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Die Gegenwart · 1870-03-18 · 12 (18.3.1870) · p. Seite 120

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
12 (18.3.1870)
Date
1870-03-18
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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120 .ftündnisse brr Generalversammlung abhängig gemacht, s 0* mit h a t jener Bor st and nach §. 1009 f ü r bte Folgen \u haften. Urberschreitrt der Gewalt- Haber (§. 1016 des a. b. G.) die Grenzen seiner Vollmacht, fr ist der Grwaltgrber (dic^Synagoge) nur in sofern ver- Lunden, als er das Geschäft genehmiget, oder den aus den dem Geschäfte entstandenen Bortheil sich zugewendet. Wenn nun hier nach der Ansicht des Herrn Prof. Wessely von einer Vollmacht die Rede ist, so ist die Synagogengemeinde gegenüber dem Prediger außer Obligo und nur der Vorstand respektive jene Herren, die mit dem Prediger in einen Pertrag eingegangrn sind, ohne demselben der Generalversammlung vvrzulrgcn, sind in der Solidarität. So verhält es sich mit der Vollmacht, wenn hier von einer solchen die Rede ist. %* Ernennung. Die Earlsbadcr EultuSgcmcinde (nicht die Vertretung) Hai mit Stimmenmehrheit den Dr. Oppenheim aus Wie» zu ihrem Rabbiner und Prediger ernannt \* Dir Lonsrquen) des ״Israelit." Während der ״Jsraelit" in einer seiner letzten Rümmer» die hiesige Eultus« Repräsentanz in einer Korrespondenz aus Prag in schonungsloser Weise hernimmt, läßt sich dieses Journal mit Einem Mahle einen, der kurz zuvor sündigen Repräsentanz Weihrauch streuenden Bericht erstatten, in welchem durch die Bitdüng des für Rindvieh und Geflügel so vortheilhastcn Triumvirales ans den guten Einfall hingcwicscn wird, jenes nicht aus den Predigern rckrutirt zu haben, welche, wie der Bericht erstattende NabbinatSlümmcl meint, zu wenig Credit als Theologen besitzen, als daß die Gewissen sich ihnen anvertrauen möchten. Gut gebrüllt Bochurl, Dich wird gewiß da-Triumvirat für koscher erklären, uns scheinst Tu rS nicht zu sein. %* Kässirchrreirn. Das in Wien für Kässtccher erscheinende Blatt laßt sich von hier berichten, daß wir dem bekannten Bcttcleireular cntgcgcntratcn. Darüber gekränkt, glaubt der bornirtc Correspondcnt den faulen Witz gebrauchen zu müssen, die ״Gegenwart" sollte ״Vergangenheit heißen. Es wird wol Jeder, der die fünf Sinne beisauuncn hat, nichts dagegen haben, wenn wir über eine oder andere Einrichtung nnscrc Meinung aussprechen. Das schien aber einem Arnienkoinmissionsmitgliede nicht zu behagen und es machte seinem Zorne in dem GrciSlcrblatte Viift. Wir lassen uns jedoch von solchen Ezpcltorationen nicht beirren, die ihren Ursprung haben in dem Gehirne eines bekannten Zcitungsrapporters und wir wiederholen eS ob die Eorrcspondcnz, so bald sic nur unser Blatt betrifft, von Kin; oder Kunz hrrrührt, daß wir keine Rücksicht üben »verden, eine Biographie jenes pragrr Killcschmocks zu liefern und die mit diesem in Verbindung stehenden Personen zur Staffage zu benützen. *** Die Bevölkerung in Podirbrad betragt nach der letzten Volkszählung in ."NS Häusern 4.606 Personen. Nach der Confrssion sind .'!.44'.» Katholiken, 11)4 Protestanten und 199 Israeliten. In Jnnybunzla» belauft sich dir gcsammtc Bevölkern»,» ans S.695 Prlsollen; darunter 4.074 Fremde und 1.049 Juden. Inland. Ein Akt konsessioneller Toleranz »vird aus Frohnodorf bei Jndrnburg gemeldet. Dort wurde am 2. März eine Jsr a e l i t i n aus dem k a t h o l i t i s ch c n Friedhöfe unter zahlreicher Begleitung von )ratboliten zur Erde bestattet. Die Geistlichkeit stellte dieser Bestattung kein Hindcrniß in den Weg. Ulien. Der Abg. Kuranda hat dein StadtauSschusse die Anzeige erstattet, daß er ans jede Wiederwahl in den Gemeinde» ath verzichte. — »Erstes!üdischeS Blinden inrit ul.) Die große Zahl von jüdischen Blinden in Oesterreich vrranlaßtc Hrn. Dr Ludw. Aug. Frankl, auf die Grünbung eines Erzirhuug-institutes für dieselben mit aller Euergie hinzuwirken. Seine Bemühungen find bereitvon Erfolg gekrönt und werden schon in den nächsten Tagm die Namen derjenigen veröffentlicht werden, die durch Beiträge die Realisirung des Humanitären Gedankens ermöglicht haben. — (Uebertritt zum Iudenthume.) Der in mehreren Fabriken in der Brigitenau beschäftigt bekannte Ingenieur Hr. E., ein Mann in bereits vorgerücktem Alter, ist zum Judenlhume übergetreten und hat sich gestern den Konsequenzen dieses Uebertrittes unterzogen. — (P nrim MaSke nb al l.) Bei dem gestern stattgefundenen Purim-Maskenball spielten die Musikkapellen der Regimenter Erzherzog Leopold und Ritter von Schmerling, und kan» hiebei ein neuer Walzer: ״die Gleichberechtigten," dem Baron Schey gewidrnet, zur Aufführung. Ausland. Berlin, Das neueste ״Justizministerblatt" entscheidet dir Frage der Anstellung von Richtern jüdischer Konfession. Nach der ״Volkszeitung" sind die beiden zu Stadtrichtern in Breslau ernannten Gerichtsassessoren Lunge und Salomon mosaischer Konfession. Bon Breslau aus war durch einem theologisch-jüdischen Verein eine Vorstellung an den Unterrichts-Minister nur Aufnahme des jüdischen Religionsunterrichts für die jüdischen Schüler der Gymnasien oc. abgesandt worden. Der Minister hat den ersten Bittstellern erwiedert, daß der Gegenstand ihres Antrages nicht im Verwaltung-« sondern lediglich im GesetzgcbungSwcge erledigt werden könne. Kiden. Herr Prof. zur. Goldsmit (ein Israelit) ist vom König für dieses Jahr zum Rektor MagnifikuS ernannt worden. Herr Baron Alphons von Rothschild w»»rde zum Generalkonsul des norddeutschen Bundes in Paris ernannt. — Man beabsichtigt in dem Arrondissement der elise»schen Felder eine neue Synagoge zu erbauen. Straßbnrg. Herr Hirsch 'Hcymann, Stationschef der Ocst.Eiscnbahn bei KönigShoffcn hat ein Kind, »velches i»n Stadtkanal ertrunken wäre und einen Soldat, der ^eS retten wollte, gewettet. Dieser Kanal ist an dieser Stelle drei MetrcS tief und um cS »var so gefährlicher, weil das EiS untcr ihm brach. Hr. Hirsch hat bereits wegen seiner aufopfernden Menschenfreundlichkeit z»vci goldene Medaillen erhalten. Tunis. Der Akbar vom 14. Dezember veröffentlicht eine Statistik in Betreff der Bevölkerung der Hauptstadt und des Landes. Die Anzahl der Israeliten »vird da auf 25.000 angegeben, dann folgt eine Beschreibung über ihre Lebensweise, über ihre Freiheiten, die sic genießen, indem sic ihr Vermögen mit den Annen verhältnißmäßiz theilen, »velche aus solche Weise eher bestehen!können. Acqui (Italic»»). Auch in dieser Stadt wurde zum Andenken an den seligen tricstcr Obcrrabbincr Herrn Professor MarcuS Tedcschi eine Leichenrede gehalten. Zum Schlüsse sagte der Herr Rabbiner Ottolcnghi, daß der Selige ein herrlicher Lehrer, ausgezeichneter Seclcnhirtc, vortrefflicher Redner, ein »vahrer GotteSdicncr und »vciser Rathgeber »var, auf »velche Verdienste die einzelnen Buchstaben seines Namens hindeuten. Sein Namen מייר״ד״כ״י, in die Einzelnbuchstaben aufgelöst, bedeutet: .מורד Meister, רוע־ Hirte, דרשן Prediger, נהן Priester, יועץ Rathgcbcr, בן יעיר ושמו מרדני ei» erleuchtender Mann, בן שמעי ein cinsichtvoUer Mann, בן קיש ein angcschcncc Mann, איש ימיני ein gesetzliebender Mann. — Jerusalem. Die Juden klagen sehr über HungerSnoth und habe» sich deßhalb an Sir MoscS Montfieore gewendet. Colmar. Herr Isidor Bickart wurde zun» Sekretär des Ackerbau-Vereinernannt. -arissa (Türkei) Fünf türkische Offiziere hören den Kurs an der vou Hrn. A. Bloch geleiteten israelitischen Schule. Fortsetzung in der Beilage.

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