Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 15 (8.4.1870)
- Date
- 1870-04-08
- Page
- Seite 150 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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hat so eben dem Herrn Michel Levy von der Seite de» Herzog» von Aumale ein prächtig eingebundene» Exemplar der „Geschichte der «Prinzen von Conde," «it nachstehender Widmung von der Hand de» Prinzen Überreicht: „Demjenigen. der mir al» Sekundant im Duell de» Rechte» gegen die Gewalt; demjenigen, dessen Namen während sieben Jahre neben dem meinigen in den Kammern de- Gerichte- und de» StaatSrathe» getönt hat." Henry d’ Orleans. Da» Journal officiel vom 22. Mär; veröffentlicht, daß die Kommission der parlamentarischen Gericht-Untersuchung Herrn Eduard Simon Ingenieur, einen der Berichterstatter der Jury bei der allgemeinen Ausstellung im Jahre 1867 in Paris al» Spezialkommiffär bei der Spinnerei- Industrie adjuugirt hat. - Die erste Liste der Sammlung für di« in der vorigen Nummer erwähnten Familie S i l d e r b er g in Pari» beträgt 150 Frc». Bei Gelegenheit de» Purimfeste» hat Sir Mose» Montefiore, in London wie immer jährlich eine Masse hübsche Geschenke den Zöglingen der portugiesischen israelitischen Schulen vcrthcilt. Madame Sebag und andere Damen waren bei dieser Bertheilung, welche natürlich den Kindern große Freude verursachte, anwesend. Herr David Levi in Florenz hat eine Summe von 30000 Fres. den israelitischen und christlichen Barmherzigreit Vereinen vermacht, und einen Fond zur Au»stattung israelitischer und christlicher Mädchen gestiftet. Da» „Echo an der jDonau" veröffentlicht das Testament de» Hrn. Mose» Luca, welcher obwohl er sich einer vollkommenen Gesundheit erfreut, doch sein ganze» Vermögen zur Dotirung israelitischer Schulen, öffentlicher Gymsien in Rumänien, de» Spital» in Ploesti etc. bestimtnt (Seltene Rüstigkeit eine» Greise».) In der Nähe von Warschau lebt ein Grci» Namen» Lasar Fuchs, der im Alter von 112 Jahren als jüdischer Tempeldiencr allen Pflichten seines Amte» genau nachkommt und jede») Tag seine Glaubensgenossen zum Gebete ruft. Sehr oft geht er;u Fuß nach Warschau und kehrt von dort mit Einkäufen beladen zurück. Lasar Fuchs hatte eine zweite Fran, und fein jüngster Sohn au» der zweiten Ehe ist 10 Jahr alt. Einmal bestand er eine schwere Krankheit und wurde erst vor einigen Jahren grau. Das hohe Alter ist in .seiner Familie erblich, sein Baker erreichte 120, sein Großvater 120 Jahre. (Auch ein Un feh lb are r.) Au» Rußland wird berichtet, daß Rabbi Hillel in Pmsk, ein in den Kreisen der orthodoxen russischen Judenschaft verehrter Wundermann der sich für einen Abkömmling des berühmten Rabbi MaimonideS ausgibt, darauf sinnt, sich' für unfehlbar erklären zu lasten. Er hat auch bereit» auö mehreren L)rten ZustlmmungSadressen erhalten. K u u st, T h t a t e r ll« d ö i t c r a t u r. ----- Hr. E. Lisbonne, Advokat und früher GerichtSvorstand in Montpellier hat in der Revue judicaire bcö kai- ■fnt. Gerichtshofes tiii sehr bemerkenöwertheS nekrologlscheS Studium über Israel Bedarride den verstorbenen Vorstand der Advokaten-Kammer und Mitglied der Akademie der Wissen schäften der freien Künste daselbst veröffentlicht.- — Das literarische Institut in Bonn hat bereits die Expedition der Werke, die es diese- Jahr veröffentlichte, begonnen; nähmlich I. die Geschichte des israelitischen Volke» seit der Zerstörung de» Tempels bis auf Simon den Makkabäer von I. Herzfcld. Diese» Werk ist eine lieberarbeitung eine» älteren Buchevon demselben Verfasser. — *2. Notizen Über jüdische Antiquitäten von Leopold Löw. 3. Bibliothek der griechischen und römischen Schriftsteller Aber da» Jndenthnm und die Inden. 4. Drei Bände enthaltend die Urbersetzung de» Traktat» der Schöpfung, der drei Bücherder Allegorien, de» Buche» über die Cherubin», Kaitt^ Philo. 5. Ein Band Novellen. — Ein neuer Roman DiSraeli» wird, wie e» heißt, im Laufe des Monat» bei HongmanS und Comp, erscheinen. Diese« neue Erzeugniß deS vielgenannten Staatsmannes und Schriftstellers wird mit Spannung erwartet. Vom Sücherlische. . Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft Und Leben. H:rmiSgegeben von Dr. Abraham Geiger Rabbiner der isr. Ge> meindc in Berlin. Achter Jahrg. Heft I. BreSlau 1870. Schletterfchc Buchhandlung (H. Skutfch.) (Schluß.) Nachdem vor unfern Augen di« beiden Abhandlungen über die Synoden und deren Aufgabe wie eine.Scifcnblase geplatzt sind, begegnen wir der ersten rein wistenschaftlichen Abhandlung über Menachem den MesiiaS, den die griechischen Uebcrsetzer Paraklet nannten, der, nachdein der Kampf um Volksthum und Heiligthum sein unglückliches Ende gefunden, ebenso als Märtyrer, wie alS der Inbegriff aller nationaler Jugend, alle Hoffnung für die Wiedererstehung der Bolkssrlbstständigkeit und des Heiligthums verehrt-wurde. „Mit seinen« Eintritte ist der Tempel zerstört worden, mit seinein emeuten Eintritte wird er ivieder erbaut." Der Verfaffcr, der bisher wie er meint, sich bloßen Vcrniuthungen hingab, die er jedoch begründet findet, erhöht seine Einbildungskraft damit, daß gerade sich nach seiner Anschauung aus dem Dunkel ergibt, mit welchem die Andeutungen in den trümmcr. und sagenhaft bewährten Traditionen umhüllt sind, daß die Auffaffung sehr hoch hinaufreicht aber später mit dein Vergcsien der Umstände, auf denen sie begründet war, als ein llnbcgriffencs sich forterhiclt, daS räthfelhafter Natur geivorden. Einen greller» Widerspruch konnte der Verfaffcr in dicsein Expose nicht bester nacinvcisen, auch wenn er sich dainit „tröstet" daß Menachem „der Tröster" bedeutet, der ja eben der MeffiaS sein sollte. Ans diesen« Appelativum scheint es dem Verfafler erklärlich, daß «na» dem ersehnten „Tröster" a»«ch in dem zumEhristcnthuinc übcrgetretenen Thciic der Inden begegne. Der Schluß ist recht eigknthün«lich und wir müffen ans diesem Schlüße schließen, daß der anonyme Verfafler sich selbst in der Sache nicht klar «vurde. Einen intcrestanten Theil vorliegender Zuschrift bilden „die Fremden iGcrin«) nach rabbinischcn Gesetzen." Der Verfafler Herr Dr. E. Grüncbauin beinühte sich die Auffaffung der Geriin nach der Bibel und nach den« RabbinismuS zu analyfiren. Der RabbiniSinus machte zwischen den bloße» Beisaß-Fremdcn (Ger Thoschab) und dem zum Judciithum ganz übergetrctenen Fremden (Ger- Zedek) in Bezug auf Rcchtsverhältniflc und Liebespstichtcn einen wesentlicl»en Unterschied, während der MosaismuS den Frcinden ohne Unterschied Ger und Thoschab ja oft mit beiden Benennungen zugleich bezrichnete. Der MosaiSinus ist mit dem RabbinismuS so innig verwachse», daß er den znm Judcnthuin übergetrctc,«cn Nichtjndcn gerade;«« Geer nennt und da» Ztw. T3 bei ihm die Bedeutung : „zum Jndenthume bekehre,«" hat, „in das Jndenthnm aufnehrnen" und T.4?? „sich zum Judenthnm bekennen." Die Abha««dlung ist mit einigen Abweichungen identisch zu nennen, mit dem von Hrn Dr. E. Hoff im Vereine „Asike Jehuda" seiner Zeit gehaltenen Vortrage: „über Proselytcn" und gestehen wir offen, daß wir. «vürdc daS vorliegende I. Heft de» 8. Jhrg. der Vortrag stattfand, di« Prefle verlaflen haben. unS zur Muthmaßung hätten hinreißen laflen, Dr. Hoff habe sich des Plagiat» schuldig gemacht, wieivol z»vei sehr leicht Eine» Gedanken haben können. Dicsein intcrestanten Aussätze folgt ein geschichtlich religiöser, „die Juden im großen deutschen Bauernkriege 1525" von Alfred Stern und eine krittische Abhandlung dr» Targuin zur Chronik von pd. et med. Dr. M. Rosenberg als Beitrag zur Geschichte der Exegese ne« bearbeitet und mit einer geschichtlichen Einleitung versehen von Dr. Jt Köhler. Fortsetzung in der Beilage.