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Die Gegenwart · 1870-04-01 · 14 (1.4.1870) · p. Seite 138

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
14 (1.4.1870)
Date
1870-04-01
Page
Seite 138 (sequence 6)
Language
German
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Welt«ttvasch«ng»»Theorie de» Jpdrvthu«»!!! Nachdem er noch einige Zeit dem Publicuck und der neuern Blbelforschung den Kopf gewaschen, schloß seine Eß- -und Trinkpredigt Herr Dr. Güdemann, der jüdische Klinkow« ström.—Dem Schreiber voranftehenden Artikel», wahrschein«!ich zu den Feinschmeckern und obendrein zu den Bielfressrrn gehörig, schien die Abhandlung de» Dr. Güdemann über da- Gebot rituell zubrreiteter Speisen, da» einen wesentliihen Bestandtheil der jüdischen Gesetze bildet, nicht behagt zu haben, weil er eine Beschränkung seiner Speisekarte befürchtet hat. Man kann allerdings ein Stück an» einer Predigt herauSreißrn. um diese, nach Art des Ehakespearischen Otello in Otellerl, zn persifliren und die Lacher auf seine Seite zu gewinnen, ohne die Idee, die der Predigt zu Grunde liegt, anzuführen. Wovon sollte Herr Güdemann denn sprechen? etwa, daß bei den drei Rahen da» Märzenbier besser und gesünder sei als im Winterbierhause oder, daß das Schwei« nerne und die Schnitzel bei der Kugel besser, größer, und billiger sind als im Lamm? Unseres Erachtens pach, gehö« reu die lüdischen Sprisegesrtze auf die Kanzel und wer von ihnen Gebrauch machen will, handelt nach der Tradition, Hver nicht, der hat es mit seinem Gewissen abzumachen. Stellt der Schreiber jener Schnitzelapvlogie jedoch den Magen höher über Gewissen und Religion was hat ihn die Predigt Dr. Güdcmann's zu inkommodiren und sie gleich zu einem politischen Leitartikel eines TagblattcS zu machen, hindert ihn die Predigt, seinem gastrischen Verlangen Genüge zu leisten, so schaue er sich in Wien ein wenig bes« ser um, vielleicht gibtS dort noch einen Prediger, der ihm Absolution für nicht koschere Backhühnl ertheilt. (D. Red.) Antwort aus die antiquarische Frage des Hrn. Dr. A. Stein In Nro. 12 dieses Jahrganges veröffentlichte Herr Dr. A. Stein eine antiquarische Frage an die Prager Tal« mudgelehrten; vielleicht wird er aber auch die Meinung ei« ncS ״Draußigcn" cntgcgcnnchmcn. Vor allem wolle Herr- Dr. Stein die von ihm angeführte Stelle des Talmud San« hedrim 29. b. abermals nachschlagcn und sich überzeugen, daß der Ausdruck des Talmud mit dem des Grabsteines nicht analog, denn im Talmud heißt es: "עכברא השביב אדינרי »Eine Maus, die aus dem Gelbe liegt," am Grabstein hin« gegen steht:״ "עבבר דטניב עם מרץ״eine Maus, die mit dem Gelbe liegt." Ferner muß erwähnt werden, daß das Wort Sonach eine andere Bedeutung hat, und zwar ״gestorben." Endlich ist aus den biografischen Notizen des Gal-Ed (S.17) zu ersehen, das man mit Sicherheit annehmcn konnte, daß die Erben MciselS von dessen Vermögen keinen so edlen und humanen Gebrauch' machen werden wie der Erblasser, da sich noch bei dessen Lebzeiten seine Frau weigerte, eine gewisse Summe an die Armen auSzufolgrn, was zu einer är« gcrlicheu Szene Anlaß gab. Ja noch mehr, die Regierung ließ endlich sein ganzes Vermögen konfiöciren und aus all« dem kann man mit Gewißheit annchmrn, daß der Verfasser der Grabschrift die Worte dcS Talmud nur zu einem sögenawntcn ״Witzwort" entlehnte, und damit sagen wollte: מרדני ענני .השביב עדינרי Mordechai Meist ist gestorben mit seinem Vermögen; sein Vermögen ist mit ihm abgc« storben. Somit ist hier auch das Mort עבבד die Uibersetzung dr» Namens Meist. Neuzcrrkwc am 2t». März 1870. Isak Pollatschel, Rabbiner. * * * Moderne Antwort aus eine antiquarische Frage. Herr Dr. A. Stein, Rabbiner und Prediger an der hiesigen Meiselsynagoge, hat in Nro. 12 -ieser geschätzten Elütter an die Prager Talmudgelehrten folgende Fragen gestellt: In welchem Sinne sei die Metapher ״עגנו־ השביב עם דינרין* auf dem Grabstein dr» wohlthätigen Mordechai Meisel s. A. aufzufassen? da doch dieser bildliche Ausdruck unmöglich in der Bedeutung konnte angewendet worden sein, die er im babilonischen Taknrud (Sanhedrin 29, d.) hat, wo er zur Bezeichnung der Untugend eines Geizigen gebraucht wird. — Herr Dr. Stein ersuchte zugleich die Prager Talmudgelehrten sie mögen im Jntereffe der Sprach« und AlterthumSforschung in diesen Blättern hierüber Auf« schluß geben. — Wir wissen zwar nicht, ob während wir diese» schreiben, nicht schon von andern Talmudisten genügende Antworten auf diese Frage in die löbl. Redaktion dieser Zeitschrift eingelaufcn sind; doch im Interesse der Wahrheit wollen auch wir eine, wie unS scheint, richtige Antwort in gedrängter Kurze hier folgen lassen. Vor Allem muß hervorgehvben werden, daß die Meta« pher auf dem Grabstein des secl. Meise! nicht identisch ist mit der angeführten Stelle int babil. Talmud; denn dort heißt es: "'״עכנר השביב אדיגד was Raschi sehr richtig erklärt, mit: "2M ״כעכבר זד. ששוכב על דינרא und demnach ganz genau die Untugend eines Geizigen bezeichnet, der auf dem angrhäuften Gelbe liegt, während auf dem Grabsteine Meisels ״עכבר דשניב עם העריך steht, also nicht auf sondern mit dem Gelbe. Daraus erwächst aber erst die eigentliche Frage, wie dies "״עם דינרין aufzusassen sei? Sollte damit etwa gesagt sein, daß mit dem Ableben MeiselS auch sein Neichthum gleichsam abgestorben sei, daß mit ihm auch seine Schätze zu sein aufgehört haben? Welcher Ruhm wäre dies? Welcher Nachruf einem Manne, der auf ebendemselben Grabstein als: "״יחיד בדורו בצדקה בנדיבות לעניים ולעשירים al» einzig im Wohlthun und Almosenspenden bezeichnet wird?! — Daher glauben wir, daß dem Verfasser der ge« nannten Inschrift beim Niederschreiben dieses bildlichen Aus« drucke» eine andere, darauf bezügliche Taltnudstelle in Baba Batra 11. a. vorschwebte. Dort wird von einem Könige Mombaz der zum Judenthume übergetreten ist, rühmend erzählt, daß er zur Zeit einer HungerSnoth seine und seiner Väter Schätze verwendete, um die darbenden zu speisen und am Leben zn erhalten. Als ihm aber vott seinen Brüdern uttd Verwandtcn der Borwurf gemacht wurde, daß er die ererbten Hab« seligkeiten verschwende, während seine Vorfahren mit demsel« den geizten und sie noch vermehrten, da crwiederte er ihnen unter anderem: "״אבותי ננוו לעולם הזה, ואני ננזתי לעולם הבא meine Väter häufte» Schätze für diese Welt, denn nach ihrem Tode blieben dieselben zurück; ich aber sammle für das bessere Jenseits, weil meine Reichthümer, die ich zu edlen, wohlthätigen und gemeinnützigen Werken ver« wende, mich in die zukünftige Welt begleiteu werden.— Um also auch den sel. Mordechai Meisel als einen solchen edlen Wohlthätcr zu bezeichnen, bediente sich der Verfasser der Grabsteininschrift der Metapher "!״עכבר השביב עם הינדי Meisel habe sich gleichsam all das Geld, das er hienieden zu wohlthätigen Zwecken verwendete, ins ewige Jenseits mitgenommen. — So muß, unserer Ansicht nach, der in Frage gestellte symbolische Ausdruck aufgesaßt werden. — Wer jedoch gegen diese Auffassung etwas einzuwcnden hätte, möge es in dieser Zeitschrift veröffentlichen. Prag im März 1870. M. H. Wien 29. März (O.-K.) Der in der Vorstadt Margarethen neucreirte Verein ״Machsike Thora", von dessen Gründung ich Ihnen vor Kurzem berichtete, feierte diese Woche ein recht gcmüthlicheS Fest bei Gelegenheit des Abschlusses vom Talmudtraktate (SchabbaS). Bei Hrn. Deutsch versammelten sich viele Gäste und die meisten Mitglieder. Unter den Geladenen war auch der hiesige RabbinatSassesor Sr. Ehrwürden Rabbi Salomvn Spitzer, der dem Festessen durch seine besonder» gelun- -ene Rede die eigentliche Weihe verlieh. E» ist immerhin

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