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Die Gegenwart · 1870-03-25 · 13 (25.3.1870) · p. Seite 129

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
13 (25.3.1870)
Date
1870-03-25
Page
Seite 129 (sequence 7)
Language
German
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129 und in dieser Kunst sind die Klerikalen Meister. Um auf da- Leichenbegängniß zurückzukommen. sei noch erwähnt, daß der Verstorbene in seiner Uniform, in welcher er als Hauptmann gekämpft und geblutet und welche von zahlreichen'Kugeln durchlöchert ist, beerdigt wurde. Der Krakauer Gesang, verein stimmte am Grabe da- Lied „Bei Warschau schw uren" an. ' Ausland' Folgende ergötzliche BelehrungSgcschichte wird aus Regens bürg gemeldet. Vergangene Woche trat ein junges äußerst anständig gekleidetes Frauenzimmer in den Schnittwaarenladen des Israeliten S. sich als Nichte des Stadtpfarrers D. vorstcllend und mit dem Begehren, ihr zur Auswahl schwarze Seidenstoffe vorzulegen, da sie wegen Ableben der Köchin ihres Onkels Trauer anlegen müsse. Nach kurzer Wahl hatte sich die holde Trauernde entschieden und ließ sich für ein Kleid hinreichenden Stoff mit dem Bemerken vom Stücke schneiden, man möchte ihr, da sie natürlicher Weise als völlig Unbekannte nicht verlangen könne, daß ihr Credit eröffnet werde, den Stoff durch Jemand, der sie jedoch so» fort begleiten möchte, zu ihrem Onkel schicken, welcher die Rechnung unverzüglich honoriren werde. Diesem Ansinnen wurde cbenfals entsprochen und die jüngere Tochter des Hauses ging mit der listigen Gaunerin nach dem Pfarrhofe. Als Beide vor dem Zimmer des angeblichen Onkels angekommen waren, trat die Nichte in das Zimmer des Pfarrers, worin sie jedoch nur kurze Zeit verweilte und im Heraustreten der Wartenden bedeutete, nur cinzutreten, der Onkel habe das Geld bereits hergcrichtet, worauf sie auch ohne Zögern den Stoff anSgehändigt erhielt. Doch denke man sich das Stau» uen unseres hübschen schwarzäugigen IudenmädchenS, als der Her? Stadtpfarrer, nachdem er ihr einen Sitz geboten, ungefähr mit diesen Worten die Unterhaltung eröffnete: „Nun, mein Kind, sagen Sie mir ohne Rückhalt, wünschen Sie wirklich so ganz aus eigenem Antriebe Ihren Glauben zu verlassen und überzutreten in den Schooß der katholischen Kirche?" Daß auf diese Einleitung nur eine kleine Pause und dann Erörterungen eintraten, ist wohl selbstverständlich; doch bis sich endlich beide genügend verständigt hatten, war die raffinirte Gaunerin verschwunden und konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Paris. In der Sitzung am 9. März des Centralcomitcs der „Alliance universelle“ wurde auf den großmüthigen Vorschlag des Herrn Albert Eohn beschlossen, daß dreiß i g polnische Waisen sollen adoptirt und in die verschiedenen Institute Paris untcrgebracht werden. Herr Albert Eohn dcr vor keiner Schwierigkeit znrttckschreckt, unterzieht sich selbst der Mühe sie;u plaziren und für ihren Unterhalt zu sorgen. — Hr. Vainberg, Doktor der Philosophie und dcr Rechte an den Universitäten zu Leipzig und Berlin, hat am 10. März in der Sitzung des Vereins der „vergleichenden Gesetzgebung," unter dcr Präsidentschaft dcr Hrn. Laboulaya über die „Stellung der Advokaten in Preußen," mit vielem Beifalle gesprochen. Colmar. Der Vorstand hat zwei sehr weise Beschlüsse gefasst; erstlich die Beschränkung der Anzahl und der Länge der „Mi-Scheberech* und dann die Verpflichtung derjenigen Personen „welche Gegenstände in den Tempel zum Gebrauche beim Kultu« deponiren, das EigenthumSrecht zu entsagen. Dcr Vorstand hat aber die Garantie zur Erhaltung der geschenkten Gegenstände gegeben. London. Sir Moses Montefiore theilt dem Jewish Chronicle mit, daß er bereits seinen Glaubensgenossen in Jerusalem UnterstützungSgelder geschickt, nebstdem aber auch 100 Pfund Sterling für die Christen und 100 Pfund für die Muselmänner. Auch haben sich bereits Comitr«, um die Leiden der Einwohner de» heiligen Landezu mildern gebildet. L. Jerusalem. In einem von Herrn Albert Cohn air die „Revue israelite“ gerichteten Schreiben wird ein Bericht des Herrn Dr. London, Chefarzt de» Spital- Meyer von Rothschild über den Zustand desselben mitgethcilt. Nach diesem Berichte sind vom 1. Jänner bis .11. Dezember 1809 im Spitale 450 Kranke behandelt worden, worunter 207 Männer und 189 Frauen. Dcr Nationalität nach waren e» Türken, Russen. Pohlen. Ocsterrcicher. Franzosen, Marokkaner, Perser und selbst Indier. Auch waren alle Gewerbe beinahe vertreten. GratiS^ehandelte. ambulante Kranke, die auch die Medikamente umsonst erhielten, waren 21.1.'1.1 nämlich 9.858 Männer und Knaben, und 11.275 Weiber und Mädchen; davon 12.040 Israeliten, 0.0.14 Musclmän. ner und 1.453 Christen, verschiedenen Konscssionen angehörend. Diesem Spitale wurde die hohe Ehre zu Theil von Se. Majestät dem Kaiser von Oesterreich und vom Reichskanzler, Herrn Grafen Brust besucht zu werden. Die Kosten dieses Spitals bestreiten die Familie Rothschild. Hr. Dr. London entwirft in folgenden Zeilen die höchste tranrige Lage der Bevölkerung Jerusalems, welche jetzt von dcr Geißel der HungerSnolh und dcr Heuschrecken heimgesncht wird. „Seit drei Monaten haben wir keinen Regen, vergeben« sehnt sich die Vegetation nach einem Regentropfen. Täglich kommen Massen von Heuschrecken, die die letzten Reste der Pflanzen wegfressen; der Preis der Lebensmittel steigt so, daß die Armen sich nicht erhalten können, und sich nicht erinnern können je so hoch gewesen zu sein. Gebe Gott, daß im nächsten Sommer keine Epidemie ans diese Landplage folgen möge!" Hr. Albert Cohn fordert auch um Einsendung milder Beiträge für die unglücklichen Nothleidenden auf. Jan-Fransisro (Amerika) Zu Folge eines Schreibens der „Alliance universelle“ in Betreff dcr Israeliten in Russland hat Herr Picciotto ein Meeting veranstaltet, welches den Zweck hat, sowohl die Einwanderung nach Amerika oder ins innere Russland zu befördern. K u u st, T h e a t e r » n d Liter a t u r — Herr Alfred Grünfcld, ein geborener Prager, über dessen künstlerische Befähigung sich so viele TagcSblättrr ausgesprochen haben, hat sich letzthin in einem Konccrte der Berliner Akademie der Tonkunst, deren Schüler er war, sproducirt. Wie wir in Berliner Blättern lesen, präsentirte er sich als ein begabter Komponist und trefflicher Pianist, der eine vorzügliche, stets saubere Technik mit Glan; des Anschlags, Bravour und lebendigem Vortrag vereinigt. — Frau Gompcrz - Bettclheim wirkte bei einer Soiree mit, die vor mehreren Tagen im Salon des Freiherrn TodeSco stattfand. Dcr Wiener Fcuilletonist eines Brünner Blattes theilt hierüber folgendes mit: „Es war eine glänzende Versammlung: Minister - mit dem stet« lächelnden Reichskanzler an dcr Spitze — Künstler, Thcaterdircktoren, Schriftsteller und reizende Damen drängten sich in den von Rahls Meisterhand gcschmncktcn Räumen, aber dcr Glan; dcr zahllosen Ordcnssterne verblich, der Prunk der Toiletten ermattete und der Frauen blendende Reize traten m Dämmerung, als Frau Gomperz-Bettelhcim eine ihrer Mcisterleistungen, Schubert'» „Erlkönig“ und ein Lied von Rubinstein — beide von diesem selbst beglet« tet — mit der vollen Macht ihre« begeisterten Ausdruck» vortrug 1“ Böhmische Bühne. Die am Samstag stattgehabte 'Aufführung der Oper „Troubadour" zu einer sehr gelungene» gemacht zu haben, war in erster Reihe da» Verdienst der Künstlerin Frl. Bubrnitek, die di« Partie der „Leonore* i sowol wa» lebendigen Vortrag, al» scharfe Accentuirung betrifft, meisterhaft durchgeführt, in zweiter Reihe traf da»

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