Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 15 (8.4.1870)
- Date
- 1870-04-08
- Page
- Seite 148 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4890378-5433916-5434024--627-4890940- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 i hat sich der „geistreiche" Dr. Frank durch dm Schluß- Paffu« seiner geredeten Rede: „U»d wir werden die Verfassung, wen» es nöihig ist, auch zu vertheidigen wissen," hervorMhan. Wahrscheinlich spekutirt Herr Frank VerfassungSvertheidlgung-minifter zu werden. Wir können allerdings dem Herrn Frank seine drnlschen Bestrebungen nicht verargen. denn er ist in der reindeutschen Stadt Kollin geboren und erzogen, die zwischen den reindcutschen Städten Böhmisch Brod und Pjrlauc liegt. *»* Iynagogrnvorstrhrr und Synagogenverwalter. Der Borsland der großen Hossynagvge wurde, wie bereits in der letzten Nummer brricktcl wurde, von dem k. k. Landcsgerichte in Angelegenheit eines Darlehens abgewiescn, weil das Haus in dem Grundbuchc aus die große Hofschule und nicht auf die grosteHofsynagoge eingetragen ist und ferner dasVerfügungsrccht den Schulverwaltern und nicht Synagogenvorstehcrn zufleht. Das Ganze beruht wie ersichtlich ist, auf einen Formfehler dr jedem einleuchtend sein durfte, daß eine Synagoge einer Schule entspricht und Synagogenvorsteher Synagogen Verwalter sind. Ti. Commission resp. Herr Dr. Wiener hat in seiner Synagogen- Verfassungsunfreundlichkeit dein Magistrate die Ident,tat nicht erklärlich machen wollen, weil, nun weil die hochobrigkeitliche Repräsentanz es gerne gesehen hätte, daß der betreffende Borstand bei ihr ein Gnadengesuch wenn möglich fußfällig eingcbracht hätte. Wir möchten nur Herrn Dr. Wiener fragen, ob der Synagogenvorstand das Lichtcranzünden oder Lampcnputzen versieht, oder ob er Einnahmen und Ausgaben besorgt; weiter möchten wir fragen, mit welchem Rechte die Repräsentanz als bloße Vertretung oder Vorstand der Eultu-gemeinde das Vermögen der Gemeinde verwaltet und dennoch nicht Gemeindcverwalter sich nennt. ES läßt sich wahrl:ch nicht begreifen, daß Männer, die keinen Dunst von einer einfachen Vogif haben, über die Verhältnisse der Gemeindemitglicder -u Rathe fiten und nach Willkühr Beschlüsse fassen. V AfiKe Jehuda. Den Eyklus der Vorträge, die der Verein „Afike Jrhuda" in der verflossenen Wintcrsaison geboten hat, schloß Herr Prof. Dr. S. I. Kämpf mit einem Vorträge, „bic Bibel und die Wissenschaft" betreffend, der ohngrachtet der in demselben vorherrschenden Mannigsaltig- ° keit, weit hinter seinem ersten Vortrage: „Das große Sanhedrium in Jerusalem" zurückblicb. War der Redner auch bestrebt, während sieben Viertel Stunden dem Publikum ein kleine- Eonversationslexikon zu bieten, das vom griechischen Alpha angesangen bis zum Slymp des Jupiters, von der geraden i'iitir, die nur zwischen zwei Punkten möglich und zwischen diesen die kürzeste ist. dis zur Astronomie eine Encyklopädie in Kürze lieferte, die wohl jedem Quartaner nicht unbelannt sein dürfte, so konnte man, so wenig neu auch das Gebotene schien, die Zusammenstellung des Materials, die Entwicklung eines aus dem Andern nicht gleichgiltig hinnrhmen, also einen Umstand, der ganz natürlich in dem Laien Bewunderung Hervorrufen mußten während der Zuhörer von allgemeiner Bildung diese Rekapitulation alter Kathedervorträge an den Mittelschulen auch hingenommen hat. Der Kritiker brurtheilt natürlich die Dinge nach seiner subjektiven Anschauung und muß, ohne durch >tnallcfscckte sich beirren zu lassen, etwas gründlicher in das Wesen der Dinge eindringen, auch wenn er oft durch das schön gcschnörkcltc Wort deS Rednerden Zuhörer verblendet, oder denselben in einem Anfall von Paroxismus sieht, der ihn zu einem VritStanz ähnlichen Applaus hinrcißt. Wir halten bei nnferer Aufmerksamkeit, die wir dem Vorträge mit vielversprechendem Titel schenkten, nicht den Redner im Auge, sondern bas Qbjekt. seinen Vortrag nähmlich, und wenn wir nach bestem Wift'rn und Gcwissrn urtheilen sollen, so müssen wir offen gestehen, daß wir von dem Vorträge über „die Bibel rmd die Wissenschaft" viel ja sehr viel erwartet haben. Schon die Andeutung in der sonst geistreichen Einleitung auf die Eharlotanerie devor kurzer Zeit in unseren Mauern geweseucn Gelehrtrn, der wir Redner meinte „fürs Geld populäre Vorträge hielt" und die Bibel durch die Wissenschaft gewissermaßen zu paralysiren suchte, ließ uns erwartn«, daß der Redner die allenfalls gelehrten Ansichten jenes Philosophen eigener Naturanschauung auf Grundlage der Bibel ou& dem Felde schlagen werde. Aber nicht« von alledem. Der durch daS Dogma der „Menschenaffen" in letzter Leit in. Mode gekommene Gelehrte blieb in der Einleitung Eharlatan, der im Laufe der biblisch - wissenschaftlichen Exkursion des Redners noch eine Art Vertrauensvotum erhielt. Drei Fragen bildeten die Basis des Vortrages. 1. Gestattet die Bibel die Wissenschaft. 2. Erleidet die Bibel durch die Wissenschaft keinen Schaden. 3. Wie verhält sich der Talmud zur Bibel und zur Wissenschaft. Die erste Frage wurde bejaht und gehörig dadurch begründet, daß die Bibel selbst, wie es jedem bekannt ist, der Eomplex aller Wissenschaften Geographie, Geschichte, Physik, Mathematik, Raturgeschichte etc. ist. Daraus deducirte der Redner, daß die Bibel die Wissenschaft nicht nur gestattet, sondern auch gebietet, hiemit sei jedoch nicht allein die Wissenschaft im engern Sinne gemeint, sondern auch die spekulative Philosophie. Hier gelangte Redner zu dem Begriffe des endlichen und unendlichen Denkens. Das unendliche Denken oder das Denken über das Denken bereite der Bibel Schwierigkeiten. So z. B. müsse nach der Auffassung derselben der Urstoff von Gott gebildet und aus diesem die Schöpfung heraus entwickelt worden sein, während die Philosophen den Urstoff al« bereits vor-' Händen gewesen betrachten. Dieser Gegenstand wurde aber auch zur Klippe, an der das ganze Thema über „die Bibel und die Wissenschaft" scheiterte. Redner holte aus seinen Erlebnissen und zwar an einem Kurorte den Fall hervor. der ihm Gelegenheit bot, einem Philosophen von einer solchen excentrisch fixen Idee heilen zu wollen. Die Arznei schien aber nicht gut gewählt gewesen;n sein, da der Philosoph nicht geheilt und der Arzt selbst krank wurde; denn aus die Frage deS Letztem ob der Philosoph, der von der Ansicht ausging, der Urstoff sei schon vorhanden gewesen, dieß genau wisse, erfolgte die Antwort: „ich wcißnicht" und aus die Frage deS Philosophen, ob der Redner gmau wisse, daß Gott den Urstoff auch gebildet habe, antwortete dieser: „ich weiß nicht." Daraus hin meinte der Redner „wissen wir beide nichts." Dieses so gefährliche und Bedenken erregende Beispiel suchte der Redner damit abzuschwächen, daß er sagte: „wir halten uns wenigstens an der Bibel." Was würde der Redner repliciren, wenn jener in der Einleitung getroffene Charlatan sagen würde: „wir halten uns an der Wissenschaft?" Dann schiene doch die Wissenschaft, der Bibel gefährlich und die 2. Frage deS Redners wäre paralisirt. Bei jener Stelle, an der er König Salomo als den ersten Zoologen hinstellte, der die weise Eintheilung machte, die vicrfüßigen Thiere gehen, das Gewürm kriechen und die Vögel fliegen zu lassen, während er das Mineral als lebloses Wesen und den Menschen als psychisches Wesen von dieser Eintheilung ausschloß, hätte der Redner der Annahme jenes Gelehrten, als stamme der Mensch von den Affen cher, entgegentreten können, das hat er jedoch nicht getan. Aber auch in der Sprachforschung nahm cs der Redner nicht genau, indem er Spanien seinen Rahmen den Haschfnnim (Kaninchen) die nach der pyrcnäischcn Halbinsel gekommen sein sollen, verdanken ließ, der Sprachforscher darf sich von dem bloßen Wortklang nicht beirren lassen, will er nicht befürchten dem Unsinne zu verfallen. Der früheste Rahmen SpanienwarHe-pcria, Jberiaz seine Einwohncr^aren die Iberer, die sich nach der Vereinigung mit den Eclten Eeltibcricr nannten. Auch Phö> niker und Griechen machten in Hispania Niederlassungen, und die Mehrzahl der heutigen Bewohner sind ein Gemisch aus den früher hier wohnenden Eeltcn, Römern, Gothen, Vandalen und Mauren. Man könnte eben so gut HiSpauia ans römischen (lat) hic (Iris) und dem griech. (arkad.)Pan demGott der Hirten hcrleiten und sich diese Erklärung schon besstr zu recht legen, weil Spanien das Land der Viehzucht ist, wo vortreffliche Schaase (Merinos) Gemsen, Maulthiere, (andaiusische) Pferde zu Hause sind, während gerade daS Kaninchen hier seltener vvrkommt. Das Verhältnis des Talmuds der i