Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 13 (25.3.1870)
- Date
- 1870-03-25
- Page
- Seite 126 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I 126 i Au solchen scheußlichen Verbrechen führt ConfessionSlosigkeit" mögen die Aufgeklärten darüber denken waS sie wollen, der Jude und seine sechs Mitschuldigen sollen am 25. d. M. durch daS Schwert vom Leben zum Tode befördert werden. .Zu der dummen Geschichte, fügt die „neue freie Presse" hinzu, hat wohl da» vor einigen Wochen in den minder gebildeten Kreisen Wiencolportirte Gerücht Anlaß gegeben, man habe in einer der Borstädte, da,wo die letzten Häuser stehen, einen Menschenschlächter entdeckt. Das Ganze ist nichts als eine plumpe und ganz dumme Lüge. So werden, um nicht bloß der unschuldigen Jugend anstatt Nieritz belehrende Erzählungen oder EampeS Reisebildrr zur Bercdelung des GemütheS in die Hand zu geben, erdichtete Mährchen von jüdischen Trinkern christlichen Blutcö aufzntischen, sondern auch den Janhagel zum Judenhaß aufzureiz n, haarsträubende Histörchen fadricirt, um daS ungebild^:: dumme Volk noch ungebildeter und dümmer zu machen. Und dicß findet zumal in Deutschland und in deutsch sein wollenden Städten Boden, wo die vielgepriesene deutsche Intelligenz andern als „barbarisch" verschrieenen Ländern zum Muster aufgestellt wird. Man lese nur die TageSblättcr, wenige ausgenommen, die in Preußen erscheinen, und man wird finden, wie sie vom Judenhaß durchwirkt sind, der immer intensiver wird, je mehr die Intelligenz Brodneid hervorruft. Verirrt sich einmal ein slavischeS Blatt und bringt in seinen Spalten eine Notiz oder einen Artikel ähnlichen judenfeindlichen Kalibers, der nur NationaliiätSmotivc zu Grunde hat, so werden die Slaven des Judenhasses geziehen, während man den historisch nachgcwiesenen, in Deutschland zur Epidemie gewordenen und noch heute tief eingewurzelten Judenhaß mit der „deutschen Intelligenz" zu übcrtünchcn sucht. Das Leben nach dem Tode. (Schluß.) Bei den Juden scheint der Glaube an die Auferstehung und Wiederbelebung der Todtcn sich besonders in den Zeiten der großen Synagoge und der jms. eingebürgert zu haben, wie die zu jener Zeit abgefaßtcn Gebctstücke Zeugnis davon oblegen. Biele Völker des AltcrthumS, die im Tode nicht das Ende des Daseins, sondern den Anfang zu einem neuen Leben sehen, stellen daS Leben nach dem Tode dem irdischen entweder gleich, oder sie stellen daS letztere über das crstere. Dieser Ansicht scheinen auch die Juden zur Zeit der Abfassung der Mischna in der ein zweites Leben oft genannt wird, der Fall gewesen zu sein. So vergleicht Rabbi Jakob diese Welt mit einem Borhof, die künftige Wcl^ aber mit einem Palast und eine Stunde Seclcngenusseö im künftigen Leben wird von ihm höher angepriescn als alle Freuden des irdischen Lebens, llnd verzichteten die Acgypter für das Leben auf alle Pracht, so waltete bei ihnen im Tode, als bei dem Uebcrgang in ei» schöneres Dasein ein um so größerer Prunk und bei keinem Volke dürften Leichenbegängnisse so glänzend gewesen sein, wie bei den Acgyptern. AuS dem Gedanken der Fortdauer des persönlichen Dasein» oder de» WiederbeledenS nach dem Tode entspringt der verschiedene TodtenkultnS der Völker. Die Grabdenkmäler altegyptischer Könige, die hiinmelhohen Pyramiden, die staunenswerten nordischen Hünenbctlcn, die verschiedenartigsten Tobten- und Grabhügel, alle verdanken ihm ihre Entstehung. Diese Pyramiden, Hünenbetten, Grabhügel und Gräber ind geheimnisvolle Todtenhäuser, in denen der Verstorbene ein jetzige- Dasein fristen und die Pforten, durch die er in ein neues Leben eingehen soll. ES folgt ihm dahin reicher Schmuck, eS folgen ihm auch seine Waffe, sein Schwert und seine Lanze, rituelle und kultuelle Gegenstände; denn auch im Tode soll er leben, er soll kämpfen und ringen, soll als Heide, Muselmannn, Christ oder Jude sein neues Leben antreten. Ihm folgt auch dahin Speise und Trank-; denn weit ist der Weg, den er jetzt betreten soll; es folgt ihm endlich alles, waS ihm im Leben theuer war. So besteigt noch heute bei den Indiern die Gattin nach dem Ableben des ManneS den brennenden Scheiterhaufen, um ihrem Gatten auch im andern Leben zur Seite zu stehen. Die Pietät gegen die Todten wurde in allen Zeiten auch bei den Juden sehr beachtet und eine würdige Leichenfeier war zu jeder Zeit in Israel Sitte und die Todtenbestattung und Todtenbekleidung bilden eine öffentliche Ceremo« nie. Nur pflegen die bei der Leichenfeier stattfindenden Ehrenbezeugungen ins Uebertriebenc und Lächerliche zu übergehen. So pflegte man werthvolle Effekten nebst riechenden Gewürzen ins Feuer zu werfen, um den Verstorbenen dadurch zu ehren, oder pflegten Aeltcrn, um dem Schmerze über das Hinscheiden ihrer Kinder Ausdruck zu verleihen, die Leichenbahren, worauf ihre Kinder lagen, mit th'euern Gewändern zu bewerfen, die dann mit begraben wurden. Später gienz man in dieser übertriebenen Ehrenbezeugung sogar so weit, daß man die Todten mit den kostbarsten, mit Gold und Silber reichlich verzierten Gewändern bekleidete. Ob bloße Achtung vor den sterblichen Ueberresten des Entschlafenen oder irgend noch ein anderer Grund die Anregung dazu gegeben hatte, bleibe unentschieden. Der reiche, im hohen Ansehen stehende Patriarch Rabbi Gamaliel hatte zur Unterdrückung dieser eitlen Sitte den ersten Impuls gegeben. Er befahl nämlich in seinem letzten Willen seine Leiche bloß in einfache weiße Leinwand zu hüllen. Das Beispiel fand allgemeine "Nachahmung und zu Zeiten R. Papa b. Canan (300—375) soll der zur Bestattung einer Leiche verwendete Stoff nicht höher als auf einen SuS (6'/, Sgr.) zu stehen gekommen sein. Die Pietät gegen die Todtcn. ist in Israel noch in neuester Zeit nicht erkaltet. Mit seltener Pedanterie wird jjede kleinliche Ceremonie beachtet und einem Verstorbenen einen letzten Dienst erweisen, darauf ist zu jeder Zeit hoher Wert gelegt worden. Und wenn Kinder, nahe Verwandte den starr daliegenden menschlichen todten Körper, dem alle Funktionen der Bewegung fehlen, vor seiner letzten Reise Abbitte thun, oder die in kühler Erde Schlummernden zn ihren Fest- und Feierlichkeiten laden und in Noth und Gefahr um Fürbitte anflehcn, dürfte das Zeugniß davon ablegen, daß der Gedanke an irgend ein Weiterleben nach dem Tode auch bei unserer Generation nicht ganz erloscheu ist. * * * Der geehrte Korrespondent dieser Zeitschrift, Hcrr^Jgn. Baum, äußert in Nr. 11: „Die Lehre der Wiederbelebung der Todten" scheinen die Juden erst von den Parsern in der Gefangenschaft erhalten zu haben. Ich will von den vielen Bibelstellen, welche die Unsterblichkeit der Seele, jedoch mehr der Agada gemäß, man!« festircn ganz absehen und führe daher nur folgende keine andere Deutung zulaßende Stelle aus Deutr. 32. 30 an, die da lautet: koik 'JKi »nrmv rrmn mo« ’j« Ich tobte und belebe — wieder, — ich verwunde und heile — wieder. — Dr. Marc«« Meli«, Rabbiner zu Hrischkow, Ratschow, und Trinitz. Wien 20. Mär; (O.-K.) — (Ein rrichbewegte» Krdrn.) Vorige Woche trat Herr Eduard Slavy aus Prag zum Judenthume über und erhielt nach vollzogener Aufnahme in den jüdischen Bund den neuen Namen unsere» Stammvater» Abraham. Al- Operateur funtzirte unter Assistenz de» Herrn Dr. F. Weiß der gewandte ä