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Die Gegenwart · 1870-04-01 · 14 (1.4.1870) · p. Seite 137

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
14 (1.4.1870)
Date
1870-04-01
Page
Seite 137 (sequence 5)
Language
German
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137 ton Hostien Blul und Fleisch verwendeten, um so leichter fassen konnten, als diese das Blut und Fleisch Christi symbolisirten und den Christen nicht verboten ist, irgend eine Gattung von Blut nicht" zu genießen. Dieser Verdacht, der damals-ans die Christen fiel, fand Rechtfertigung durch die Secte der Gnostiker und Cataphryges, welche zur Hostie Kinderblut gebrauchten, das sie mit Nadelstichen gewonnen hatten. Demohngcachtet wird eS keinem gebildeten Juden aller Zeiten eingcfailen sein, überhaupt einen Menschen zu beschuldigen von dem Blute eines Menschen Gebrauch gemacht zu haben. Man ist sich dessen klar bewusst, woher heute die gewöhnlich zu den Passahfesttagen auSgestrcuten Gerüchte des Genusses von christlichen Kinderblute rühren, und welchen Zweck sie haben, so klar ist man sich dessen, wie man überzeugt ist, daß die Quellen, auS denen sie stammen, sehr trübe und morastig sind und die in Wort oder Schrift durch solche perfide Calumnien so sehr Execllirenden, die Falschheit eines so nichtswürdigen Vorwurfes kennen. Jeder Christ, ohne Theologe zu sein, kennt die dem Juden vorgcschriebenen Gebote, er weiß, daß denselben der Genuß irgend welchen Blutes selbst in der kleinsten Quantität auf das strengste im Namen Gottes verboten ist, wie cs das 3. B. M. 23—27 und das 5. B. M. 12. 23 ausdrückt, er weiß ferner, daß sich das sechste der GotteSgebote: „Du sollst nicht tödten" auf das ganze Menschengeschlecht bezieht, sondern auch die heilige Schrift im 2. B. M. 21. 20 strenge und zwar bei Todesstrafe jeden Mord an einen Nichtisraeliten verbietet. Ueberdieß ist cS gerade an den Passahfesttagcn den Israeliten nicht erlaubt, die geringste Säure in das Gebäck zu bringen, oder dergleichen, was Gährung oder Säurung erzeugen könnte, wie sie gerade durch Blut hervorgerufen werden. Nicht minder verhält cs sich i.-.it dem Weine, der aus eigens rituell vorgcschriebenen Wcinpressen hervorgeht, um den Zutritt eines fremden Körpers zu verhindern. Abgerechnet von vielen anderen Gründen, die einem solchem lächerlichen Vorwürfe Hohn sprechen, findet sich, wie jeder wohl weiß, weder in der heiligen Schrift noch im Talmud die geringste Spur von dieser den Juden in perfider Weise imputirten verbrecherischen Vorschrift in Bezug auf Genuß von Chri« stcnblute. Wer darüber noch im Zweifel ist, der ist nicht würdig der menschlichen Gesellschaft anzugehörcn, der »st reif für das Irrenhaus. Enthielten sie irgend eine Spur, so wäre diese gewiß von den Kirchenvätern und Männern von geistlicher Bedeutung und Kenntniß orientalischer Sprachen wie EraSmuS von Rotterdam, Ritangel, Buxtorf, 33iichacliS, Herder, Jahn u. f. w. aufgedcckt worden. Ja vielmehr der erbitterte Judenfeind Eisenmenger, der in seinem „entdeckten Judenthnm" (1700) die pikantesten Stellen aus dem Talmud und den rabbinischen Büchern zusammengestellt und mit beißenden Randglossen versehen hat, konnte keine Stelle ausfindig machen, die für den blöden Vorwurf spricht, und er war es, der aus den Hauptgrundsätzen der jüdischen Religion, welche die Nichtigkeit jenes Borwurfs resultircn, den Satz deducirte: „Eö könnte also hieraus geurthcilt werden, daß den Juden in dieser Sache Unrecht geschehen sei." Der berühmte französische Bischof Fleurh sagt in seinem gelehrten Werke Historie Ecclcsiastiquc (Theil 12 S. 579): „Einige Schriftsteller behaupten, daß die Juden Liese Grausamkeiten begingen, um sich Christcnblut zu verschaffen und eö zu Arzneien oder Schwarzkünftlcrcicn ju, ge brauchen, aber die Gründe, die sie angeben, sind so unwürdig und frivol, daß ich sie nicht anzuführcn vermag." Daß diese grausame an der äußersten Grenze der Vernunft angelangte Procedur der Tödtung christlicher Kinder von jüdischer Hand nie als ein versuchter oder gar vollzo. gener Akt bewiesen werden konnte, weil eben die Wahrheit fehlte, sondern nur als eine bloße Beschuldigung von den fanatischen Feinden der Juden ausging, erhellt deutlich, daß sie selbst Päpste wie Alexander I. Urban IV, Gregor IX. -in Schutz nahmen. Zur Zeit der Regierung de» Papste» Benedikt XIV. im Jahre 1753 denuncirte «in polnischer Jude, die Juden beim päpstlichen Stuhle mit gravirenden Thatsachen, des Blntvorwurfs, die wie man eS sich leicht denken mag, einer sehr strengen Prüfung unterzogen, sich unter der Regierung Clemens XIII. als eine bloße Anklage erwiesen, die schließlich den Beweis der Unschuld und die vollste Genngthuung der angrschuldigtcn Juden zur Folge hatte. Man kann alko deutlich sehen, daß der leider noch heute kolportirte Borwurf ein höchst ungerechtfertigter ist, der den in den untersten Schichten des Volkes herrschende» Obskurantismus kennzeichnet, welcher sich mit der Muttermilch fortpflanzt. Wiewol die Verbreiter solcher hirnverbrannter Beschuldigungen wohl wissen, daß sic mit diesen ein Attentat auf die gesunde Vernunft auSübcn, lassen sie Lüge für Wahrheit gelten, kümmern sich um BernunftSgründc sehr wenig, nxmt fit nur ihre Schakal ähnliche Blutgier, den der Fanatismus erzeugt, stillen. Ob schuldig oder unschuldig da» bleibt sich gleich, ob der Humanität entsprechend oder da» Rech tSgefühl verletzend, das hat für diese religiösen Verfolger denselben Werth, wenn sie nur den Zweck erreichen, den sie verfolgen. „Blut ist ein ganz besonderer Saft" für teuflische Naturen, für den Juden, der in dem Blute toben, in dem toben das Höchste, das ihm Gott gegeben, erkennt; eine viel zu abschreckende Materie, die er wohl selbst unter Hintansetzung seines eigenen Gebens zu vergießen bereit ist, wenn e« sich um Rettung des Gebens eines Anderen, welcher Religion immer angchörig, handelt, aber nie in solcher Weise zu benützen sucht, wie cS die Clerisci gerne haben möchte. ES ist allerdings ein trauriges Schiboleth eines gebildeten Zeitalters, in dem die Civilisation zum leitenden Princip geworden, daß solche mittelalterliche Nachtfaltergcschichten in verncnerten Auslagen von einem Stande auSgehen, bei dem die Verpflanzung der Moral, der Wahrheit und., Humanität vorausgesetzt wird, ein noch traurigere» Zeichen t>7r Zeit aber, daß im Volke noch immer ein Boden sich findet, auf dein die hingcstrcutcn Samenkörner der totje und Verleumdung Wurzel fassen und in die Halme schießen. Die geistige Entwickelung der Juden, war der Clerisei immer ein Dorn im Auge und dort nie gerne gesehen, wo man den Juden als einen Cultur träger gerne vernichtet wissen wollte. Wenn nun der civilisirten Welt der Jude al» ein mächtiger Faktor erscheint, der in die Rechnung de» Weltverkehrs mit ein bezogen werden muß, so muß wenigsten» der Pöbel hcrhalten und zwar, da Raub und Mordgcschichtcn zu seinen tocblingsidccn gehören, die BlutbcschuldigUNg zu einer toeblingSidee gemacht werden, denn „Blut ist ein. ganz besonderer Saft." I*. Journalistik. Unter dem Titel „Ein jüdischer Lrliukowflröur" bringt die „Presse" folgenden Artikel: Herr Dr. Güdemann, der du rch seine unruhige Beweglichkeit auf der Kanzel sehr stark an Pater Klinkowström erinnert, hat letzten Samstag seine Zuhörer mit dem würdigen Gegenstück zu einer Fastenpredigt, mit einer Cß- und Trinkprcdigt nämlich beglückt. Cr bekannte sich zu dem jesuitischen «Grundsatz: „Der Zweck heiligt die Mittel" auf eine höchst originelle Weise. Der große Zweck der Seibstcrzichung und Heiligung de» Menschen werde nämlich Lurch die Mittel eines koschcrn Essen» und Trinken-, verbunden mit einer Beigabe von Tugend und am Besten erreicht, dadurch aber werden diese Mittel darunter das koscher? Essen und Tnnken geheiligt. (Wir hätten also vertilgbare Heilige, heilige Beefsteaks, Schnitzel u. s. w.) Auch heilige» Wasser habe da- Judenthum, da» Wasser nähmlich, womit der gltinbige Jude sich vor und nach dem Mahle die Hände wäscht. Da» ruft der Redner im höchsten Patho» au», fei die große Weltanschauung, die

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