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Die Gegenwart · 1870-04-08 · 15 (8.4.1870) · p. Seite 147

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
15 (8.4.1870)
Date
1870-04-08
Page
Seite 147 (sequence 5)
Language
German
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— 147 — i chassidischen Secte entsprungen, könnten wir viele anführen, um unsere Behauptung für die natürliche Befähigung dieser Volksklafft zu konstatiren, — leider aber stehen solche dennnoch vereinzelt da und e» ist Zeit Hand anzustgen. um aus diesen finsteren Bergschachtcn die edlen Gesteine alle zu hohlen. In früheren Zeiten wollte die Regierung durch ein Gesetz diesen hier berührten Uebelständen steuern, die sogenannte „Steiger'sche Judenordnungboth Alleauf, diese Secte in diesem Gesetze „Schwärmergenannt, in die Schranken ihrer wahren Religion zurückznsühren, jedoch alle diese Re« gierungSmaßnahmen wurden umgangen, heute jedoch wo der geistige Fortschritt ein allgemeiner geworden, kann nur ein energisches Einschreiten, durch zwangsweise Einrichtung des Volks Unterrichtes, durch Eingreifen der politischen Behörden diesem Uebcl abhelsen, will Oesterreich eS nicht, daß die gebildete Welt eS mit Staunen stets hört, daß mehr als 100.000 österreichische Untcrthanen in solcher Finsterniß noch wandeln, daß da- Lesen einedeutschen Buches mit der größten Schmach durch eine . förmliche Lynchjustiz geahndet wird. Aber nicht nur Wissenschaft, Kunst und Literatur wird von den Ehassiden gebannt, sondern selbst unserer heiligen Religion zuwider — mehreren Glaubens-Dogmen entgegen gehandelt. Es kann daher bei dieser fanatischen Secte von einer Vorschrift, deS Glaubens, — als daß diese jeden geistigen Fortschritt verbietet. — nie und nimmer die Rede sein, denn gerade unsere Religion, die Religion der Juden gebieth et den Fortschritt deS Geistes und des WiffenS. Wir wollen nur beweisen, in wie weit der EhassidiSmuS den Lehren unserer heiligen Religion selbst zuwiederlauft. Die jüdische Religion, die auf geschichtlichen Wahrheiten beruht und die der menschlichen Vernunft so klar einleuchtend überzeugend ist, hat nicht das Licht der Aufklärung zu scheuen im Gegentheil sie macht daS Forschen zur Pflicht Die Thora gebiethet das Streben nach Weisheit und Aufklärung, denn Gott verlangte von uns, zu jener Höhe zu streben, daß die anderen Völker an uns ein „weises" und „verständiges" Volk erblicken, eine „große Ration." — Die Worte im 5. B. M. 4.—0.— „So wah- „ret und thuet sie, denn das ist eure Weisheit und euer „Verstand in den Augen der Völker, welche vernehmen wer- „den alle diese Satzungen, daß sie sprechen: wahrlich „und ein weises und ein verständiges Volk „ist diese große Nation" sprechen diesedeutlich aus, aber auch forschen sollen wir nach Gott „der ewigen Wahrheit" und weil wir nach ihm forschen, sollen wir seine Werke seiner Natur zu ergründen, die Lehre der Natur zu wissen streben, denn wieder ist eS «Gott — und gerade nur durch unsere Religion, wo c^Lebicthet nicht blindlings zu „glauben," sondern zu „erkennen." Nicht in einer Stelle der Thora spricht Gott wir sollen „glauben," — blind das uns Gelehrte für wahr halten, das Wort „gl au? den" kömmt nirgends im Imperative vor, — — sondern wir sollten e r k e n n e n, erkennen kann mau aber durch For« schlingen und Studien und wer entgegen zu forschen und zu studieren verbiethct, — über das Wesen der ganzen Allmacht, wer verbicthrt die Natur um ihre Wunder;» ergründen, handelt entgegen der h. Schrift. Er ist daher nicht fromm, nicht edel, nicht gotte-sürchtig, weil er dem klaren Wortlaut der Gebothc des Ewigen entgegen handelt, welcher uns befahl zu erkennen, genau mit den Worte» 5». B. M. 4. .4L. „So erkenne heute, ie.?e." — also nicht blind glauben, sondern zu erforschen ist dewah rcn Inden Pflicht. — Wir sehen, daß die neuesten Forschungen auf dem Gcbiclhe der Geologie so wie die Ausgrabungen im Oriente, nicht wenig dazu beigetragen haben, die Schöpfungsgeschichte und andere Erzählungen der h. Schrift, — welche die After- Weisen in da- Gebieth der Mythe oder orientalischen Uibertreibungen zu verweisen beliebten. — ins Helle Licht der Wahrheit zu bringen. — Ader auch die Gebräuche, der Synagogen Ritus und ein Theil der Lithurgie, welche die chaffidimitische Secte im Judenthume rinführte, laufen gerade-wegS de« Talmud und Schnlchaa- Aruch zuwieder, was daraus hervorgeht, daß alle Eapacitäten unserer Rabdinen, an deren Spitze der Pra^r Oderrabbiner Rabbi Ezechiel Landau, hochselige u Augedeuke«» steht; — gegen diese rituellen G.'dräuche mit Wort n«fc Schrift ankämpften. (Schluß folgt.) Wocheuchromk. *** Eine Verordnung de- Ministerfür Kultus mit Unterricht betreffend die AufnahmSprüfungen für die unterste» Klassen der. Mittelschulen, wurde vcröffcnilicht. Die Verordnung enthält folgende Bestimmungen: tz. 1. Vom Beginne de- Schuljahre- 1870 71 an ist von denjenigen, welche die Ausnahme in die erste Klasse einer Mittelschule «Gymnasium, Realgymnasium oder Realschule) nachsuchen, ein Zcugniß der Volksschule nicht mehr zu forder n, dagegen haben sie sich einer Aufnahmsprüfung zu unterziehen. £. 2. Diese Prüfung wird unter der Aufsicht de-Direktor-, dann der von ihm hiezu bestimmten Lehrer abgehalten, tz. 3. Bei der Prüfung sind folgende Anforderungen zu stellen: Jenes Maß von Wisse» in der Religion, welches in den ersten vier Jahrcskursen der Volksschule erworben werden kann, F.nigkeil im Lesen und Schreiben der Unterrichtssprache nnd coemueU der lateinischen Schrift, Kennlniß der Elemente aus der Formenlehre der Unterrichtssprache, Fertigkeit im Analniiren einfacher beneideter Sätze, Bekanntschaft mit den Regeln der Orthographie und Interpunktion und richtige Anwendung derselben beim Diklandoschreiben, Ucbung in den vier Grundrechnung-arte» in ganzen Zahlen. V Lob eines Veteranenmitglirde» Verflossenen Freitag wurde der Schneidermeister Herr EmaiiM Jonlof, der im kräftigen Manncsalter durch einen plötzlichen Tod aus dem Kreiie seiner Familie gerissen wurde, zu Grabe getragen. Als Mitglied dco hiesigen .'N.llkairo.rl.rautnoer- - einwurden ihm die Statutenvorschristsmamgen letzte» Ehrcnbezeuguiigeu bewiesen, so war der o:cr>vä:inlgc Gallaleichenwagen. dem eine Aothellung Veteranen m.l den Ja gerhülen ähnlichen Stürmern ivi'cIk.i, 'odan.i die Musikkapelle deS hier garniionirenden Regimentes Herzog von Nassau, di: durch die Munlsieen; des f. k Obersten gratis deigestelll wurde voranfchrillcn. und cuie Abibeilnng Velcralicn folgte, von Fakelträgern umrahmt. Auf dem reichen? wagen selbst lag der Stürmer. Herr Prediger Dr. Hoff hielt an der Bahre des Verblichene» eine ergreifende Leichenrede. die des NeumondrustkageS wegen manchem Orthodoxen Stoff zum Räffoniercl' gegeben 'buben mag. Nua dawäre hier gerade nicht am Platze. Herr Dr. Haff ward« von einer Deputation des Veleranenver.nns eriuchk. über den Verstorbenen eine reichenredc zu hallen. Da deistlde ein unbescholicner Mann war. der zwar nich-, w.e ee manchem Inden io oft beliebt hervorzuheden,;u den . '"stoßen" zählte, aber sich und seine Fainilie ehrlich nnd redlich er..ahne u»L des Kidusch Ha'chem halber eine solche Bille nicht vetweigett werden Durfte, so bat Herr Hoff vom srandpuuklr der Ha« niainlal aus vollkomnikn korrekt gehandelt und die-cr müffea »ilker llinstanden kleinliche Ruckstchteii weichen. Sc. Durchlaucht der Valldeskolllmaudlreiide Fürst Mamenuovo hat sich als ihm der Lcichcnkonduki, geschildert wurde, über denseibr» recht lodend auogeiprochen und sein Bedauern auSgebtückt. die von Herrn Dr. Hoff gehaltene zeichcnred« nicht grtzüet zu haben. V <ki»e Vrfolilit» Dem Valet des Ministrtia»» gegenüber hat der jüdische - Verfaffungsvereln der Deutsche» in Böhmen in seiner zweuen Dienstag statigesundeuea Versammlung den Beschluß einer Resolution in »rr Reichs rathswahlreformfrage gefaßt. Unter, den Rrburr». znmnst

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