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Die Gegenwart · 1870-04-08 · 15 (8.4.1870) · p. Seite 149

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
15 (8.4.1870)
Date
1870-04-08
Page
Seite 149 (sequence 7)
Language
German
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140 i geistigen Einflüsse von Palästina au» nach dem ganzen Orient verpflanzte, zur Bibel und Wissenschaft hat der Redner in» richtige Licht gestellt. Im Ganzen schien derMedner darauf Rücksicht nehmen zu wollen, nur vor Laien zu sprechen, denen man nöthigenfall» auch ein x für ein u vormachen kann und vergaß der Fachmänner, die etwa- ReueS zu hören wünschten, wenn auch nur populär. Doch wie gesagt, der gelehrte Redner bestrebte sich sieben Viertel Stunden in einem jedenfalls mit interessanten Daten eingcflochtenen Vortrage zu sprechen, was von dem riesigen Gedächtnisse und der großen Rednergabe Zeugniß gibt, und er hat nach Art DöblcrS: wieder ein Sträußchen noch ein Sträußchen den AplauS und die BravoS eingeheimst, die ihm beweisen, daß er von Vielen „verstanden" wurde. %* Altrrssubiläum. Morgen feiert der sehr geachtete und durch seine jüdische Gelehrsamkeit in der Gemeinde hervorragende Herr Salomon Raphael Kuh im Kreise seiner Kinder und Enkel das 80jährige Altersjubiläum. Der würdige Jubilar physisch und geistig rüstig, wußte stets bei seinem religiösen Standpunkte, den er einnimmt, der profanen Wissenschaft Rechnung zu tragen und er ist ein durch und durch gebildeter, toleranter Mann zu nennen. Um die Wissenschaft hat er sich in so ferne Verdienste erworben als er in früher» Jahren die jüdische Publicistik mit geistigen Arbeiten bereicherte, um die Gemeinde hat er das Verdienst, daß er durch seine geistreichen Vorträge, im Midrasch, Mischnajoth x. die Wissenschaft zu verbreiten suchte. Im Familienleben both er daS schönste Bild ehelicher Harmonie, die ihren Glanzpunkt fand in der goldenen Hochzeit mit seiner Frau, die zwei Tage nach diesem goldenen Lebensabschnitt starb. Der greise Jubilar hat fünf Söhne, die durch ihre Stellung Zeugniß von der guten Erziehungsmethode geben, die der Vater cingeschlagen hat, sodann fünf Töchter, die das Glück genießen, in musterhastcr Ehe zu leben. Dreißig Enkel schaarcn sich um den ehrwürdigen Greis, die ihm den Kranz eines noch langen Lebens flechten. *** Die deutsche Intelligenz treibt Dlüthen. Aus Außig an der Elbe wird uns vom 6. d. M. Folgendes berichtet: Welchen Begriff man hiervon der deutschen Intelligenz hat, mag eine kleine Scene in den Abendstunden einer deutschen versassungSfreundlichen Gesellschaft liefern. Vergangenen Dienstag gerade zur Zeit als die Passagiere sich im RcstaurationSlokalt des hiesigen Bahnhofes zur Abfahrt bereit machten, suchte sich ein Kreis hiesiger selbstverständlich deutscher Bürger in de» verschiedensten Deklamationen und Gesängen zu unterhalten, um denselben jedoch ein intelligentes Relief zu geben, fand man es im Jahre 1860 noch an der Zeit, den Juden in Sprache und Geberden zu karriklren, um so das Bild verfassung-freundlicher Judenfreundlichkeit zu bitten. Frage nun, „wo ist des Deutschen Vaterland" zu suchen. Inland. Wien. (Erste israelitische Blinden-Erzieh u n g S a n st a l t.) Dem philantropischen Gedanken deS . Med. Dr. Ludwig August Fr a nkl, eine solche"Anstalt in Wien zu gründen, werden allseitig so warme Sympathien entgegengebracht, daß die rasche Verwirklichung derselben nunmehr völlig außer Zweifel steht. Wir können zu der bereit» ausgewiestnen Summe von 15.300 fl. z. 1500 fl. in Obligationen und 650 Jahresbeiträgen noch folgende nennen, welche auf persönliche Verwendung FranN'S nachfolgend genannte großmüthtge Menschenfreunde gespendet haben: Herr Gustav Ritter v. Epstein 2000 fl.. Herr Eduard Wiener Ritter v. Welten 1000 fl., jährlich 50 fl., Herr Ludwig Ladenburg 1000 fl., jährlich 50 fl.. Herr G. Auspi tz 500 fl., Herr Jg. Eph r uss i 1000 fl.. jährlich 100 fl., Herrn Philipp Goldberger» Söhne 500 fl., jährlich 150 fl.. Herr I. W. fflutnoi 500 p.. jährlich 50 fl., Herr Leop. Popper Ritter v. Podhradgy 1509 fl., Herr Adolf Landauer 500 fl., jährlich 50 fl^ Mllt Befriedigung und Dankbarkeit konstatirrn wir, daß »»ch christliche Mitbürger sich an diesem Werke der Nächstenliebe betheiligen und hat Se. Er;. Freiherr v. ßSina 1000 fL, der Freiherr M. v. Wodiancr 1000 fl.. Herr Rikolau» D u in b a 400 fl. zum Gründung-kapitale gespendtt. E« stehen somit dem Unternehmen, nebst dem von Herrn I. Ritter v. KöNigSwarter hochherzig für 50 blinde Kinder gewidmeten Hause und Garten, erstcreS vollständig eingerichtet, bis jetzt zur Verfügung: 20,200 fl., 1500 fl. i» Obligationen und 1100 Jahresbeiträge. Weitere schon in Sicht gestellte nahmhafte Beiträge werden demnächst veräffentlicht werden. Bereithat sich ein Eomite aus nachfolgend genannten Herren gebildet: Med. Doktoren Max E ag c l und Beruh. W ö l fl e r, Moritz Ritter v. König»- warter, Freiherr Stefan v. Scheq, Philipp Mautner, Hof- und GcrichtSadvokat und Dr., L. A. Frankl, deren zunächste Aufgabe e» fein wird, das Statut des Jnstitnte» zu entwerfen und um behördliche Genehmigung eine» Bcreines cinzuschreiten. Prehdurg. (E i n c K l o st er g e s ch i ch t e.) Von hier wirb dem „N. Frdbll." unterm 1. April geschrieben: Auch Preßbürg hat seine Älostergeschichte, doch nicht mit einer Barbar» Ubryk, sondern mit einem armen Inden, der von einem Pater Eugen so arg geprügelt wurde, daß derselbe an Wange und Armen wohl für längere Zeiten sichtbare Spuren haben, wird. Um dem Leser ein Bild jenes skandalösen Austritte» der gestern Abends in und vor dem betreffenden Kloster stattfand, zu geben, müssen wir auf frühere Tage znrückgrcifen. Vor einiger Zeit existiere in diesem Kloster rin Professor Pater Franz, der aus hier nicht weiter zu erörternden Ursachen — Protestant wurde und gegenwärtig in irgend eine« VerkehrSinstitutc in Ofen bcdienstel ist. Di"ser soll vor seiner Taufe von dem „Klostcrjuden" Eivilkleider gekauft und der „Klosterjude" daher von dem Vorhaben de» Pater Franz Kenntniß gehabt haben. Wir vermögen nicht, zu bestimmen, ob dieser Verdacht gegründet ist, oder nicht; gewiß aber ist, daß einige Patres den armen Jude», «ine» etwa Mjährigcn Mann, stets sehr brutal behandelten »ad den Mann auö dem „a u S e r w ä h l t c n Volke" auch mit „au S crw ä h l tcm Schimpfen" traltirten, worunter „hinaus vcrfll. Jud," „packst Dich l.Jub." die süßlichsten Worte waren. Dicß alles ertrug der alte Mann, pflegte er doch hie und da einen Gulden im Kloster zu verdienen. Dieser Tage nun bestellte einer der Klostci geistlichen ein Vogelhaus, da« ihm der Jude auch brachte. Beim Weggehen begegnete Pater Eugen dem Klosterjuden und fuhr itz» so hart an, daß dieser ihn fragte, wa« er denn eigeatllch von ihm wolle — diese „Anmaßung" schien dem Pater sehr willkommen, denn er hob sogleich seine kräftigen Arme und applizirte dem alten Mann einige derbe Ohrfeigen und Stöße, und der Jude war froh, ins Freie gesetzt worden zu sein. Nun ging aber der Skandal noch vor dem Kloster vor einer ungeheuren Volksmenge erst recht los, Alles schimpfte über den brutalen Pater, der nur die Lehre der Lieb« und der Duldung verbreiten sollte. Der „Klosterjude" begab sich Zum hiesigen Gerichte, dieses aber verwies ihn a» de» Prior oder Quardian und nahm die Klage nicht an. i - Ausland- Herr Bloch, Substitut de» kaiserlichen Prokuralors in Meaux, wurde zum kaiserlichen Prolurator bei» AiMgrrichte in Epernay (Marne) ernannt. — Unter der RomenklaMr det<Professoren de» Kronprinzen, unlängst i» de» Journalen verüssentlicht, erscheint auch Hr. Levy. Professor am Eollegium Ludwig de» Großen; er unterrichtet |dac L Hoheit in der deutschen Sprache und Literatur. — Hr-

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