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Die Gegenwart · 1870-04-08 · 15 (8.4.1870) · p. Seite 145

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
15 (8.4.1870)
Date
1870-04-08
Page
Seite 145 (sequence 3)
Language
German
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145 sondern auch diese im edelstm Sinne de- Wortezu vervollständigen. Wollen wir noch nicht den Tag vor dem Abend loben, so sprechen wir den Wunsch au-, die nächsten Ereignisse mögen die so oft zur bloßen Fiktion gewordene Au-gleich-frage endgiltig zur Lösung bringen, auf daß öie Völker Oesterreichs da- Jubellicd der Freiheit ansiimmen können. Der Chassidismus f von Louis S t e rna». Der wahrhaft Fromme wird eben, weil er fromm ist. jede dumpfe oder seichte Fröinmelei wahrhaft hassen. Zwei Schwestern sind audem Himmel zu uns nicdergrstiegen, Liebe und stieligion, — die Eine wendet ihr Antlitz nach Unten, die Andere nach Oben, — die Eine scheint sich über unsere Wiege zu neigen, die Andere mit auSgebreiteten Armen an unserem Sarge zu stehen. Nur wahre Religion ist mit Liebe gepaart, sie ist die ideelle Auffassung der ewigen Gottheit, welche selbst die vollkommenste Liebe ist, nicht darf es als Grund-Gedanke nur einer Religion dienen, daß alle übrigen gottgeschaffcnen Wesen verdammt sind, ein Greuel in den Augen des ewig Gütigen, denn er in seiner Gnade wird einstenS Alle zurücksühren zum rechten Erkenntnisie und alle, welche nach des Ewigen Satzungen und Gebote gerecht lebten, werden die „Wahrheit" sehen in ihrer Herrlichkeit. — Gott hat ein Volk auserkoren, so lange die Erde steht den unverfälschten Glauben in seiner Einfachheit und Begreiflichkeit für jene Zeit zu erhalten bis cs der ewigen Weisheit gefallen wird, sich für alle staubgebornen Wesen zu offenbaren. — Wollen wir Kinder Israels unserer großen Aufgabe gerecht werden, nach welcher wir brrufcn sind die wahre, reine Religion, wie wir dieselbe ans den Händen dcS Schöpfers selbst erhalten haben, aufzubewahren in unverfälschter Weise; dann müssen wir unserer Pflicht gerecht werden und Alles von unö stoßen, welches ein Auswuchs an jenem mächtigen nie vergänglichem Stamme unseres heiligen Glaubens ist, — Wir muffen aber dann nicht nur gegen Jene sprc« chen, welche die Gcbothe unserer Religion nicht erfüllen,— sondern in gleicher Weise auch gegen Solche, welche der so cinsachrn GottcSlchrc miftifcfic Begriffe andichtrn, obwohl Gott durch MoscS unseren Gesetzgeber selbst sagte: (5. B. M. 30. 11. 14) „Denn diese« Gebolh, daß ich Dir heute befehle, nicht zu hoch ist eS für Dich und nicht fern ist es" bin. und verlasse» habe meine polnische Hcimath, von Durst nach der Wissenschaft gequält, welche hier lebendig fließen soll. Ich habe die Wahrheit gesucht, wiederholte Lcssing »achdeuklich, aber nicht gefunden. Wer kann sich rühiue», sic gefunden zn haben I Auch wäre sie kein Glück. Nicht die Wahrheit, in bereu Besitz irgend ein Mensch ist, oder *« sein vermeint, sondern die austichtige Muhr, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Werth dcö Mensche». Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Pollkommcnhcit besteht. Der Besitz niacht träge, stolz. Wenn Gott in seiner Siechten alle Wahrheit, und in seiner Linken den einzig innner regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusätze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir : wähle I ich siele ihm mit Demuth in seine Linke und sagte : Vater, gieb! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für Dich allein! (Schluß folgt.) ..sondern sehr nahe ist Dir da- Wort in Deinem Munde und in Deinem Kerzen um e» zu erfüllen;" es deutet dieseman soll die wahre Lehre vom unsichtbaren Gotte nicht mit weiteren Glaubensmeinungen umgeben, welche geradezu dieser reinen Lehre zu wiederlaustnd sind. Nie zwar kann die wahre Religion zerstört werden, eS mögen sich Sekten bilden, es mögen dem Stamme, der echt und rein, wahr und unverfälscht ist, Aefte aufgeprvpft werden, welche nicht aus denselben gehören, der wahre Glaube Israels ist unvernichtbar, den» Gottes Geist durchweht denselben, aber dennoch schaden derlei Auswüchse von religiösen Begriffen so lange, bidie reine Lehre Gemein g n t geworden sein wird und Nichts ist schädlicher' einer ReligionSgescllschaft in geistiger und socialer Beziehung als der Fanatismus, weil derselbe nur zu schnell zum A b e r g l a uden führt. So verwerflich brr Nihilismus ist, so tief der Mensch unter dem Thicre sinkt, welcher keinen Glauben, keine Religion besitzt, eben so tief sinken die Bekenner einer Religion herab, welche im blinden Fanatismus die wahre Urlehrr ihres Glauben» verunglimpfen, — staubgebornen Erdenkt, der» göttliche Kräfte durch eine Inspierirung der ewigen Macht andichtrn, — ihr Seelenheil durch Fürbitte eines Menschen bei Gott gesichert meinen, selbst aber im Herzen oft böse bleiben, — glaubend, die Fürbitte einrS anderen sündigen Menschen allein vermag jede Schuld schon von ih. rer Seele zu wälzen. — In unserer Religion haben wir leider gleichfalls solche Verirrungen zu beklagen, wir unterziehen unS deßhalb der großen Aufgabe dagegen offen und freimüchig anzukämpfen, indem wir die Schwere derselben nicht verkennen. Wir haben jene GlaubenSart, „den E hasst d i S m u S" genannt, — Nicht wollen wir gegen die Anhänger desselben mit rauhen, spitzigen Waffen zu Felde ziehen, wir betrachten fort und fort dieselben als unsere geliebten GlaubcnSbrüdrr, — doch nur der ist n„S Freund — welcher nach seinem Dafürhalten unsere Fehler tadelt. — Wir, als diejenigen, welche nach unseren schwache» Kräften die Lehre unserer heiligen, ererbten Religio» zu schützen und zn erhalten unS berufen fühlen, muffe» »ns mitte» — zwischen dem EhassidiSmuS und N i h i l i S >» u s stcllen;— denn in Medio est virtus. — Durch das Vergleiche» beider Ertremc wird die mit denkende, miffühlende Seele das wahre, reine, erhabene un ferer Religion erst erkennen, jene Mensche», welche -- mit unö denken — werden dann von der Erhabenheit und Grö ße unseres Glaubens um so mehr überzeugt sein. — Wir sind gewohnt jede Frage, welche wir unserer schriststellrri schen DiScussion unterziehen wollen, von, Ursprünge aus zu beleuchten, und wollen daher mit der Eiitstchiingsgeschichtc deS sogenannten EhassidiSinnS beginnen: - Der EhassidiSmuS ist rin schädlicher Auswuchs, ein haftender Krebs an dem Iudenthume, wie ein dunkler schatten breitet er feine Finsterniß über einen große» Dhcil der jüdischen Nation und schließt ihren Sinn und dnS Her; für bessere Erkenntniß und für jede Aufklärung. -- Er ist die Schmarotzerpflanze, die sich >»» de» edle» Baum „Religion" rankt und dessen Kräfte n»d Säfte a» sich ziehe» will. Die Mutter de« EhassidiSmuS ist die ttaballa aber auch diese ist keine echte Tochter des^ Iudtiithuines, sie hat sich in dasselbe hineiiigeschlichen und wird nun leider als ein echtes Kind desselben betrachtet. Der Forscher aber kennt ihren Ursprung,* er weiß ihren Stammbaum zu verfolgen, sie an ihrer Wiege aufzusuchrn „nb muß dann diese Lehre der Kaballistik eigentlich als eine Tvchtrr des „N e u -'P l a t o ni s m u S" brzrichne». — Jene Lehre, die im grauen Alterthimic ihre» Ursprung hat, die ihren Sitz sogar schon i» de» Alcxandrinischen Schu len aufschlug und später derartige Dimensionen annahm, daß sie den eigentlichen Impul» zur rapiden Verbreitung de« Ehristenthum« gab Hot sich sehr lange erhalten. Der Neu PlatonikmnS rief im Mittelalter die sogenannte „guoftischr Schule" hervor, eben diese Lehre hat gleichfalls dann unter den 15*

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