einer längcrn Panse brach der Dichte Ramler des allgemeine Stillschweigen. lnd die Moral, fragte er ernst, die Moral der Geschichte?!iebet einander, entgegncte Mendelssohn, beweist durch Duld»ng, Nachsicht und Menschenfreundlichkeit, daß ihr den wahren Hing sesitzt. Das soll von nun an unser einziges Streben sein. 3*1 rief Lessing mit einem sonst an ihm nicht gekannten Feuer?Wir wollen insgesannnt nach dem echten Ringe suchen, der, wie da weise Richter sagt, verloren gegangen ist. Die Liebe, welche schon Johannegepredigt hat, soll rmsere Füheerin ans den richtigen Weg fein; die Toleranz uns zur Seite stehn. Ich verstrhe freilich darunter nicht jene schwächliche, weichliche Rachficht auch mit dem Schlechten und mit den Borurtheilen der Menge. Grade gegen Pflege ihrer Interessen und ihrer Ligenthüm« lichkeiten zn empfangen berufen ist, und werden wir, ohne nns von irgend einer Seite beirren zu kaffen, bestrebt fein, an nnfkrein in der ersten Nummer dieser Blätter aufgestellten Programine frstzuhalten, in dem wir ausdrücklich erklärten, „die politischen Fragen, soweit sie den Inden berühren, zu behandeln und' dahin wirken zn wollen, daß das gnte Einvernehmen zwischen den Juden und seinen »ichtjüdischen Brüdern hcrgcstellt und gekräftigt werde. Die Redaktion. Der Chassidismus von Louis Sterna». (Schluß.) Wie sehr diese Sccte bestrebt ist, den Begriffen des wahren JudrnthumS entgegen zu handeln, geht weiters daraus hervor, daß es der Jugend sogar strengstens vcrbothei« ist die h. Schrift zu stndicrcn, Talmud studieren wird gleichfalls nicht gerne gesehen und so beschränkt sich das gebothenc Wissen des EhaffidiSmuS auf das unverständige Herabfagcn des Buches Sohar ohne dessen Inhalt zu wiffen, zu begreifen. — Lässt sich ein Jüngling btikommen die h. Schrift zu studieren, selbst hebräische Sprache nach der Grammatik zu lernen, so ist er als Ketzer verschrien nnd verachtet. — Der Name Mendelssohn und Wesseli (Hirz Weisel), welche aus dem Felde der Bibel Exegese, der Etymologie und AScetik so hervorragendes leisteten, werden nie ohne den obligaten Fluch jemacil sebemom etc. ausgesprochen und deren Werke sind einem förmlichen Auto da fe auSgesctzt nnd Jener, welcher im Besitze eines solchen Werkes betroffen wird, ift mit Bann belegt und exco.mmuniziert. Selbst Werke, welche auf dem diese müssen ivir mit aller unS zu Gebote stehenden Kraft ankämpfen. Unsere Bundcsgenosiin aber soll die Wissenschaft werden, welche in Deutschland anS dem TodeSfchlaf erwacht, die Fackel schwingt, vor der die Rachtculen und Fledermäuse de- Aberglaubens, der VcrfolgnngSsucht und der geistigen Inquisition fliehen müssen. Dann wird die .teil komme», die Irit der Vollendung, die »zach mcinrin festen Glaube» die Menschheit trotz aller Heinninngen und Hinderniffe unaufhaltsam entgegengeht, die Icit eincS neuen Evangeliums für Alle, z» welcher Religion sie sich auch äußerlich bekennen mögen? Amen! rief Mendelssohn mit gefalteten Händen und mit seinen Blicken an den Lippen deS Freundes hängend. Und der Meflias? fragte Rabbi Tatanof bartnäckig. Der Mcsiias, ivird er dann kommen? Jene Zeit bringt Allen nnd auch dcn^Indcn sicher die Erlösung, cntgcgnetc der weise MoscS lächelnd. Der McfliaS wird nicht ansblcibcn, iu?m lieber Freund! Ich verstehe Luch jetzt, antwortete der Jude. Unser Meflias heißt Liebe mit Wissen verbunden und dort Herr Lefling ist sein Verkündiger. Mir ist'-, alS hätt' ich ein Gesicht gehabt, alS wäre der Geist deS Ewigen hier unter uns. Lefling nahin die Hand deS Rabbi, die ihin dieser hinrrichtr und drückte, sie! alS er die seinige zurückzog, glänzte sie von einer Thräne, die der Jude batte darauf fallen laffen. Einige Jahre später hatte Lefling die „Geschichte der drei Ringe" zu einem Drama benutzt, das seinen Rainen unsterblich gemacht hat. „Rathan der Weise", war sein Freund Mendelssohn, der ihm' die Umrifle zu diesein herrliche» Lharakter lieferte! Rabbi Isaak Satanof aber soll noch einer Sage von dein Dichter in der Figur deS ehrlichen Schach spielenden „Derwisch" gezeichnet worden sein.

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